Texterschließung
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- Erschließen poetischer Texte
Die Texterschließung umfasst zwei Aspekte: die Textanalyse, die formale Beschreibung des Textes, und die Deutung des Textes. Um einen Text schlüssig erschließen zu können, muss man ihn zuvor sehr gut beschrieben haben. Dabei bezieht sich die Analyse nicht nur allein auf den Inhalt eines literarischen Textes. Siehe Arbeitsplan! Lesen Sie sich nun in Ruhe die Parabel „Heimkehr“ von Franz Kafka durch.
Franz Kafka: Heimkehr
Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen. Wer wird mich empfangen? Wer wartet hinter der Tür der Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zum Abendessen wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher. Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Landwirts Sohn. Ich wage nicht an der Küchentüre zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, dass ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will?
Quelle: [1]
Inhaltsverzeichnis |
Analyse
Die Textzusammenfassung
Um den Text sinnvoll erfassen zu können, sollten Sie die Analysekriterien durchgehen und sich fragen, welche Mittel Ihnen helfen, den Text zu erfassen. Texte sind dabei wie Individuen und tragen ganz unterschiedliche Züge. Rezepturen helfen fast nie.
Aber Sie sehen schon das Elementare: In dieser Parabel erfahren wir das Geschehen ausschließlich aus dem Blick des heimkehrenden Sohnes. Daran erkennen Sie, dass es sich um eine vollkommen subjektive Betrachtung handelt. Andere Perspektiven gibt es nicht. Sie müssen somit auch nicht erwähnt werden. Ferner erkennen Sie, dass temporale Bezüge gar keine Rolle spielen. Vergleichen Sie erzählte Zeit und Erzählzeit, dann stellen Sie fest, dass es sich um ein extrem Zeit dehnendes Erzählen handelt. Im Grunde handelt es sich um Gedanken, die dem Heimkehrenden in wenigen Sekunden durch den Kopf gehen. Orts- und Zeitstruktur spielen unter Umständen für die Deutung eine große Rolle, helfen aber auch, die Kompositionsidee eines Textes zu durchschauen. Da hier die Zeitstruktur keine Rolle spielt, helfen die erwähnten Orte. Wie bereits erwähnt ist die Personenkonstellation einfach. Nur der Vater und der Sohn spielen eine Rolle. Es geht somit um einen Vater-Sohn-Konflikt. Ferner bemerken Sie, dass sprachlich insgesamt die rhetorischen Fragen auffallen. Auch sie strukturieren den Text. Darüber hinaus spielen offenkundig kleine Beschreibungen eine große Rolle. Es lässt sich durchaus behaupten, dass der Text aus einem einzigen Gedankenstrom besteht.
Aufgabe 1:
Um die strukturierende Rolle der Ortstruktur zu begreifen, markieren Sie im Text alle Orte grün. Nehmen Sie anschließend noch das zweite auffällige Mittel hinzu, nämlich die rhetorischen Fragen, und markieren Sie diese gelb. Versuchen Sie dann eine Gliederung des Textes in Sinnabschnitte. Gehen Sie dafür den Text zweimal durch: Erst die Orte, dann die rhetorischen Fragen.
Im Anschluss fügen Sie dort Absätze ein, wo ein neuer Sinnabschnitt zu erkennen ist.
Aufgabe 2:
Fügen Sie nun den Text der rechten Spalte in einer doppelspaltigen Tabelle links ein und fassen Sie rechts den Text in eigenen Worten zusammen. Als Verknüpfungen verwenden Sie entweder Wörter, die die Reihenfolge der Gedanken ausdrücken, oder Adverbialsätze.
Der Basissatz dürfte Ihnen jetzt leicht fallen. Sie haben die Gedankenbewegung erkannt. Der Sohn steht vor dem elterlichen Anwesen, betrachtet es, dringt in Gedanken in das Innere, die Küche, stellt sich seinen Vater vor, erinnert sich an dessen Gefühlskälte und beschließt, den Hof nicht zu betreten.
Das könnte so klingen:
In Kafkas Parabel „Heimkehr“ beschreibt der Ich-Erzähler seine Gefühle, als er nach langen Jahren vor dem elterlichen Anwesen steht. Die Gegenstände und Gebäude sind ihm noch teilweise vertraut. Als er sich gedanklich ins Innere des väterlichen Hofes bewegt, spürt er das Desinteresse seines Vaters an seiner Rückkehr und beschließt, den Hof nicht zu betreten.
verfallen, feindliche Katze, Kindheitserinnerung, Erinnerung an ehemalige Vertrautheit | I.
Als der Sohn zum väterlichen Anwesen zurückkehrt, betrachtet er zunächst die offenkundige Verwahrlosung des Hofes, die durch eine feindlich blickende Katze noch verstärkt wird. Nur ein an einer Stange flatterndes Tuch ruft in ihm Jugenderinnerungen wach. |
Assoziation an warme Vertrautheit – Erinnerung an den Vater, Entfremdung des Vertrauten - Kälte | II.
In Gedanken begibt er sich in das Innere des Hauses, in die Küche, spürt jedoch, dass niemand ein Verlangen nach seinem Besuch hat und erinnert sich an die Kälte, mit dem ihn sein Vater in der Kindheit begegnete. |
Verliert das Interesse an seinen Vater oder die Menschen, die jetzt in dem Hof wohnen. Kindheit sehr entfernt. Spürt, dass sich niemand für ihn interessiert. | III.
Dieses Gefühl erweckt in ihm Selbstzweifel über den Sinn seiner Rückkehr. |
Erkenntnis einer Gemeinsamkeit – auch er will nicht das Geheimnis seiner Entwicklung preisgeben. Abkehr | IV.
Er erkennt schließlich, dass er auch nicht bereit ist, das Geheimnis seiner Entwicklung preiszugeben, und beschließt, das väterliche Haus nicht zu betreten. |
Damit haben Sie einen zentralen Teil der Interpretation bereits gelöst: die Inhaltsangabe.
- Basissatz
In Kafkas Parabel „Heimkehr“ beschreibt der Ich-Erzähler seine Gefühle, als er nach langen Jahren vor dem elterlichen Anwesen steht. Die Gegenstände und Gebäude sind ihm noch teilweise vertraut. Als er sich gedanklich ins Innere des väterlichen Hofes bewegt, spürt er das Desinteresse seines Vaters an seiner Rückkehr, und beschließt, den Hof nicht zu betreten.
- Inhalt
Als der Sohn zum väterlichen Anwesen zurückkehrt, betrachtet er zunächst die offenkundige Verwahrlosung des Hofes, die durch eine feindlich blickende Katze noch verstärkt wird. Nur ein an einer Stange flatterndes Tuch ruft in ihm Jugenderinnerungen wach. In Gedanken begibt er sich in das Innere des Hauses, in die Küche, spürt jedoch, dass niemand ein Verlangen nach seinem Besuch hat und erinnert sich an die Kälte, mit dem ihn sein Vater in der Kindheit begegnete. Dieses Gefühl erweckt in ihm Selbstzweifel über den Sinn seiner Rückkehr.
Er erkennt schließlich, dass er auch nicht bereit ist, das Geheimnis seiner Entwicklung preiszugeben, und beschließt, das väterliche Haus nicht zu betreten.Sprachlich-stilistische Analyse
1. Untersuchen Sie zunächst den Text im Hinblick auf die Stilmittel! Markieren Sie diese im Text. Notieren Sie anschließend das Stilmittel am Rand und erläutern Sie an-schließend dessen Wirkung. Verwenden Sie für die verschiedenen Stilmittel unter-schiedliche Farben.
2. Betrachten Sie anschließend den Satzbau und die Wortwahl im Text.
Vergleichen Sie anschließend Ihre Ergebnisse mit der Lösung. Bei der Lösung wird Ihnen auffallen, dass gleichzeitig versucht wurde, eine Erläuterung hierfür im Bezug auf den Text zu geben. Dies geht schon in die Richtung der Textinterpretation.
| Wortwahl | Satzbau | |
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| Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Al-tes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen.
Wer wird mich empfangen? Wer wartet hinter der Tür der Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zum Abendessen wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher. Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angele-genheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Landwirts Sohn. Ich wage nicht an der Küchentüre zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, dass ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will? |
Vergleiche hierzu
Lösung
Deutung
Die formalen Erkenntnisse zum Erzählverhalten, zur Orts- und Zeitstruktur sind nur in ihren wesentlichen Merkmalen zu erfassen. Sie helfen Ihnen, den Sinn und den Gedankengang des Textes zu erfassen. Ein erstes Resultat aus diesen Untersuchungen ist die gute Inhalts-angabe. Auch die Deutung lässt sich in einem einfachen digitalen Verfahren erklären.
Sie haben erkannt, dass der Text vier Sinnabschnitte enthält. Da in der Kurzprosa kein Sinn-abschnitt bedeutungslos sein kann, sollten Sie zunächst pro Sinnabschnitt eine Erklärungs- oder Deutungsthese aufstellen und innerhalb des Sinnabschnittes nach sprachlichen oder inhaltlichen Begründungen suchen. Nehmen Sie sich dafür nochmals den bereits in der Textzusammenfassung strukturierten Text vor. Anstelle der Überschriften versuchen Sie nun Erklärungen über den jeweiligen Sinnabschnitt zu schreiben. Sie können den Überschriften durchaus ähneln, denn auch die Abstraktion, die Sie durch Überschriften vorgenommen haben, geht schon in Richtung Deutung.
| Distanziertes behutsames Ankommen – das heimatliche Anwesen wirkt nicht freundlich
Der Hof ist verwahrlost (Pfütze in der Mitte), der Weg ist verstellt (Altes, unbrauchbares Gerät …verfahren - verstellt den Weg…das einzige Lebewesen, die Katze wirkt feindlich (lauert), ein Tuch erinnert an die Kindheit – (zerrissen) große Distanz Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen. Assoziationen – Erinnerungen an die Kälte seines Vaters Das Bilde der Gemütlichkeit (Kaffe zum Abendessen wird gekocht – heimlich – zu Hause) kontrastiert mit der Feindlichkeit der Gebäude (kalt steht Stück neben Stück), kein Interesse an einem Besucher (jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt) Wer wird mich empfangen? Wer wartet hinter der Tür der Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zum Abendessen wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher. Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Erkenntnis der Sinnlosigkeit und Nutzlosigkeit seiner Heimkehr (Was kann ich ihnen nützen – des Landwirts Sohn) Zunehmender innerer Abstand – (nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend…) Letzte Erinnerung an seine Kindheit – (einen leichten Uhrenschlag) – somit etwas völlig Belangloses. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Land-wirts Sohn. Ich wage nicht an der Küchentüre zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, dass ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Erkenntnis: Zögern bei der Rückkehr bedeutet Entfremdung vom Zuhause (je… desto frem-der wird man) – Er möchte dem Vater sein Inneres nicht öffnen (einer, der sein Geheimnis wahren will) Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will? Aus diesen Einzelerklärungen ergibt sich auch eine Gesamtdeutung, die das Wesentliche aller Einzelerklärungen zusammenfasst. Hierbei können literaturgeschichtliche, biblische und auch persönliche Assoziationen einfließen. Eine Deutung ist immer neu, weil Texte stets in verschiedenen Zeiten und mit ganz unterschiedlichem persönlichem Hintergrund gelesen werden. Nahe liegend: Kafkas Verhältnis zum eigenen Vater – autoritäre Erziehung zu Beginn des letzten Jahrhunderts, Vergleich mit der Bibel. Eigene Assoziationen zur Elternbeziehung, Bedeutung des Heimkommens. Siehe hierzu die Modelllösung. |
Jetzt erkennen Sie auch das Verfahren. Die blau markierten Erklärungen heben abstrakt vom Text ab. Die erwähnten Zitate dienen als Begründungen. Sie müssen aber sprachlich genau umschrieben werden. Die genauen Bezeichnungen ergeben sich aus der sprachlichen Analyse. Wortarten müssen Sie kennen, rhetorische Figuren etc.
In der Ausführung gehen Sie jetzt genau den umgekehrten Weg. Zunächst haben Sie vom Text abstrahiert und Erklärungen mit Begründungen am Text aufgestellt. In der Deutung beginnen Sie mit Ihren Erklärungen und begründen sie haargenau am Text.
Stellen Sie zu jedem Sinnabschnitt zunächst eine Erklärungsthese auf und erörtern Sie diese anschließend!
Legen Sie der Deutung Ihre Meinung zu Grunde, ohne dabei den Text zu vernachlässigen, d. h. belegen Sie Ihre Argumente mit entsprechenden Textstellen!
Beziehen Sie bereits erarbeitete Ergebnisse in den Text mit ein! Berücksichtigen Sie dabei auch den literaturhistorischen und autobiographischen Hintergrund des Stückes!
Die Ausformulierung ergibt Ihre Deutung bzw. Interpretation der Parabel.
Bei Ihren Ausführungen sollten Sie auch auf die Gattung der Parabel Bezug nehmen.
Lösung s. Musteraufsatz
Diese Seite wurde konzipiert von:
Alexandra Weber und Eckehart Weiß (Alexandra Weber, Eckehart Weiß: Texterschließung zu Kafkas Parabel "Heimkehr" - Aufsatzanleitung mit Lösung, in: deutsch.digital - Aufsatzerziehung für die Oberstufe, Quelle)
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