Die Textanalyse

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Texterschließung und Interpretation zu Eichendorff - Die zwei Gesellen:   Die Aufgabenstellung - Die Textanalyse - Die Texterschließung - Die Ausformulierung


Kurzinfo
DSB/Deutsch
Dieser Artikel gehört zu
Digitale Schule Bayern:
Deutsch


Inhaltsverzeichnis

Äußere Form, Metrum und Reim

Formaler Aufbau

Stichpunkt äußere Form

Die äußere Form beschreibt den Aufbau der einzelnen Gedichte. Hier wird der Aufbau der einzelnen Strophen beschrieben. Dabei gibt es Gedichte, die nach einer festen Bauart verfasst wurden, aber auch Gedichte, die keine feste Bauart aufweisen.

Übersicht über Gedichte fester Bauart

Form Kennzeichen Vertreter
Ballade
  • Inhalt: Mythen, ungewöhnliche Ereignisse
  • Verbindung von lyrischen Elementen mit epischer Erzählweise und dramatischen Elementen (Dialog)
  • Wechsel von Strophenform und Versmaß
Schiller, Goethe, Brecht
Elegie
  • Inhalt: wehmütige Erinnerung, Klage über Verlust
  • weist häufig Distichen auf
Schiller, Goethe, Rilke
Epigramm
  • Inhalt: Sinnspruch/Pointe
  • Gedankenlyrik
Hymne
  • Inhalt: feierlich-religiös
  • Preisgesang
Klopstock, Hölderlin, Novalis
Lied
  • Inhalte: Gesellschaftskritik, (triviale) Unterhaltung
  • Formen: religiöses Lied, Volkslied (Romantik), Chanson
  • weist in der Regel einen Refrain auf
Eichendorff, Heine
Ode
  • Inhalt: das Erhabene
  • Form: antikes Versmaß, strenge Strophengliederung
  • Eine Strophe hat stets vier Verszeilen.
  • Die erste Strophe ist metrisches Vorbild für die folgenden Strophen.
  • Die letzte Zeile ist kürzer als die anderen, d.h. sie hat weniger Hebungen.
Klopstock, Hölderlin
Sonett
  • Form: zwei Quartette, zwei Terzette
  • Reimschema abba abba cde cde
Gryphius, Rilke
Rollengedicht Die Sprechsituation ist hier entscheidend. Beim Rollengedicht treten mindestens zwei Sprecher auf.
Stanzen
  • Achtzeilige gereimte Strophen in fünffüßigen Jamben
  • Reimschema: ab ab ab cc


Aufgabe 1

Informieren Sie sich zunächst noch etwas genauer über die einzelnen Gedichtformen auf den verlinkten Seiten.

Aufgabe 2

Beschreiben Sie nun den Aufbau des vorliegenden Gedichtes von J. v. Eichendorff.

Das vorliegende Gedicht entspricht keinem der oben angeführten Muster bzw. keiner der oben angeführten Gedichtformen. Dennoch weist das Gedicht eine gleichförmige Struktur auf. So besteht das Gedicht aus 6 Srophen zu je 5 Verszeilen undbesitzt einen liedhaften Charakter.
Der Stropheninhalt und der Reim zeigen, dass die ersten drei Strophen und die letzte Strophe den Rahmen für die Strophen 4 und 5 bilden.


Der Reim

Der Reim erhöht den stimmenden Klang eines Gedichtes in erheblichem Umfang. Er gibt der Dichtung ein besonderes Gewicht und bleibt zudem besser im Gedächtnis haften, daher haben Sprichwörter, Wetterregeln, Merkverse, Werbesprüche und dergleichen oft die Form des Reims.

Die wichtigsten Reimformen im Überblick

Kreuzreim ab ab Wie der Wind in Trauerweiden
Tönt des frommen Sängers Lied,
Wenn er auf die Lasterfreuden
In den großen Städten sieht.

(W. Busch, Die fromme Helene)

Paarreim aa bb cc Denk ich an Deutschland in der Nacht
so bin ich um den Schlaaf gebracht,
ich kann nicht mehr die Augen schließen,
und meine heißen Tränen fließen.

(H. Heine, Nachtgedanken)

Umarmender Reim a bb a Kein Zauberwort kann mehr den Ausspruch mildern,
das sündengraue Alte ist gerichtet,
da Gott nun selbst die Weltgeschichte dichtet
und auf den Höhen zürnend Engel schildern.

(Eichendorff, Deutschlands künftger Retter)

Schweifreim aa b cc b Durch Feld und Wald zu schweifen,
mein Liedchen wegzupfeifen,
so geht`s von Ort zu Ort!
Und nach dem Takte reget
und nach dem Maß beweget
sich alles an mir fort.

(J. W. Goethe, Der Musensohn)

Verschränkter Reim abc abc
Binnenreim singende klingende Wellen'
Identischer Reim Straße/Straße
Mehrfachreim im mayen/am Reihen/sich freuen
Reicher Reim Sing und Sang/Kling und Klang
Rührender Reim zeigen/erzeigen
Unreiner Reim leide/Freude
Schüttelreim aa bleich erglühen - gleich erblühen
Waise reimlose Zeile in gereimter Dichtung (mit x oder y zu kennzeichnen)
Kehrreim, Refrain letzte Zeile (auch mehrere) der 1. Strophe wird in den übrigen Strophen wiederholt


Aufgabe 1

Analysieren Sie nun die nachfolgenden Beispiele im Hinblick auf die Reimform. Lesen Sie sich hierfür die einzelnen Beispiele durch und kreuzen Sie die Lösung an. Haben Sie alle Beispiele bearbeitet, können Sie Ihre Lösung mit der Lösung vergleichen.


Beispiel 1

Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
und haben sich, eh` man es denkt, gefunden.
Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

(!Kreuzreim) (!Paarreim) (Umarmender Reim) (!Schweifreim) (!Verschränkter Reim) (!Binnenreim) (!Identischer Reim) (!Mehrfachreim) (!Reicher Reim) (!Unreiner Reim) (!Kehrreim) (!Waise)

Beispiel 2

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen,
so sagten schon Sybillen, so Propheten;
und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
geprägte Form, die lebend sich entwickelt.

(Kreuzreim) (Paarreim) (!Umarmender Reim) (!Schweifreim) (!Verschränkter Reim) (!Binnenreim) (!Identischer Reim) (!Mehrfachreim) (!Reicher Reim) (Unreiner Reim) (!Kehrreim) (!Waise)

Beispiel 3

Wie im Morgenrot
du rings mich anglühst,
Frühling, Geliebter!
Mit tausendfacher Liebeswonne
sich an mein Herz drängt
deiner ewigen Wärme
Heilig Gefühl,
Unendliche Schöne!

(!Kreuzreim) (!Paarreim) (!Umarmender Reim) (!Schweifreim) (!Verschränkter Reim) (!Binnenreim) (!Identischer Reim) (!Mehrfachreim) (!Reicher Reim) (!Unreiner Reim) (!Kehrreim) (Waise)

Beispiel 4

Mir sind Bücher, was den anderen Leuten
Weiber, Tanz, Gesellschaft, Kartenspiel,
Turnsport, Wein und weiß ich was, bedeuten.
Meine Bücher --- wie beliebt? Wieviel?

(Kreuzreim) (!Paarreim) (!Umarmender Reim) (!Schweifreim) (!Verschränkter Reim) (!Binnenreim) (!Identischer Reim) (!Mehrfachreim) (!Reicher Reim) (!Unreiner Reim) (!Kehrreim) (!Waise)

Beispiel 5

Ein gutes Tier
Ist das Klavier,
Still, friedlich und bescheiden,
Und muß dabei
Doch vielerlei
Erdulden und erleiden.

(!Kreuzreim) (Paarreim) (Umarmender Reim) (!Schweifreim) (!Verschränkter Reim) (!Binnenreim) (!Identischer Reim) (!Mehrfachreim) (!Reicher Reim) (!Unreiner Reim) (!Kehrreim) (!Waise)


Aufgabe 2

Erarbeiten Sie nun das Reimschema des vorliegenden Gedichtes von J. v. Eichendorff.


abaab cdccd ebeeb fgffg hihhi akaak


Das Metrum

Stichpunkt Metrum

In der Literatur nennt man die Lehre vom Versmaß (Metrum) Verslehre oder Metrik. Dabei ist der Vers in Einheiten aus mehreren Silben untergliedert, die man jeweils als Versfuß bezeichnet. Eine regelmäßige Abfolge von betonten und unbetonten Silben (bzw. Längen und Kürzen/Hebung und Senkung) bezeichnen wir dabei als Versmaß.

Überblick über die gängigsten Metren

Trochäus zweisilbiger Versfuß, gekennzeichnet durch eine betonte (-) und unbetonte Silbe (v)
-v
Wonne, Sonne
Jambus zweisilbiger Versfuß, gekennzeichnet durch eine unbetonte (v) und betonte Silbe (-)
v-
ein Brot
Daktylus dreihebiger Versfuß, gekennzeichnet durch eine betonte (-) und zwei unbetonte Silben (vv)
-vv
singenden, klingenden
Anapäst dreihebiger Versfuß, gekennzeichnet durch zwei unbetonte (vv) und eine betonte Silbe (-)
vv-
Anapäst
freier Rhythmus Hier werden die Verse nur durch einen stark ausgeprägten Rhythmus geformt, ohne die Regelmäßigkeit eines Metrums und ohne Reim.

Wie im Morgenrot
du rings mich anglühst,
Frühling, Geliebter!
Mit tausendfacher Liebeswonne
sich an mein Herz drängt
deiner ewigen Wärme
Heilig Gefühl,
Unendliche Schöne!


Aufgabe 1 Welches Metrum steckt hinter den folgenden Beispielen?


Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!

(Trochäus) (!Jambus) (!Anapäst) (!Daktylus) (!freier Rhythmus)

Grüß ich dich tausendmal.

(!Trochäus) (Jambus) (!Anapäst) (!Daktylus) (!freier Rhythmus)

Bleibt ewig im Herzen stehen.

(!Trochäus) (Jambus) (Anapäst) (!Daktylus) (!freier Rhythmus)

Die müssen alle verbleichen.

(Trochäus) (!Jambus) (!Anapäst) (Daktylus) (!freier Rhythmus)

Ein gutes Tier ist das Klavier.

(!Trochäus) (Jambus) (!Anapäst) (!Daktylus) (!freier Rhythmus)

Wie im Morgenrot du rings mich anglühst, Frühling, Geliebter!

(!Trochäus) (!Jambus) (!Anapäst) (!Daktylus) (freier Rhythmus)

Aufgabe 2

Analysieren Sie nun das vorliegende Gedicht "Die zwei Gesellen" von Joseph von Eichendorff im Hinblick auf das Versmaß. Geben Sie dieses mit Längen und Kürzen für jede Zeile an. Dabei sollten Sie auf eines achten:

Der letzte Takt einer Verszeile muss immer eine betonte Silbe enthalten! Daher muss man also den Vers vom Ende her abarbeiten. Denken Sie auch daran, dass hier auch Auftakte auftreten können. Geben Sie auch an, wie viele Hebungen die jeweilige Verszeile besitzt

Beispiel: Es schlug geschwind mein Herz, zu Pferde!

v / - v / - v / - v / - v (vierhebiger Trochäus mit Auftakt)

Sollten Sie noch etwas Übungsbedarf haben, können Sie zusätzlich auf dieser Seite noch zusätzliche Gedichte bearbeiten.

en Früh/lings hinaus.

v/-vv/-v/-v Die/strebten nach/hohen/Dingen
v-/vv-/v- Die woll/ten trotz Lust/und Schmerz
v/-vv/-v/-v was/Recht's in der/Welt vollbringen
v/-vv/-v/-v und/wem sie vor/über/gingen
v/-v/-v/v- dem/lachten/Sinnen/und Herz
v/-vv/-v/-v Der/erste,der/fand ein/Liebchen
v-/vv-/v- Die Schwieger kauft' Hof und Haus
v/-vv/-v/-v Der/wiegte gar/ bald ein/Bübchen
v/-v/-vv/-v und/sah aus/heimlichem/Stübchen
v/-v/v-/v- be/haglich/ins Feld/hinaus

etc.

Aus der Analyse lässt sich nun bereits erkennen, dass ein 3-hebiges Metrum vorliegt, wobei kein einheitliches , festes Metrum erkennbar ist. Die 1. Silbe wird nicht betont, Ausnahmen bilden Vers 4, 19 und 2O. Häufig wird ein Daktylus verwendet. Daneben verwendet der Verfasser des Gedichtes aber auch Trochäus und Jambus (vgl. Vers 6 und 12).

Die Textzusammenfassung

Stichpunkt Textzusammenfassung

In der Textzusammenfassung zeigt sich, ob Sie den Inhalt des Textes verstanden haben. Dabei ist es wichtig, dass Sie die einzelnen Sinnabschnitte benennen. Diese fallen nicht immer mit den Strophen zusammen, daher sollten Sie den Text aufmerksam lesen. Achten Sie auch darauf, die Struktur des Textes/den Aufbau in Ihre Beschreibung zu integrieren.

Einige Leitfragen können Ihnen bei der Zusammenfassung des Gedichtes helfen:

a) Wer spricht?

Die Perspektive des Sprechers gibt oftmals Aufschluss über den "Sprecher". Achten Sie daher insbesondere auch auf die Personalpronomina und auf den Perspektivenwechsel!

b) Treten Ortswechsel auf?

Auch der Verweis auf unterschiedliche Orte kann Aufschluss über den inhaltlichen Aufbau geben.

c) Welche gedankliche Struktur lässt sich erkennen?

Beispiel für die inhaltliche Gliederung und Textzusammenfassung eines Gedichtes
Sehnsucht


Es schienen so golden die Sterne,
am Fenster ich einsam stand
und hörte in weiter Ferne
ein Posthorn im stillen Land.

Das Herz mir im Leib entbrennte,
da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
in der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
vorüber am Bergeshang,
ich hörte im Wandern sie singen
die stille Gegend entlang:
von schwindenden Felsenschlüften,
wo die Wälder rauschen so sacht,
von Quellen, die von Klüften
sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
von Gärten, die überm Gestein
in dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
wo die Mädchen am Fenster lauschen,
wann der Lauten Klang erwacht
und die Brunnen verschlafen rauschen
in der prächtigen Sommernacht.


Eichendorff


Lösung
Strophe 1 und 2

Während das lyrische Ich die Sterne betrachtet, erweckt der Klang eines Posthorns im lyrischen Ich die Sehnsucht nach der Ferne.

Strophe 3

Hier wechselt die Perspektive. Als Handlungsträger treten nun "zwei Gesellen auf", die die Natur besingen.

Strophe 4

Im zweiten Teil der letzten Strophe findet ein erneuter Perspektivenwechsel statt. Dort treten als Handlungsträger "Mädchen" auf, die am Fenster sitzen und der Natur lauschen.

Wichtig: verknüpft werden die einzelnen Strophen inhaltlich durch die "prächtige Sommernacht" (vgl. Z.8 und Z.24)

Damit ergibt sich also folgende Textzusammenfassung:

Im vorliegenden Gedicht "Sehnsucht" von Joseph von Eichendorff steht das lyrische Ich zu Beginn der ersten Strophe am Fenster und beobachtet die Sterne (vgl. Z.1). Als dieses den Klang eines Posthorns vernimmt, erwacht in ihm die Sehnsucht nach der Ferne. Mit der Sehnsucht entfernt sich das lyrische Ich aus der Realität und beginnt zu träumen. So beschreibt es in Gedanken zwei junge Gesellen, die durch die Lande ziehen und die die Natur besingen. Am Ende wechselt in der letzten Strophe die Perspektive und der Erzähler wendet sich den Mädchen zu, die am Fenster sitzen und den Klängen der Sommernacht lauschen (vgl. Z. 20 ff.).


Aufgabe 1

Versuchen Sie nun zunächst, jede Strophe im vorliegenden Gedicht mit einer Überschrift zu versehen. Dies ist insofern wichtig, als dass diese Stichpunkte später in der Gliederung wieder auftauchen. Kopieren Sie dafür zunächst das Gedicht und drucken Sie es sich aus. Schreiben Sie anschließend die Zusammenfassung an den Rand. Wichtige Begriffe (Personalpronomina, Ortswechsel etc.) sollten Sie sich dabei zunächst im Text markieren.

Aufgabe 2

Formulieren Sie nun ihre Textzusammenfassung aus. Denken Sie daran, Ihre Stichpunkte mit geeigneten Konjunktionen zu verknüpfen, die die Handlungsabfolge wiedergeben.

Die Strophen 1 bis 5 handeln von zwei Gesellen, deren Schicksal näherbeschrieben wird. Erst in der letzten Strophe wird anhand des Personalpronomens „mir" (vgl. V. 27) ersichtlich, dass ein lyrisches lch spricht, das sich offensichtlich in Gedanken mit den zwei Gesellen beschäftigt (vgl. auch die Verwendung des Präteritums in den Strophen 1-5 und des Präsens in Strophe 6.

ln der ersten Strophe spricht das lyrische Ich von zwei Gesellen, die im Frühling in die Welt hinaus ziehen und - nach Strophe 2 - ihr Glück suchen bzw. es zu etwas bringen möchten (vgl. V.7f. ). Während sich der eine Geselle verliebt, sich „niederlässt" und eine Familie gründet (vgl. Strophe 3), gibt sich der andere den Verlockungen des Lebens hin („Dem zweiten sangen und logen (...) verlockend Sirenen", V.16ff.) und steht am Ende mit Nichts da und stirbt. In der letzten Strophe ändert sich die Perspek tive und es spricht schließlich das lyrische Ich, dem angesichts des Anblicks „kecker Gesellen" (V.28) die Tränen kommen, und das am Ende Gott darum bittet, die Menschen („uns", V.3O) auf dem richtigen Weg zu Gott zu führen.


Die sprachlich-stilistische Analyse

Für die sprachlich-stilistische Analyse sollten Sie sich etwas Zeit nehmen. Denn die sprachlich-stilistische Analyse ist keine rein formale Analyse. Sie kann vielmehr Aufschluss über den Inhalt geben. Die Grundfrage lautet daher: „ Mit welchen sprachlich-stilistischen Mitteln vermittelt der Verfasser des Gedichtes den Inhalt?" bzw. „Worauf lenkt der Verfasser mit der sprachlich- stilistischen Gestaltung den Leserblick, welche Stellen möchte der Verfasser inhaltlich besonders hervorheben?"

Damit sollte Ihnen auch bewusst sein, dass Sie mit einer guten Analyse eine gute Grundlage für Ihre spätere Interpretation legen.

Bei der sprachlich-stilistischen Analyse werden vier Bereiche (und ihre Funktionalität in Bezug auf den Inhalt) betrachtet:

  • Die syntaktische Struktur (zB. Parataxe/Hypotaxe, Satzlänge, Satzarten, Ausrufe, rhetor. Fragen, Parallelismen, Chiasmen, Anaphern, Inversionen, Ellipsen).
  • Die Wortwahl (z.B. Schlüsselwörter, Wortfelder, "poetische" Ausdrücke, Umgangssprache, Fachsprache, gehobene Sprache, veraltete Ausdrücke, Neologismen, Periphrasen, Wortspiele, Ironie, Hyperbeln, Euphemismen etc.).
  • Die Bildhaftigkeit (z.B. Vergleiche, Metaphern, Symbole, Chiffren, Allegorien, Personifikationen).
  • Die Lauthaftigkeit (z.B. Alliterationen, Assonanzen, Lautmalerei, Binnenreime).

Vermeiden Sie eine bloße Aufzählung von Einzelergebnissen! Verbinden Sie vielmehr Ihre Analyse mit der Interpretation id. k sie sollten vom Textinhalt ausgehen und hinterfragen, mit welchen konkreten sprachlichen Mitteln der Textinhalt und insbesondere wichtige Textstellen hervorgehoben werden.


Die wichtigsten sprachlich-stilistischen Mittel im Überblick

Wortfiguren

Akkumulation Anhäufung von zwei, drei oder mehreren Begriffen (Aufzählung) Die Kinder, die Eltern, die Großeltern, die Urgroßeltern
Antiquitas bewusste Verwendung eines veralteten Begriffes Droschke statt Taxi
Ausruf Ausdruck einer Gemütsregung (Ausrufezeichen"!") Hilf mir!
Emphase Betonung eines allgemeinen Wortes (auch akustische Steigerung) Ein Spitzen-Mann!
Euphemismus Beschönigung, Verschleierung Zugehfrau statt Putzfrau
Figura etymologica Verwendung mehrerer Wörter mit dem gleichen Wortstamm Das Beste vom Besten.
Hyperbel Übertreibung Das ist schon tausendmal geschehen.
Ironie Durch den Kontext wird deutlich, dass das Wort anders gemeint ist, als es üblicherweise gebraucht wird. eine unzureichende Note wird als ii prima" bezeichnet
Litotes Verstärkte Hervorhebung durch Verneinung des Gegenteils „nicht unklug" statt" klug"
Metapher bildhafter Vergleich Er ist ein Löwe.
Metonymie
Neologismus Wortneuschöpfung Kollateralschaden, Overkill
Onomatopoesie Lautmalerei bei Wortbildungen „Wauwau", „Knistern und Knacksen"
Pleonasmus Anhäufung von Wörtern gleicher oder ähnlicher Bedeutung weißer Schimmel
Periphrase Umschreibung statt Stasi „Schild und Schwert der Partei"
Synekdoche (pars Prototo) ein Teil steht für das Ganze oder umgekehrt "Tür" für, Haus"
Synonym sinnverwandtes Wort "Drahtesel" für „Fahrrad"
Synonymenhäufung Kombination sinnverwandter Wörter Es gibt kein Eide, keinen Schluss, keinen Ausweg.
Paronomasie/Wortspiel Wortspiel Braucht die Genetik eine Gen-Ethik?
Repetitio Wiederholung mal da, mal dort, mal hier


Satzfiguren

Anakoluth Satzbruch (z.B. durch Einschub)
Anapher aufeinanderfolgende Sätze/Verse beginnen mit den gleichen Wörtern Kennst du ... kennst du...
Asyndeton Reihung ohne Konjunktion Tisch, Stuhl, Bett
Chiasmus Überkreuzstellung im Satzbau Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben.
Ellipse Auslassung eines Wortes oder Satzteils Was (machen wir) nun?
Epipher Umkehr der Anapher Nicht jetzt, sagte er... später, sagte er.
Hyperbaton künstliche Trennung einer zusammengehörigen Wortgruppe Vater habe ich und Mutter verloren.
Inversion Verkehrung des normalen Satzbaus zur Hervorhebung wichtiger Inhalte (bei Gedichten oft Metrum oder Reim geschuldet! ) Ich begrüße Sie, sehr verehrtes Publikum, zur heutigen Veranstaltung.
Klimax Anordnung einer Wort- oder Satzreihe nach steigerndem Prinzip schnell, schneller, blitzschnell
Parallelismus Wiederholung der selben Satzteilreihenfolge in mehreren aufeinander folgenden Sätzen bzw. Versen Hell ist der Tag, dunkel ist die Nacht.
Parenthese Einschub (Gedankenstrich !) Ich habe - verzeihe, wenn ich dich unterbreche - keine Ahnung...
Polysyndeton Aneinanderreihung bzw. Aufzählung mit „und" Tisch und Stuhl und Bett
Vergleich „wie", „als" Er ist so stark wie ein Löwe.
Zeugma Verbindung mehrerer gleichgeordneter Wörter mit einem anderen, ihnen syntaktisch übergeordneten Wort, das aber seiner genauen Bedeutung nach nur zu je einem der Wörter passt. Er warf seinem Kind einen Blick und einen Ball zu.

Gedankenfiguren-kompositorische Figuren

Allegorie bildliche Darstellung abstrakter Begriffe „Justitia" als Sinnbild für die Gerechtigkeit
Anrede (Apostrophe) Einbeziehung anderer Gott, rette mich!
Antithese Gegenüberstellung schwarz und weiß, hell und dunkel
Correctio Verbesserung eines Ausdrucks Die Kunst ist schön, geradezu herrlich.
Exkurs Bemerkungen, die nicht unmittelbar zur Sache gehören
Metapher verkürzter Vergleich
Oxymoron Zusammenstellung zweier sich widersprechender Begriffe helle Nacht, beredtes Schweigen
Paradoxon scheinbar widersinnige Behauptung Ich weiß, dass ich nichts weiß.
Pleonasmus Zusatz zu einem Begriff alter Greis
Rhetorische Frage Frage, deren Antwort bereits feststeht Wer glaubt denn das noch?
Symbol Zeichen für etwas „Wasser" für Leben
Synästhesie Vermischung von mehreren Sinnesgebieten golden wehen die Töne nieder

Weitere rhetorische Figuren

Kette Der folgende Satz beginnt mit dem letzten Wort des vorhergehenden Satzes Spätestens dann sind sie tot. Tot, weil sie nicht vorsichtig waren.
Stilbruch Vermischung von Ausdrucksweisen aus verschiedenen Sprachebenen Der Finanzminister hat keine Kohle mehr.
Zitat Aussagen anderer, die die eigene Meinung unterstützen sollen


Aufgabe Untersuchen Sie das Gedicht nun im Hinblick auf sprachlich-stilistische Mittel!


→ weiter zur Textdeutung


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Alexandra Weber