Flüchtlinge

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Kurzinfo
Bildbeschreibung
Diese Seite enthält Unterrichtsideen, die du ausprobieren oder hier diskutieren kannst.
Kriegsflüchtlinge aus Korea (1952)

Als Flüchtling im engeren Sinn bezeichnet man eine Person, die ihre Heimat verlassen musste und Schutz in einem fremden Land sucht. Im weiteren Sinn rechnet man auch die meisten Arten von Migranten hinzu.

Damit eine Person im Sinne der Genfer FlüchtlingskonventionW-Logo.gif als Flüchtling anerkannt wird, bedarf es strikter Kriterien. Dass jemandem Asyl im Sinne des Grundgesetzes gewährt wird, ist noch an weit engere Kriterien gebunden. Gegenüber dem ursprünglich aufgrund der Erfahrung mit dem nationalsozialistischen Terrorregime im Grundgesetz verankerten Asylrecht ist das heutige Asylrecht durch Artikel 16a GG stark eingeschränkt.[1]

Aufgrund dieser Einschränkungen, die seit dem Schengener AbkommenW-Logo.gif vereinheitlicht worden sind, versuchen immer mehr Menschen illegal einzureisen. Dabei nehmen sie nicht selten Fluchthilfe in Anspruch, gehen dabei aber, wie die Bootsflüchtlinge (vgl. Bilder) beweisen, oft lebensgefährliche Risiken ein.

Inhaltsverzeichnis

Aktuell

Über 450 000 Flüchtlinge kamen von Libyen nach Tunesien. Viele gingen in das Kriegsgebiet zurück. Viele Schwarzafrikaner sind verzweifelt. (sieh auch: taz, Youtube)
Gaddafi hindert Flüchtlinge nicht mehr, sondern fördert Flucht.
"In Griechenland, das mit einem massiven Ansturm von Flüchtlingen über die türkische Grenze zu kämpfen hat, werden das Verbot unmenschlicher und erniedrigender Behandlung (Artikel 3) und das Recht auf wirksame Rechtsbeschwerde (Artikel 13) in der Menschenrechtskonvention verletzt, urteilen die Straßburger Richter." (dapd 21.1.2011)

Beispiel einer Unterrichtsplanung

Nuvola apps edu miscellaneous.png   Unterrichtsidee
Somalisches Flüchtlingsboot im Indischen Ozean (2005)
Bootsflüchtlinge aus Haiti (2005)

Themenbereiche

Gründe für Fluchtabwehr

Die Devise "Das Boot ist voll." klingt auf europäische Länder angewandt zwar grotesk, wenn man betrachtet, wie viele Flüchtlinge in Ländern der Dritten WeltW-Logo.gif leben[2] und welche Probleme die Flüchtlinge etwa dem Kongo gebracht haben. Doch angesichts der massiven Ablehnung, die farbige Ausländer vielerorts - nicht nur in den neuen Bundesländern - erfahren und den oftmals ganz unzureichenden Integrationsbemühungen wurde die Beschränkung der Asylbewerberzahlen 1993 offenkundig von der Mehrheit des Bundestages für dringend erforderlich gehalten.

Zu den Methoden der Fluchtabwehr

Fluchtgründe

  • politische Verfolgung
  • Flucht vom Kriegsschauplatz
  • Umweltkatastrophen, insbesondere Wassermangel, Wüstenbildung (auch durch Bodenvergiftung), aber auch Überschwemmungen
  • wirtschaftliche Notlage
Ursachen der Verhältnisse, die zur Flucht führen
  • Politisches System
  • Internationaler wirtschaftlicher Austausch
  • Instrumente zur Veränderung der Lage

Flüchtlingszahlen

Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen nennt für 2008 folgende Zahlen: 42 Mill. gewaltsam Vertriebene, darunter 15,2 Mill. Flüchtlinge, 827 000 Asylbewerber und 26 Mill. innerhalb eines Landes Geflohene (Binnenflüchtlinge)[5]

Illegale Einwanderer

Die illegalen Einwanderer spielen in Spanien eine wichtige Rolle dafür, dass in der EU Obst und Gemüse kostengünstiger produziert werden können als in Nordafrika. Dadurch verlieren dortige Bauern ihre Absatzmöglichkeiten.

Abschiebung
Zur Kategorie der falschen Alternativen zählt zweifellos auch die Frage, ob man die zahlreicher werdenden Umwelt- und Klimaflüchtlinge in Drittländern zwischenlagern oder im Meer ertrinken lassen soll; hier entfalten die Sachzwänge ihre totalitäre Logik, und es ist deutlich auszusprechen, dass diese Menschen zurückgeschickt werden oder sterben, weil man in den Schengenländern übereingekommen ist, dass man sie nicht haben will. Das ist keine moralische Aussage, sondern eine empirische. Wenn man bei sicherheitspolitischen Entscheidungen für einen solchen Umgang mit Menschen keine moralischen Dissonanzen verspürt, kann man ohne weiteres dabei bleiben, sie nicht hereinzulassen.

Harald Welzer: Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird, Bonn 2008, S.262f.

Aktuelles
Innerhalb von fünf Tagen trafen fast 5000 Flüchtlinge aus Tunesien in Lampedusa ein.

Situation in einzelnen Ländern

Kongo
Seit Januar 2009 sind in der Region Goma und weiteren Provinzen erneut 425.000 Menschen vor bewaffneten Kämpfen geflohen - jeder zweite ist ein Kind. Viele Familien wurden immer wieder vertrieben und besitzen praktisch nichts mehr. Sie harren in Flüchtlingslagern aus oder versuchen, ihre zerstörten Dörfer wieder aufzubauen. Die Kinder sind oft mangelernährt. Krankheiten wie Malaria und Masern bedrohen ihr Leben.

UNICEF in einem Spendenaufrauf vom 30.7.2009

vgl. auch:

Sudan

Trotz einer Reihe anderer Konflikte innerhalb des Sudan ist der Darfur-Konflikt bei weitem der folgenschwerste.

Der Konflikt in Darfur ist eine seit 2003 andauernde bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Volksgruppen in Darfur und der sudanesischen Regierung in Khartum. Dabei fordern aus schwarzafrikanischen Stämmen hervorgegangene Rebellenbewegungen mehr Mitbestimmung im Staat und eine Entwicklung ihrer Region. Die Regierung geht militärisch gegen die Rebellen vor und unterstützt in diesem Kampf lokale Milizen, die aus arabischen Reiter-Nomaden bestehen und unter der Bezeichnung Dschandschawid bekannt geworden sind.

Etwa 200.000 Menschen sind bis 2007 durch den Konflikt umgekommen, 2,5 Millionen wurden innerhalb der Region vertrieben. Sie werden als IDP („Internally displaced persons“) bezeichnet. Insbesondere die Dschandschawid (arabisch: dschinn „Geist, Dämon“; dschawad „Pferd“) begehen schwere Menschenrechtsverletzungen, dazu gehören die Zerstörung von Dörfern, Massaker an der Zivilbevölkerung und Vergewaltigungen.


W-Logo.gif Darfur-Konflikt, Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, 26. Jul. 2009 - Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Siehe die Nutzungsbedingungen für Einzelheiten. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Einzelschicksale

"Irgendwann dachte ich, ich kann nicht mehr"

Er hatte es fast geschafft, aber kurz vor Lampedusa wurde das Boot von der libyschen Küstenwache gerammt. Seine Reise hatte quer durch Afrika geführt. Zurück in Kamerun, schrieb Georges N. seine Geschichte auf[6]:

Ich bin 30 Jahre alt, diplomierter Betriebswirtschaftler der Universität Douala in Kamerun und arbeitslos. Ein Jahr habe ich mit dem Versuch verbracht, von Afrika nach Europa zu gelangen. Ich habe viel auf dieser Reise gelernt. Wenn meine Familie mir nicht geholfen hätte, wäre ich nicht lebend zurückgekommen, und ich bin ihr unendlich dankbar. Die Überfahrt über das Meer ist sehr riskant, und die langen Fahrten durch die Wüste sind es ebenfalls - es gibt keine Überlebensgarantie.

Meine Reise begann an einem Tag im März 2008, kurz nach den schweren Unruhen in Kamerun, bei denen über 100 Jugendliche bei Protesten gegen die Regierung getötet wurden...


Georges N.: Bericht in der taz vom 2.7.2009

Anschläge auf Flüchtlinge

Versuche, Flüchtlingen zu helfen

Wie Fluchthilfe bewertet werden soll, wird sehr unterschiedlich gesehen.

So hat z.B. Ricardo Dominguez, ein Dozent in Kalifornien, das GPS-System des Motorola-i455-Handys geknackt und Hinweise auf Wasserstellen in der Wüste zwischen Mexiko und den USA einprogrammiert. Das so umgebaute Handy nennt er Transborder Immigrant Tool und will es an mexikanische Flüchtlinge verteilen lassen, damit diese eine größere Chance haben, diese Wüste zu durchqueren, ohne zu verdursten.[8] Es ist noch unklar, ob dies Hilfsmittel für illegal erklärt werden wird.

Möglichkeiten der Bearbeitung

Einstieg

Als Einstieg in das Thema empfiehlt sich der Fall Cap Anamur (vgl. Artikel Fluchthilfe mit den dortigen Hinweisen). Er braucht nur kurz andiskutiert zu werden, denn auch ohne fundierte Bearbeitung zeigt er auf:

  1. Es ist nicht selbstverständlich, Flüchtlingen zu helfen.
  2. Europa wehrt sich gegen das Eindringen von Flüchtlingen.

Behandlung

Arbeitsgruppe 1: Fluchtgründe, Gründe für Fluchtabwehr, Flüchtlingszahlen, Zahl der Flüchtlinge, die man aus dem lokalen Umfeld kennt

Arbeitsgruppe 2: Untersuchung der Situation eines Landes (z.B. Sudan oder Kamerun) auf Fluchtgründe

Arbeitsgruppe 3: Gegenüberstellung von Gründen für die Flucht, Gefahren während des Weges, Lebensmöglichkeiten im Zielland - Frage: Was müsste geschehen, um Georges zu helfen?

Auswertung

Gruppenpuzzle, dann Planung einer Aktion:

Unterrichtsmaterialien

12 Lernstationen (als PDF-Dateien zum kostenlosen Download)

Filme

Einzelnachweise

  1. ↑ Nach deutschem Recht haben Einreisende aus so genannten sicheren Drittländern kein Recht auf Asyl in Deutschland. (http://bundesrecht.juris.de/gg/art_16a.html)
  2. ↑ Allein in Südafrika leben mit 7 Millionen mehr illegale Flüchtlinge als in der gesamten EU (ZEIT, 24.9.09, S.14)
  3. ↑ In Deutschland wird man dabei vor allem an Naziterror und Konzentrationslager denken.
  4. ↑ In Deutschland in äußerster Steigerung unternommen im Holocaust
  5. ↑ http://www.unhcr.org/4a375c426.html (Zahlen vom 16.6.09; abgerufen am 10.8.09)
  6. ↑ Bericht der taz vom 2.7.2009
  7. ↑ In München organisierten vier Bürger mit mehreren hundert Helfern am 6. Dezember 1992 die erste Lichterkette in Deutschland. Dies führte in mehreren deutschen Großstädten zu weiteren Lichterketten-Demonstrationen, an denen sich insgesamt fast eine Million Demonstranten beteiligt haben sollen (300.000 in München, 250.000 in Hamburg, 300.000 in Essen, 100.000 in Nürnberg) ( Lichterkette (Protest)W-Logo.gif) Dies scheint ein Beweis, dass sich Massendemonstrationen gegen Menschenrechtsverletzungen organisieren lassen.
  8. ↑ Vgl.: Julia Niemann (taz vom 19.11.2009): Handy-Tool für illegale Immigranten • Flüchtlings-Hilfe mit GPS
  9. ↑ Die UNW-Logo.gif suchen für 800.000 Flüchtlinge eine neue Heimat - Europa verweigert sie ihnen, obwohl viele Staaten wirtschaftlich und demografisch nur gewinnen könnten.

Linkliste

Siehe auch