Exponentialfunktionen unter Einsatz eines Casio GTR
aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
|
Lernpfad
|
Inhaltsverzeichnis |
Zinseszins
An einer grundlegenden Anwendung, der Berechnung des Zinseszins, wird einführend erklärt, welche Rechenvorteile die Exponentialfunktion bieten kann.
|
- Gegeben:
-
= 1000€
-
= 10 Jahre
-
= 3%
- Gesucht:
-
Diese Aufgabe ohne eine Exponentialfunktion zu lösen, wäre relativ aufwendig:
- Formel:
- ...
- Rechnung:
- ...
Allerdings ist sie mit einer Exponentialfunktion mit einer einzelnen Rechnung zu lösen, da im Gegensatz zu Potenzfunktionen die Variable hier im Exponenten, statt in der Basis liegt:
- Formel:
- Rechnung:
Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Exponential- und E-Funktion
Grundformel
- Exponentialfunktion:
- E-Funktion:
wobei e die "Euler'sche Zahl" ist. Diese Zahl hat den ungefähren Wert 2,718. Ihre Exponentialfunktion bleibt beim Ableiten immer gleich, dazu aber in Kapitel 4 "Ableitungsregel" mehr. Vorher soll geklärt werden: Warum gerade diese Zahl?
Existenz und Eindeutigkeit von e
Exponentialfunktionen der Form sehen, wie in der folgenden Graphik zu erkennen alle sehr ähnlich aus und unterscheiden sich lediglich in ihrer Steigung.
in grün
in rot
Je größer also ist, umso schneller steigt die Funktion und umso enger liegt sie an der
- und
-Achse an.
Außerdem ist in der obigen Graphik gut zu sehen, dass jede der beiden Funktionen der Form zwei Schnittpunkte mit der Geraden
(in schwarz) hat.
Das sagt uns, dass es einen Bereich
- mit positiven
-Werten gibt, für die
kleiner als
ist und einen
- mit negativen
-Werten gibt, für die
kleiner als
ist.
Wenn man jetzt aber zum Beispiel das von
langsam von 2 auf 4 erhöhen würde, gäbe es einen Punkt, an dem diese Funktion nur einen Schnittpunkt mit der Geraden
hat.
In diesem Fall wäre die Gerade eine Tangente von
.
Das bei dem dies geschieht beschreibt die Zahl
. Im der folgenden Graphik ist dieser Fall zu sehen.
Nun ist auch klar, dass es nur einen derartigen -Wert gibt, da bei einem größeren
wieder ein zweiter Schnittpunkt, wie bei der Funktion
entstehen würde.
Berchnung von e
Um nun berechnen zu können, wird noch einmal die zweite Graphik benötigt. Hier kann man nämlich die Gleichung
aufstellen, dessen Ergebnis ja genau ein Punkt ist.
Für das Näherungsverfahren für ist allerdings folgende Beschriftung notwendig:
Wenn diese Gleichung nun nach aufgelöst wird erhalten wir
Wenn man die Werte für jetzt kleiner werden lässt, geht
gegen
.
Um immer kleinere betrachten zu können, kann man
setzen, wobei
für alle natürlichen Zahlen steht.
Wird nun also in
immer größer, geht gegen
.
So ergibt sich für
->
,
für
->
und für
->
,
was schon sehr nahe kommt.
|
|
graphische Darstellung
Im folgenden Koordinatensystem werden fünf verschiedene Funktionen des Typs dargestellt. Diese haben allesamt unterschiedliche Basen:
,
,
,
,
Durch diese Graphen lassen sich die Auffälligkeiten der Exponentialfunktion sowie der e-Funktion gut beschreiben.
- So nähern sich die Funktionen bei beliebig großen negativen x-Werten immer weiter der x-Achse, gehen also gegen Null.
- Bei beliebig großen positiven x-Werten gehen die Funktionswerte gegen unendlich.
|
|
Umwandlung einer Exponentialfunktion in eine e-Funktion und umgekehrt
Für das der Grundformel der e-Funktion (
) lässt sich immer ein Wert finden, sodass
ist.
Dies lässt sich mithilfe eines Casio GTR oder eines natürlichen Logarithmus berechnen.
- Gegeben:
Erstes Beispiel mithilfe des Casio GTR
- nun muss die Funktion
(entspricht
) in den GRAPH-Modus eingetippt und folgendes berechnet werden:
- GTR/GRAPH/G-SOLV/X-CAL
- y = 1,25
- da der Wachstumsfaktor
der Exponentialfunktion hier 1,25 ist und
sein soll, damit
ermittelt werden kann.
- Für
erhalten wir etwa 0,22314. Dies ist also unser
, welches wir nun in die Form
einsetzen können:
Zweites Beispiel mithilfe des natürlichen Logarithmus
- nun können wir mithilfe des natürlichen Logarithmus (ln-Taste auf dem TR) sofort
im normalen Taschenrechnermodus berechnen:
|
|
- hier erhalten wir natürlich auch etwa 0,22314, was ebenfalls zu der Funktion
führt.
Wie man in den folgenden beiden Graphiken sehen kann sind und
, abgesehen von numerischen Ungenauigkeiten auch tatsächlich identisch.
Um nun aus einer e-Funktion eine Exponentialfunktion zu errechnen benötigt man lediglich die bereits genannte Gleichung: .
So ist beispielsweise
, wie auch bereits bestätigt wurde.
Halbwerts- und Verdopplungszeit
Mit Exponentialfunktionen lassen sich Sachverhalte mit exponentiellem Wachstum bzw. exponentieller Abnahme veranschaulichen. Hierbei spielt die Verdopplungs- bzw. Halbwertszeit eine große Rolle, da sie in vielen Fragestellungen berechnet werden müssen. So wird im Folgenden die Verdopplungs- bzw. Halbwertszeit eines Kapitals berechnet.
|
- Gegeben:
-
= 100€
-
= 12% (
)
-
= 200€
- Gesucht:
-
Beispiel Nr. 1 mithilfe der Formel
- Formel:
- Rechnung:
- Nun muss für
nach 2 gesucht werden um die Unbekannte
zu erhalten.
- GTR/GRAPH/G-SOLV/X-CAL
- y = 2
- Antwort: Nach 7 Jahren wird sich das Kapital verdoppelt haben.
Mit einer e-Funktion geht das natürlich genauso.
Beispiel Nr. 2 mithilfe des natürlichen Logarithmus
- Formel:
- Rechnung:
- Zuerst muss mit der bereits bekannten Formel
berechnet werden:
- Jetzt kann
eingesetzt werden:
- Antwort: Nach 7 Jahren wird sich das Kapital verdoppelt haben.
Um die Halbwertszeit zu berechnen benutzt man ganz einfach die Formel . Diese Formel führt aber natürlich zum gleichen Ergebnis wie
, da Verdopplung und Halbierung den gleichen Faktor besitzen.
|
|
Übungsaufgabe
- 1.: Peter hat zu seinem Geburtstag ein Sparkonto mit 100€ geschenkt bekommen. Das Kapital wird mit 12% Zinsen pro Jahr verzinst. Wielange dauert es, bis sich das Kapital verdoppelt hat? Berechne dies mithilfe einer e-Funktion!
Ableitungsregel
Zum Ableiten einer e-Funktion benötigt man grundlegend erstmal eine Regel. Das Ableiten wird benötigt um Aussagen über das Wachstum von Funktionen zu machen.
Kettenregel
- allgemeine Form:
- Beispiel:
- hier ist
- die Ableitung von
ist also
-
ist hier
- da die Ableitung von
immer gleich ist, ist hier die Ableitung
also
identisch mit
-
ist hier also
|
|
Übungsaufgaben
- Leite die folgenden Funktionen ab.
- 1.:
- 2.:
- 3.:
- 4.:
Wachstumsgeschwindigkeit
Die Wachstumsgeschwindigkeit wird durch die erste Ableitung einer Funktion bestimmt und spielt eine große rolle in der Analysis da durch sie Extrem- und Wendepunkte sehr einfach zu errechnen sind. Im folgenden Beispiel wird gezeigt wie man die Wachstumsgeschwindigkeit einer Funktion zu einem bestimmten Zeitpunkt berechnet.
|
- Gesucht:
- Wachstumsgeschwindigkeit nach 2 Stunden (120 Minuten)
-
nach 2 Stunden (120 Minuten)
- Rechnung 1:
- GTR/GRAPH/G-SOLV/Y-CAL
- Antwort: Die Änderungsrate nach zwei Stunden beträgt 2,232 "Zellteilungen"/Minute. Der Wert gibt also die Änderung der Anzahl der Bakterienzellen pro Minute an.
- Rechnung 2:
- nun muss für
120 (Minuten) eingesetzt werden, um den gesuchten Wert für
zu erhalten.
- Dies geht am einfachsten mithilfe des TABLE-Modus des Taschenrechners.
- Hierzu muss die Funktion
in diesem Modus eingegeben und anschließend für den Wert
gesucht werden.
- GTR/TABLE/EXE/
- x = 120
- y = 64,328
- Antwort: Nach 2 Stunden sind etwa 64 Bakterienkulturen vorhanden.
- Auf diese Weise können Werte für
am Effektivsten ermittelt werden, sie können aber genauso im GRAPH-Modus über G-SLV\Y-CAL ermittelt werden,
- genauso wie
-Werte über X-CAL ermittelt werden können.
Tangentengleichung
|
- Gegeben:
- Steigung nach 2 Stunden: 2,232 "Zellteilungen"/Minute
- Punkt P (120;64,33)
- Steigung
- Gesucht:
- Tangentengleichung durch den Punkt P mit der Steigung
- Formel:
-
- Nun müssen der Punkt P und die Steigung
eingesetzt werden, damit
berechnet werden kann:
- Rechnung:
- Antwort: Die Tangentengleichung lautet
.
Anwendungsbeispiele
Wie schon erwähnt gibt es viele Anwendungsbeispiele für Exponential und e-Funktionen, wie zum Beispiel in der Naturwissenschaft zum beschreiben von Versuchsabläufen, wie das Wachstum von Bakterienkulturen, oder den Zerfall von radioaktivem Material. Im Folgenden werde ich diese und weitere Beispiele anhand von Übungsaufgaben deutlich machen.
- 1.: Die folgende Aufgabe ist aus den Aufgaben des Zentralabiturs 2009 entnommen.
- 1) Die Höhe eines Strauches in den ersten zwanzig Tagen nach dem Auspflanzen wird durch
- die Funktion
mit der Funktionsgleichung
(
in Tagen,
in Metern)
- beschrieben. Vom Beginn des 21. Tages an (
= 20) verringert sich die Wachstumsgeschwindigkeit
- des Strauches. Von diesem Zeitpunkt an ist nur noch die Zuwachsrate bekannt, sie
- wird beschrieben durch die Funktion
mit der Funktionsgleichung
.
- a) Berechnen Sie den Funktionswert von
an der Stelle
= 0 und interpretieren
- Sie diesen Wert im Sachzusammenhang. Geben Sie anhand der Abbildung an,
- zu welchem Zeitpunkt der Strauch eine Höhe von 50 cm hat.
- Bestimmen Sie den Wert rechnerisch.
- b) Bestimmen Sie rechnerisch den Zeitpunkt
innerhalb der ersten zwanzig Tage (0 ≤ t ≤ 20) ,
- an dem die Pflanze am schnellsten wächst. Berechnen Sie die zugehörige Wachstumsgeschwindigkeit.
- Begründen Sie, warum die angegebene Funktion
nur für einen begrenzten Zeitraum die
- Höhe der Pflanze beschreiben kann.
- c) Bestimmen Sie, wie groß der Strauch am Ende des 20. Tages ist.
- 2.: Radioaktiver Zerfall
- Der radioaktive Zerfall vom Cäsium-Isotop 131Cs lässt sich durch die Funktion
(t in Tagen; c(t) in Gramm) beschreiben.
- a) Gib an, wie groß die Masse des Cäsium-Isotops zu Beginn des Zerfalls war.
- b) Berechne die Halbwertszeit des Cäsium-Isotops.
- c) Bestimme die nach 6 Tagen bereits zerfallenen Masse.














Seite bookmarken