"Nach den Wahlerfolgen der rechtsextremen Parteien in Brandenburg und Sachsen haben sich die ersten Wellen der Empörung gelegt. Aber Wegschauen hilft nicht. Gerade bei der Werbung um Jungwähler sind rechte Parteien sehr aktiv."
Im Kampf gegen Rechts mischt jetzt der Verfassungsschutz mit und schickt die Manga-Figur Andi auf eine heikle Mission gegen Ausländerhass und rechte Schläger. Das Experiment gelingt - ein Comic ohne plumpe Ranschmeiße, mit guten Zeichnungen und unverklemmter Sprache."
Thema Rechtsradikalismus
Rechtsextremismus - Dossier (Bundeszentrale für politische Bildung)
"Moderner Rechtsextremismus ist schwer zu verorten. Neben den zumindest in der Szene etablierten wenigen Parteien existieren eine ganze Reihe kleinerer Organisationen. Sie agieren in den unterschiedlichsten Bereichen des politischen und gesellschaftlichen Lebens. Ideologisch betrachtet eint sie jedoch ein starkes Band: Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, Geschichts-Revisionismus und eine generelle Demokratiekritik sind nur einige Aspekte ihrer Weltanschauung."
"entstanden aus der Kooperation des Institutes für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock, der Deutschen Vereinigung für politische Bildung und der Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern."
"Die Zahl der Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund hat sich im vergangenen Jahr um 20 Prozent erhöht. Immer öfter geraten dabei Jugendliche ins Visier rechtsextremer Organisationen."
Rafik Schami, der in Damaskus geborene und seit 1971 in Deutschland lebende Autor schreibt seine Sicht auf typisch deutsche Befindlichkeiten.
"Der häufigste Einwand, der mir gegenüber gebracht wird, lautet: "Du bist aber kein echter Araber."
Menschen sind eher bereit, das exotisch Fremde zu akzeptieren, wenn es im Einklang mit ihren Vorurteilen steht, als das nahe Ungewöhnliche. Für viele Deutsche ist ein aufbrausender Araber, der mit Mord und Totschlag argumentiert und jeden Morgen einen Hammel vor der Tür oder noch besser auf dem Balkon schlachtet, viel leichter zu akzeptieren als ein ruhiger Araber, der seiner Arbeit nachgeht, seine Frau achtet und sich höflich, aber sprachlich verständlich wehrt. Aufräumen ist uns allen von Kindesbeinen an verleidet. Jeden Morgen auch nur das Bett zu machen, kommt in vielen Familien einer mittleren Katastrophe gleich. Wie schwer muss es dann erst sein, mit lieb gewordenen und lange gehegten Vorurteilen aufzuräumen!" Quelle, Braunschweig
"Der antisemitische Vorfall auf einem Schulhof in Sachsen-Anhalt ist das Ergebnis eines unglaublich nachsichtigen Umgangs mit der Gefahr von rechts. Verantwortlich dafür ist die Erwachsenenwelt, deren mangelnde Zivilcourage zum Dauerskandal wird, meint SPIEGEL-ONLINE-Autor Ralph Giordano."
Mit diesem Streich, der nicht abgetan werden kann als jugendliche Sünde, kriegt der deutsche Rechtsstaat seine späte Quittung für die unglaubliche Nachsicht und Schwäche gegenüber der Gefahr von rechts. 60 Jahre nach 1945 wird drastisch klar: Hitler, und was der Name symbolisiert, ist zwar militärisch geschlagen, aber immer noch nicht geistig, oder besser ungeistig. Damit steht Deutschland ganz zu Recht am Pranger einer ungenügend aufgearbeiteten Vergangenheit. [...]
Nur ein Demagoge wie Sarrazin kann Verbündete in etablierten Kreisen finden. [...] Wer die sozialen Nach- und die ökonomischen Vorteile der Beschäftigung von „Gastarbeitern“ früher beziehungsweise von muslimischen Migranten heute im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse gegeneinander aufrechnet, wie dies Sarrazin in seinem Buch voller Zahlenakrobatik tut, hat mit der Fundamentalnorm unserer Verfassung („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) gebrochen, und genau das ist der Kern eines jeden Rassismus. [...]
Wenn ich die öffentliche „Debatte“ um den Brandstifter Sarrazin betrachte, drängt sich mir das gleichnamige Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch auf. Obwohl immer erkennbarer wird, dass Sarrazin ganz offen mit den gerade in Deutschland brandgefährlichen Syndromen, nämlich der Rassenhygiene und einer negativen Eugenik zündelt, reagieren die Biedermänner mit Gutgläubigkeit, Feigheit oder überwiegend gar mit aktiver Unterstützung. Manche helfen Sarrazin – wie in Max Frischs Parabel – sogar noch dessen Zündschnur zu vermessen.
Neonazis versuchen verstärkt, im Internet Jugendliche für ihre Propaganda zu gewinnen. Dabei nutzen sie zunehmend soziale Netzwerke wie Facebook und Videoplattformen wie YouTube. Das berichten die gemeinsame Bundesländerstelle jugendschutz.net und die Bundeszentrale für politische Bildung.
Nach einem Überfall von Neonazis auf Jugendliche im Kreis Harburg hüllte sich die Polizei in Schweigen. Das sei "auf höherer Ebene" so entschieden worden, sagt ein Sprecher.
"Offene Ausländerfeindlichkeit, Judenhass, Sympathien für Kameradschaften - laut einer neuen Studie sind rechtsextreme Gesinnungen unter deutschen Jugendlichen weiter verbreitet als vielfach angenommen. Innenminister Schäuble nennt die Zahlen erschreckend hoch."
"Ausländerfeindlichkeit, Angst vor Ausgrenzung, Politikverdrossenheit - ein Blick in die Mitte der Gesellschaft zeigt, wie und wie weit sich rechtsextreme Tendenzen in Deutschland verbreiten. Wissenschaftler warnen in einer neuen Studie: Demokratie ist vielen Bürgern kaum etwas wert."
"Mehrere Männer haben einen 30-Jährigen aus Sierra Leone auf einem Bahnhof in Brandenburg überfallen und auf die Gleise gestoßen. Die Täter übergossen den Afrikaner mit Bier und bewarfen ihn mit einer Flasche."
"Graue Mäuschen halten plötzlich Hetzreden, grölen Nazi-Parolen, marschieren für die NPD. Sie sind weniger gewalttätig, aber nicht minder gefährlich als ihre männlichen Mitstreiter. Warum das so ist, erklärt Expertin Renate Feldmann im SPIEGEL-ONLINE-Interview."
"Die Zahl der Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund hat sich im vergangenen Jahr um 20 Prozent erhöht. Immer öfter geraten dabei Jugendliche ins Visier rechtsextremer Organisationen."
"Die rechtsextreme Szene wird immer brutaler. Die Zahl der Straftaten ist in Deutschland enorm angestiegen: Allein in den ersten acht Monaten 2006 gab es 20 Prozent mehr Übergriffe von Extremisten als ein Jahr zuvor."
"Früher sahen Nazis aus wie Nazis: Kopf geschoren, Stiefel geschnürt, Gesicht leer. Nazi-Skins gibt es immer noch. Doch viele Rechtsextreme kleiden sich inzwischen wie andere auch: HipHopper, Autonome oder Zimmermänner."
"Die Warnung von Ex-Regierungssprecher Heye barg Zündstoff: Ausländer sollten manche Regionen Ostdeutschlands meiden. Erst am Wochenende wurde wieder ein kurdischstämmiger Politiker angegriffen. Gewaltforscher Heitmeyer erklärt, woher die Fremdenfeindlichkeit rührt."
"Rechtsextremismus schockiert – in seiner Gedankenwelt ebenso wie in seinen ganz konkreten Auswirkungen. Bilder von Brandanschlägen und Übergriffen auf wehrlose Opfer prägen sich tief in unser Bewusstsein ein. Dabei lässt sich das Problem nicht ausschließlich auf die Straftäter selbst reduzieren. Zumeist führen im Hintergrund geistige Brandstifter Regie, die sich nach außen als Biedermänner tarnen. Vom vermeintlich seriösen Erscheinungsbild dieser „Wölfe im Schafspelz“ lassen sich besonders Jugendliche oft leicht täuschen."
""Wölfe im Schafspelz" ist eine Informations- und Aufklärungskampagne der Polizei, die über aktuelle Erscheinungsformen des Rechtsextremismus aufklären will. Sie zielt auf Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen und verfolgt zwei Ziele. So möchte sie auf neue Formen der Anwerbung durch rechtsextreme Gruppierungen aufmerksam machen und zugleich zur selbstständigen Beschäftigung mit dem Thema anregen."
"Zusätzlich zur Aufführung des Theaterstücks "Berichte über Gewalt" stellt der Verfassungsschutz NRW für Schulen ein kostenloses Vortragsangebot zum Thema Rechtsextremismus bereit. Damit haben Schulen eine gute Möglichkeit, an die Aufführung des Theaterstücks anzuknüpfen und die Nachhaltigkeit der Ergebnisse zu sichern.
Mitarbeiter des Verfassungsschutzes NRW stehen für Vorträge beispielsweise in Schulklassen, auf Elternabenden und im Rahmen der Lehrerqualifizierung gerne zur Verfügung. Für die Veranstaltungen sollten mindestens zwei bis drei Unterrichtsstunden eingeplant werden. Bei längeren Veranstaltungen können die Themenblöcke kombiniert werden. Die Einbindung in eine Unterrichtsreihe wäre wünschenswert."