Reise-Lyrik: Unterschied zwischen den Versionen

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:Wilhelm Müller: Aus der "Winterreise": Gute Nacht
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::siehe auch:  Der Lindenbaum / Der Leiermann
 
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:Eduard Mörike: Früh im Wagen
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:Eduard Mörike (1804 - 1875): Auf der Reise
 
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Es graut vom Morgenreif
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Zwischen süßem Schmerz,
In Dämmerung das Feld,
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Zwischen dumpfem Wohlbehagen
Da schon ein blasser Streif
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Sitz ich nächtlich in dem Reisewagen,
Den fernen Ost erhellt;
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Lasse mich so weit von dir, mein Herz,
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Weit und immer weiter tragen.</poem>
::siehe auch: Auf der Reise
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:Heinrich Heine: Lebensgruß („Buch der Lieder" Nr. XIX)
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:Heinrich Heine (1797 - 1856): Lebensgruß („Buch der Lieder" Nr. XIX)
 
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Eine große Landstraß ist unsere Erd,
 
Eine große Landstraß ist unsere Erd,

Version vom 1. August 2017, 10:40 Uhr

DPAG 2010 33 Postkutsche

Inhaltsverzeichnis

Kategorien, Motive und Titel: Eine Sammlung, erweiterbar

Die Zitate geben die ersten Zeilen wieder, sie sollen einen Eindruck von Ton und Thematik vermitteln und zu deren Auffindbarkeit beitragen.

Gedichte von Aufbruch, Unterwegssein und Ankunft

Aufbruchstimmungen

Ludwig Tieck: Wohlauf! es ruft der Sonnenschein (Franz Sternbalds Wanderungen, 2. Buch 5. Kapitel)

Wohlauf! es ruft der Sonnenschein
Hinaus in Gottes freie Welt!
Geht munter in das Land hinein
und wandelt über Berg und Feld!

J.v.Eichendorff: Sehnsucht

Es schienen so golden die Sterne
am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.

siehe auch: Die zwei Gesellen / Frische Fahrt / Der frohe Wandersmann (aus dem "Taugenichts")
Wilhelm Müller (1794 - 1824): Das Wandern (Aus "Die schöne Müllerin")

Das Wandern ist des Müllers Lust,
Das Wandern!
Das muß ein schlechter Müller sein,
Dem niemals fiel das Wandern ein,
Das Wandern.

Unterwegs

Wilhelm Müller(1794 - 1824): Aus der "Winterreise": Gute Nacht

Fremd bin ich eingezogen,

Fremd zieh ich wieder aus ...

siehe auch: Der Lindenbaum / Der Leiermann
Eduard Mörike (1804 - 1875): Auf der Reise

Zwischen süßem Schmerz,
Zwischen dumpfem Wohlbehagen
Sitz ich nächtlich in dem Reisewagen,
Lasse mich so weit von dir, mein Herz,
Weit und immer weiter tragen.

Heinrich Heine (1797 - 1856): Lebensgruß („Buch der Lieder" Nr. XIX)

Eine große Landstraß ist unsere Erd,
Wir Menschen sind Passagiere;
Man rennet und man jaget, zu Fuß und zu Pferd,
Wie Läufer oder Kuriere.

B. Brecht: Radwechsel

Ich sitze am Straßenhang,
Der Fahrer wechselt das Rad ....

Ankunft - Heimkehr

J.W.Goethe: Glückliche Fahrt

Die Nebel zerreißen,
Der Himmel ist helle,
und Äolus löset
das ängstliche Band.

Friedrich Hölderlin: Die Heimat

Froh kehrt der Schiffer heim an den stillen Strom,
Von Inseln fernher, wenn er geerntet hat;
So käm auch ich zur Heimat, hätt ich
Güter so viele, wie Leid, geerntet.

Heinrich Heine: Deutschland, ein Wintermärchen (Caput I)

Im traurigen Monat November war's
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Theodor Fontane: John Maynard
Hans Bender Heimkehr (1949)
Hilde Domin: Rückkehr
Jenny Aloni (1917-1993): Nach der Ankunft in Israel

Gedichte von Sehnsuchtsorten

Italien - Venedig

J.W.Goethe (1749-1832): Mignon (aus „Wilhelms Meisters Lehrjahre“)

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn
Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?

Isolde Kurz (1852 - 1944): Italien

Hingestreckt zwischen beiden Meeren
Liegst du und träumst in Mittagsruh’,
Götterliebling!
Und die Wellen singen ihr altes Lied,
Das weltenalte

C.F. Meyer (1825-1898): Auf dem Canal grande

Auf dem Canal grande betten
Tief sich ein die Abendschatten,
Hundert dunkle Gondeln gleiten
Als ein flüsterndes Geheimnis

R.M.Rilke (1875 – 1926): Spätherbst in Venedig

Nun treibt die Stadt schon nicht mehr wie ein Köder,
der alle aufgetauchten Tage fängt.
Die gläsernen Paläste klingen spröder
an deinen Blick. ...

Hermann Hesse (1877 – 1962) Ankunft in Venedig

Du lautlos dunkler Kanal,
Verlassene Bucht,
Uralter Häuser graue Flucht,
Gotische Fenster und maurisch verziertes Portal!

Rose Ausländer (1901-1988): Mein Venedig

Venedig
meine Stadt
Ich fühle sie
von Welle zu Welle
von Brücke zu Brücke

Günter Kunert: Venedig II

Wald

Friedrich Schlegel (1772 - 1832): Im Spessart

 Gegrüßt sei du, viellieber Wald!
 es rührt mit wilder Lust,
 Wenn abends fern das Alphorn schallt,
 Erinnrung mir die Brust.

Mörike: Am Waldsaum

Am Waldsaum kann ich lange Nachmittage,
 Dem Kukuk horchend, in dem Grase liegen;
 er scheint das Tal gemächlich einzuwiegen
 Im friedevollen Gleichklang seiner Klage.

Hermann Hesse: Schwarzwald

Seltsam schöne Hügelfluchten,
  Dunkle Berge, helle Matten,
  Rote Felsen, braune Schluchten,
  überflort von Tannenschatten!

Andere

Ralf Thenior: Gran Canaria

Nein ganz herrlich ganz
wunderbar also jeden Tag
Sonne und baden natürlich
auch jeden Tag schon also
fast jeden Tag ...

mehr dazu bei K.H. Spinner: Umgang mit Lyrik in S1, Schneider Verlag 2000 S.137ff)

Gedichte von Fremde und Heimat

Auf der Flucht

Heinrich Heine: Auf die Berge

Im Exil

Heinrich Heine: Nachtgedanken

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.

B.Brecht: Finnische Landschaft (1940)

Fischreiche Wässer! Schönbaumige Wälder!
Birken- und Beerenduft!
Vieltoniger Wind, durchschaukelnd eine Luft
So mild, als stünden jene eisernen Milchbehälter
Die dort vom weißen Gute rollen, offen!

Rose Ausländer: Ein Tag im Exil
Mascha Kaleko (1907 - 1975): Im Exil

Ich hatte einst ein schönes Vaterland -
So sang schon der Flüchtling Heine.
Das eine stand am Rheine,
Das meine auf märkischem Sand.

In der Fremde

Clemens Brentano: In der Fremde
Wilhelm Müller: Gute Nacht (aus der "Winterreise")
Hilde Domin: Fremder
Mascha Kaleko: Sehnsucht nach einer kleinen Stadt

Jetzt müßte man in einer Kleinstadt sein
Mit einem alten Marktplatz in der Mitte,
Wo selbst das Echo nächtlich leiser Schrite
Weithin streut jeder hohle Pflasterstein

Günter Eich: Inventur
Yüksel Pazarkaya (*1940:) gastarbeiter

wahrlich gastfreundlich
sind diese deutschen
sie tauften uns
gastarbeiter

Ent-Täuschung

Matthias Claudius "Urians Reise um die Welt" 1787

Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was verzählen;
Drum nahm ich meinen Stock und Hut
Und tät das Reisen wählen.
[...]
Und fand es überall wie hier,
Fand überall ’n Sparren, 

Die Menschen gradeso wie wir, 

Und eben solche Narren.

Gottfried Benn (1886 - 1956): Reisen

Meinen Sie Zürich zum Beispiel
sei eine tiefere Stadt,
wo man Wunder und Weihen
immer zum Inhalt hat?

Fortbewegungsmittel

zu Fuß

Wilhelm Müller: Das Wandern


Fahren und Fliegen

A.v. Chamisso: Das Dampfross
Erich Kästner: Im Auto über Land

An besonders schönen Tage
ist der Himmel sozusagen
wie aus blauem Porzellan.

Wolf Wondratschek: In den Autos
Bodo Morshäuser: Irritierter Abgang
Reinhard Mey: Über den Wolken

Über den Wolken
muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

Zeitreisen - Traumreisen

Friedrich Hölderlin (1770 - 1843): Der Neckar,

In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf
   Zum Leben, deine Wellen umspielten mich,
      Und all der holden Hügel, die dich
         Wanderer! kennen, ist keiner fremd mir.

Friedrich Schiller (1759 - 1805): Der Spaziergang

Sey mir gegrüßt mein Berg mit dem röthlich strahlenden Gipfel,
     Sey mir Sonne gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint,
Dich auch grüß ich belebte Flur, euch säuselnde Linden,
     Und den fröhlichen Chor, der auf den Aesten sich wiegt,

Karoline von Günderode (1780-1806) Der Luftschiffer

Gefahren bin ich in schwankendem Kahne
 Auf dem blaulichen Ozeane,
 Der die leuchtenden Sterne umfließt,
 Habe die himmlischen Mächte begrüßt.


Lebensreise

Andreas Gryphius (1616 - 1664): Abend

Der schnelle Tag ist hin, die Nacht schwingt ihre Fahn
Und führt die Sternen auf. Der Menschen müde Scharen
Verlassen Feld und Werk; wo Tier' und Vögel waren,
Traurt itzt die Einsamkeit. Wie ist die Zeit vertan!
[...]
Dies Leben kömmt mir vor als eine Rennebahn. ...

J.v.Eichendorff: Die zwei Gesellen

Es zogenzwei rüst'ge Gesellen
Zum ersten Mal von Haus.
so jubelnd recht in die hellen,
 klingenden, singenden Wellen
 des vollen Frühlings hinaus.

Heinrich Heine: Lebensgruß ("Buch der Lieder" Nr. XIX)

Siehe auch