Reise-Lyrik

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DPAG 2010 33 Postkutsche

Inhaltsverzeichnis

Kategorien, Motive und Titel: Eine Sammlung, erweiterbar

Gedichte von Aufbruch, Unterwegssein und Ankunft

Aufbruchstimmungen

Ludwig Tieck: Wohlauf! es ruft der Sonnenschein (Franz Sternbalds Wanderungen, 2. Buch 5. Kapitel)

Wohlauf! es ruft der Sonnenschein
Hinaus in Gottes freie Welt!
Geht munter in das Land hinein
und wandelt über Berg und Feld!

J.v.Eichendorff: Sehnsucht

Es schienen so golden die Sterne
am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.

siehe auch: Die zwei Gesellen / Frische Fahrt / Der frohe Wandersmann (aus dem "Taugenichts")
Wilhelm Müller: Das Wandern (Aus "Die schöne Müllerin")

Das Wandern ist des Müllers Lust,
Das Wandern!
Das muß ein schlechter Müller sein,
Dem niemals fiel das Wandern ein,
Das Wandern.

Unterwegs

Wilhelm Müller: Aus der "Winterreise": Gute Nacht

Fremd bin ich eingezogen,

Fremd zieh ich wieder aus ...

siehe auch: Der Lindenbaum / Der Leiermann
Eduard Mörike: Früh im Wagen

Es graut vom Morgenreif
In Dämmerung das Feld,
Da schon ein blasser Streif
Den fernen Ost erhellt;

siehe auch: Auf der Reise
Heinrich Heine: Lebensgruß („Buch der Lieder" Nr. XIX)

Eine große Landstraß ist unsere Erd,
Wir Menschen sind Passagiere;
Man rennet und man jaget, zu Fuß und zu Pferd,
Wie Läufer oder Kuriere.

B. Brecht: Radwechsel

Ich sitze am Straßenhang,
Der Fahrer wechselt das Rad ....

Ankunft - Heimkehr

J.W.Goethe: Glückliche Fahrt

Die Nebel zerreißen,
Der Himmel ist helle,
und Äolus löset
das ängstliche Band.

Friedrich Hölderlin: Die Heimat

Froh kehrt der Schiffer heim an den stillen Strom,
Von Inseln fernher, wenn er geerntet hat;
So käm auch ich zur Heimat, hätt ich
Güter so viele, wie Leid, geerntet.

Heinrich Heine: Deutschland, ein Wintermärchen (Caput I)

Im traurigen Monat November war's
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Theodor Fontane: John Maynard
Hans Bender Heimkehr (1949)
Hilde Domin: Rückkehr
Jenny Aloni (1917-1993): Nach der Ankunft in Israel

Gedichte von Sehnsuchtsorten

Italien - Venedig

J.W.Goethe (1749-1832): Mignon (aus „Wilhelms Meisters Lehrjahre“)

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn
Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?

Isolde Kurz: Italien
C.F. Meyer (1825-1898): Auf dem Canal grande

Auf dem Canal grande betten
Tief sich ein die Abendschatten,
Hundert dunkle Gondeln gleiten
Als ein flüsterndes Geheimnis

R.M.Rilke (1875 – 1926): Spätherbst in Venedig

Nun treibt die Stadt schon nicht mehr wie ein Köder,
der alle aufgetauchten Tage fängt.
Die gläsernen Paläste klingen spröder
an deinen Blick. ...

Rose Ausländer (1901-1988): Mein Venedig
Günter Kunert: Venedig II

Wald

Friedrich Schlegel: Im Spessart
Mörike: Am Waldsaum
Hermann Hesse: Schwarzwald

Amerika

Rolf Dieter Brinkmann: Amerika
Jörg Fauser: Amerika / 604 Riverside Drive

Andere

Ralf Thenior: Gran Canaria

Nein ganz herrlich ganz
wunderbar also jeden Tag
Sonne und baden natürlich
auch jeden Tag schon also
fast jeden Tag ...

mehr dazu bei K.H. Spinner: Umgang mit Lyrik in S1, Schneider Verlag 2000 S.137ff)

Gedichte von Fremde und Heimat

Auf der Flucht

Heinrich Heine: Auf die Berge

Im Exil

Heinrich Heine: Nachtgedanken
B.Brecht: An die Nachgeborenen / Finnische Landschaft / Über die Be­zeich­nung Emi­gran­ten (1937)
Rose Ausländer: Ein Tag im Exil

In der Fremde

Clemens Brentano: In der Fremde
Wilhelm Müller: Gute Nacht (aus der "Winterreise")
Hilde Domin: Fremder
Günter Eich: Inventur
Yüksel Pazarkaya (*1940:) gastarbeiter

Unbehaustsein

Rainer Maria Rilke Herbsttag
Gottfried Benn: Reisen

Fortbewegungsmittel

Auf zwei oder auf vier Beinen

Wilhelm Müller: Das Wandern
Heinrich Heine: Lebensgruß (XIX)

Fahren und Fliegen

A.v. Chamisso: Das Dampfross
Erich Kästner: Im Auto über Land

An besonders schönen Tage
ist der Himmel sozusagen
wie aus blauem Porzellan.

siehe auch: Ein Beispiel von ewiger Liebe
Wolf Wondratschek: In den Autos
Bodo Morshäuser: Irritierter Abgang
Reinhard Mey: Über den Wolken

Zeitreisen - Traumreisen

Friedrich Hölderlin: Der Neckar,

In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf
   Zum Leben, deine Wellen umspielten mich,
      Und all der holden Hügel, die dich
         Wanderer! kennen, ist keiner fremd mir.

Friedrich Schiller (1759 - 1805): Der Spaziergang

Sey mir gegrüßt mein Berg mit dem röthlich strahlenden Gipfel,
     Sey mir Sonne gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint,
Dich auch grüß ich belebte Flur, euch säuselnde Linden,
     Und den fröhlichen Chor, der auf den Aesten sich wiegt,

Karoline von Günderode (1780-1806) Der Luftschiffer

Gefahren bin ich in schwankendem Kahne
 Auf dem blaulichen Ozeane,
 Der die leuchtenden Sterne umfließt,
 Habe die himmlischen Mächte begrüßt.


Lebensreise

Andreas Gryphius: Abend

... Dies Leben kömmt mir vor als eine Rennebahn. ...

J.v.Eichendorff: Die zwei Gesellen

Es zogenzwei rüst'ge Gesellen
Zum ersten Mal von Haus.
so jubelnd recht in die hellen,
 klingenden, singenden Wellen
 des vollen Frühlings hinaus.

Heinrich Heine: Lebensgruß ("Buch der Lieder" Nr. XIX)

Siehe auch