Dialektik

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Das griechische dialegesthai bedeutete ursprünglich: sich unterreden, miteinander sprechen, Rückfragen stellen und verstehen, sowie unterscheiden und auswählen.

Die Dialektik ist daher ursprünglich eine Streit-Kunst. Bis heute gilt für die dialektische Methode, dass sich das Denken in Widersprüchen vollzieht und auf übergreifende Zu-sammenhänge zielt. Die besondere Aufgabe besteht darin, nicht nur widerstreitende Thesen zu finden, sondern eine Synthese zu formulieren, welche die vorausgegangenen Thesen „auf-hebt“. Diese spezifische dialektische Denkbewegung entwickelt sich in drei Schritten:

Im ersten Schritt kommt es darauf an, ein bestimmtes Thema, einen Begriff oder ein Argu-ment zu fixieren. Es wird beispielsweise das Wort „Freiheit“ an eine Tafel oder auf ein Flip-chart notiert und dazu so viele wie möglich positive Assoziationen dazu geschrieben: persön-liche, soziale Freiheit, usw. Bei der Bearbeitung des Themas wird zugleich deutlich, dass der Freiheitsbegriff nur in Abgrenzungen identifizierbar und in diesem Sinn ergänzungsbedürftig ist.

Im zweiten Schritt beginnt die dialektische Bewegung mit der Negation von Freiheit, die erst im Gegensatz zu Notwendigkeit, also zu Zwang und Determination, ihre Bedeutung erlangt. Schreibt nun jeder für sich auf dieser Ebene einen „dialektischen Aufsatz“, so bewegen sich die Argumentationen zwischen diesen Polen, für die jeweils gute Gründe beigebracht werden können. Üblicherweise endet dieses Hin und Her mit einem Kompromiss: Der Mensch ist sowohl frei als auch unfrei...

Der dritte Schritt besteht in einer überraschenden Umkehr der Perspektive, die den dialekti-schen Umschlag herbeiführt: Man betrachtet jetzt den übergreifenden Zusammenhang, der bisher das Wechselspiel der Oppositionen regiert hat. Genau dieser Kontext ist mit der Kate-gorie des Widerspruchs (bei Hegel) gemeint. Für unser Thema heißt das, nach einem allge-meinen Sinn von Freiheit zu suchen, der die vorausgegangenen Gegensätze von Freiheit und Notwendigkeit vereint. In der Ethik bedeutet das die freie Einsicht in die Notwendigkeit sittli-cher Bindung, kurz: die Selbstverpflichtung zu moralischem Handeln.

Leicht abgewandelter Text nach Rohbeck: Philosophische Schreibstile, in: ZDPE 2/2002