Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima''' von {{wpde|Naomi Klein}} ist ihre zentrale Aussage zum Klimawandel und den politischen Möglichkeiten, ihn zu begrenzen. Amitav Ghosh hat es als "Eines der wichtigsten Bücher des Jahrzehnts" bezeichnet.
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=== Einleitung ===
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''So oder so, es verändert sich alles'' 9<ref>Gelegentlich habe ich Hervorhebungen (''fetter Kursivdruck'') hinzugefügt, um die langen Zeilen etwas übersichtlicher zu gestalten. --Fontane44</ref>
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"'''''Ich''''' habe den '''''Klimawandel''''' länger '''''geleugnet''''', als mir lieb ist. Natürlich wusste ich, dass es ihn gibt. Es war nicht so wie bei Donald Trump und den Tea-Party-Anhängern, die behaupten, das sei doch alles nur Schwindel, was schon allein daran ersichtlich sei, dass es immer noch Winter gebe. Aber ich befasste mich nicht mit den Details und überflog nur die ein­schlägigen Zeitungsartikel, besonders die wirklich erschreckenden. Das wissenschaftliche Drumherum war mir zu kompliziert, und ich sagte mir, die Umweltschützer kümmern sich schon darum. Auch an meinem 'Eli­testatus' als Vielfliegerin, attestiert durch die glänzende Karte in meiner Brieftasche, konnte ich weiterhin nichts Schlimmes finden.
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Viele von uns neigen zu dieser Art von Klimaleugnung. Wir schauen kurz hin, dann schauen wir wieder weg." (S.11/12)
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"Ich weiß noch sehr genau, wann ich aufgehört habe, meine Augen vor der Realität des Klimawandels zu verschließen, oder zumindest, wann ich '''''zum ersten Mal richtig hingesehen''''' habe. [...] Weil Bolivien ein armes Land mit einem schmalen Budget für Auslands­reisen ist, hatte Navarro Llanos vor kurzem neben dem Handels- auch noch das Klimaressort übernommen. Beim Mittagessen in einem leeren chinesischen Lokal erklärte sie mir (wobei sie mit ihren Essstäbchen ein Diagramm des globalen Emissionsverlaufs zeichnete), sie sehe den Klima­wandel als schreckliche Bedrohung für ihr Volk, aber auch als Chance.
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Eine Bedrohung aus offensichtlichen Gründen: Bolivien ist extrem ab­hängig von seinen Gletschern als Quelle für Trink- und Nutzwasser zur Bewässerung, und die schneebedeckten Gipfel, die über seiner Hauptstadt aufragen, färbten sich in besorgniserregendem Tempo grau und braun. Die Chance bestand laut Navarro Llanos darin, dass sich Länder wie ihres, die so gut wie nichts zum Hochschnellen der Emissionen beigetragen hat­ten, zu »Klimagläubigern« erklären konnten. Somit stünde ihnen finanzi­elle und technologische Unterstützung von Seiten der großen Verschmutzerländer zu, um die hohen Kosten weiterer klimabedingter Katastrophen zu stemmen und einen ökologischen Entwicklungsweg einzuschlagen." (S.13/14)
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"Wenn wir die Emissionen im nächs­ten Jahrzehnt deutlich vermindern wollen, brauchen wir eine Massenmo­bilisierung in nie gekanntem Ausmaß. Wir brauchen einen '''''Marshallplan für die Erde'''''. Dieser Plan muss Finanz- und Technologietransfers in bei­spiellosem Umfang enthalten. Er muss alle Länder mit Technologien ver­sorgen, um sicherzustellen, dass die Emissionen gesenkt und der Lebens­standard der Menschen gleichzeitig gehoben wird. Dafür bleiben uns nur zehn Jahre Zeit." (S.14)
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"Als ich mir Navarro Llanos' Schilderung der bolivianischen Sicht an­hörte, begriff ich, dass der Klimawandel - sofern man ihn ähnlich wie die eben erwähnte Flut als weltweiten Notstand behandelt - eine treibende Kraft für die Menschheit werden könnte, um uns nicht nur besser vor Wetterextremen zu schützen, sondern unsere Gesellschaften in vielerlei Hinsicht sicherer und gerechter zu machen. Die für eine rasche Abkehr von fossilen Brennstoffen und die Anpassung an künftige schwierige Wetterbedingungen erforderlichen Ressourcen könnten große Teile der Menschheit aus der Armut führen und ihnen eine öffentliche Infrastruk­tur bescheren, die schmerzlich fehlt, von sauberem Wasser bis zu Elek­trizität. Diese Zukunftsvision geht weit über die Vorstellung hinaus, den Klimawandel bloß zu überleben oder auszuhalten, ihn zu »mildern« oder sich daran »anzupassen«, wie die Vereinten Nationen es so düster formu­lieren. Es ist eine Vision davon, wie wir die Krise kollektiv dazu nutzen können, den Sprung in eine bessere Welt zu wagen, jedenfalls eine bessere Welt als die jetzige.
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Nach dem Gespräch mit Navarro Llanos stellte ich fest, dass ich nicht mehr davor zurückschreckte, mich mit den wissenschaftlichen Fakten der Klimabedrohung zu beschäftigen. Ich hörte auf, einen Bogen um Artikel und wissenschaftliche Studien zu machen, und las alles, was ich finden konnte. Ich hörte auch auf, das Problem den Umweltschützern zu überlas­sen, hörte auf, mir vorzumachen, dass es nicht mein Problem, nicht mein Job sei. Und durch Gespräche mit anderen Mitgliedern der wachsenden Klimagerechtigkeitsbewegung erkannte ich, dass der '''''Klimawandel''''' auf vie­lerlei Arten ein '''''Katalysator für positiven Wandel''''' werden könnte - indem er den progressiven Kräften das beste Argument überhaupt dafür liefert, den Wiederaufbau und die Wiederbelebung der regionalen Wirtschaft zu fordern; unsere Demokratien dem zerstörerischen Einfluss der Konzerne zu entreißen; gefährliche neue Freihandelsabkommen zu blockieren und alte umzuschreiben; in die unterentwickelte öffentliche Infrastruktur wie Massenverkehrsmittel und bezahlbaren Wohnraum zu investieren; die Privatisierung wichtiger Dienstleistungen wie die Energie- und Wasser­versorgung rückgängig zu machen; unser krankes Landwirtschaftssystem durch ein gesünderes zu ersetzen; Grenzen für Einwanderer zu öffnen, die wegen der Folgen des Klimawandels ihre Heimat verlassen mussten; end­lich die Landrechte der indigenen Völker anzuerkennen - all das würde dazu beitragen, das groteske Maß an Ungleichheit in und zwischen unse­ren Ländern zu beenden.
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Und ich begann, Anzeichen [...] dafür zu erkennen, dass die drohende Klimakrise die Grundlage für eine mächtige Massenbewegung bilden könnte, wenn die verschiedenen Zusammenhänge auf breiterer Ebene erkannt würden. Eine Massenbewe­gung, die all die scheinbar unzusammenhängenden Probleme zu einem kohärenten Bild vereinen würde. Zu einer Vorstellung davon, wie es ge­lingen kann, die Menschheit sowohl vor den verheerenden Auswirkungen eines zutiefst ungerechten Wirtschaftssystems als auch den Folgen eines destabilisierten Klimasystems zu bewahren. Ich habe dieses Buch geschrie­ben, weil ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass der Klimaschutz ein Katalysator für diesen Wandel sein könnte." (S16/17)
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'''Ein Volks-Schock'''
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Aber ich habe es auch geschrieben, weil der Klimawandel Auslöser für eine Vielzahl unterschiedlicher und weit weniger wünschenswerter Formen ge­sellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen sein kann. [...] In meinem letzten Buch Die ''Schock-Strategie'' habe ich dargelegt, dass im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte Kon­zerninteressen systematisch die unterschiedlichsten Krisen ausgenutzt haben, um eine Politik durchzusetzen, die eine kleine Elite reicher macht - durch Deregulierungen, die Kürzung der Sozialausgaben und mittels groß­flächiger Privatisierungen im öffentlichen Sektor. Krisen dienten auch als Vorwand für radikale Beschneidungen der Bürgerrechte und alarmierende Menschenrechtsverletzungen.
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Vieles deutet darauf hin, dass der Klimawandel in dieser Hinsicht keine Ausnahme darstellen wird, dass auch diese Krise dazu benutzt wird, dem einen Prozent noch mehr Ressourcen zuzuschieben, anstatt Lösungen in Gang zu bringen, die eine echte Chance darauf bieten, eine Erderwärmung von desaströsem Ausmaß zu verhindern und uns vor den unvermeidli­chen Katastrophen zu schützen. Die Anfänge dieses Prozesses zeichnen sich bereits ab. Überall auf der Welt werden Staatswälder in privatisierte Nutzholzplantagen und Schutzgebiete umgewandelt, damit ihre Besit­zer sogenannte 'Emissionszertifikate' sammeln können, ein lukrativer Schwindel, auf den ich später näher eingehen werde. Es gibt einen blühen­den Handel mit 'Wetterfutures', die es Unternehmen und Banken erlau­ben, auf Wetterveränderungen zu setzen, als wären tödliche Katastrophen ein Würfelspiel in Las Vegas (zwischen 2005 und 2006 verfünffachte sich der Markt für Wetterderivate beinahe, von 9,7 Milliarden auf 45,2 Milliar­den Dollar). Weltweit operierende Rückversicherer verdienen Milliarden damit, dass sie neue Arten von Schutzkonzepten an Entwicklungsländer verkaufen, die so gut wie nichts zur Klimakrise beigetragen haben, deren Infrastruktur jedoch stark von ihren Auswirkungen betroffen ist." (S.17/18)
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"All das ist keine Überraschung. Unser '''''derzeitiges System''''' ist so aufge­baut, dass es immer neue Wege sucht, das Gemeingut zu privatisieren und '''''aus Katastrophen Profit zu generieren'''''; wenn man es ungehindert schalten und walten lässt, ist es zu gar nichts anderem in der Lage. Die Schock-Strategie ist jedoch nicht die einzige Art, wie Gesellschaften auf eine Krise reagieren. Das haben wir alle in den vergangenen Jahren erlebt, als sich die Finanzkrise, die 2008 an der Wall Street begann, auf die ganze Welt ausbreitete. Ein plötzlicher Anstieg der Lebensmittelpreise war einer der Auslöser für den Arabischen Frühling. Die '''''Sparpolitik hat zu Massenbe­wegungen in zahlreichen Ländern geführt''''', von Griechenland über Spani­en, Chile, die Vereinigten Staaten bis hin nach Quebec. Viele von uns sind inzwischen geübt in Protesten gegen diejenigen, die Krisen zynisch aus­nutzen, um den öffentlichen Sektor auszuplündern. Diese Proteste haben aber auch gezeigt, dass es nicht reicht, einfach nur Nein zu sagen. Damit Oppositionsbewegungen nicht nur ein Strohfeuer bleiben, brauchen sie eine umfassende Vision dessen, was an die Stelle unseres scheiternden Sys­tems treten soll, und tragfähige politische Strategien für die Durchsetzung dieser Ziele." (S.19)
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" 'Ihr verhandelt schon mein ganzes Leben lang.' Diesen Satz sagte die kanadische College-Studentin Anjali Appadurai, als sie auf der UN-Klimakonferenz von 2011 in Durban auf die versammelten staatlichen Unterhändler blickte. Sie übertrieb nicht. Die Regierungen der Welt be­ratschlagen bereits seit über zwei Jahrzehnten darüber, wie man den Kli­mawandel aufhalten kann - beginnend im selben Jahr, als die damals einundzwanzigjährige Anjali geboren wurde. Und dennoch, machte sie in ihrer denkwürdigen Rede klar, die sie im Namen der Jugenddelegierten hielt: 'In dieser Zeit habt ihr es versäumt, Zusagen einzuhalten, habt ihr Ziele verfehlt und Versprechen gebrochen.'
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Tatsächlich hat die internationale Organisation, die mit der Aufgabe be­traut wurde, ein 'gefährliches' Ausmaß des Klimawandels zu verhindern, in ihrem über zwanzigjährigen Bestehen (und in über neunzig offiziellen Verhandlungssitzungen seit Verabschiedung der Klimakonvention von 1992) nicht nur keine Fortschritte erzielt, sondern einen quasi '''''ununter­brochenen Prozess von Rückschritten''''' zu verzeichnen. Unsere Regierungen haben Jahre damit verschwendet, Zahlen zu frisieren und über Starttermi­ne zu zanken, und ständig versucht, sie hinauszuzögern wie Studenten ihre Studienarbeiten." (S.21)
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"Das ist die Stimmungslage seit dem Scheitern des im Vorfeld hochge­lobten UN-Klimagipfels 2009 in Kopenhagen. Am letzten Abend dieser riesigen Veranstaltung befand ich mich bei einer Gruppe von Klimage­rechtigkeitsaktivisten, darunter einer der prominentesten Campaigner in Großbritannien. Während des gesamten Gipfels strotzte der junge Mann vor Zuversicht und Gelassenheit, informierte jeden Tag Dutzende Jour­nalisten darüber, was in den jeweiligen Verhandlungsrunden herausge­kommen war und was die verschiedenen Emissionsziele in der Realität bedeuteten. Trotz der Herausforderungen war sein Optimismus über die Aussichten des Gipfels ungebrochen. Als dann alles vorbei war und das jämmerliche Ergebnis feststand, fiel er vor unseren Augen in sich zusam­men. In einem grell beleuchteten italienischen Lokal brach er in hem­mungsloses Schluchzen aus. »Ich hatte wirklich gedacht, Obama hat es kapiert«, sagte er wieder und wieder.
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Diesen Abend habe ich als den Moment in Erinnerung, '''''als die Klima­bewegung erwachsen wurde''''': Es war der Moment, als uns allen wirklich bewusst wurde, dass niemand zu unserer Rettung kommen würde. [...] Es ist tatsächlich so, dass wir ganz auf uns allein gestellt sind, und '''''jede echte Hoffnung in dieser Krise wird von unten kommen müssen'''''." (S.22)
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"Als das 2-Grad-Ziel in Kopenhagen offiziell verkündet wurde, gilb es leidenschaftliche Einwände von vielen Delegierten, die sagten, die­ses Ziel komme der 'Todesstrafe' für einige tiefliegende Inselstaaten sowie für große Teile Afrikas südlich der Sahara gleich. Tatsächlich ist es für uns alle ein äußerst riskantes Ziel: Bisher ist die Durchschnittstemperatur nur um 0,8 Grad gestiegen, und wir erleben bereits viele alarmierende Aus­wirkungen, darunter ein noch nie dagewesenes Abschmelzen des grönlän­dischen Eisschilds im Sommer 2012 und die sehr viel rascher als erwartet stattfindende Versauerung der Meere. Wenn wir zulassen, dass die Temperaturen um mehr als das Doppelte steigen, wird das zweifellos gefährliche Konsequenzen haben. [...]
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Das größere Problem - und der Grund, weshalb der Gipfel von Kopen­hagen solche Verzweiflung hervorrief - ist jedoch ein anderes: '''''Weil''''' sich die Regierungen '''''nicht auf verbindliche Ziele geeinigt''''' haben, '''''können sie ihre Zusagen nach Belieben ignorieren'''''. Und genau das passiert im Augen­blick. Die Emissionen steigen so rasch an, dass 2 Grad aus heutiger Sicht wie ein utopischer Traum erscheinen, wenn wir unser Wirtschaftssystem nicht von Grund auf ändern. Und nicht nur Umweltschützer schlagen Alarm. Im selben Bericht von 2012 warnte die Weltbank, dass 'wir uns [bis zur Jahrhundertwende] auf eine 4-Grad-Erwärmung zubewegen, die durch extreme Hitzewellen, eine Verknappung der weltweiten Nah­rungsvorräte, den Verlust von Ökosystemen und Artenvielfalt und durch lebensbedrohlich hohe Meeresspiegel gekennzeichnet ist'. Ferner hieß es, dass 'außerdem nicht sicher ist, ob eine Anpassung an die 4-Grad-Welt möglich ist'. (S.23/24)
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==== Anmerkungen ====
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<references/>
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== Hauptteil  ==
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===Teil I SCHLECHTES TIMING ===
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==== 1 Die Rechten haben recht: ====
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Die revolutionäre Kraft des Klimawandels 45
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==== 2 Heißes Geld ====
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Wie der Marktfundamentalismus den Planeten aufheizt    85
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==== 3  Öffentliche Versorgung und Kostenpflicht für Umweltverschmutzer ====
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''Die Überwindung der ideologischen Hindernisse auf dem Weg zu einer neuen Ökonomie'' 122
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"Der Volksentscheid fiel knapp aus, aber am 22. September 2013 eroberten sich die Bewohner der zweitgrößten deutschen Stadt ihre Macht zurück. An jenem Tag stimmten 50,9 Prozent der Wahlberechtigten Hamburgs dafür, ihr Strom-, Gas- und Fernheizungsnetz der Kontrolle der Stadt zu unterstellen und eine Welle des Ausverkaufs an Privatunternehmen rück­gängig zu machen, die über zehn Jahre zuvor stattgefunden hatte.
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Dieser Prozess wird etwas schwerfällig als »Rekommunalisierung« oder »Remunizipalisierung« bezeichnet, während die Betroffenen selbst meist einfach von ihrem Wunsch nach »lokaler Macht« sprechen." (S.122)
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"Überall auf der Welt prallt die harte Wirklichkeit der Erderwärmung auf die brutale Logik der Austerität, und es wird deutlich, wie unhaltbar die Aushöhlung des öffentlichen Sektors gerade in dem Augenblick ist, in dem wir ihn am dringendsten brauchen." (S.134)
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"Im Lauf der 1970er-Jahre gab es weltweit 656 gemeldete Katastrophen - Dürren, Überschwemmungen, extreme Temperaturereignisse, Wald- und Buschbrände und schwere Stürme. In dem Jahrzehnt zwischen 2000 und 2010 wurden 3654 solcher Katastrophen verzeichnet - eine Steigerung um mehr als das Fünffache in kaum mehr als dreißig Jahren. Natürlich kann man nicht sagen, dass die Erderwärmung all das 'verursacht' hat." (S.135/36)
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"Doch dies sind genau die drei Jahrzehnte, in denen fast jede Regierung der Welt die Funktionsfähigkeit und Stabilität des öffentlichen Sektors ste­tig ausgehöhlt hat. Und dieser Prozess macht Naturkatastrophen wieder und wieder zu von Menschen gemachten Katastrophen. Hurrikane brin­gen Dämme zum Bersten, weil sie vernachlässigt wurden." (S.136)
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"Die Fossilunternehmen wissen seit Jahrzehnten, dass ihr Hauptprodukt die Erde erwärmt, haben sich dieser Realität aber nicht angepasst, sondern im Gegenteil jeden Fortschritt gezielt behindert. Heute gehören Öl- und Gasunternehmen immer noch zu den profitträchtigsten Konzernen der Geschichte: Die fünf größten Ölproduzenten strichen zwischen 2001 und 2010 Gewinne in Höhe von 900 Milliarden Dollar ein. ExxonMobil hält mit 41 Milliarden Dollar im Jahr 2011 und 45 Milliarden im Jahr 2012 im­mer noch den Rekord, was die Unternehmensgewinne in den Vereinigten Staaten betrifft. Diese Unternehmen sind einfach deshalb so reich, weil sie die Kosten für die Entsorgung ihres Drecks auf die normalen Menschen in der ganzen Welt abgewälzt haben. Das muss sich grundlegend ändern." (S.140)
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''Im Zweiten Weltkrieg mussten in Großbritannien und Nordamerika alle Schichten'' "den Gürtel enger schnallen", "auch die sehr Wohlhabenden". (S.145)
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"Diese Auffassung von Gerechtigkeit - dass ein Regelwerk für große und kleine Unternehmen gleichermaßen gilt - fehlt bislang in unserer kollek­tiven Reaktion auf den Klimawandel völlig. Jahrzehntelang wurden die Durchschnittsbürger aufgefordert, ihre Lichter auszuschalten, Pullover anzuziehen und horrende Preise für nichtgiftige Reinigungsprodukte und erneuerbare Energien zu bezahlen - und dann mussten sie zusehen, wie die größten Umweltverschmutzer ihre Emissionen straflos ausweiten durften." (S.146/47)
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"Die westlichen Regierungen reagieren auf wirtschaftliche Krisen - entstanden durch hemmungslose Gier und Korruption unter ihren reichsten Bürgern -, indem sie jenen die Bürde auferlegen, die am wenigsten für die gegenwärtige Lage verantwortlich sind. Nachdem sie bereits für die Bankenkrise mit Kürzungen in der Bil­dung, bei der Gesundheitsversorgung und in den sozialen Sicherungssys­temen bezahlt hat, ist es wohl kein Wunder, dass die überbeanspruchte Öffentlichkeit nicht gewillt ist, der Fossilindustrie aus der Krise zu helfen, die diese nicht nur herbeigeführt hat, sondern immer noch verschärft." (S.148)
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==== 4 Planen und Verbieten ====
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Die unsichtbare Hand ausschlagen, eine Bewegung in Gang setzen 152
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==== 5 Jenseits des Extraktivismus ====
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Den inneren Klimaleugner konfrontieren  200
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=== Teil II MAGISCHES DENKEN ===
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==== 6    Das Übel wird nicht an der Wurzel gepackt ====
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''Die fatale Fusion von Big Business und großen Umweltschutzorganisationen'' 233
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"[...] als die ursprüngliche Prärie für Öl- und Gasbohrungen aufgeteilt und zerschnitten wurde, brach die Population der Attawari-Präriehühner zusammen. Als lokale Vogelbeobachter die Verluste beklagten, errichtete die Nature Conservancy, eine gemeinnützige Naturschutzorganisation - die ökologisch wichtige Landstriche erwarb und in Reservate umwandelte - eine Dependance in Texas. Von Anfang an war ihr erklärtes Ziel, die Attawari-Präriehühner vor dem Aussterben zu bewahren.
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Nicht einmal für die Nature Conservancy, die schließlich zur reichsten Umweltschutzorganisation der Welt wurde, sollte dies ein leichtes Unterfangen werden. nEins der letzten verbliebenen Brutgebiete war eine fast 10 Quadratkilometer große Fläche im Süden von Texas an der Galveston Bay - Boden, der zufällig Mobil (heute ExxonMobil) gehörte. [...] Im Jahr 1995 kam dann eine überraschend gute Nachricht: Mobil werde sein Land an der Galveston Bay der Naturschutzorganisation schenken - 'die letzte Hoffnung auf Rettung für eine der gefährdetsten Arten der Welt', wie sich dal Unternehmen ausdrückte. Die Nature Conservancy, die dem Gebiet den Namen 'Texas City Prairie Preserve' gab, werde nun 'der Rettung de« Attawari-Präriehuhns ... höchste Priorität' einräumen. Allem Anschein nach war dies ein herausragender Erfolg des Naturschutzes - ein Beleg da­für, dass ein nicht konfrontatives, auf Partnerschaft beruhendes Vorgehen beim Umweltschutz zu handfesten Ergebnissen führen konnte. [...]
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Doch vier Jahre später geschah etwas sehr Merkwürdiges. Die Nature Conservancy machte genau das, was sie nach Meinung ihrer Unterstützer verhindern sollte: Sie begann, in dem Gebiet fossile Brennstoffe zu fördern. Im Jahr 1999 beauftragte sie eine Öl- und Gasfirma, im Reservat einen neu­en Gasbrunnen zu bohren, der Einnahmen in Millionenhöhe in die Kassen der Umweltschutzorganisation spülen würde." (S.233/34)
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"Etwa drei Jahre lang zog der Vorstoß der Nature Conservancy in die Fossilindustrie nur wenig öffentliche Kritik auf sich. Das aber änderte sich 2002, als ein Artikel in der ''Los Angeles Times'' auf die Bohrung aufmerksam machte. Für traditionelle Naturschützer war es, als würden sie entdecken, dass Amnesty International in Guantanamo einen eigenen Gefängnistrakt eröffnet hätte. [...]
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Die Antwort der Nature Conservancy klang fast genauso wie bei all den Unternehmen der Öl- und Gasbranche: 'Wir können diese Bohrung vor­nehmen, ohne die Präriehühner und ihren Lebensraum zu gefährden.' Doch die Bilanz des Reservats spricht eindeutig eine andere Sprache." (S.235)
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==== 7    Keine Heilsbringer ====
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Die grünen Milliardäre werden uns nicht retten 281
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==== 8  Verdunkeln wir die Sonne ====
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Die Lösung für Verschmutzung ist... Verschrnutzung?      312
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=== TEIL III AUFBRUCH IN DIE NEUE ZEIT ===
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==== 9    Blockadia ====
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Die neuen Klimakrieger 355
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==== 10 Liebe wird die Erde retten ====
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Demokratie, Divestment und bisherige Siege 407
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==== 11 Ihr und welche Armee? ====
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Die Rechte indigener Völker und die Macht
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gehaltener Versprechen 442
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==== 12 Der gemeinsame Himmel ====
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Die Atmosphäre als Allmende und die Begleichung
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unserer Schulden 466
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==== 13 Das Recht auf Regeneration ====
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Von der Extraktion zur Erneuerung 503
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=== Schluss ===
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''Schaltjahre: Gerade noch genug Zeit für das Unmögliche'' 539
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"Der Hauptgrund, der Menschen daran hindert, mit der gebotenen Tatkraft auf die Klimakrise zu reagieren, besteht weder darin, dass es zu spät wäre, noch darin, dass wir nicht wüssten, was zu tun ist. Wir haben '''''genügend Zeit''''', und es mangelt weder an '''''Ökotechnik''''' noch an grünen Vorhaben. Dass so viele von uns geneigt sind, Brad Werners provokative Frage<ref>Die Frage, die Professor Werner aus Kalifornien 2012 stellte, war 'Is Earth F**cked? ' ("Ist die Erde am Ende?") (sieh S.540)</ref> mit Ja zu beantworten, liegt vielmehr daran, dass wir - zu Recht - fürchten, unsere poli­tische Klasse könnte sich als unfähig erweisen, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen und die bereits vorhandenen Pläne in die Tat umzusetzen, denn dazu müsste sie sich '''''von den Grundprinzipien der alles erstickenden Ideologie des freien Markts verabschieden''''', die ihren Aufstieg zur Macht ermöglicht hat.
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Aber es liegt nicht nur an den Menschen, die wir ins Amt wählen und über die wir uns später beklagen - es liegt an uns. [...] Denn wenn wir die knisternden und rauschenden Schwarz-Weiß-Filme über Generalstreiks in den 1930er [...] Jahren sehen, können wir uni als Bürger der postindustriellen Gesellschaft einfach nicht vorstellen, noch einmal eine Mobilisierung in dieser Intensität und Stärke zu erleben." (S.552)
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"Mit anderen Worten, '''''wir sind das Produkt''''' unserer Zeit und '''''eines al­les beherrschenden ideologischen Projekts'''''. Eines Projekts, bei dem uns eingetrichtert wurde, wir seien nichts anderes als '''''selbstsüchtige Einzelwe­sen''''', die nur ihren beschränkten Vorteil maximieren wollen, während sie von einer größeren Gemeinschaft abgeschnitten bleiben, die dank ihrer gebündelten Fähigkeiten große und kleine Probleme lösen könnte. Dieses Projekt hat auch dazu geführt, dass unsere Regierungen über zwanzig Jah­re hilflos zusahen, wie aus der Klimakrise als Problem unserer Enkel ein Problem wurde, das bereits heute an unsere Tür klopft.
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All dies ist der Grund dafür, dass jeder Versuch, gegen die Erderwärmung vorzugehen, fruchtlos ist, wenn er nicht als Bestandteil einer grö­ßeren Auseinandersetzung um Weltanschauungen verstanden wird, als ein Prozess der Neuformulierung und Neuerfindung des Kollektiven, Kommunalen, der Allmenden, der Zivilgesellschaft und der Bürgerrech­te, Bereiche, die jahrelang Angriffen ausgesetzt waren und vernachlässigt wurden. Das Überwältigende an der Klimakrise ist nämlich, dass zu ihrer Überwindung sehr viele Regeln gleichzeitig gebrochen werden müssen - Regeln, die in nationale Gesetze und internationale Handelsabkommen eingeflossen sind, aber auch mächtige, ungeschriebene Regeln, nach denen eine Regierung, will sie an der Macht bleiben, keine Steuern erhöhen oder große Investitionen ablehnen darf, und seien deren Folgen noch so zerstö­rerisch. Und natürlich wird auch jede Regierung abgestraft, die plant, jene Bereiche unserer Wirtschaft allmählich abzubauen, die uns alle in Gefahr bringen.
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[...]
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'''''Wie''''' also '''''verändert man''''' eine Weltsicht, '''''eine unhinterfragte Ideologie?''''' Wichtig ist dabei die Entscheidung, welche politischen Kämpfe wir zuerst führen wollen - wegweisende Schlachten, die nicht nur darauf abzielen, Gesetze zu novellieren, sondern Denkmuster zu verändern. (S.552/53)
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"Vielleicht liegt ja der Grund dafür, dass viele passiv bleiben, gar nicht dar­in, dass wir zu selbstsüchtig wären, um uns um ein abstraktes, scheinbar abgelegenes Problem zu kümmern; vielleicht handeln wir ja deshalb nicht, weil wir zutiefst von unserer Sorge überwältigt sind? Könnte es nicht sein, dass wir uns nicht deshalb still verhalten, weil wir mit der Situation ein­verstanden wären, sondern deshalb, weil es uns an kollektivem Raum fehlt, in dem wir den brutalen Schrecken des Ökozids bloßlegen könnten? Das Ende der Welt, wie wir sie kennen, sollte jedenfalls niemand ganz auf sich gestellt erleben." (S.554)
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"Und das ist eine weitere Lehre aus den transformativen Bewegungen der Vergangenheit: Sie alle hatten begriffen, dass der Prozess des Wertewan­dels - auch wenn er vielleicht schwer greifbar und schwer zu quantifizieren schien - von zentraler Bedeutung für ihre Arbeit war. Und so träumten sie in der Öffentlichkeit, zeigten der Menschheit eine bessere Variante ihrer selbst, schufen mit ihrem Verhalten andere Werte, setzten dabei politische Ideen frei und veränderten die Vorstellungen davon, was möglich war. Und sie scheuten sich nicht, sich der Sprache der Moral zu bedienen - die angeblich pragmatischen Argumente von Kosten und Nutzen beiseitezu­schieben und stattdessen von richtig und falsch, von Liebe und Empörung zu sprechen." (S.555)
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"Vielmehr konnten sie sich durchsetzen, weil sie betonten, dass diese Rechte und Freiheiten un­schätzbar seien und jedem von uns qua Geburt zustünden. [...]
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Die Klimaschutzbewegung muss ihre moralische Stimme auf der Welt­bühne erst noch finden, aber [...] Die moralisch klarsten Äußerungen kommen oft von jungen Menschen, die auf der Stra­ße und zunehmend auch vor Gerichten Generationengerechtigkeit ver­langen." (S.557)
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"'''Mit einem Schlag alle'''
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In den letzten Jahren haben wir mehrmals erlebt, dass Teile der Gesell­schaft plötzlich aufstehen und sagen, es reiche ihnen, sie hätten genug von all den Experten und Prognostikern. Man denke nur an [...]
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Wie oft habe ich gehört: »Am einen Tag haben ich und meine Freunde noch von Vorhaben geträumt, an die wir kaum zu glauben wagten, und am nächsten Tag schien das ganze Land mit uns auf dem Platz zu stehen.« Die eigentliche Überraschung für alle Beteiligten ist, dass sie viel mehr sind, als man ihnen weisgemacht hat - dass sie sich nach mehr sehnen und es mehr Gleichgesinnte gibt, als sie es sich je vorgestellt haben.
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Keiner weiß, wann sich wieder ein solcher Augenblick auftut [...]" (S.558)
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"Viele der Hindernisse, die eine ernsthafte Antwort auf die Krise im Keim erstickten, sind heute weit­gehend abgetragen. Die Ideologie des freien Markts ist durch Jahrzehn­te zunehmender Ungleichheit und Korruption diskreditiert und hat viel von ihrer Überzeugungskraft (wenn auch nicht von ihrer politischen und wirtschaftlichen Macht) verloren. Und das magische Denken in all seinen Formen, das wertvolle Energie gebunden hat - vom blinden Glauben an technische Wunder bis hin zur Verehrung wohltätiger Milliardäre - fesselt die Menschen immer weniger. [...]
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Außerdem sind wir längst nicht mehr so voneinander isoliert, wie viele es noch vor zehn Jahren waren [...]" (S.559)
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"Der nächste historische Augenblick muss dazu genutzt werden, die Welt, wie sie ist, anzuprangern und tempo­räre Nischen, befreite Zonen zu schaffen. Er muss zum Katalysator für den wirklichen Aufbau einer Welt werden, in der wir alle sicher leben können." (S.560)
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==== Anmerkungen ====
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<references/>
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= Zur Behandlung im Unterricht =
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== Arbeitsfragen ==
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=== Zur Einleitung ===
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* Wie erklärt Naomi Klein, dass das Phänomen menschlich verursachter Klimawandel nur registriert wird, aber nicht ernsthaft dagegen vorgegangen wird?
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* Was hat ihre Einstellung verändert?
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* Was meint sie mit ihrer Aussage, dass "die Klima­bewegung erwachsen wurde"?
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* Gibt es Gründe, weshalb gegen den Klimawandel nicht genügend vorgegangen wird, die Klein nicht nennt?
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* Wen meint sie mit dem "wir" von dem sie spricht? Gibt es dieses "wir"?
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* Gibt es Alternativen zu der Strategie, die sie andeutet?
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=== Zum Schluss ===
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* Weshalb wird - nach Klein - nicht ernsthaft gegen den Klimawandel vorgegangen?
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* Ist das eine zureichende Erklärung oder gibt es noch andere Gründe?
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* Sind Menschen nicht doch in der Tat im Prinzip Individuen und insofern "selbstsüchtige Einzelwesen"?
+
* Wie verändert man "eine unhinterfragte Ideologie"?
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* Ist eine andere Veränderung wichtiger?
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* Woher nimmt Klein ihren Optimismus?
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* Welche Bewegungen und Vorgänge könnte sie als Beispiel genannt haben?
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* Ist der Optimismus gerechtfertigt?
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* Welche Beispiele gibt es für "historische Augenblick(e)", wo etwas Wichtiges möglich war, das lange unmöglich war und das inzwischen so nicht mehr geschehen könnte?
+
:Vergleichen Sie den Originaltitel von Kleins Buch "This Changes Everything" mit der Übersetzung "Entscheidung". Welcher ist hoffnungsvoller, welcher scheint Ihnen angemessener?
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== Naomi Klein zum Thema ==
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* Naomi Kleins Vortrag "[https://www.blaetter.de/aktuell/democracy-lecture-2015 Die Entscheidung – Kapital versus Klima]" im Haus der Kulturen der Welt in Berlin am 22.3.2015
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* [http://www.profil.at/gesellschaft/naomi-klein-interview-warum-kapitalismus-welt-5589321 Naomi Klein im Gespräch: Warum der Kapitalismus die Welt ruiniert], [http://www.profil.at/ profil] 7.4.2015
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:'''profil:''' Eine andere Welt schien freilich möglich: Es war Anfang 2009, Barack Obama trat sein Amt als US-Präsident an, die Finanzindustrie lag im Sterben, die Autoindustrie auch, und die öffentliche Hand investierte Milliarden. Und nichts hat sich verändert. Was ist schiefgegangen?
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:'''Klein:''' Es ist immer noch ziemlich schwierig für mich, daran zu denken und nicht darüber zu verzweifeln. Aber ich hasse Obama nicht, ich glaube nicht, dass er böse ist oder ein besonders untalentierter Politiker. Obama ist eben ein Kind seiner Zeit - ein neoliberaler Politiker. Er hat auch nie etwas anderes behauptet. Ich glaube, dass er schlicht in Panik geriet, als er die Gelegenheit serviert bekam, die Automobilindustrie zu kontrollieren, die Banken zu kontrollieren. Er wollte das nicht auf sich nehmen. Er wollte die Gelegenheit nicht nutzen, genau das zu tun, wofür er gewählt worden war - die echte Wirtschaft zu stärken und die spekulative zu verkleinern.
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:'''profil:''' Was haben Sie aus dieser Erfahrung gelernt?
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:'''Klein:''' Dass die Veränderung nie von oben kommen wird, sondern unten anfangen muss, dass von unten her deutlich gemacht werden muss, wie eine gerechte Abkehr von fossilen Brennstoffen aussehen kann. Es gibt an der Schnittmenge von Anti-Austeritäts-Aktivisten, Arbeiterbewegung und Klimabewegung ein echtes Potenzial für neue Visionen von einem gerechteren Gesellschaftssystem, das die ökonomische Krise und die Klimakrise beenden kann.
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* Stephan Kaufmann: [http://www.fr-online.de/wirtschaft/naomi-klein-ueber-den-klimawandel--das-wirtschaftssystem-in-frage-stellen-,1472780,30246116.html "Das Wirtschaftssystem in Frage stellen"] Interview mit Naomi Klein, FR 29.3.2015
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:[...] Mir ist klar geworden: Alle diese Kämpfe müssen vereint werden, um den Klimawandel zu stoppen. Denn er ist nicht allein eine Frage von Temperaturen und CO2-Konzentrationen in der Luft. Er ist eine soziale Frage, die alle gesellschaftlichen Bereiche betrifft. [...]
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:Um den Klimawandel effektiv zu bekämpfen, brauchen wir eine Wiederbelebung der regionalen Wirtschaft, wir müssen den Einfluss der Konzerne zurückdrängen, Freihandelsabkommen blockieren. Es müssen große Summen in den Umbau der Agrarwirtschaft und der öffentlichen Infrastruktur fließen, die Energie- und Wasserversorgung und den Umbau der Städte, um den Verkehr zu vermindern. Ein riesiges Programm, dass schnell umgesetzt werden muss. Ist das möglich? Natürlich. Ist das möglich, ohne die Grundregeln des deregulierten Kapitalismus anzugreifen? Keinesfalls.
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:''Was sind diese „Grundregeln“?''
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:Privatisierung des öffentlichen Sektors, Deregulierung der Unternehmen, Senkung von Einkommens- und Unternehmenssteuern bei gleichzeitigen Einschnitten bei öffentlichen Ausgaben. Und daneben das Primat der Rendite – nichts geschieht, wenn es sich nicht für Investoren lohnt. All dies ist unvereinbar mit einem effektiven Kampf gegen den Klimawandel. Unser Wirtschaftsmodell fordert ungehinderte Expansion. Unser Klima braucht einen Rückgang des Ressourcenverbrauchs. Nur eines dieser Regelsysteme lässt sich verändern.
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* [https://www.youtube.com/watch?v=7eo3TLKENKs&feature=youtu.be Naomi Klein calls Zoe on the oil rig] (Greenpeace {{wpde|Esperanza (Schiff)|Esperanza}})
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== Rezensionen  ==
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* Rezension von Thomas Meyer: Ganz düstere Aussichten in: SZ 9.3.15
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:"Die Mischung aus nüchterner Analyse und drastischer Darstellung gibt ihrer imponierenden Streitschrift den Zunder.Klein geht von der vielfach schon belegten Voraussetzung aus, dass die politische Einstellung eines Menschen seine Position zum Klimawandel bestimmt. Mehr als das: Die Leugner des Klimawandels sind Opfer eines komplexen Geflechts aus Kohärenzbedürfnissen und Angst.
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:Wie Klein zeigen kann, ist es nämlich Industrie und Politikern wichtig, dass eingeschlagene Wege, wenn sie schon nicht richtig sind, immerhin durchgesetzt werden müssen. Warum? Weil sie nun einmal gewählt wurden. (Auf diese Weise werden auch Geschichtskonstruktionen – etwa der „American Way of Life“ – zu quasireligiösen Überzeugungen, deren Glaubenssätze verteidigt werden müssen.) So wird nachträglich eine Übereinstimmung zwischen Absicht und Wirkung erzielt. Diesem Zusammenspiel widmen gigantische Denkfabriken und Labore ihre ganze Aufmerksamkeit.
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:Drohen dann Ereignisse, wie etwa Missernten, die Strategien zu widerlegen, werden Produkte entwickelt, die sich den neuen Klimabedingungen anpassen oder diesen trotzen."
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* [http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/naomi-klein-buch-die-entscheidung-ueber-klimaschutz-a-1025026.html Globalisierungskritikerin Naomi Klein: Kohle frisst Klima auf] SPON, 23.3.15
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* [http://www.perlentaucher.de/buch/naomi-klein/die-entscheidung.html Rezensionen bei Perlentaucher]
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==Bibliographische Angaben==
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Naomi Klein: ''Die Entscheidung Kapitalismus vs. Klima'', S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2015 ISBN 9783100022318
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== Linkliste ==
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* {{wpde|Naomi Klein}}
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* {{wpen|This Changes Everything}}
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* [http://thischangeseverything.org/the-documentary/ Ein Dokumentarfilm zum Thema von "This Changes Everything"]
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* [https://twitter.com/hashtag/NaomiKlein?src=hash Tweets zu #NaomiKlein]
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== Siehe auch ==
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* [[Klimawandel]]
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* [[2052. Der neue Bericht an den Club of Rome]]
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[[Kategorie:Klimawandel]]
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[[Kategorie:Politik und Sozialwissenschaften]]
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Aktuelle Version vom 24. Februar 2019, 09:28 Uhr

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