Die Vermessung der Welt

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Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann ist eine fiktive Doppelbiographie über den Mathematiker Carl Friedrich GaußWikipedia-logo.png und den Geographen Alexander von HumboldtWikipedia-logo.png. Sie schildert die Forschungsleistungen und die Skurrilitäten von Gauß und Humboldt, die Zeitgenossen waren.

Inhaltsverzeichnis

Inhalte

Der Roman beginnt mit einem Zusammentreffen der beiden in Berlin, das aus der Sicht von Gauß geschildert wird, dann wird abwechselnd je ein Abschnitt aus dem Leben jedes der beiden berichtet, bis sie in ihrem Alter für die unterschiedliche Weltsicht des jeweils anderen Verständnis gewinnen und Gauß’ Sohn Eugen bei seiner Fahrt nach Amerika, ohne es zu wissen, auf den Spuren Humboldts wandelt.

Erzählweise

Obwohl durchweg in der dritten Person erzählt wird, sieht der Leser Gauß meist aus der Innenperspektive. Dabei erscheint er als fast autistisch auf sein Denken konzentriert, was parodistisch zugespitzt deutlich wird, als er in der Hochzeitsnacht den Sexualakt unterbricht, um einen mathematischen Lösungsweg zu fixieren.

Dagegen wird Alexander von Humboldts Anpassungsbereitschaft an die Umwelt abgesetzt, die mit der Übung, eigene Bedürfnisse zu überwinden, um sich völlig auf die Forschung zu konzentrieren, einhergeht. Seine Unterdrückung eigener Bedürfnisse wird dadurch hervorgehoben, dass er mit seinem Reisegefährten, dem Franzosen Aimé Bonpland, verglichen wird, der ebenfalls äußerste Strapazen zu erdulden bereit ist, aber seine persönlichen Bedürfnisse nicht so extrem zurückstellt.

Bei Gauß wie Humboldt wird in mitreißender Weise die Außergewöhnlichkeit der Konzentration auf die Forschungsleistung sehr anschaulich, teils leicht parodistisch vorgestellt. In der Nebenhandlung zwischen Alexander und seinem Bruder Wilhelm wird angedeutet, dieser habe mehrmals das Leben des jüngeren Bruders bewusst aufs Spiel gesetzt, dadurch aber nur dessen Leistungswillen gestärkt. Beide hätten sich trotz stark divergierender Interessen als Rivalen gefühlt.

Über den Roman

Kehlmann sagt über seinen Roman, er habe mit der Darstellung Humboldts charakteristische Verhaltensweisen der Deutschen kritisieren und an den beiden Genies die Probleme des Alterns darstellen wollen.

Hinweise zur Behandlung im Unterricht

Nuvola apps edu miscellaneous.png   Unterrichtsidee

Denkbar ist eine Behandlung in Arbeitsgruppen zu den Themen

  • Bearbeite die von der Klasse 11D des Gymnasiums Plochingen vorgelegte Inhaltsangabe für diese ZUM-Wiki-Seite.
  • Wie werden Gauß und Alexander von Humboldt charakterisiert?
  • Wird die Darstellung den Persönlichkeiten Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt gerecht?
  • Wie nah ist die Darstellung des Romans der historischen Wirklichkeit?
  • Wie unterscheidet sich die Darstellungsweise des Romans von einer herkömmlichen Biographie? (z.B. von Gauß oder A. v. Humboldt? (mit Textbeispielen)
  • Erläuternde Kommentare zu einzelnen Passagen
  • Was sind nach Ansicht von Schülern, Lehrern und Ministerien Qualitätskriterien für Schullektüren? Wie weit ist das Buch (besonders?) als Schullektüre geeignet?

In der abschließenden Plenumsabeit könnte

  • der vorhandene Wikipedia-ArtikelWikipedia-logo.png verbessert werden
  • die vorliegende Seite verbessert werden
  • oder ersatzweise ein Kommentar zu dem Wikipedia-Artikel und/oder dieser Seite auf die Diskussionsseite geschrieben werden.

Der Film 2012

"Daniel Kehlmanns 2005 erschienener historischer Roman „Die Vermessung der Welt" ist einer der größten Erfolge der deutschen Nachkriegsliteratur. Die fiktive Doppelbiografie über die beiden Wissenschaftskoryphäen Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt wurde in über 40 Sprachen übersetzt und war laut New York Times im Jahr 2006 das weltweit am zweithäufigsten verkaufte Buch. Eine Kino-Adaption des zeitlich, räumlich und gedanklich weitgespannten Werkes muss jedem Leser als gewaltige Herausforderung erscheinen und den Gedanken, diesen Stoff in nur 31 Drehtagen, in aufwändiger 3D-Technik und zu großen Teilen im Amazonasgebiet von Ecuador zu verfilmen, mögen manche als – das Wortspiel muss sein – vermessenes Wagnis betrachten. Aber die Abenteuerlust und die Risikobereitschaft der Filmemacher erweist sich nicht nur als hübsche Parallele zum Pionier- und Entdeckergeist der beiden Hauptfiguren, sondern sie macht sich auch künstlerisch bezahlt. Gerade die Entscheidung, in 3D zu drehen, ist ein wahrer Glücksfall.[...]" (www.filmstarts.de)
"Von Daniel Kehlmanns Roman "Die Vermessung der Welt" bleibt im Film nur eine karikierende Bilderflut." Von Thomas E. Schmidt | 25. Oktober 2012 Die ZEIT
[...] Detlev Buck ... musste an die Möglichkeit einer »Verfilmung« glauben, und gegen die latente Langweiligkeit der Handlung konnte er daraufhin nur die Kräfte der Übertreibung mobilisieren: noch skurrilere Figuren und noch opulentere Bilder, die Vergröberungs-, aber nicht die Verfeinerungstechniken des Kinos. [...]"
"Detlev Buck hat Daniel Kehlmanns Romanbestseller „Die Vermessung der Welt“ verfilmt, nach einem Drehbuch des Autors und in 3D. Das Format lässt den Urwald leuchten, aber raubt der Geschichte jede Beweglichkeit." Von Andreas Kilb 23.10.2012 FAZ.NET
"Im Schatten eines guten Buches: Detlev Buck verfilmt den Roman "Die Vermessung der Welt" als plakative Geschichtsklamotte und im 3-D-Verfahren. Positiv fällt da nur eines auf. [...]
Immerhin hat Detlev Buck seinen Gauß und seinen Humboldt mit zwei unverbrauchten Schauspielern besetzt, die ihre Sache ausgezeichnet machen. Das ist denn auch das Einzige, was mit dieser plakativen Geschichtsklamotte halbwegs versöhnt. Dass man als Zuschauer durch exotische Landschafen geführt wird wie im Naturkundefilm, liegt allerdings in der Natur der Story und lenkt gleichfalls immer mal wieder von der holzschnittartigen Ästhetik ab: Wenn Humboldt, der in Lateinamerika von Hölzchen auf Stöckchen, mit anderen Worten vom Amazonas auf den Orinoco kommt, sich dazu auch in die Anden und auf den Chimborazo schwingt, ist das natürlich eine Steilvorlage für jedes 3-D-Spektakel." Von Tilman Krause, 23.10.12 Die Welt
"Deutsche Weltbestseller sind rar - mit seinem raffinierten und lustigen Roman "Die Vermessung der Welt" gelang Daniel Kehlmann so ein globaler Wurf. Jetzt hat sich Detlev Buck an die Verfilmung gewagt und ist daran gescheitert. Allerdings auf sehr sehenswerte Weise." Von Hannah Pilarczyk 22.10.2012 (www.spiegel.de)

Literatur

  • Johannes Diekhans (Hrsg.): Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt. Unterrichtsmodell. Schöningh Schulbuchverlag, Paderborn 2007. Reihe: Einfach Deutsch. (Inhaltsverzeichnis (pdf) zum Download, ISBN: 978-3-14-022392-8, Preis 19,95 €
  • Gunther Nickel (Hrsg.): Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“. Materialien, Dokumente, Interpretationen. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2008, ISBN 978-3-499-24725-5
  • Wolfgang Pütz: Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt. Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-00110-5 (Oldenbourg Interpretationen 110)
  • Wolfgang Pütz: Die Vermessung der Welt – Ein „Geniestreich“ der Gegenwartsliteratur als Unterrichtsgegenstand. In: Deutschmagazin. Nr. 1, Oldenbourg, München 2008, ISSN 1613-0693, S. 53–58
  • Die Vermessung der Welt. Unterrichtsmodelle mit Kopiervorlagen, Cornelsen, Berlin 2008, ISBN 978-3-464-61560-7
  • Wolf Dieter Hellberg: Lektüreschlüssel zu Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt [Broschiert] Reclam 2012, EUR 3,60
  • Nicole Spitzley: Interpretationshilfe Deutsch; DANIEL KEHLMANN: Die Vermessung der Welt. [Broschiert] Preis: EUR 5,95, 102 Seiten Stark Verlagsgesellschaft
  • LiteraNova: Die Vermessung der Welt - Unterichtsmodelle mit Kopiervorlagen
 , Preis: EUR 13,50, 48 Seiten
  • Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt - Buch mit mp3-Download: Inhalt - Hintergrund - Interpretation (Lektüre Durchblick Deutsch) Preis: EUR 5,99 , 64 Seiten, Verlag: Mentor 2011

Bibliographische Angaben

Die Vermessung der Welt. Roman. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005. ISBN 3-498-03528-2

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