Maler Nolten

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Maler Nolten ist ein romantischer, autobiographisch geprägter Roman von Eduard Mörike.

Noia 64 apps kontour.png   Meinung

Der Roman ist meiner Meinung nach heute nicht mehr leicht zugänglich, weil Mörike darin versucht, seine Vorstellungen von der ewigen Treue wahrer Liebender mit seinen eigenen Liebeserfahrungen in Einklang zu bringen.

Seine Lösung: Wahre Liebe bleibt ihrem Gegenstand treu, doch kann sie getäuscht werden. Bevor Noten sich in die Gräfin verliebt, gewinnt er den Eindruck, seine geliebte Braut hätte mit ihm gebrochen. (Dafür muss Agnes kurzfristig in einen leichten Wahnsinn verfallen, der ihr vormacht, sie sei der Liebe Noltens nicht wert.)

Agnes dagegen muss durch einen gut gemeinten Betrug dazu gebracht werden, ihre Liebe einem Briefpartner zuzuwenden, den sie für Nolten hält. (Die Information, dass sie darüber getäuscht worden ist, lässt sie endgültig in Wahnsinn verfallen.)

Dass dafür einem Freund des Helden die Rolle zugeschoben wird, sich in eine Liebe einzuschleichen, sie auf sich zu fixieren, um sie dem Freund zu sichern - ein wahnsinniger Plan, das nimmt Mörike in Kauf.

Ein Mann zwischen drei Frauen?[1] Das ist nicht seine Schuld.

Eher noch ist für den Autor zu akzeptieren, dass alle anderen wahnsinnig sind. --Fontane44 15:30, 1. Nov. 2011 (CET)


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Man kann den Roman freilich auch ganz anders lesen: als Rechtfertigung der künstlerischen Existenz gegenüber den Anforderungen der Welt und Luises, Mörikes Braut, die von ihm erwarten, dass er sich ganz auf seine bürgerliche Existenz konzentriert.

Dann stünde der Schauspieler Larken für den Künstler in Mörike, der den Kontakt mit anregenden Freunden braucht, auch wenn sie manchmal unberechenbar sind und ihn von der Verfolgung der ihm gemäßen künstlerischen Ziele abzubringen drohen.

Agnes' Festhalten an Larkens Liebesbriefen als dem eigentlichen Ausdruck von Noltens Wesen, stünde für die Eingrenzung in die bürgerliche Existenz. Ihre Zurückweisung Noltens, weil er nicht der echte sei, stünde für die Forderung der Welt, er solle am Brotberuf festhalten und sich keine künstlerischen Eskapaden leisten. Der Wahnsinn von Agnes wäre dann der Ausdruck für die Verzweiflung des jungen Künstlers, der seine Liebe bewahren, aber dafür nicht auf seine künstlerische Berufung will.

Der Roman demonstriert der Umgebung Mörikes die Ernsthaftigkeit seines Künstleranspruchs, die ihr durch einzelne "Gelegenheits"-Gedichte, so gelungen sie sein mögen, nicht deutlich genug wird. Gleichzeitig versucht er, die Konflikte, die ihn zu zerreißen drohen, auf mehrere Personen verteilt darzustellen, und so künstlerisch zu verarbeiten.

Für heutige Leser ist die romantische Bauform des Romans, die Auffüllung des Textes durch disparates Material (Orplid, Jung Volker, Brunnensage) freilich nicht ganz leicht zu bewältigen, obwohl moderne Schnitttechnik und Perspektivenwechsel an sich eher höhere Anpassungsleistungen erfordern.

Anmerkungen

  1. Mörikes Begegnung mit Maria Meyer, die er als 19-jähriger als eine Anhängerin der Sektenstifterin Juliane von KrüdenerWikipedia-logo.png kennen lernte, ist vermutlich die bedrängendste Erfahrung, die er zu verarbeiten versuchte.

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