Anwendungsbezogene Extremwertaufgaben

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Lernpfad

Üben, Anwenden und Veranschaulichung von Extremwertaufgaben an anwendungsbezogenen Beispielen.

  • Zeitbedarf: eine Unterrichtsstunde/mehrere Unterrichtsstunden
  • Material: Stift und Papier, Konzentration
Kurzinfo
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Inhaltsverzeichnis

Extremwertaufgaben in der Anwendung

Einführung

Einführungsgrafik4.png

Als Extremwert einer Funktion wird derjenige Wert bezeichnet, der innerhalb eines gewissen Bereichs größer (Maximum) bzw. kleiner (Minimum) als alle anderen Werte in diesem Bereich ist. Hierbei wird noch zwischen einem lokalen und einem globalen Extremwert unterschieden. Global ist der Extremwert dann, wenn er der größte bzw. kleinste Wert im gesamten Definitionsberich ist, im anderen Fall ist es ein lokaler Extremwert.


Formal ist er folgendermaßen definiert:

Es sei  U \subseteq\mathbb R eine Teilmenge der Reellen Zahlen (z.B. ein Intervall) und  f\colon U\to\mathbb R eine Funktion.


f hat an der Stelle  x_0\in U

  • ein lokales Minimum, wenn es ein Intervall  I = (a,b) gibt, das   x_0 enthält, so dass  f(x_0)\leq f(x) für alle  x\in I\cap U gilt;
  • ein globales Minimum, wenn  f(x_0)\leq f(x) für alle  x\in U gilt;
  • ein lokales Maximum, wenn es ein Intervall  I = (a,b) gibt, das  x_0 enthält, so dass  f(x_0)\geq f(x) für alle  x\in I\cap U gilt;
  • ein globales Maximum, wenn  f(x_0)\geq f(x) für alle  x\in U gilt.


Wozu überhaupt Extremwerte?

Extremwerte geben maximale bzw. minimale Größen bei vorgegebenen Randbedingungen an und sind Lösungen bei sogenannten Optimierungsproblemen, d.h. sie geben den idealen Zusammenhang der Funktionsgrößen wieder. So kann durch die Bestimmung des Extremwertes herausgefunden werden, welche Verpackungsform das geringste Material verbraucht, unter welchen Parametern eine Strecke in kürzester Zeit zurückgelegt werden kann usw.


Allgemeines Lösungsverfahren

Ein Extremwert einer Funktion tritt immer dort auf, wo die 1. Ableitung dieser Funktion eine Nullstelle hat und die zweite 2. Ableitung keine Nullstelle besitzt (Alternativ können hier statt der 2. Ableitung auch die Vorzeichen der ersten Ableitung betrachtet werden. Bei Vorzeichenwechsel liegt dann ein Extremwert vor).

Ist allerdings wie bei praktischen Problemen keine explizite Funktion vorgegeben, sondern nur das Problem formuliert, muss zunächst eine passende Funktion, die Zielfunktion, aufgestellt werden. Hierbei hilft es, sich an folgendes Schema zu halten:

1. Stelle das Problem in einer Skizze dar

Eine Skizze hilft, sich die Problemstellung deutlich zu machen. Kennzeichne in der Skizze die bekannten und unbekannten Größen. Überlege dir, welche Größen in der Skizze du noch nicht weißt und ob du diese durch die anderen Größen ermitteln kannst.

2. Stelle die Zielfunkion auf

Versuche nun, deine Skizze in eine Funktion zu übertragen. Hierbei musst du die Größe, die du maximieren oder minimieren willst, durch die anderen vorhandenen Größen ausdrücken.

3. Nebenbedingung in Zielfunktion einsetzen

Unter Nebenbedingung versteht man einen für die Aufgabe notwendigen Zusammenhang, der nicht direkt aus der Aufgabenstellung hervorgeht. Ist in der Zielfunktion also noch eine Größe, die du nicht kennst, versuche sie durch die anderen gegebenen Größen z.B. mit Hilfe eines geometrischen Zusammenhangs auszudrücken. Am Schluss darf deine Zielfunktion nur noch von einer Größe abhängen.

4. Extremwert der Zielfunktion bestimmen

Nun musst du nur noch den Extremwert der Zielfunktion herausfinden. Dies geschieht durch Nullstetzen der ersten Ableitung und durch die Betrachtung des Randes der Definitionsmenge. Betrachtest du die Nullstelle der ersten Ableitung, so musst du diesen Wert noch durch Einsetzen in die 2. Ableitung überprüfen. Ist die 2. Ableitung an dieser Stelle positiv, so handelt es sich um ein Minimum, ist sie negativ, um ein Maximum. Falls die 2. Ableitung ebenfalls eine Nullstelle hat, ist es kein Extremum.


Beispiele für anwendungsbezogene Extremwertaufgaben (mit Lösungsanleitung)

Extremwertaufgabe mit Nebenbedingung: Acker neben Straße

Stift.gif   Aufgabe


Ein Acker liegt an einer geradlinigen Straße. Ein Fußgänger befindet sich auf dem Acker im Punkt A und möchte möglichst schnell zu einem Punkt B auf der Straße gelangen. Der Fußpunkt C des Lotes von A auf die Straße hat von A die Entfernung 400m und die Entfernung B nach C betrage

(a.) 1000m

(b.) 100m.

Auf der Straße kann sich der Fußgänger doppelt so schnell fortbewegen wie auf dem Acker. Welchen Weg soll er einschlagen?

                            Versuche zuerst die Aufgabe ohne Hilfestellung zu lösen!


Ansonsten löse die Aufgabe in folgenden Schritten:


1. Stelle die Aufgabensituation in einer Skizze dar:

Beschrifte, was gegeben und gesucht ist. Gebe den Bekannten und Unbekannten passende Namen.


2. Zielfunktion für Teilaufgabe a) :

Erkenne die Zielfunktion und formuliere sie als mathematische Funktion in Abhängigkeit von den Ausgangsgrößen und Unbekannten.

Der Weg des Fußgängers setzt sich aus 2 Teilstrecken zusammen, nämlich aus einem geraden Weg über den Acker von A nach X (X liegt auf der Straße) und dem Teilstück x von X nach C auf der Straße, wobei X die Entfernung x von C hat mit 0 \le x  \le 1000 . Der Weg von A nach X führt also über den Acker, der Weg von X nach C über die Straße.

  • Sei y die Länge des Weges von A nach X.
  • Die Länge des Weges von X nach B ist 1000 - x.
  • Da der Fußgänger auf dem Acker nur halb so schnell voran kommt wie auf der Straße, müssen die dort zurückzulegenden Meter doppelt gezählt werden.

Die Überlegungen führen uns zu folgender Zielfunktion:


f(x)=2*y+ (1000-x)


Diese ist zu minimieren.


3. Nebenbedingung in Zielfunktion für Teilaufgabe a):

Erkenne die Nebenbedingung, die unabhängige Größen der Zielfunktion zueinander in Beziehung setzt, formuliere sie als mathematischen Ausdruck und setze sie in die Zielfunktion so ein, dass eine äquivalente Zielfunktion für den zu optimierenden Wert in Abhängigkeit von nur einer Variablen entsteht.

Die Länge des Weges von A nach X ist nach Pythagoras y=\sqrt{400^2+x^2} .

Mit dieser Nebenbedingung y=\sqrt{400^2+x^2} ergibt sich durch Ersetzen von y in der Zielfunktion:

f(x)=2*\sqrt{400^2+x^2}+ (1000-x)= min!


4. Bestimmung des Extremwertes der Zielfunktion für Teilaufgabe a) und b):

Bestimmung des Extremwertes durch Nullsetzen der ersten Ableitung und Überprüfung des Vorzeichens der zweiten Ableitung.

Teilaufgabe a)

  • Um den Extremwert der Zielfunktion bzw. den schnellsten Weg, um von A nach B zu kommen, zu bestimmen, benötigen wir die erste Ableitung dieser Funktion, die wir gleich 0 setzen, also f'(x)=0:

f'(x)=(2x/\sqrt{400^2+x^2})-1=0

  • Durch Auflösen dieser Bedingung nach x erhält man als Lösung

x=\sqrt{\frac{400^2}{3}}\approx230.94

  • Um nachzuprüfen, ob an dieser Stelle ein lokales Minimum (schnellster Weg) vorliegt, berechnen wir die zweite Ableitung der Zielfunktion f''(x) und prüfen, ob durch Einsetzen von unserer Lösung x in f''(x) eine Zahl größer als 0 vorliegt, also ob f''(x)>0:

Es gilt f''(x)=[2*\sqrt{400^2+x^2}-2x^2/\sqrt{400^2+x^2}]/(400^2+x^2)

und somit f''(\sqrt{\frac{400^2}{3}})>0

  • Die Weglänge über die Straße, also die Entfernung von Punkt B zu X, beträgt also

1000-\sqrt{\frac{400^2}{3}}\approx769.04.

Die Weglänge über den Acker beträgt

y=\sqrt{400^2+\sqrt{400^2/3} }\approx461.8.


Teilaufgabe b)

  • Wenn allerdings der Abstand zwischen B und C nur 100m beträgt, so lautet die zu minimierende Zielfunktion

f(x)=2*\sqrt{400^2+x^2}+(100-x)


  • Die Ableitung hiervon ist die gleiche wie in Teilaufgabe a) schon betrachtet:

f'(x)=(2x/\sqrt{400^2+x^2})-1.

Setzt man diese Ableitung gleich 0, so hat sie für 0\le x\le100 keine Nullstelle bzw. keine Lösung. Hiermit gibt es in diesem Fall kein lokales Minimum. Die Funktion ist im Intervall [0,100] also streng monoton, weshalb der minimale Wert am Rand des Definitionsbereiches liegen muss, also entweder bei x=0 oder bei x=100.


  • Durch Einsetzen von x = 0 erhält man f (0)=2*400+100=900

Durch Einsetzen von x = 100 erhält man f (100)=2*412+100-100=824

Da der Funktionswert für x=100 der kleinere ist, führt folglich der kürzeste Weg von A nach B auf gerader Linie direkt über den Acker.


Bastelstunde: Falten einer Schachtel

Stift.gif   Aufgabe
Von einem rechteckigen Karton mit Seitenlängen a und b (mit b \le a) schneidet man an den Ecken Quadrate der Seitenlänge x aus, so dass man damit eine oben offene Schachtel falten kann. Die Schachtel besteht dabei aus der Grundfläche G und den Seitenflächen S1 bis S4.


a.) Berechne x in Abhängigkeit von a und b für den Fall, dass das Schachtelvolumen möglichst groß ist.
b.) Was ergibt sich im Sonderfall a = b?
c.) Wie groß ist das maximal Volumen für a = 21 und b = 16?
           Schreibe deine Gedanken, den Rechenweg und deine Ergebnisse auf einem Blatt Papier nieder. 
      Falls du an einer Stelle nicht weiterkommst, oder du zum Schluss die Lösungen vergleichen möchtest, 
                                 kannst du folgende Hinweise zu Hilfe nehmen:


Fertige zuerst eine Skizze der Aufgabenstellung an, in welche die gegebenen und gesuchten Variablen eingezeichnet werden. Dadurch sind die Zusammenhänge leichter ersichtlich.

Lernpfad.jpg


Somit wird die längere Seite der ausgeschnittenen Schachtel mit  (a-2 \cdot x) und die kürzere mit  (b-2 \cdot x) bezeichnet.


Lösungsweg zu Teilaufgabe a.)

Nun gilt es, mit Hilfe der Variablen in der Skizze die Formel für das Schachtel-Volumen aufzustellen. Weißt du noch, wie man das Volumen eines Quaders berechnet?

Wie du dich vielleicht erinnerst, berechnet man das Volumen eines Quaders mit dem Merksatz "Länge mal Breite mal Höhe". Hier in unserem Fall lautet die Formel also:


 \begin{matrix} V(x) &=& (a-2x) \cdot (b-2x) \cdot x \\ \ &=&(ab-2ax-2bx+4x^2) \cdot x \\ \ &=&4x^3-2ax^2-2bx^2+abx \end{matrix}


Jetzt bilden wir die erste Ableitung der Volumenformel V(x) und setzen diese gleich Null, um "Kandidaten" für Extrempunkte zu bekommen.

 \begin{matrix} V^\prime(x) &=&12x^2-4ax-4bx+ab \\ \ &=&12x^2-4(a+b)x+ab  \end{matrix} \qquad \qquad \stackrel{!}{=} \ 0


Mit Hilfe der "Mitternachtsformel" erhalten wir maximal 2 mögliche Extremstellen (da dies ein Polynom zweiten Grades ist):


 \begin{matrix} x_{1,2} &=&\frac {4(a+b)\pm \sqrt{16(a+b)^2-4 \cdot 12 \cdot ab}}{24} \\ \ &=&\frac{4a+4b \pm \sqrt{16a^2+32ab+16b^2-48ab}}{24} \\ \ &=&\frac{4a+4b \pm \sqrt{16a^2-16ab+16b^2}}{24} \\ \ &=&\frac{4a+4b \pm 4\sqrt{a^2-ab+b^2}}{24} \\ \ &=&\frac{a+b \pm \sqrt{a^2-ab+b^2}}{6}\end{matrix}


 \Rightarrow \qquad x_1 =\frac{a+b+ \sqrt{a^2-ab+b^2}}{6} \quad , \quad x_2 =\frac{a+b- \sqrt{a^2-ab+b^2}}{6}


Für welchen unserer Extremstellen-"Kandidaten" das Schachtelvolumen maximal wird, sehen wir nun durch sukzessives Einsetzen der erhaltenen Punkte in die zweite Ableitung der Volumenformel V(x).

 {V^\prime}^\prime (x) = 24x-4a-4b


 \Rightarrow
 {V^\prime}^\prime (x_1) = 4(a+b+ \sqrt{a^2-ab+b^2})-4a-4b =4 \sqrt{a^2-ab+b^2} \qquad > \ 0 \qquad \Rightarrow \quad x_1 \ ist \ Minimum
 {V^\prime}^\prime (x_2) = 4(a+b- \sqrt{a^2-ab+b^2})-4a-4b =-4 \sqrt{a^2-ab+b^2} \quad < \ 0 \qquad \Rightarrow \quad x_2 \ ist \ Maximum


Ergebnis: Nach Herausschneiden von Quadraten der Seitenlänge x_2 an den Ecken des Kartons besitzt die gefaltete Schachtel das größtmögliche Volumen!


Lösungsweg zu Teilaufgabe b.)

Für den Sonderfall  a = b ersetzen wir also nun die Variable b durch die Variable a, was bedeutet, dass unser Karton jetzt quadratisch ist. Dadurch erhalten wir sofort zwei neue Lösungen für die Seitenlänge x der herauszuschneidenden Quadrate.

 x_{1,2} = \frac{2a \pm \sqrt{a^2-a^2+a^2}}{6} = \frac{2a \pm a}{6}


 \Rightarrow
 x_1 = \frac{a}{2} \quad \Rightarrow \quad Fuer \ diesen \ Fall \ gibt \ es \ keine \ Schachtel, \ da \ (a-2x_1)=0
 x_2 = \frac{a}{6} \quad \Rightarrow \quad {V^\prime}^\prime (x_2) = 24 \left( \frac{a}{6} \right) -4a-4a = -4a \quad < \ 0 \qquad \Rightarrow \quad x_2 \ ist \ Maximum


Ergebnis: Die Schachtel hat die Kanten a/6, 4a/6 und 4a/6. Das ist das Verhältnis  1 \ : \ 4 \ : \ 4 .


Lösungsweg zu Teilaufgabe c.)

Zum Schluß haben wir noch zwei konkrete Werte für unsere Kartonseitenlängen gegeben, nämlich  a = 21 und  b = 16 . Wie groß ist hierfür das maximale Volumen V_\mathrm{max} (x) ?

Dazu setzen wir zunächst a und b in die Formel unseres Maximums aus Teilaufgabe a.) ein:


x = \frac{a+b- \sqrt{a^2-ab+b^2}}{6} = \frac{37- \sqrt{441-336+256}}{6} = \frac{37-19}{6} = 3


Jetzt wissen wir, welche Länge die Quadrate haben, die wir an den Ecken des Kartons ausschneiden müssen. Mit diesem Wert lässt sich schließlich V_\mathrm{max} (x) berechnen:


 V_\mathrm{max} (x) = (21-6) \cdot (16-6) \cdot 3 = 15 \cdot 10 \cdot 3 = 450 .

Skizze zur Verdeutlichung:


Der schräge Wurf

Stift.gif   Aufgabe

Als erstes Beispiel wollen wir untersuchen, in welchem Winkel du einen Ball nach vorne oben werfen musst, um eine möglichst große Wurfweite zu erzielen und welche maximale Höhe der Ball dabei jeweils erreicht. Hierzu sind natürlich einige Vorüberlegungen zu treffen. Von was hängt die Wurfweite sonst noch ab? Erinnerst du dich an die entsprechenden physikalischen Formeln?

                      Wenn du dich nicht erinnern kannst oder um deine Formeln zu überprüfen,
                               klicke auf Lösung anzeigen! Aber: Vorher nachdenken!


Entscheidend ist die Zerlegung der Bewegung in eine x- und eine y-Komponente. Der Ort des Objekts ergibt sich aus dem Anfangsort, der Geschwindikeit in die jeweilige Richtung mal die entsprechende Zeit und die Geschwindigkeitsänderungen (welche über die Beschleunigung ausgedrückt werden) mal die quadratische Zeit:

 x(t)=x_{0}+v_{0} \cdot t + \frac{1}{2} \cdot a_{0} \cdot t^2

Dies müssen wir nun in x- und y-Richtung ausdrücken. In x-Richtung bleibt die Geschwindigkeit (wenn wir die Reibung vernachlässigen) über die ganze Strecke konstant und wir starten am Anfangspunkt 0:

 x(t)=v_{x} \cdot t

In y-Richtung starten wir ebenfalls am Anfangspunkt 0, allerdings nimmt die Geschwindigkeit mit der Erdbeschleunigung g ab:

 y(t)=v_{y} \cdot t - 1/2 \cdot g \cdot t^2


Versuche nun nach dem oben dargestellten Schema vorzugehen, dir also in einer Skizze die Situation zu verdeutlichen und die entsprechenden Größen einzuzeichnen! Wo befindet sich der Winkel \alpha?

Skizze:


Als feste Größe ist die Abwurfgeschwindigkeit \vec v_{0} anzusehen. Dies ist die Geschwindigkeit, die du durch deine Wurfbewegung dem Ball in einer bestimmten Richtung mitgibst. Der entscheidende Parameter ist der Winkel \alpha. Kannst du die noch unbekannten Größen mit Hilfe von \vec v_{0} und \alpha ausdrücken?

Um unsere Gleichungen für x(t) und y(t) aufzustellen benötigen wir die noch unbekannten Größen  v_{x} und  v_{y} die sich aus der Skizze ablesen lassen:

 v_{x}=v_{0} \cdot cos(\alpha) und

 v_{y}=v_{0} \cdot sin(\alpha)


Nun kannst du die beiden Ortsgleichungen aufschreiben und zu einer Funktionsgleichung umformen. Die Zielfunktion ist dabei die Funktion der Größe, die du maximieren willst. In unserem Fall möchten wir zunächst das Maximum der Wurfweite in Abhängigkeit des Abwurfwinkels bestimmen. Unsere Zielfunktion ist also die Ortsfunktion in x-Richtung. Versuche diese Funktion mit Hilfe der bisherigen Gleichungen aufzustellen.


Durch das Zusammensetzen der obigen Funktion von  x(t) und  v_{x}(t) ergibt sich folgender Zusammenhang:

 x(t)=v_{x} \cdot t = v_{0} \cdot cos(\alpha) \cdot t = x(t,\alpha)


Nun musst du dir klar werden, welche Größen du darstellen willst! In unserem Fall: Wurfweite x in Abhängigkeit des Wurfwinkels  \alpha . Steht dies schon da? Oder steht in der Funktion eine Variable, die stört bzw. nicht gegeben ist? Dann musst du diese Variable durch deine eigentlich interessanten Größen ausdrücken, oder anders gesagt, eine Nebenbedinung formulieren. Tipp: Nicht erschrecken vor zunächst etwas unhandlichen Termen.

Falls du nicht weiterkommst, findest du hier die Nebenbedingung mit entsprechender Auflösung:

Störend ist bei uns noch die Variable t. Wir interessieren uns ja nur für den Zeitpunkt, an dem der Ball/Stein oder ähnliches wieder auf dem Boden aufkommt. Dies ist genau der Zeitpunkt, bei dem unsere zweite Ortsfunktion y(t) (also die Höhe) wieder 0 ist. Als Funktion:

 y(x)=v_{y}(t) \cdot t - \frac{1}{2} \cdot g \cdot t^2 = v_{0}(t) \cdot sin(\alpha) \cdot t - \frac{1}{2} \cdot g \cdot t^2 =0

um t zu elimieren, müssen wir diese Gleichung nach t auflösen. Etwas anders sortiert lässt sich die Gleichung auch schreiben als

 0 = \underbrace{- \frac{1}{2} \cdot g}_{a} \cdot t^2 + \underbrace{v_{0}(t) \cdot sin(\alpha)}_{b} \cdot t = a \cdot t^2 + b \cdot t = 0

Dies ist eine einfache quadratische Gleichung, die sich mit der Mitternachtsformel lösen lässt:

 t_{1/2}=\frac{-v_{0} \cdot sin(\alpha)\pm \sqrt{v_{0}^2 \cdot sin(\alpha)^2+4 \cdot \frac{1}{2}\cdot 0}}{-g}


 \qquad =\frac{-v_{0} \cdot sin(\alpha) \pm v_{0} \cdot sin(\alpha)}{-g}


 \Rightarrow t_{1} = 0 \qquad und \qquad t_{2} = \frac{2 \cdot v_{0} \cdot sin(\alpha)}{g}

Wir erinnern uns, dass  t_{1} und  t_{2} jeweils die Zeiten sind, an denen die Höhe des Wurfobjekts 0 ist. Dies ist logischerweise zur Zeit 0 der Fall, was unserer Lösung  t_{1} entspricht. Die für uns interessante Lösung ist allerdings  t_{2} , also die Zeit, wenn das Wurfobjekt nach dem Wurf wieder am Boden ist.


Wenn du die Nebenbedingung formuliert hast und umgeformt hast, kannst du die störende Variable durch für die Aufgabe wesentliche Größen ausdrücken. Dies musst du nun in die Zielfunktion einsetzen.

Mit der Information über t können wir t nun in unserer Ortsfunktion  x(t,\alpha) elimieren.

 x(t_{2},\alpha)= v_{0} \cdot cos(\alpha) \cdot t_{2} = v_{0} \cdot cos(\alpha) \cdot \frac{2 \cdot v_{0} \cdot sin(\alpha)}{g}= \frac {2 \cdot v_{0}^2}{g} \cdot cos(\alpha) \cdot sin(\alpha)=x(\alpha)

Somit hängt unsere Wurfweite wie gewollt nur noch vom Abwurfwinkel  \alpha ab. In der Skizze kannst du zusätzlich die Abwurfgeschwindigkeit  v_{0} variieren, die wir in der Berechnung zunächst einmal als fest voraussetzen.

Skizze:


Du hast nun die Zielfunktion aufgestellt und die störende Variable durch deine Nebenbedingung eliminiert. Nun hast du eine Funktion, die dir die Wurfweite in Abhängigkeit des Winkels darstellt. Wir wollen den Winkel herausfinden, bei dem die Wurfweite maximal wird. Wir suchen also das Maximum von  x(\alpha).

Dieses Maximum können wir bestimmen, indem wir die Funktion einmal ableiten und die Nullstellen dieser Ableitung suchen. Da die Funktion nur von  \alpha abhängt, musst du jetzt natürlich nach  \alpha ableiten. Versuche, die Nullstelle zu bestimmen.

Die Funktion

 x(\alpha) = \frac {2 \cdot v_{0}^2}{g} \cdot cos(\alpha) \cdot sin(\alpha) soll maximiert werden.

Erste Ableitung:

  x'(\alpha)= \frac{2 \cdot v_{0}^2}{g} (-sin(\alpha) \cdot sin(\alpha)+cos(\alpha)cos(\alpha))\qquad \qquad (Produktregel)

 x'(\alpha) = \frac{2 \cdot v_{0}^2}{g} (cos(\alpha)^2 - sin(\alpha)^2)

 x'(\alpha) = \frac{2 \cdot v_{0}^2}{g} (1-2sin(\alpha)^2) \stackrel{!}{=} 0 \qquad \qquad (sin(x)^2+cos(x)^2=1)

 \Leftrightarrow 2 \cdot sin(\alpha)^2 = 1 \qquad \Leftrightarrow sin(\alpha) = \pm \frac{1}{\sqrt{2}}

 \Leftrightarrow \qquad \alpha = \pm 45^\circ

Die negative Lösung entspräche dem Abwurf in 45° nach unten in den Boden, also eine nichtpraktische Lösung.

 \Rightarrow \qquad \alpha = 45^\circ

Zur Überprüfung, ob es sich tatsächlich um ein Maximum handelt, sollten wir noch die 2. Ableitung überprüfen:

 x''(\alpha) = - \frac{8 \cdot sin(\alpha) \cdot cos(\alpha)}{g} < 0 \qquad \qquad \alpha \approx 45^\circ

Somit handelt es sich tatsächlich um ein Maximum und die Wurfweite wird bei  \alpha = 45^\circ maximal.


Du hast nun herausgefunden, dass die Flugweite eines geworfenen Objekts nicht nur von der Anfangsgeschwindigkeit abhängt, sondern auch vom Winkel, in dem das Objekt abgeworfen wird. Unter dem soeben bestimmten Winkel ist die Flugweite maximal.

Versuche nun noch zu berechnen, welche maximale Höhe das Objekt dabei erreicht. Wir suchen also wieder den Extremwert, diesmal allerdings den maximalen Wert der Höhe. Die Höhe wurde bisher als Funktion y(t) bezeichnet. Klar ist, dass der Ball wohl je höher fliegen wird, je steiler man ihn nach oben wirft und die Flughöhe bei  \alpha=0^\circ , also den Wurf senkrecht nach oben, sein Maximum haben wird. Die Frage ist nun allerdings wie hoch der Ball unter dem berechneten "optimalen" Abwurfwinkel fliegt.

Wir müssen die Ableitung der Funktion y(t) wieder gleich 0 setzen, um die Extremwerte der Funktion herauszufinden und diese Werte dann mithilfe der 2. Ableitung überprüfen:

 y(t)= v_{0} \cdot sin(\alpha) \cdot t - \frac{1}{2} \cdot g \cdot t^2

 y'(t)= v_{0} \cdot sin(\alpha) - \frac{1}{2} \cdot g \cdot 2 \cdot t \stackrel{!}{=} 0

 \Rightarrow t_{max} = \frac{ v_{0} \cdot sin(\alpha)}{g}

Einsetzen in y(t):

 y(t_{max})= v_{0} \cdot sin(\alpha) \frac{v_{0} \cdot sin(\alpha)}{g} - \frac{1}{2} \cdot g \frac{v_{0}^2 \cdot sin(\alpha)^2}{g^2}

 = \frac{v_{0}^2 \cdot sin(\alpha)^2}{g} - \frac{v_{0}^2 \cdot sin(\alpha)^2}{2g}

 = \frac{v_{0}^2 \cdot sin(\alpha)^2}{2g}

Einsetzen von  \alpha_{max}=45^\circ

 y(t_{max})= \frac{v_{0}^2}{4g}

Zuletzt noch die Überprüfun der 2. Ableitung:

 y''(t_{max})= -g < 0

Somit handelt es sich um ein Maximum und wir haben die Flughöhe für beliebige Anfangsgeschwindigkeiten bestimmt.


Herzlichen Glückwunsch! Du hast das Extremwertproblem des schrägen Wurfes gelöst!



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