Neue Sachlichkeit

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Epochen der
deutschen Literatur

Neue Sachlichkeit bezeichnet eine Richtung der Literatur der Weimarer Republik, die sich nüchtern und realistisch vom Pathos des Expressionismus abgrenzt.

Inhaltsverzeichnis

Die Neue Sachlichkeit

Für eine Kunstausstellung moderner Malerei in Mannheim 1925 verwendete der Kunsthistoriker und Museumsdirektor Gustav Friedrich Hartlaub (1884-1963) zwei Jahre zuvor erstmals den Begriff der Neuen Sachlichkeit. Bald wurde der Terminus auf das Bemühen aller Kunstrichtungen um eine Darstellung der sozialen und ökonomischen Wirklichkeit angewandt. In der nach der Inflation begonnenen Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte sich eine allgemeine "Versachlichung" der ästhetischen Ausdrucksform durch. Das facettenreiche Arbeits- und Alltagsleben der Menschen in den Großstädten waren Schwerpunkte der Neuen Sachlichkeit in Spielfilmen, der Photographie und der Literatur. Nüchterne Sprache und das Bemühen um eine Gesellschaftsanalyse prägten die zeitbezogenen Romane von Hans Fallada, Lion Feuchtwanger, Egon Erwin Kisch oder Alfred Döblin.

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Lemo3-20.gif Die Neue Sachlichkeit, 1918-33, gesehen 04.06.2012

Neue Sachlichkeit bezeichnet eine Richtung der Literatur der Weimarer Republik, die sich nüchtern und realistisch vom Pathos des Expressionismus abgrenzt. An die Stelle emphatischer Wendungen und radikal-romantischer Bilder trat eine ernüchterte, oft kühl-distanzierte, beobachtende Haltung, die dokumentarisch-exakt und scheinbar gefühllos die moderne Gesellschaft darstellte, wobei häufig Alltagsdokumente in die Werke einmontiert wurden. Die Bezeichnung „Neue Sachlichkeit“ ist auf die Abgrenzung zum Realismus als „alte Sachlichkeit“ zurückzuführen. Entstanden nach dem Ersten Weltkrieg, zeichnet sich die Neue Sachlichkeit durch schlichte Klarheit, sachliche Ausdrucksweise sowie teils hoch politische Inhalte aus.

Die Beobachtung und Abbildung der äußeren Wirklichkeit wie die Konstruktion des Lebens auf der Basis von Fakten bestimmt die „neusachliche“ Literatur der 1920er und 1930er Jahre und schlägt über die Verwendung der „Montage“ die Brücke zum Film. Tendenz ist die Rückkehr zum verlässlichen Äußeren – die expressionistische Vorstellung vom visionären Dichter als „geistigem Führer“ scheint in einer durch den Krieg desillusionierten und dabei immer deutlicher vom Geist des technischen Fortschritts dominierten Welt nicht mehr adäquat. „Es handelt sich nicht mehr darum zu ‚dichten’. Das Wichtigste ist das Beobachtete.“ schrieb Joseph Roth 1927 im Vorwort seines Romans Die Flucht ohne Ende. Bereits hier entbrennt eine Diskussion über die Angemessenheit und Beschaffenheit dieser Sachlichkeit, die zwischen Vorwürfen der affirmativen Haltung und Bekräftigung ihres kritischen Potenzials schwankt. Während die einen die Wirkung der unmittelbar beobachteten „Krassheit“ der Realität betonen, kritisieren andere, dass ohne die verbindende und einordnende Instanz des Denkens überhaupt keine Erkenntnis über die Wirklichkeit zu erlangen sei.


Neue Sachlichkeit (Literatur), gesehen am 04.06.2012Wikipedia-logo.png

Der Begriff Neue Sachlichkeit ist eine Stilbezeichnung für die Malerei und Literatur in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Autoren der neuen Sachlichkeit legten Wert auf eine objektive Darstellung der sozialen und ökonomischen Wirklichkeit.


Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit, 1918 - 1932 (literaturwelt.com), gesehen am 04.06.2012

Literarische Beispiele

Romanauszüge / Erzähltexte von Kästner, Fallada, Fleißer oder Keun

Hans Fallada: Kleiner Mann, was nun?

Erich Kästner: Fabian

Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen

→ Das kunstseidene Mädchen

Linkliste

Siehe auch