Rubikon-Modell: Unterschied zwischen den Versionen

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Dieses von Peter Gollwitzer/Heinz Heckhausen 1987 entwickelte Modell bildet '''in 4 chronologischen Schritten 4 chronologische Handlungsphasen''' ab, die wir durchlaufen, wenn wir ein Ziel erreichen WOLLEN. Für eine Klärung der Frage, wann dies wirklich der Fall ist siehe Zürcher Ressoucen Modell.  
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Dieses von Peter Gollwitzer/Heinz Heckhausen 1987 entwickelte Modell bildet '''in 4 chronologischen Schritten 4 chronologische Handlungsphasen''' ab, die wir durchlaufen, wenn wir ein Ziel erreichen WOLLEN. Für eine Klärung der Frage, wann dies wirklich der Fall ist, siehe Zürcher Ressourcen Modell.  
  
 
1. '''Die Prädezisionale Motivationsphase - Wir wägen ab! (Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es? Welche davon wird bevorzugt?)
 
1. '''Die Prädezisionale Motivationsphase - Wir wägen ab! (Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es? Welche davon wird bevorzugt?)
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3. '''Die aktionale Volitionsphase - Wir handeln!''' (Reale Durchführung der Handlung)
 
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4. '''Die postaktionale Motivationsphase - Wir bewerten! (Erfolgskontrolle) '''
 
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Aktuelle Version vom 13. September 2017, 08:13 Uhr

Das Rubikonmodell der HandlungsphasenWikipedia-logo.png


Verwendete Quelle:

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Rubikon-Modell?

Die Kernfrage lautet: Just Do It?- Wie wird aus Motivation tatsächlich eine zum Ziel führende Handlung?!


Dieses von Peter Gollwitzer/Heinz Heckhausen 1987 entwickelte Modell bildet in 4 chronologischen Schritten 4 chronologische Handlungsphasen ab, die wir durchlaufen, wenn wir ein Ziel erreichen WOLLEN. Für eine Klärung der Frage, wann dies wirklich der Fall ist, siehe Zürcher Ressourcen Modell.

1. Die Prädezisionale Motivationsphase - Wir wägen ab! (Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es? Welche davon wird bevorzugt?)

ÜBERQUERUNG DES RUBIKON: ICH WILL! (Entscheidung für eine oder mehrere Handlungsmöglichkeiten oder auch Generieren von neuen Handlungsmöglichkeiten - Querverbindung Unterrichtsgegenstand Denken als Problemlösung)

2. Die Postdezisionale Volitionsphase - Wir planen! (Vorbereitung der Umsetzung der gewählten Handlungsmöglichkeit)

3. Die aktionale Volitionsphase - Wir handeln! (Reale Durchführung der Handlung)

4. Die postaktionale Motivationsphase - Wir bewerten! (Erfolgskontrolle)

Allgemeines

Begriffshistorie: Der Rubikon ist ein Grenzfluss zwischen Italien und der römischen Provinz Gallia Cisalpina. Im Jahre 49 v. Chr. bildete er den Schauplatz einer historischen Begebenheit. Nachdem Caesar den Rubikon überschritten hatte, gab es kein Zurück mehr vom Bürgerkrieg zwischen ihm und Pompeius. Er befand sich jenseits der Phase des Abwägens und hatte lediglich noch die Möglichkeit sein Vorgehen zu planen, aktiv im Krieg zu handeln und sein Vorgehen im Anschluss zu bewerten.

Unbedingt zu berücksichtigen ist dabei auch das Zusammenspiel von Emotion/Motivation/Kognition (Querverbindung entsprechender Unterrichtsgegenstand). Denn auch das Rubikon Modell will Handeln in Bezug zu Emotion und Kognition setzen und erklären, warum Handeln manchmal gelingt und manchmal scheitert. Das Modell dient auch dazu (hier: bewusste!) Selbststeuerungsprozesse zu veranschaulichen.

Der Handelnde entscheidet sich mit dem Schritt/der Überquerung des Rubikons für eine Handlung/Handlungsmöglichkeit - Ein Zurück ist in der Regel nicht mehr möglich!

Erste Phase: Prädezisionale Motivationsphase - Wir wägen ab!

Kernthema ist in dieser Phase das Abwägen von vielen und schließlich die Auswahl von einer Tendenz(en)/Handlungsmöglichkeit(en).

Folgende Fragen beschäftigen uns dabei: Welche Motive sind günstig, welche Umstände von Vorteil, wenn ich (m)ein (Querverbindung Zürcher-Ressourcen-Modell) Ziel erreichen will? Welche Risiken bin ich bereit einzugehen, ggf. auch längerfristig? (Querverbindung Erwartung-mal-Wert-Modell)

Emotionen (Querverbindung Unterrichtsgegenstand Emotionen, Emotionsregulation - Situationsauswahl) beeinflussen uns dabei und sind ausschlaggebend/hilfreich bei der Bewertung von Ergebnissen (dies geschieht antizipatorisch - Querverbindung zum Unterrichtsgegenstand Kognition/Denken als Problemlösung) und beim Abwägen von Prozessen.

Wir wollen meistens (viel) mehr, als realistisch umsetzbar ist, daher besteht die Notwendigkeit auszuwählen, abzuwägen, zu priorisieren und schließlich sich auf die Verwirklichung einer Handlungsmöglichkeit/eines Wunsches festzulegen. Diese Festlegung stellt das Ende dieser ersten Phase des Prozesses der Motivation gemäß des Rubikon Modells dar.

Zweite Phase: Postdezisionale Volitionsphase - Wir planen!

Hier geht es nun darum, Handlungen auszuwählen, welche auf das Ziel hin ausgerichtet sind.

Kernfrage ist: Welchen Weg muss ich gehen, um mein Ziel zu erreichen? Dabei spielen auch Aspekte wie Effizienz und Effektivität eine Rolle. Die Auswahl des Weges hängt auch stark von unseren bisherigen Erfahrungen, (kognitiven) Kompetenzen und dem tieferen Verständnis eines Sachverhaltes ab (Querverbindung Unterrichtsgegenstand Kognition - Gedächtnis/Wissen, Denken als Problemlösung; Querverbindung Lerntheorien/sozial-kognitive Lerntheorie Bandura Selbstwirksamkeit/Erwartungshaltungen).

Wir entscheiden uns hier also für ein bestimmtes Motiv! (Querverbindung Unterrichtsgegenstand Motivation/Motive)

Je nachdem, über welche Persönlichkeitstendenz ein Mensch verfügt (Querverbindung Unterrichtsgegenstand Jahrgangsstufe 12 Persönlickeit) fallen diese ersten beiden Phasen unterschiedlich intensiv aus: "impulsive" Menschen tendieren eher zu kurzen, wenig eindeutigen Abwägungsphasen, hingegen planen "gründliche" Menschen deutlich differenzierter und umfassender.

Unsere Aufmerksamkeit widmen wir in dieser Phase der Frage aus welchen Einzelschritten die ausgewählte, zur Zielerreichung notwendige, Handlung besteht und wie die Umsetzung dieser Einzelschritte konkret zu planen ist. Wir werden quasi immun gegenüber neuen Informationen, welche uns das gefasste Ziel wieder in Frage stellen lassen. Wir stellen uns nicht mehr die Frage, ob wir überhaupt motiviert sind und das Ziel (noch) erreichen wollen. Wir fragen uns "nur" noch, WIE wir unser Ziel erreichen können. Dinge, die uns davon abbringen könnten, blenden wir aus.

Somit wird deutlich:

Wir haben am Ende dieser Phase klar den Rubikon überschritten, ein Zurück, eine kritische Reflexion ist quasi unmöglich, bzw. erfordert enorme Anstrengung, extrem gewichtige Informationen, welche gegen die Zielerreichung sprechen!

Dritte Phase: Aktionale Volitionsphase - Wir handeln!

Hier folgen Taten: wir führen zielgerichtete Handlungen aus!

Diese Phase verlangt uns die meiste Energie ab, weshalb hier z.T. sogar bewusst Stopppunkte (z.B. Lernpausen, Schreibpausen bei einer Hausarbeit) eingeplant werden (sollten).

Unterschiedliche Herangehensweisen sind denkbar:

  • Naives Handeln/Laienhandeln erfordert meist eine Überlappunng der zweiten und dritten Phase - das Handeln ERSCHEINT spielerisch, experimentell, chaotisch oder auch ungeplant. (Querverbindung Lerntheorien Thorndike Lernen durch Versuch und Irrtum)
  • Expertenhandeln: Handlungsmotive können rasch gegeneinander abgewogen werden, es folgt eine schnelle, gekonnte Planung der Umsetzung, dabei bleibt das System jedoch dynamisch/flexibel. Erfahrungswissen verkürzt den zeitlichen Ablauf der vorherigen Phasen enorm. Beispiel: Während ein Referendar im ersten Jahr sehr hohen Planungsaufwand für Stunden betreibt und relativ leicht aus dem Konzept zu bringen ist, stellt eine spontane, an den aktuellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler orientierte Unterrichtsgestaltung für erfahrene Lehrkräfte weniger ein Problem dar. Sie handeln zunehmend basierend auf ihren pädagogischen Vorerfahrungen.

Hier müssen wir uns unser Ziel klar vor Augen halten, dürfen uns nicht ablenken lassen, gleichzeitig sind wir dennoch gefordert auf Unvorhergesehenes flexibel zu reagieren, mit Rückschlägen/Misserfolgen umzugehen und müssen gegebenenfalls unsere Anstrengung erhöhen, oder gar das Ziel verändern. (Querverbindung Unterrichtsgegenstand: Merkmale der Motivation) Beispiel: Erfahrene Lehrkräfte können Stunden relativ problemlos spontan umstellen, wenn sie z.B. bemerken, dass Schülerinnen und Schüler den Unterrichtsinhalt der Vorgängerstunde nicht, noch nicht treffend erfassen konnten. Ihre Erfahrung sagt ihnen wo Schülerinnen und Schüler Verständnisschwierigkeiten hatten/haben werden und welche Übungsmöglichkeit hier die beste Hilfe bietet.

Vierte Phase: Postaktionale Motivationsphase - Wir bewerten!

Folgende Fragen beschäftigen uns: Welche Folgen hatte unser Handeln? Ist das gewünschte Ergebnis eingetreten? Wie verlief der Prozess der Handlung(en) ab? Wurde unser Eingangsmotiv befriedigt?

Hier wird (im Gegensatz zu Phase 2 und 3, dort geht es strikt um die Zielerreichung) analog zur Phase 1 das Ziel an sich betrachtet. Es geht auch um die Suche nach Erklärungen für Erfolge/Misserfolge.

Das Ergebnis dieser kritischen Betrachtung hat wiederum erheblichen Einfluss auf die Abwägung, Planung und Umsetzung künftiger Ziele. Auch hier ist Erfahrungswissen klar von Vorteil, gerade wenn Nachbesserungen notwendig sind, können diese flexibler vorgenommen werden. Besonders besteht auch die Gefahr einer Selbsterfüllende Prophezeiung

Wozu dient das Rubikon Modell, was ist sein praktischer Nutzen?

Das Modell ist, wie viele in der Pädagogik/Psychologie, ein idealtypisches Modell menschlichen Handelns.

In der Realität finden motivationsbasierte Entscheidungen sicherlich nicht immer in dieser Abfolge statt (zumal externale Gegebenheiten vorliegen können, welche gerade die Komponente des WOLLENS erheblich verändern, beeinflussen - s.a. extrinsische/intrinsische Motivation und deren pädagogische Implementation - z.B. die Paradoxie von Lob).

Real springen wir zwischen verschiedenen Phasen hin und her, z.B. wenn wir bei der Planung feststellen, dass ein ausgewähltes Ziel unrealistisch erscheint, oder seine Erreichung zu komplex ist, zu viele Risiken birgt (siehe oben). Planen und Handeln finden in der Realität gleichzeitig statt!

Das Rubikon Modell hilft uns aber entsprechende Strategien auszuwählen, um ein Ziel möglichst effizient zu erreichen!

  • Kontrolle der Aufmerksamkeit: Wir behalten unser Ziel im Auge, blenden hinderliche Informationen aus! (Querverbindung Lerntheorien Bandura Phase 1 Prozess 1 - Lernen am Modell)
  • Steigerung der Motivation: Wir halten uns immer wieder vor Augen, wie wertvoll uns unser Ziel ist und wie wichtig es für uns ist es zu erreichen!
  • Emotionen im Griff behalten: Wir konzentrieren uns nicht auf negative Aspekte bei der Planung uns Ausführung, sondern lenken unsere Aufmerksamkeit auf die positiven Punkte, die uns zufrieden und zuversichtlich machen! (Querverbindung Emotionsregulation)
  • Umwelt im Auge haben: Wir stellen sicher, dass wir unserem Ziel ungestört nachkommen können und vermeiden Umwelten, die uns an der Umsetzung unseres Zieles hindern! (Querverbindung 12. Jahrgangsstufe Transaktionsanalyse life model)

Fazit / Kritische Betrachtung

  • Wenngleich die Fähigkeit die eigene Aufmerksamkeit zu kontrollieren sicherlich entscheidend für das Aufrecht erhalten der eigenen Motivation erscheint, so sollte doch jederzeit die Möglichkeit/Fähigkeit bestehen/erzeugt werden, aus dem eigenen gedanklichen Diskurs heraus zu treten und sowohl das gesetzte Ziel, als auch die zielgerichtete Handlungsweise kritisch zu hinterfragen. Die Auseinandersetzung mit "hinderlichen" (dem Ziel nicht entsprechenden) Informationen ist stets notwendig. Ansonsten besteht die Gefahr der (politischen, religiösen, extremistischen) Manipulation.
  • Neue Entwicklungen, neue Einflüsse können zwar das bislang als erstrebenswert eingestufte Ziel bzw. den Weg der Wahl zur Zielerreichung in Frage stellen, sie bieten aber ebenso die Chance neue, evtl. sogar noch größere Motivation zu generieren. Beispiel: Ein Sportler will unbedingt bei Olympia teilnehmen. Er ist zwar eigentlich in der Leichtathletik aktiv (trainiert also für die Sommerspiele) die Teilnahmechancen sind dort jedoch geringer, da viele sehr gute Athleten in das olympische Team wollen. Im Laufe des Trainings erhält er die Information, dass er gute Chancen hat als Anschieber für ein Rennbob Team genommen zu werden, da er als Hürdenläufer über sehr ähnliche Qualitäten verfügt. Somit kann er sehr viel wahrscheinlicher an den olympischen Winterspielen teilnehmen. Voraussetzung hierfür ist jedoch eine Veränderung des Weges der Wahl zur Zielerreichung, denn er wechselt die Sportart und somit das spezifische Vorbereitungstraining.

Unterrichtsmaterialien

Unterrichtseinheit: