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Soziale Frage

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Geschichte:   Ur- und Frühgeschichte · Antike · Mittelalter · Neuzeit: Frühe Neuzeit - 19. Jh. · 20. Jh. · 21. Jh.


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Lernpfad

Der Begriff soziale Frage bezeichnet die sozialen Missstände, die mit der modernen europäischen Bevölkerungsexplosion und der Industriellen Revolution einhergingen. Der Begriff kam in Deutschland um 1830 als Übersetzung des französischen „question sociale“ auf.

Kernprobleme der sozialen Frage waren die Wohnungsnot in den explosiv gewachsenen Städten, die Existenzunsicherheit von Bauern, ländlichem Gesinde, Handwerkern, Arbeitern und kleinen Kontorangestellten, sowohl während Wirtschaftskrisen, als auch durch Unfälle und Krankheit.


[...] III Soziale Mißstände:

 1. Ungesunde und unhygienische Arbeitsplätze   2. Keine Sicherheitsvorkehrungen
 3. Überlange Arbeitszeiten                     4. Hungerlöhne
 5. Trucksystem                                 6. Wohnungselend, Schlafgängerwesen, Slums
 7. Krankheit                                   8. Kinderarbeit
 9. Schwerarbeit für Frauen                    10. Auflösung der Familie
11. Sittliche Verrohung                        12. Totale Existenzunsicherheit [...]


"Wir sind der festen Ansicht, daß die gegenwärtige Gesetzgebung allen berechtigten Anforderungen der Humanität genügt und in bezug auf die Interessen der Industrie und auf die Wohlfahrt der Arbeiterbevölkerung die Grenze bildet, welche nicht überschritten werden darf. Es scheint doch vernünftiger, die Kinder angenehme Arbeit verrichten zu lassen, als sie dem Müßiggang und der Verwilderung preiszugeben. Ein Gesetz, welches die Arbeit der Kinder im schulpflichtigen Alter ganz verbietet, würde Sorge und Not vieler Arbeiterfamilien verlängern und die Lebenshaltung verschlechtern. Unter diesen Verhältnissen würden auch die geschützten Kinder in ihrer körperlichen Entwicklung durch ungenügende Nahrung mehr leiden als durch Fabrikarbeit ..."

Stellungnahme des "Zentralverbandes deutscher Industrieller"Wikipedia-logo.png aus dem Jahre 1884 ( Bruno Huhnt: Industrielle Revolution und Industriezeitalter, Seite 46 f. (Schriftenreihe der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung, 1966))

Die Auswertung von Zeitquellen befördert bzgl. Punkt 8 (Kinderarbeit) folgende Argumente zutage:

  1. Kinderarbeit bewahrt Kinder vor Müßiggang und Bettelei.
  2. Kinder sind mit ihren flinken Händen und auch wegen ihrer kleinen Statur zur Bedienung mancher Maschinen geeigneter als Erwachsene (vor allem in der Textilindustrie).
  3. Arbeit erhält Kinder gesund und läßt sie zu kräftigen Menschen heranwachsen.
  4. Kinder tragen mit ihrem Verdienst zum Familienunterhalt bei.
  5. Die Löhne der Industrie sind erheblich höher als die Löhne in der Heimarbeit und in der Landwirtschaft.
  6. Die deutsche Industrie ist ohne Kinderarbeit konkurrenzunfähig.




[...] Der eigentliche Beschwerdepunkt des Arbeiters ist die Unsicherheit seiner Existenz. Er ist nicht sicher, daß er immer Arbeit haben wird, er ist nicht sicher, daß er immer gesund ist, und er sieht voraus, daß er einmal alt und arbeitsunfähig sein wird. Verfällt er aber der Armut auch nur durch eine längere Krankheit, so ist er darin nach seinen eigenen Kräften vollständig hilflos, und die Gesellschaft erkennt ihm gegenüber bisher eine eigentliche Verpflichtung außer der ordinären Armenpflege nicht an, auch wenn er noch so treu und fleißig die Zeit vorher gearbeitet hat. Die ordinäre Armenpflege läßt aber viel zu wünschen übrig [...]. Wenn wir in den Berliner Zeitungen lesen von Selbstmord aus Nahrungssorgen, von Leuten, die [...]

Otto von BismarcksWikipedia-logo.png Rede im Deutschen Reichstag am 20. März 1884;

Eine positive Lösung der sozialen Frage stellt Bismarcks Sozialgesetzgebung dar.