Zürcher-Ressourcen-Modell: Unterschied zwischen den Versionen

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
K
K
 
Zeile 1: Zeile 1:
Das {{wpde|Zürcher Ressourcen Modell}} abgekürzt mit [http://www.zrm.ch zrm.ch '''ZRM'''] ist vor allem ein kommerzielles, privatisiertes Anwendungsmodell aus dem Bereich "Coaching" (Theoriegrundlage Psychoanalyse), eine Selbst(lern)management-Methode.  
+
Das {{wpde|Zürcher Ressourcen Modell}} abgekürzt mit [http://www.zrm.ch '''ZRM'''] ist vor allem ein kommerzielles, privatisiertes Anwendungsmodell aus dem Bereich "Coaching" (Theoriegrundlage Psychoanalyse), eine Selbst(lern)management-Methode.  
  
  

Aktuelle Version vom 14. September 2017, 07:36 Uhr

Das Zürcher Ressourcen ModellWikipedia-logo.png abgekürzt mit ZRM ist vor allem ein kommerzielles, privatisiertes Anwendungsmodell aus dem Bereich "Coaching" (Theoriegrundlage Psychoanalyse), eine Selbst(lern)management-Methode.


Verwendete Quellen:

  • Rödel, B. (Hrsg.) (2017). Weiter Wissen. Pädagogik Psychologie Soziologie. Berufliche Oberstufe, S. 188, Berlin
  • Interview mit Dr. Maja Storch (30.03.17)
  • Fellner, K. (2016). Belastungen an den Kragen. Ressourcen aktivieren mit dem Zürcher Ressourcen Modell ®. Theorie und Praxis der Sozialpädagogik, 7, 32-33.[1]
  • Storch, M. & Schett, J. (2009). Den Rubikon überschreiten. Lerncoaching als Beitrag zum selbstgesteuerten Lernen. Lernende Schule, 45 (9), 12-15.[2]
  • Storch, M.(2003). Die Bedeutung neurobiologischer Forschung für die psychotherapeutische Praxis. Teil II - Praxis: Das Zürcher Ressourcen Modell («ZRM®»). In Psychotherapie 8. Jahrg, Bd. 8, Heft 1 (S. 11-29) © CIP-Medien, München. [3]
  • Hobmair, H. (Hrsg.) (2017). Pädagogik/Psychologie. Ausbildungrichtung Sozialwesen, S. 129 - 132, Köln
  • Hobmair, H. (Hrsg.) (2017). Pädagogik/Psychologie. Ausbildungrichtung Sozialwesen, S. 136 - 140, Köln


Inhaltsverzeichnis

Lehrplanrelevanz/Didaktische Reduktion

Der Lehrplan PLUS führt das Zürcher/Züricher Ressourcen Modell im Rahmen der Wechselwirkung der psychischen Kräfte Emotion/Motivation/Kognition an. Es stellt somit EIN Anwendungsbeispiel zur Verdeutlichung dieses Wechselspiels dar. Die hier angestellten Ausführungen beziehen sich somit auf diesen Kontext. Darüber hinaus sind andere Modelle zur Motivationsgenese und zur Abbildung dieses Zusammenhanges denkbar. Des weiteren besteht eine explizite Querverbindung zum (nicht mehr im Lehrplan der 11. Jahrgangsstufe enthaltenen) Unterrichtsgegenstand der Psychoanalyse (Grundannahmen - Eisberg Modell, psychischer Determinismus).


Theoretische Grundlage, Herleitung des Rubikon Prozesses im ZRM Training

Grundlage dieses Modells ist das Rubikon-Modell.

Vor allem die chronologische Abfolge eines Motivationsprozesses in Phasen diente den Schweizer Psychologen Maja Storch und Frank Krause als Grundlage für ihr Modell. Das ursprünglich 4-phasige Modell wurde um die (vorgelagerte) Phase der Exploration der unbewussten/vorbewussten Bedürfnisse erweitert. Somit besteht der Rubikon-Prozess aus 5 Phasen.

Begründet haben Storch und Krause in einem aus ihrer Sicht im Rahmen des Rubikon Modells zu unspezifischen bzw. als gegeben erachteten Motiv. Das Rubikon Modell beginnt mit dem Motiv und endet bei der Bewertung der Handlung. Es benötigt also eine bereits bewusst wahrgenommene Motivation, bewusste Wünsche oder Befürchtungen. Bei Storch/Frank hingegen ist das Motiv, bzw. seine Genese selbst bereits Gegenstand der Betrachtung. Ihr entsprechend erweitertes Modell nennen sie den Rubikon-Prozess, es soll z.B. im Rahmen eines Lerncoachings nach dem ZRM die Arbeitsrichtung des Prozesses vorgeben, welcher es ermöglicht den Rubikon zu überschreiten, motiviert zu lernen. Klare Lernziele können demnach nur dann gesetzt werden, wenn aus den unbewussten/vorbewussten Bedürfnissen nach deren Erkundung Motive geworden sind, welche die Intention erzeugen, präaktional eine Handlung vorzubereiten und schließlich zu handeln.

Es lassen sich somit folgende 5 chronologische Phasen des Rubikon Prozesses im ZRM Training festhalten:


  • Phase 1: Bedürfnisse und Wünsche klären: diese sind dem Menschen oft nicht bewusst, Ziel = bewusst machen dieser) - Irgendetwas möchte ich!
  • Phase 2: Motive (Motto-Ziele) entwickeln: gelingt nur wenn Bedürfnisse klar sind und das Für und Wider eine Entscheidung abgewogen wird - Ich habe den Wunsch ...

Überquerung des Rubikons: vom Wünschen zum Wollen

  • Phase 3: Intention herausbilden: nun entsteh der klare Wille seine Wünsche und Ziele umzusetzen, dem entgegenstehende Informationen werden nicht mehr zugelassen - Ich will mir diesen Wunsch erfüllen!
  • Phase 4: Vorbereitungen treffen: die konkrete Umsetzung wird vorbereitet, mögliche Konsequenzen, Vor- und Nachteile werden antizipiert und abgewogen - Ich kann mir den Wunsch erfüllen.
  • Phase 5: Handlung durchführen: hier findet die eigentliche Umsetzung und Verwirklichung der Absicht statt - Ich erfülle mir den Wunsch!


Ziel dieses Modells: selbstgesteuertes Lernen erleichtern und eine Hilfe beim Überwinden von Lernblockaden bieten. Dies findet zunächst unter Anleitung eines Coaches statt, der Lernende soll jedoch im Verlauf selbst zum eigenen Coach werden und somit seine Selbstwirksamkeit (Querverbindung Unterrichtsinhalt Bandura/sozial-kognitive Lerntheorie) erhöhen.

Definition ZRM (Hobmair 2017): Das Zürcher Ressourcen Modell ist ein Training zur gezielten Förderung von Handlungsmöglichkeiten. Es fördert das Verständnis des eigenen Fühlens und Verhaltens und hilft, dieses in gewünschter Weise zu verändern.


Grundannahme: Lernschwierigkeiten sind darin begründet, dass sich Schülerinnen und Schüler keine klaren Ziele setzen bzw. diese dann (logischerweise) auch nicht konsequent verfolgen (können). Darüber hinaus wirken mangelnde Konzentration und hoher Erwartungsdruck kontraproduktiv bei der Zielerreichung.

Somit lassen sich 4 Ansatzpunkte dieses Modells ausmachen:

  • klare Zielsetzung (Motto-Ziele), als Basis für die Motivation zur Realisierung dieser eigenen Ziele
  • Auseinandersetzung mit den eigenen Erwarungen/Bedürfnissen/Wünschen und den Erwartungen/Bedürfnissen/Wünschen anderer
  • Aufrechterhaltung der Konzentration und Motivation, durch das Erlernen von Handlungsmustern, die bei Problemen helfen
  • Entdeckung eigener Ressourcen und nutzbar machen dieser

Der Rubikon-Prozess des ZRM Trainings im Kontext der Wechselwirkung von Emotion/Motivation/Kognition

Im Kontext vom Emotion/Motivation/Kognition bedeutet dies vor allem mit Hilfe zentraler Aspekte dieses Modells (sogenannter somatischer Marker p:Hypothese der somatischen Marker) (neurobiologisch basiert) die emotionalen Grundvoraussetzungen für eine möglichst hohe Motivation bzw. dauerhafte Aufrechterhaltung dieser (Querverbindung Motivation/Motivation als Prozess, Rubikon-Modell zu generieren und somit eine ziel-/problemlösungsorientierte Kognition (Querverbindung Kognition problemlösendes Denken) zu ermöglichen.

Darüber hinaus existiert eine Querverbindung zum Thema Ressourcenorientierung im Rahmen der Vertiefung der fachpraktischen Ausbildung. Allerdings ist hierbei zu bedenken, dass unter "Ressourcen" im Rahmen des ZRM eine eingeschränktere Begrifflichkeit darstellen, als dies im Rahmen der allgemeinen Ressourcenorientierung der Sozialen Arbeit der Fall ist (s. dazu Kapitel Selbstverständnis/Begriffserläuterung)

Als Beispiel kann Leistungsmotivation dienen und die Frage danach, wie diese erzeugt und aufrecht erhalten werden kann, z.B. um gute Noten zu erzielen, Anerkennung zu erhalten, einen Abschluss wie das Fachabitur zu schaffen.

Definition Leistungsmotivation (Hobmair 2017): Leistungsmotivation bezeichnet ein von bestimmten Motiven gesteuertes Bestreben, eine bestimmte Anforderung bzw. Aufgabe mit Anstrengung zu bewältigen bzw. zu vollbringen.


Die Phasen des Rubikon Prozesses im Kontext Emotion/Motivation/Kognition

Phase 1 Bedürfnisse und Wünsche - vom Unbewussten zum Bewussten

Es wird danach gesucht, was Menschen gerne wollen und nicht danach, was ihnen Sorgen bereitet. Konsequente Ressourcenaktivierung heißt, die Person zunächst in Kontakt mit guten Gefühlen zu bringen und nicht mit schlechten (Storch/Krause 2014, nach Hobmair 2017).
  • Emotionen: steuern in dieser Phase das Verhalten des Menschen, obwohl sie diesem nicht immer bewusst, jedoch bewusstseinsfähig, sind.
  • Kognition/Wahrnehmung: Bilder werden wahrgenommen (ZRM Bildkarteitraining) und können Emotionen bewusst machen.
  • Kognition/Sprache: In der Teilnehmergruppe findet ein sprachlicher Austausch über die Bilder/die Emotionen statt.
  • Kognition/Denken: Die Teilnehmer müssen über ihre Gefühle nachdenken, um sich ihrer bewusst zu werden.
  • Motivation: Antriebsmotivation zur Teilnahme am Training ist auch in dieser Phase implizit vorhanden.

Fazit: Klärung von Zielen und Bedürfnissen - passt das zusammen?

Phase 2 Motiv - vom Thema zum Motto-Ziel

Kernpunkt dieses Vorgangs ist die Forderung, das Motto-Ziel so zu formulieren, dass es in hohem Maße handlungsleitende und handlungsstimulierende Qualität aufweist (Storch/Krause 2014, nach Hobmair 2017) Bei diesem Schritt findet das Überschreiten des Rubikons statt. Davor wird mit allgemeinen, positiven, annähernden Motto-Zielen gearbeitet.
  • Emotionen: bringen die Ziele in eine Rangfolge (Welches Ziel ist mir am liebsten/wichtigsten?).
  • Kognition/Sprache: Motto-Ziele werden formuliert und zum Ausdruck gebracht.
  • Kognition/Denken: Überlegungen werden angestellt, welches Ziel am wichtigsten ist.
  • Kognition/Gedächtnis: Motto-Ziele werden aufgrund von Erfahrungen als angenehm eingestuft, oder wenn sie als unangenehm eingestuft werden gar nicht als Motto-Ziele formuliert.
  • Motivation: Ist das Motto-Ziel formuliert, ist die Person motiviert es auch zu erreichen.

Fazit: Motivierung - wie kann das Ziel erreicht werden? Was bin ich bereit zu tun, um dieses Ziel zu erreichen?


Überschreitung des Rubikons: Die Absicht wird zum unbedingten Wollen! Vorab sind hierzu starke positive Anreize nötig - somatische Marker sind solche Anreize, wir verbinden sie (unbewusst) mit einem Ereignis, einer bestimmten Handlung bzw. dem Ergebnis dieser.


Phase 3: Intention - vom Motto-Ziel zu den Ressourcen

Nach Abschluss von Phase 3 haben die Kursteilnehmenden eine gut gefüllten, individuell maßgeschneiderten Ressourcenpool, der jetzt eingesetzt werden kann, um zielrealisierendes Handeln im Alltag zu planen. (Storch/Krause 2014, nach Hobmair 2017). Beispiele für Ressourcen (Achtung eingeschränkter Begriff s.u.): Überzeugungen, Werthaltungen, Gewohnheiten, Vorlieben, Bildung ...
  • Kognition: alle kognitiven Fähigkeiten/Funktionen eines Menschen tragen dazu bei, Ressourcen zu entdecken und zu aktivieren. Im ZRM halten Teilnehmen Impulsreferate zu ihren Motto-Zielen. Die somatischen Marker dienen als Erinnerungshilfen (z.B. Gegenstände, Düfte, Musik) um die entsprechenden kognitiven Ressourcen (neuronalen Netzwerke) zu aktivieren.
  • Emotionen werden durch die somatischen Marker und die Motto-Ziele ausgelöst
  • Motivation wird durch die somatischen Marker und die Motto-Ziele intensiviert und aufrecht erhalten

Fazit: Ziel in einem kurzen Satz formulieren (Motto-Ziel), der aus positiven Begriffen besteht. Somatische Marker als Erinnerungshilfen an diesen Satz verwenden. Der Mottosatz motiviert immer wieder zur Zielerreichung!

Phase 4: Vorbereitung - den Ressourceneinsatz planen

Zielintentionen werden nun zu Ausführungsintentionen.__ Die aufgebauten Ressourcen werden zielorientiert eingesetzt, um das gesetzte Motto-Ziel zu erreichen. Die Teilnehmer lernen aber auch die Strategien welche zur Umsetzung der Motto-Ziele erfolgsversprechend sind.
  • Kognition/Sprache: Auch hier halten die Teilnehmer Impulsreferate über ihre Ausführungsabsichten.
  • Emotionen: Die somatischen Marker aktivieren diese.
  • Kognition/Wahrnehmung/Gedächtnis/Denken: All diese kognitiven Fähigkeiten und Funktionen werden zur Planung benötigt.
  • Motivation: Die Teilnehmer planen motiviert ihr Vorgehen.

Phase 5: Handlung - Integration/Transfer

Es gilt das gelernte in den Alltag zu übertragen, trotz Widerständen und Rückschlägen. Dabei spielen hier auch die sozialen Ressourcen und deren Aktivierung eine entscheidende Rolle.
  • Kognition/Gedächtnis: Die Kursabläufe werden reflektiert.
  • Kognition/Sprache: Die Kursteilnehmer tauschen sich auch nach Kursende noch miteinander aus, bilden soziale Ressourcen.
  • Emotion: Wer eine Kontaktperson wird und bleibt wird durch Sympathie (mit-)bestimmt.
  • Motivation: Die Teilnehmer sind weiterhin engagiert in ihrem eigenen Selbstmanagementprozess.

Selbstverständnis/Begriffserläuterung (Storch/Krause)

Das Ergebnis ist somit ein Selbstmanagementtraining zur Steigerung der Selbstwirksamkeit.

Selbstmanagement meint: Teilnehmer sollen dazu befähigt werden eigene innerpsychische Prozesse bewusst machen und in der Konsequwenz zu steuern.

Management bezieht sich darauf, selbstgesetzten Zielen zur Umsetzung zu verhelfen - Vom Wunsch zur Tat. (Querverbindung Rubikon-Modell, von der Volation zur Aktion)

Ressoucen sind (entsprechend eines lösungsorientierten Vorgehens) in jedem Menschen vorhanden und Ziel/Aufgabe auch eines Lerncoachings wäre es dem Individuum dabei zu helfen, diese zu erschließen und am Ende selbstständig aktivieren zu können. Somit entspricht dieses Menschenbild auch einem individuumsorientierten, humanistischen.

Ressourcen sind all diejenigen neuronalen Netze, deren Aktivierung einen Menschen in die kognitive/emotionale/motivationale Verfassung bringt, die er benötigt, um sein Ziel in Handlung umzusetzen (Storch 2003, S.12). (Querverbindung grundlegende neorobiologische Aussagen zum Thema Kognition)

Motto-Ziele sind Ziele, die sich nicht primär auf konkret beobachtbares Verhalten beziehen, oder unmittelbar meßbar sind. Sondern sie bilden eine innere Haltung ab, welche für den Zielsetzenden (künftig) sinnhaft erscheint.

Kritik an aktivierender Sozialpädagogik: Lebensweltorientierung inkl. Ressourcenorientierung

Unterrichtsmaterialien