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Zahlenland

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Zahlenland Das Zahlenlandkonzept ist eine der führenden didaktischen Methode der frühen mathematischen Bildung, Kindern im vorschulischen Alter Grundlagen der Mathematik nahezubringen, insbesondere den Zahlenraum von 1 bis 10. Sie wird heute in sehr vielen Kindertageseinrichtungen in der BRD umgesetzt, zunehmend jedoch auch international. Dabei finden sich die grundlegenden Ideen des Konzeptes bereits Mitte des letzten Jahrhunderts in der Kinderliteratur. Im Jahr 1950 veröffentlichte Hans Zoozmann im Schmidt Verlag Berlin das Kinderbuch „Der Nullrich – Eine Reise ins Zahlenland“. Insofern dürfte Hans Zoozmann der „Erfinder“ des Zahlenlandes sein. Der „Nullrich“ – eine personifizierte Null – leidet in dieser mit Versen versehenen Bildergeschichte darunter, dass er von aller Welt aufgrund seiner Bedeutungslosigkeit verlacht wird. Erst eine Reise durch das Zahlenland, in dem die Grundzahlen von 1 bis 10 als Phantasiewesen in Erscheinung treten macht ihm letztlich seine große Bedeutung für alle anderen Zahlen bewusst.

Als nächstes wäre das 1974 im Bitter Verlag Recklinghausen erschienene Büchlein „Die Kinder im Zahlenland“ von Ana Maria Matute zu erwähnen. In diesem Kinderbuch werden nun zwar nicht die Grundzahlen spezifisch thematisiert. Gleichwohl taucht hier die Idee der Zahlenmärchen explizit auf.

Auf den Einfall, die Grundzahlen mit geometrischen Formen in Verbindung zu bringen kam dann Wilfried Gebhard. In seinem Bilderbuch „Nil und Nele und die Zahlen“ findet sich etwa im Land der Eins ein Baum mit einem Schäfchen in einem kreisförmigen Zaun und im Zweierland kommt alles doppelt vor: „Willkommen im Zahlenland“, begrüßt Zweiermann Nil und Nele. Auf dem Kopf trägt er 2 Hüte. Sein Haus hat 2 Türen, aber nur 2 Fenster. Nil und Nele staunen. „Ja“, sagt Zweiermann, „zählt nur nach. Alles was ich habe, habe ich zweimal. Nur ich bin alleine. Wollt ihr 2 nicht bei mir bleiben?“ Nil und Nele schütteln den Kopf. Sie sind neugierig auf das Zahlenland und fliegen weiter.“ (Aus Nil und Nele von Wilfried Gebhard)

Und so reisen Nil und Nele weiter durch das Zahlenland und sitzen etwa im Fünferland ebenso an einem fünfeckigen Tisch, wie sie etwa im Land der Acht einer 8-beinigen Spinne in ihrem achteckigen Spinnenetz begegnen.

Die Grundideen des heutigen Konzeptes sind nun also alles andere als neu. Neu allerdings sind die wissenschaftlichen Begründungen für dieses Konzept ebenso wie der empirische Nachweis, dass die Zahlenlandidee bei den Kindern auf fruchtbaren Boden stößt.

Das Konzept „Komm mit ins Zahlenland“ von Friedrich, Galgóczy und Schindelhauer wurde zweimal wissenschaftlich untersucht.

Eine Untersuchung von Friedrich und Munz aus dem Jahr 2006 zeigt, dass „Komm mit ins Zahlenland“ Kinder in zentralen schulrelevanten Kompetenzen nachhaltig fördert. Die schulischen Vorläuferfähigkeiten sind im Bereich der Mathematik insbesondere das mengen- und zahlenspezifische Vorwissen. Dazu zählen die Fähigkeit zur Seriation (ein Element in eine vorgegebene Reihe einordnen), Mengenvergleiche (erkennen, dass die Anzahl einer Menge nicht durch die Anordnung der Elemente bestimmt wird), Zählfertigkeiten, einfache Rechenfertigkeiten mit konkretem Material und die Kenntnis der Zahlsymbole. Sie sind eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme am Mathematikunterricht in der ersten Klasse. Im Rahmen des von der BASF initiierten Projektes „Offensive Bildung“ wurde in Zusammenarbeit mit anerkannten Bildungsexperten ein übergreifendes elementarpädagogisches Konzept erarbeitet, welches trägerübergreifend in allen 90 Ludwigshafener Kindertagesstätten umgesetzt wurde. Die wissenschaftliche Untersuchung für den Bereich der frühen mathematischen Förderung wurde von der Entwicklungspsychologin Sabina Pauen geleitet. In ihrer Untersuchung aus dem Jahr 2009 konnte sie ebenfalls die Effizienz von „Komm mit ins Zahlenland“ nachweisen (Pauen, 2009) Die beiden Studien belegen eindrücklich, dass dieses Zahlenlandkonzept im Hinblick auf die Förderung mathematikspezifischer Lerninhalte erfolgreich ist.

Literatur:

Friedrich, G., Galgóczy, V. und Schindelhauer, B. (2011). Komm mit ins Zahlenland. Eine spielerische Entdeckungsreise in die Welt der Mathematik. Überarbeitete Neuauflage Freiburg: Herder Verlag. Friedrich, G. u. Munz, H. (2006). Förderung schulischer Vorläuferfähigkeiten durch das didaktische Konzept „Komm mit ins Zahlenland“. In: Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2006, 53 (S. 134-146). Friedrich, G. (2006). „Neurodidaktik“ – eine neue Didaktik? Zwei Praxisberichte aus methodisch-didaktischem Neuland. In: Herrmann, U. (Hrsg.) Neurodidaktik. (S. 217 – 233). Weinheim: Beltz. Gebhard, W. (1997). Nil und Nele und die Zahlen. Ravensburger Buchverlag. Matute, A. M. (1974) Die Kinder im Zahlenland. Bitter Verlag: Recklinghausen. Pauen S., Herber V. (2009): Vom Kleinsein zu Einstein, Berlin: Cornelson Sriptor Zoozmann, H. (1950). Der Nullrich – Eine Reise ins Zahlenland. Schmidt Verlag: Berlin

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