Android AppInventor

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Inhaltsverzeichnis

Einstieg in das Programm

AppINventor Logo
Der Google AppINventor [1] wurde bereits Mitte 2010 in einer geschlossenen Beta-Version bereitgestellt, seit dem 15.12.2010 ist die Anwendung frei zugänglich - aber immernoch als Beta gekennzeichnet. Die kurze erste Betaphase liegt daran, dass es für iOS bereits eine Reihe ähnlicher Angebote wie etwa AppMakr[2] gibt. Mit Hilfe des neuen App Inventor will Google diesen Rückstand aufholen - und macht es dem Nutzer dabei nicht so leicht, wie es scheint. Zunächst sind für den Einstieg unbedingt gute Englischkenntnisse nötig, da der gesamte Baukasten noch nicht für andere Sprachen angepasst wurde. Es gibt auch keine Angaben, ob Google überhaupt eine deutschsprachige Version plant - der Konzern schweigt dazu beharrlich.

Im Gegensatz zu anderen Berichten benötigt der Benutzer für den Google App Inventor kein Android-Handy - das Programm bringt einen Emulator mit, sodass sich Apps auch ohne Smartphone entwickeln lassen. Ein Computer mit Microsoft Windows XP, Vista oder Windows 7, einer gängigen Linux-Distrubution oder Apple Mac OS X 10.5 oder 10.6 ist allerdings Grundvoraussetzung. Daneben muss der Anwender auf seinem PC eine Java-Laufzeitumgebung (Java Runtime Environment in Version 6) installiert haben, welche unter Mac OS X bereits vorhanden ist. Der Download des Hauptprogramms ist mit unter 100 Megabyte recht klein, ein Assistent führt durch die Installation der Komponenten auf dem Betriebssystem des Anwenders.

Der Baukasten im Browser

Der Google App Inventor gliedert sich in zwei Komponenten: Neben dem Programm, das auf dem Computer des Nutzers installiert wird, erledigt die Hauptarbeit ein webbasierter Dienst. Um sich bei ihm anzumelden, ist ein Google-Konto notwendig - alle Google-Mail-Nutzer können also direkt auf das Angebot zugreifen, für andere Personen ist ein kostenloses Konto in wenigen Minuten erstellt. Dabei fragt Google im Gegensatz zu AppMakr und Co. keine Angaben wie die Adresse des Nutzers ab, sondern lediglich seine Mail-Adresse. Im Test war eine zusätzliche Verifikation des jungfräulichen Google-Kontos mittels SMS notwendig.
AppINventor User Interface

Nach der ersten erfolgreichen Anmeldung sieht der Benutzer eine relativ triste Seite, auf der die (noch nicht) angelegten Projekte mit Namen und Erstellungsdatum angezeigt werden. In der horizontalen Navigationsleiste befinden sich nur drei Einträge: Mit dem "New"-Knopf erzeugt der Anwender eine neue Android-App, mittels "Delete" wird ein Projekt wieder gelöscht. Hinter "More Actions" verbirgt sich eine Funktion, um bestehenden Quellcode - etwa aus einem anderen Programm zur Generierung von Android-Apps - in den App Inventor zu laden. Wirklich nützlich ist aber der umgedrehte Weg: Wer mit App Inventor das Grundgerüst für seine App baut und dann händisch den Quellcode in einem anderen Programm nachbearbeitet, kann mit dem Tool viel Arbeit sparen. Im Gegensatz zum Google App Inventor bieten viele andere Entwicklungsumgebungen zwar sehr ausgereifte Code-Editoren, verfügen aber selten über einen sinnvollen WYSIWYG-Modus.

Palette: Uhr, Bilder, Medien

Auswahl der Werkzeuge
Nach dem Klick auf "New" fragt der App Inventor, welchen Namen die neue Minianwendung bekommen soll - mehr Angaben sind nicht notwendig. Der Webdienst wechselt dann in eine vierspaltige Ansicht: Links zeigt Google App Inventor eine Palette, die vorgefertigte Bausteine für die neue App beherbergt. Sie gliedern sich in zehn Kategorien: Hinter Basic stecken grundlegende Bausteine wie Knöpfe, Beschriftungen, die Funktion zum Einfügen von Bildern, Listen oder Formularelementen. Über die Media-Kategorie kann der Benutzer auf die Kamera- und Videofunktionen von Android zugreifen oder etwa auch Sound ausgeben. Bei Animationen fällt die Auswahl der App-Komponenten etwas dünn aus - hier gibt es lediglich zwei Bausteine.

Dafür ist die Integration von Kontaktmöglichkeiten wieder besonders leicht: Mit Hilfe der Social-Bausteine ist ein Zugriff auf die E-Mail-Funktionen von Android, aber auch das Handy-Adressbuch sehr schnell erledigt. In vielen Fällen ergibt es sicher auch Sinn, das Twitter-Modul zu nutzen - oder gar die Telefonfunktion ist eine App zu integrieren. Damit das Mini-Programm auch die Lage des Smartphones ansteuern kann, gibt es auch Bausteine für die Erfassung von GPS-Daten und Angaben des Lagesensors, sofern vorhanden.

Ein Blick auf die anderen Kategorien lohnt sich ebenso. Besonders vielversprechend ist "Not ready for prime time": Hier haben die Entwickler experimentelle Komponenten einsortiert, die noch nicht produktiv eingesetzt werden sollten - etwa der Bluetooth Client und Server, um den Dateiaustausch der eigenen App mit anderen Smartphones zu ermöglichen. Das Modul "Game Client" lässt hoffen, dass Google die Möglichkeiten für eine Nutzung des App Inventor zur Gestaltung von Spielen zulässt - das könnte den Erfolg beflügeln.

Intuitiver Editor und Vorschau

Um eine Komponente aus der Palette in der neuen App zu verwenden, muss der Nutzer diese einfach nur mit der Maus auf den mittleren Bereich der Seite ziehen: Dort sitzt eine Vorschau für die fertige App, die sich in Echtzeit aktualisiert. Dabei gibt der App Inventor dem Nutzer Hilfslinien vor, um die neuen Bauteile in der App auch möglichst gut auszurichten - zum Beispiel an der Position des vorherigen Elements. Rechts neben der App-Vorschau gibt es eine weitere Spalte, welche noch einmal alle genutzten Komponenten sowie unten auch die genutzten Medien darstellt. Hier lässt sich sehr schön erkennen, welche "Screens" (Anzeigen einer App) aus welchen Teilen bestehen. Apropos Medien: Fügt der Nutzer ein Bild in die App ein, kann er dies in beliebig vielen Fällen erneut verwenden, ohne es noch ein weiteres Mal hochladen zu müssen.

In der letzten Spalte werden die Optionen zur jeweiligen Komponente festgelegt: Google App Inventor zeigt zum Beispiel zu jedem Screen die Möglichkeit an, Hintergrundbild oder Hintergrundfarbe, Logo oder Bezeichnung zu ändern. Insgesamt gelingt der Umgang mit dem Editor sehr intuitiv - und sollte doch ein Fehler passieren, gibt es statt einer Rückgängig-Funktion die sogenannten "Checkpoints". Durch den Knopf in der Kopfzeile des Editors speichert App Inventor den aktuellen Entwicklungszustand des Programms, den der Nutzer dann später jederzeit wieder rekonstruieren kann. Mit dem "Save As"-Button lassen die Apps in der Projektverwaltung kopieren, während eine direkte Kopierfunktion nicht vorgesehen wurde.


App-Tests und Bereitstellung

Hat sich der Nutzer im Google App Inventor eine schöne App zusammengebaut, kann er diese mit Hilfe des "Blocks Editor" noch weiter bearbeiten: Dieser ist als Testumgebung konzipiert und wird gestartet, sobald der Anwender auf "Open Blocks Editor" klickt. Google App Inventor lädt dann eine Java-Datei, die ein Programm mit Hilfe der Java-Web-Start-Technologie aus dem Netz lädt und direkt auf dem Computer ausführt.

Dabei ist es etwas verwirrend, dass der Nutzer eine Sicherheitswarnung erhält: Google hat die Java-Anwendung nicht wie sonst üblich mit einer korrekten Signatur versehen, was zu der äußerst unschönen Meldung führt. Bei jedem Start fragt das Programm, ob man die App auf einem angeschlossenen Android-Smartphone oder mit Hilfe des lokal installierten Emulators testen möchte. In letzterem Fall öffnet sich dann ein weiteres Fenster, das ein vollwertiges Android-Handy zeigt. Dort kann man die eigene App dann in Aktion sehen.

Um eine jungfreuliche App nach den erfolgreichen Tests auzuliefern, gibt es bisher leider noch keine direkte Anbindung an den Android Market. Aber über den Knopf "Package for Phone" auf der Webseite kann Google App Inventor einen Barcode über den Umweg des App Inventor Blocks Editor generieren, sodass sich Apps auf jedes beliebige Android-Handy transferieren lassen. Ebenso ist es möglich, die App als Programmpaket auf den Computer herunterzuladen, um sie dann manuell in den Android Market einzureichen oder auch auf drittem Wege weiterzugeben.

Quellen