Aristeasbrief

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Der Aristeasbrief ist Schrift eines Juden aus der Epoche des Hellenismus (vermutlich um 130 v. Chr.). Er schildert legendenhaft die Übersetzung der fünf Bücher Mose aus dem Hebräischen ins Griechische (Septuaginta), die von 72 (später 70) Juden in 72 Tagen geleistet worden sei. Dieser Bericht sollte die griechische Fassung als der hebräischen Fassung gleichwertig und allen anderen griechischen Übersetzungen überlegen darstellen.

Dazu wird (in Vers 311) ausdrücklich erwähnt, dass all die verflucht sein sollten, die die Übersetzung durch Zusätze, Umstellungen oder Auslassungen entstellen würden.

Textausschnitt

310: Als die Rollen verlesen waren, traten die Priester, die Ältesten der Übersetzer, Vertreter der jüdischen Bürgerschaft und die Vorsteher der Gemeinde zusammen und sprachen: Da die Übersetzung gut, fromm und völlig genau ist, ist es recht, daß sie so erhalten bleibt und keine Überarbeitung stattfindet. 311: Da nun alle diesen Worten zustimmten, ließen sie, wie es bei ihnen Sitte ist, den verfluchen, der durch Zusätze, Umstellungen oder Auslassungen die Übersetzung überarbeiten würde. Das taten sie zu Recht, damit sie für alle Zukunft stets unverändert erhalten bleibt.

312: Als auch dies dem König gemeldet wurde, freute er sich sehr; denn sein Vorsatz schien genau erfüllt zu sein. Auch ihm wurde alles vorgelesen, und er bewunderte die Einsicht des Gesetzgebers sehr. Auch fragte er Demetrios: Wie kommt es, daß kein Historiker oder Dichter ein so bedeutendes Werk erwähnt hat? 313: Jener erwiderte: Weil die Gesetzgebung heilig ist und von Gott stammt! Auch haben manche es schon versucht, doch sie wurden von Gott geschlagen und ließen daraufhin von ihrem Vorhaben ab. 314: Und er erzählte, er habe von Theopomp gehört, dieser sei länger als dreißig Tage von Sinnen gewesen, als er etwas aus dem Gesetz, was schon früher, aber ungenau übersetzt worden war, in seiner Geschichte verwenden wollte. Nach seiner Gesundung habe er Gott angefleht, ihm zu offenbaren, weswegen ihm dies zugestoßen sei. 315: Da wurde ihm in einem Traum bedeutet, daß er vorwitzig Göttliches unreinen Menschen mitteilen wollte; davon ablassend sei er wiederhergestellt worden. 316: «Und von dem Tragödiendichter Theodektes erfuhr ich, er sei erblindet, als er etwas aus dem Buch in einem Drama verwenden wollte. Und weil er vermutete, diese Krankheit habe ihn eben deshalb befallen, habe er Gott angefleht und sei nach vielen Tagen wieder gesundet.»

317: Als der König, wie berichtet, von Demetrios Auskünfte darüber eingeholt hatte, verneigte er sich und befahl, die Bücher mit großer Sorgfalt zu behandeln und sie heiligzuhalten.


Aristeasbrief, Vers 310-317, nach: Apokryphen zum Alten und Neuen Testament, Hrsg: Alfred Schindler, Zürich 1988, S.349-350

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