Geschichte 9

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Kurzinfo
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Motto

Stellt ihm [dem Lernenden] Fragen, die seiner Fassungskraft entsprechen, lasst sie ihn selber lösen. Er darf nichts wissen, weil ihr es ihm gesagt habt, sondern weil er es selbst verstanden hat. Er soll [...] nicht lernen, sondern erfinden. Denkt auch an erster Stelle daran, dass ihr ihm nur selten vorschreiben solltet, was er lernen soll. Er selbst muss es wünschen, suchen, finden. An euch liegt es, es seinem Verständnis nahe zu bringen, geschickt den Wunsch in ihm zu wecken und ihm die Mittel zu geben, ihn zu befriedigen. [...] Erklärungen in Form von Vorträgen liebe ich nicht. Junge Leute geben wenig darauf Acht und behalten sie kaum. Er soll selbst urteilen! Wird er dauernd durch das Urteil des Autors gelenkt, tut er nichts, als mit den Augen eines anderen sehen. Und wenn ihm dieses Auge einmal fehlt, dann sieht er gar nichts mehr. (Rousseau: Emile, 1762)

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Online-Lehrbuch

French Revolution in simple English

Inhaltsverzeichnis

Verbindliche Unterrichtsinhalte/Aufgaben

Wiederholung und Ergänzung zum 8. Schuljahr z.B. Reformation u. Gegenreformation, 30jähr. Krieg, Absolutismus

Die Französische Revolution und ihre Wirkung in Europa

--> Entstehung des Westens (Geschichte)

--> Veränderung der Rolle des Bürgertums (Tafelbild)

Ursachen und Beginn der Revolution
Krise des Ancien Régime; Einberufung der Generalstände; Ballhausschwur; Sturm auf die Bastille 1789

Frankreich war ein reiches Land; aber der König hatte hohe Schulden. Das kam daher, dass schon Ludwig XIV. aufgrund seiner vielen - am Schluss wenig erfolgreichen - Kriege hohe Schulden angesammelt hatte. Außerdem hatte Ludwig XVI. (aus Rache wegen des Verlusts der französischen Kolonien an England) die amerikanischen Kolonien im Kampf gegen England unterstützt und dafür viel Geld ausgegeben. Um die Schulden zurückzahlen zu können, versuchten drei Finanzminister nacheinander, den Adel zu höheren Steuerzahlungen zu bewegen, doch der weigerte sich. Vielmehr verwies er darauf, dass das Steuerbewilligungsrecht bei den Generalständen liege, die über hundert Jahre nicht einberufen worden waren. So entschloss sich der König widerwillig, sie einzuberufen. Doch auch so kam es nicht zu der von ihm gewünschten Steuerbewilligung, sondern vielmehr zu einer Zusammenarbeit von Adel und Bürgertum, die sich gegenseitig darin bestärkten, keine Steuern zu zahlen.

Die Herrschaft des Bürgertums
Nationalversammlung und Nation; Aufhebung der Feudalordnung; Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte; Grundprinzipien der Verfassung von 1791
Die Jakobinerherrschaft und das Ende der Revolution
Konventsherrschaft; Kult der Vernunft; Frauen in der Revolution; levée en masse; la terreur; Hinrichtung Robespierres; Aufstieg Napoleons
Europa unter der Herrschaft Napoleons
Hauptschluss der Reichsdeputation 1803; Rheinbund 1806; Frankreich als Besatzungsmacht; Code civil
Preußische Reformen
Revolution von
Stein, Hardenberg: Bauernbefreiung; Judenemanzipation; Humboldt; Befreiungskriege 1813/14

JudenemanzipationWikipedia-logo.png: Christian Konrad Wilhelm von DohmWikipedia-logo.png, David FriedländerWikipedia-logo.png

Europa zwischen Restauration und Revolution

  • Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress (1815)

o Legitimität und Solidarität der Fürsten; europäisches Gleichgewicht; Deutscher Bund und Dualismus Österreich/Preußen

  • Die Zeit der Restauration

o System MetternichWikipedia-logo.png; Karlsbader Beschlüsse 1819Wikipedia-logo.png; Burschenschaften; landständische Verfassungen; Göttinger Sieben; liberale und nationale Bewegungen in Europa; Vormärz

o Revolution in Berlin und Wien; Märzminister; Nationalversammlung der Paulskirche; Grundrechte; kleindeutsche und großdeutsche Lösung; Scheitern der Revolution und ihre Folgewirkungen

Industrielle Revolution und soziale Frage

  • England als Vorreiter der Industrialisierung

o Voraussetzungen der industriellen Revolution: Zugriff auf Rohstoffe; Wirtschaftsliberalismus; Durchlässigkeit der Gesellschaft; Agrarreform; Bevölkerungswachstum

  • Technische Revolution

o Neue Energieformen und ihre Bedeutung; Schlüsselerfindungen und ihr Einsatz in der Praxis (Dampfmaschine 1769, Eisenbahn)

  • Wirtschaftliche und soziale Folgen der Industrialisierung

o Massenproduktion; Fabrik; Markt; Arbeitsteilung; Lohnarbeit; Kapital; Bankwesen; Aktiengesell-schaft; Massenarmut und Verelendung; Frauen- und Kinderarbeit; Bürgertum und Arbeiterschaft; Urbanisierung und Landflucht

  • Lösungsansätze für die soziale Frage

o Gewerkschaften und Arbeiterbewegung; Marx/Engels, Kommunistisches Manifest 1848; kirchliche Einrichtungen; Hilfsmaßnahmen der Unternehmer

Das deutsche Kaiserreich von 1871 - Lösung der nationalen Frage?

Preußen und die Entstehung des deutschen Kaiserreichs

Deutscher Zollverein 1834;
Konflikte Preußen - Österreich und Ende des Deutschen Bundes;
Norddeutscher Bund 1866/67;
deutsch-französischer Krieg 1870/71

Staat, Wirtschaft und Gesellschaft im deutschen Kaiserreich

Politische Verfassung und soziale Struktur;
Militarisierung der Gesellschaft;
Gründerjahre und Depression;
Sozialgesetzgebung und Sozialistengesetze;
Kulturkampf;
Judenemanzipation und Antisemitismus;
Familie und Frauenemanzipation

Das Kaiserreich im Spannungsfeld europäischer Politik

Berliner Kongress 1878;
Bündnissystem Bismarcks;
Beginn der deutschen Kolonialpolitik

Imperialismus und Erster Weltkrieg

Der Kampf um die Aufteilung der Welt

Ideologische und wirtschaftliche Begründungen des Imperialismus;
Bildung und Nutzung von Kolonialreichen durch die europäischen Mächte;
Sonderformen des Imperialismus

Auswirkungen der imperialistischen Expansion

Kurz- und langfristige Folgen ihrer Abhängigkeit für Wirtschaft und Kultur der Kolonien;
Konflikte zwischen den Großmächten; Wandel der Bündnissysteme; Wettrüsten; Krisen

Der Erste Weltkrieg und der Weg in die europäische Katastrophe

Ursachen, Kriegsziele und Kriegsschuldfrage;
Verdun; die neue Dimension des Krieges

· Das Epochenjahr 1917 o Anfänge des bipolaren Weltsystems: Lenin und die Oktoberrevolution in Russland - Kriegseintritt der USA und Beginn amerikanischer Weltpolitik

Kriegsende und Friedensschlüsse 1918-20: Verlust der europäischen Weltmachtposition

14 Punkte Wilsons; Pariser Vorortverträge und Neuordnung Europas;
Nationalitätenprobleme;
Versailles und die Neuordnung Europas; Völkerbund

Fakultative Unterrichtsinhalte/Aufgaben

Sonderformen imperialistischer Politik

Kontinentalimperialismus Russlands, Dollarimperialismus und open door policy der USA;
Expansion Japans im pazifischen Raum

Fakultative Unterrichtsinhalte/Aufgaben u.a.

  • Wirkungen des Rheinbundes auf Hessen

o Königreich Westfalen; Herzogtum Nassau; Großherzogtum Darmstadt (Auswahl je nach Regionalbezug)

Arbeitsmethoden der Schülerinnen und Schüler/Hinweise und Erläuterungen u.a.

  • Interpretation von Revolutionsliedern als Quellen; Folienvortrag
  • Hinweise und Erläuterungen: Regionalgeschichte (Archivangebote nutzen), lokalgeschichtliche Exkursion Wiederholung: Mittelalter, Absolutismus, Aufklärung; Reportage: Der Wiener Kongress;
  • Übung: Kartenarbeit, Quelleninterpretation und -kritik, Ideologiekritik; Internetrecherche und Einsatz fachspezifischer CD-ROMs
  • Vom Perspektivenwechsel zur Quellenkritik / Ideologiekritik: Jakobinerherrschaft; Nationalhymnen und revolutionre Symbolik als Quellen
  • Hinweise und Erläuterungen: Regionalgeschichte (Archivangebote nutzen); Wiederholung: Leben und Wirtschaften im Mittelalter; Imperium Romanum und Heiliges Römisches Reich; Absolutismus und Aufklrung; Rollenspiel: Debatte in den Generalständen;

Übung: Interpretation von Quellen, Perspektivenwechsel, Kartenarbeit; Internetrecherche und Einsatz fachspezifischer CD-ROMs

Schülerarbeiten (Texte, Links)

Zur Gestaltung des Unterrichts

Textgrundlage: Schmid u.a.: Fragen an die Geschichte Band 3, Cornelsen, Hirschgraben Frankfurt 1981

Bernlochner, Ludwig u.a.: Geschichte und Geschehen Band A3, Klett, Stuttgart 1996

Warum scheiterte die deutsche Revolution von 1848/49

1. Interessengegensätze innerhalb des Bürgertums (Liberale - Demokraten) 2. Bauern scheiden früh aus, als ihre Wünsche akzeptiert worden sind. 3. Die Nationalversammlung vertritt nicht die Interessen der Kämpfer der Märzrevolution. 3. Die Revolutionäre haben keine bewaffnete Macht zur Verfügung. 4. Viele Zentren machen gemeinsamen Erfolg schwerer. 5. Streit zwischen Groß- und Kleindeutschen 6. Der preußische König lehnt die Annahme der Kaiserkrone ab.

Quellen zu 1848

Häuserkampf in Berlin am 18.3.1848

Es war eine schwierige Situation für die Truppen, denn im Augenblick, wo sie bis dicht an die Barrikade heran waren, wurden sie doppelt unter Feuer genommen, von d'Heureuse und von unserem Rathause her. Sie wichen zurück. Ein neuer Ansturm wurde versucht, aber mit gleichem Mißerfolg. Eine Pause trat ein, während welcher man beim Bataillon schlüssig geworden war, es mit einer Umfassung zu versuchen. An solche, so nah es lag, hatten wir in unserer militärischen Unschuld nicht gedacht. Gleich danach ging denn auch das Bataillon zum drittenmal vor, aber mehr zum Schein, und während wir sein Anrücken wieder von unserem Fenster her begrüßten und sicher waren, es abermals eine Rückwärtsbewegung machen zu sehen, hörten wir plötzlich auf der zu uns hinaufführenden Treppe die schweren Grenadiertritte. Von der Brüder? und Scharrnstraße, will also sagen von Rücken und Seite her, war man in das Rathaus eingedrungen. Jeder von uns wußte, daß wir verloren seien. In einem unsinnigen Rettungsdrange verkroch sich alles hinter den großen schwarzen Kachelofen, während mir eine innere Stimme zurief: Überall hin, nur nicht da. Das rettete mich. Ich trat dem an der Spitze seiner Mannschaften eindringenden Offizier entgegen, empfing einen Säbelhieb über den Kopf und brach halb ohnmächtig zusammen, hörte aber gleich danach noch Schuß auf Schuß, denn alles, was, die Büchse in der Hand, sich hinter den Ofen geborgen hatte, wurde niedergeschossen.

Bericht des Buchdruckermeisters Krause nach: Theodor Fontane: Der achtzehnte März

Die Gefallenen

Am 19. um 6 Uhr nachmittags. In diesem Augenblick ist alles still, aber eine erhabne, schauerliche Demonstration ist vom Volk dem König gemacht worden. Ich will Dir alles nach der Reihe erzählen, was wir seit heute 8 Uhr, wo erst das Schießen aufhörte, erlebt und erfahren haben. Um 10 Uhr ging ich mit Jennatz und Giesel in die Stadt. An dem Tor begegneten uns die Truppen, die, um das Volk zu beschwichtigen, aus der Stadt entfernt wurden, und auch weil die Offiziere erklärt hatten, das Volk nicht bezwingen zu können. Dies hat ungeheure Taten getan, und nichts wird den Glanz seines Ruhmes und seiner Milde und Gutmütigkeit verdunkeln, den es in dieser einen Nacht ohne Waffen erworben.

Also: auf dem Schloßplatz versammelte sich das Volk, verlangt die gestern Gefangenen, die im Schloß in den Kellern stecken. Der König mußte sie herausgeben und sagte dabei: „Betrachten Sie die Gefangenen, ob Sie sie haben wollen.“ Für diesen Witz hätte er schier hart gebüßt. Unter den Linden begegneten wir einem Leichenzug von der imposantesten Art. Ein großer, offner Möbelwagen mit siebzehn Leichen, hinter diesem neun Leichen, welche einzeln mit offnen Wunden je von vier Leuten getragen wurden und mit Blumen geziert waren, eine ungeheure Masse von Volk, welches alles barhaupt ging, und an allen Fenstern Leute, viele vom Volk weinten, wahrscheinlich waren's Freunde der Gefallenen! Es kam eine Kompanie Soldaten zu Pferd, sie mußten das Gewehr präsentieren, so ging's bis zum Palais des Prinzen von Preußen. Dort wurde Halt kommandiert, das Volk trat auseinander, bildete einen Kreis, der nach der Seite des Palais offen war, die Leichen in der Mitte [...] An der Wache hielten sie wieder an. Die Soldaten präsentierten das Gewehr, die Offiziere salutierten. Nachdem die Leichen vorüber waren, brachte die ungeheure Volksmasse dem Militär ein dumpfes Hurra; sie zogen nach dem Schloß; zufällig stürzte dort der Vater, der seinen Sohn suchte, nach dem Wagen und fand ihn dort. Das Volk schrie, der König solle herauskommen und die Leichen ansehen, es hörte nicht auf zu schreien, bis er herauskam.


Bettina von Arnim, geb. Brentano