Prinz Friedrich von Homburg

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Kurzinfo
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Video zur Inszenierung des Theater Bonns in den Kammerspielen Bad Godesberg (Spielzeit 2010/2011)

Handlungsskizze

(von Uschi G.)

Interpretationsansätze

(nach Dirk Jürgens: Heinrich von Kleist. Prinz Friedrich von Homburg, Hollfeld 2009, S. 99ff.)

Nach Georg Lukács (1937) stellt das Drama einen Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft dar, "im engsten Zusammenhang mit den Bestrebungen der preußischen Reformer, mit dem Versuch einer inneren Erneuerung Preußens aus dem erwachten nationalen Gefühl heraus". Kleist sei allen Reformen aber Feind gewesen, habe "als gesellschaftliche Umwelt nur das starre alte Preußen gestalten" können. Das Preußen des großen Kurfürsten trete im Drama nicht nur als gesllschaftliche Macht auf, sondern werde am Ende sogar noch "glorifiziert". Dadurch sei das Drama wie ein Entwicklungsroman zu lesen, dessen Thema "die Erziehung des Prinzen von Homburg" sei, der sich verändere "aus schwärmerischer Gefühlsanarchie zum Preußentum". (Georg Lukács, Werke, Bd. 7. Neuwied und Berlin 1964, S. 217-219, zitiert nach Jürgens).

Friedrich Beißner (1948) verdeutlicht den Gegensatz zwischen dem Individuum und den Anforderungen der Gesellschaft anhand der ersten Verse im Stück (5 Verse Subjekt des Sachverhalts im Nominativ - 5 Verse Forderungen, Widerstand, Befehl ebenfalls im Nominativ = das Ich und sein Widerstand)

Benno von Wiese (1948) bezeichnet das Drama als brandenburg-preußische Staatsdichtung, das schönste Denkmal der Verbidnung von dichterischer Freiheit und staatlicher Bindung", in dem "das ewige und tragische Ich [...] seine göttliche Bestimmung" erfülle, "indem es in der freien Bejahung des Staates die Katastrophe der Zernichtung" überwinde und "in der Bereitschaft zum Todes-Opfer der Gnade teilhaftig werden" könne. (Benno von Wiese: Die deutsche Tragödie von Lessing bis Hebbel. Bd. 2: Tragödie und Nihilismus, Hamburg 1948, zitiert nach Jürgens)

Ähnlich sieht Hans M. Wolff (1954) eine Versöhnung zwischen Individuum und Gemeinschaft. Er sieht im Kurfürsten den "gütigen Mittler", den auch Walter Müller-Seidel (1958) als "geheimen Regisseur" und "die überlegene Figur schlechthin" bezeichnet.

Hans Mayer (1962) deutet wiederum kritischer, wenn er den Kurfürsten als "verstrickt in das Spiel und Gegenspiel" einschätzt ("beileibe kein Weltenlenker über den Parteien"). Das Dama ist für ihn "Gipfel des deutschen Dramas", "Ausnahmewerk unserer dramatischen Dichtung, da es gleichzeitig Zusammenfassung aller Traditionen bürgerlicher Dichtung in Deutschland und Vorwegnahme aller späteren Literatur hierzulande" sei. Er attestiert die "Aufhebung der Grundtendenzen deutscher Klassik wie Romantik", was sich vor allem in der Darstellung der "Künstlerproblematik", der "Darstellung des isolierten Künstlertums" zeige: "Parabelstück von Freiheit und Ordnung" und "vom bürgerlichen Künstler und seiner Umwelt". (Hans Mayer: Heinrich von Kleist. Der geschichtliche Augenblick, Pfullingen 1962, zitiert nach Jürgens)

Katharina Mommsen (1974) schließt sich dieser Deutung insofern an, als sie den Konflikt zwischen Prinz und Kurfürst biographisch auf die persönliche Auseinandersetzung zwischen Kleist und dem von ihm verehrten Goethe bezieht, von dem er die Bestätigung dafür wünschte "legitimer Thronerbe der Weimarer Klassik" zu sein. Sie verweist darauf, dass der Zwist in Kleists Schauspiel in "reiner harmonischer Befriedigung" gelöst werde. (Katharina Mommsen: Kleists Kampf mit Goethe. Frankfurt a. M. 1979, S. 183)

Stift.gif   Aufgabe

Der Darstellung Jürgens' sind weitere Interpretationsansätze zu entnehmen (S. 102-106): Bernd Leistner (1979) Gert Ueding (1987) Hinrich C. Seeba (1987) Peter Horn (1992) Gerhard Kluge (1998) Herbert Kraft (2007)

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