Don Carlos

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Don Carlos - Friedrich Schiller

(von Vera und Vanessa)


1.Inhalt


2. Personen

2.1. Don Carlos, der Kronprinz

2.2. Marquis von Posa, ein Malteserritter

2.3. Philipp der Zweite, König von Spanien

2.4. Elisabeth von Valois, Gemahlin des Königs

2.5. Domingo

2.6. Herzog von Alba

2.7. Prinzessin Eboli

2.8. Der Großinquisitor


3. historischer Hintergrund


4. Epochenzusammenhang

- Schaubild (Klassik, Romantik, Sturm & Drang, Aufklärung)

4.1. deutsche Klassik


5. die dramatische Bauform

5.1. die geschlossene Form des Dramas und ihre Merkmale

5.2. in Bezug auf Don Carlos:

(1) das Fünf-Akte-Schema

(2) der Blankvers


6. Thematik

6.1. Familienkonflikte

(1) Vater-Sohn-Konflikt

(2) Liebe Sohn - Stiefmutter

6.2. politische Konflikte

6.3. das Scheitern Posas


7. Intention


2. Personen

2.1. Don Carlos :

- 23 Jahre alt

- in seine Stiefmutter Elisabeth verliebt

- isolierte Stellung am Hof

- seiner Umgebung gegenüber misstrauisch, kann sich niemandem anvertrauen → Bespitzelung

durch Domingo und Herzog von Alba

- Konflikt mit seinem Vater König Philipp → der despotische Gewaltherrscher, kann keine Liebe /

Beziehung zu seinem Sohn aufbauen

- schwankender Charakter, zeigt sich an Szene 1:

Carlos früher – heute

Domingo: „ Huldigung in Toledo (11 f)“ → „feierlicher Kummer seit 8 Monaten (5, 21 ff)“

Posa: „Löwenkühn (153)“ → „ blass, fieberhaft zitternde Lippen (150ff)“ „unglücklich,

verändert“

Carlos: „Freiheitsströme, Utopien (170 ff)“ → „vorbei die Träume (178)“, „tief gefallen (203 ff)“,

einsam, traurig, mit krankem Herzen

Philipp: ______ → „ zu heftig braust das Blut in deinen Adern. Du würdest nur zerstören

(146ff)“, „Träumender, Jüngling (1176 ff)“, „herrschbegierig (1192 ff)“, „fängt

an mir fürchterlich zu werden (873)“, „ solche Kranke wie Du (1230)“

- extremer Charakter → Euphorie wandelt sich schnell in Liturgie, kann Rückschläge nicht verkraften

- Entwicklung im Laufe des Buches :

  • Zu Beginn: würde selbst nie für seine Ideale kämpfen → braucht einen Anstoß von außen
  • Später: setzt sich für die Niederlande und ein humaneres Spanien ein

- romantische sowie Züge des Sturm und Drang:


- Sturm und Drang: - möchte sich keinen Zwängen unterordnen, sondern seinen eigenen

Willen durchsetzen, notfalls mit einem Umsturz der Gesetze

(staatliche und moralische)

- Romantik: - emotionale Sprache, gefühlsbetont


2.2 Marquis von Posa

- widersprüchlicher Charakter:

- feuriger Idealist der sich für Freiheit einsetzt und dessen Ideale auch den König

beeindrucken.

- verfolgt eigensinnig seine Ziele, benutzt die ihn bewundernden Personen als

Werkzeug, aufgrund fehlenden Vertrauens und glaubt an die Verwirklichung seiner

Pläne

- tritt von Anfang an nicht als Privatmann, sondern als Abgeordneter der ganzen Menschheit auf

- mutig, stolz, eloquent, kann situationsgerecht handeln

- durchgehend entschlossen und kämpferisch

- geht mit Menschen willkürlich um und überschätzt sich

- fürchtet Verstrickung des Prinzen in Sinnlichkeit

- verfolgt Ziele diplomatisch geschickt

- aufopferungsvoll für Carlos

- keine gefühlsbetonte Sprache → Verstand (ratio) überwiegt über Gefühlen

- vertritt fortschrittliche Ideen, konstitutionelle Monarchie, Liberalität und Bürgerglück

→ darin zeigt sich sein aufklärerisches Gedankengut


2.3. König Philipp der Zweite

- tritt von Anfang an als der Fürchterliche auf

- „knechtische Erziehung“ bei Carlos

- ist der Idee des Absolutismus verhaftet


- sein 1. Auftreten zeigt: - herrisch gegenüber Hofstaat

- misstrauisch gegenüber seinem Sohn
- voll finsterer Entschlossenheit den Aufruhr in den Provinzen durch ein
„Blutgericht ohne Beispiel“ zu beenden.

- er zeigt dennoch auch menschliche Züge (z.B. im 3. Akt)

- Kernkonflikt (des 1. Aktes) : Philipp als Ehemann und Vater vs. Staatsmann

- fühlt sich alleine

- schwankt zwischen seelischen Extremzuständen hin und her

- Eifersucht veranlasst ihn seine Frau zu bespitzeln

- Endresultat: - tragisches Schicksal: wird sich zwar am Ende seines Irrtums bewusst, ist aber zu sehr

in den königlichen Zwängen gebunden, um der Stimme seines Herzens zu folgen


2.4. Elisabeth von Valois

- nostalgisch ( Kindheit, Naturliebe )

- Unwohlsein im Kreise der Hofdamen → eingeengt, gefangen, aber doch dankbar für die

Gesellschaft

- der Liebe des Prinzen nicht abgeneigt → tugendhaft, vertrauenswürdig

- positiv (liebenswürdig, will eine gute Mutter sein, gegen Ketzerverurteilung, vaterlandstreu)

- verdrängt die Problematik ihrer eigenen Situation

- gute Menschenkenntnis

- intelligent, selbstbewusst (gegenüber dem König)

- Einsatz für Mitmenschen

- hat sich mit Schicksal abgefunden


Die Nebenpersonen:

2. 5. Domingo

- Beichtvater des Königs

- skrupellos, nur auf eigenen Vorteil bedacht

- falsch, intrigant → Heuchelei

- Gegenspieler Posas, weil er neue Ideen wie Menschenrecht, Freiheit, Gleichheit ablehnt, um den

König als Werkzeug zu benutzen

- Mitstreiter im Komplott zur Abwehr aufklärerischer Gedanken


2.6. Herzog von Alba

- typischer Höfling

- auch Mitstreiter, allerdings ist er, anders als Domingo dem König gegenüber loyal

- Konkurrenzverhältnis zwischen ihm und dem Prinzen → kaltes Naturell nicht vereinbar mit der

feurigen Natur des Prinzen

- bei Hofintrige: naiv, überlässt Domingo die Führung


2.7. Prinzessin Eboli

- lässt sich wie Alba zum Werkzeug Domingos machen

- kein durchweg schlechter Charakter → zeigt zum Ende hin moralische Größe, als sie die Intrige

aufdecken will um Posa zu helfen.


2.8. der Großinquisitor

- 90 Jahre alt, blind

- über alles informiert

- hätte gegebenenfalls eingreifen können

- benutzt Philipp als Spielball

- völlig kalt und unbeeindruckt von den menschlichen Nöten des Königs

- strikter Gegner der Aufklärung : - will die Monarchie

- für Beständigkeit
- kann Philipps Gefühle/Leidenschaft nicht nachvollziehen
- „die Verwesung lieber als der Freiheit (V. 5278-5279)“
- „Menschen sind für Sie nur zahlen weiter nichts (V. 5225-5226)“

- „wenn sie um Mitgefühl wimmern, haben Sie der Welt nicht

Ihresgleichen zugestanden (V. 5230-5232)“


3. der historische Hintergrund

- die wichtigsten Personen hat Schiller aus der Historie übernommen: Philipp, Carlos, Elisabeth

- hat sie jedoch für seine Zwecke teilweise verändert und Figuren hinzugefügt

- Spanien erreichte unter der Regierung Philipps des Zweiten als Großmacht eine Blütezeit

- Spanien besaß eine Vormachtstellung → Macht, Reichtum, Ansehen in der politischen Welt des 16.

Jahrhunderts

- Philipp der Zweite: - despotischer Herrscher, trifft alle Entscheidungen alleine

- Schiller macht Philipp älter, eigentlich erst 41

- mehrmals verheiratet

- führte mit Elisabeth eine glückliche Ehe, hatten zusammen 2 Töchter

- Carlos: - bleibende Hirnschäden durch einen Treppensturz → unkontrollierte Verhaltensweisen

- Elisabeth und Carlos waren vor der Ehe zwischen Philipp und Elisabeth verheiratet, um die

Beziehung zwischen Spanien und Frankreich zu festigen

- Elisabeth: - Tochter des französischen Königs Heinrich des Zweitens

- 3. Frau von Philipp

- Spanien streng katholisch, Unterdrückung der Protestanten → Einführung der Inquisition

- Niederlande war gegen die Unterdrückung aller Freiheiten, auch der Glaubensfreiheit und gegen

alle Maßnahmen der Inquisition

- Verhältnis Staat-Kirche: - innig, politische Herrschaft galt als von Gott gegeben

- Frömmigkeit, moralische Enge, Etikette und Strenge kennzeichneten den

Absolutismus

- Bezug im Buch auf: - 1568: Niederschlagung des niederländischen Aufstandes unter Wilhelm von

Oranien

- 1588: Schlacht England-Spanien, Sieg Englands vor ihrer Küste


6. Thematik

6.1. Familienkonflikte


(1) Vater- Sohn Konflikt


(2) Liebe Sohn-Stiefmutter

- Inzestmotiv:- Carlos versteht seine Liebe als Inzest → Schiller versteht Liebe zwischen

Sohn und Stiefmutter als Inzest

- nach heutigem Recht ist die Liebe keine Inzest, da sie nicht „in gerader

Linie“ verwandt sind

  • Untergang Familienordnung

6.2. politische Konflikte

- despotischer Herrscher (Philipp) vs. Ideen des freien Spaniens und der Niederlande (Posa & Carlos)

6.3. das Scheitern Posas


(1) Warum scheitert Posa?

- Unterschätzung der Emotionalität Carlos´

- hat den Zufall nicht eingeplant

- kein Plan B

- doppeltes Spiel: 1. Flandern befreien; 2. Carlos wird König

- leidenschaftliches Handeln

- zu hohe Risikobereitschaft

- Unterschätzung des Königs

- eigene Emotionalität : - Gespräch mit dem König, der Königin

- Verhaftung Carlos`
- fast Ermordung Ebolis

- Entdeckung von Briefen


(2) Welchen Sinn hat Posas Opfertod?

Kritiker: - „bequemster“ Ausweg

- Im-Stich-Lassen Carlos` (keine Hilfe für Carlos und Flandern)
- heuchlerisches Sterben (Märtyrertum)

Schiller: - Posa stirbt nicht für Carlos

- Tod soll die Bedeutung/die Ernsthaftigkeit des (Freiheits-) Ideals verdeutlichen
- Vorbildhaftigkeit Posas für die Menschen, um dessen Entschlossenheit zu erkennen