Traumnovelle

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stift.gif   Aufgabe

Voraussetzungen für die Klausur:

  • die inhaltliche Kenntnis der gesamten Novelle
  • die Kenntnis der im Unterricht gemeinsam durchgeführten Analysen zu den Kapiteln I bis IV (Wer möchte, kann seine/ihre Mitschriften und Ausarbeitungen dazu unten beim jeweilien Kapitel eintragen. Nur Mut: Das dient auch der eigenen Wiederholung und Übung!)
  • der grobe Überblick über die Themen der unten aufgeführten Referate (Das über die Architektur ist mittlerweile auch eingetroffen!)
Kurzinfo
Vista-kdmconfig.png
Bei dieser Seite handelt es sich um eine Projekt-, Kurs- oder Klassenseite.

Inhaltsverzeichnis

Arthur Schnitzler: Traumnovelle

Traumnovelle-Titelbild.gif


Fridolin und Albertine

Kapitel I: Fridolin und Albertine

Fridolin und die drei Frauen auf dem Weg zum Maskenball

Kapitel II: Marianne

Kapitel III: Mizzi

Kapitel IV: Pierette

Begegnung mit drei Frauen im Vergleich

Marianne Mizzi Pierette
Herkunft des Namens Eigenname typischer Kosename für eine Prostituierte kein Eigenname, Bezeichnung nach dem Kostüm, das sie trägt
Alter "noch jung", im heiratsfähigen Alter "noch ganz junges Geschöpf" "ganz junges Mädchen, fast noch ein Kind"
Aussehen blondes, trockenes Haar, schlanker, doch faltiger Hals, schmale Lippen zierlich, blass, natürlich rote Lippen kleines, schmales Gesicht, blass geschminkt, schelmische, leuchtende Augen
Geruch süßlich fade (im Zimmer:) "roch es [...] viel angenehmer als [...] in Mariannes Behausung" Duft von Rosen und Puder
allgemeiner Gesundheitszustand ermüdet durch lange Krankenpflege und harte Arbeit trägt eine ansteckende Krankheit in sich Vater bezeichnet sie als geisteskrank ("wahnsinnig", "verworfenes Geschöpf")
  • Quelle: Arthur Schnitzler: Traumnovelle, erarbeitet von Melanie Prenting, Paderborn (Schöningh) 2009, S. 46

Projektarbeit "Arthur Schnitzler und seine Zeit

Stift.gif   Aufgabe

Recherchieren Sie Informationen und bereiten Sie eine Präsentation zu Ihrem Thema vor (PowerPoint, Tageslichtfolie, Plakat und/oder Handout). Senden Sie eine Textversion des Handouts (WORD- oder txt-Format) an michaelweyer@sjg-rheinbach.de

Arthur Schnitzler: Leben und Werk

Datei:Handout ArthurSchnitzler.doc

Leben

1862
Am 15.Mai wurde Arthur Schnitzler in Wien geboren. Sein Vater war Kehlkopfspezialist und seine Mutter war die Tochter eines Arztes. (Dies erklärt, warum Schnitzler Medizin studierte und Arzt geworden ist.)
1871-1879
Arthur besucht ein akademisches Gymnasium. 1879 absolviert er seine Matura (Abitur) mit Auszeichnung.
1879-1884
In Wien studiert er Medizin.
1882-1883
Schnitzler absolviert seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger am Garnisonsspital in Wien.
1885
Schnitzler promoviert zum Dr.med. und er lernt Sigmund Freud kennen.
1886-1893
Er war als Assistenzarzt an verschiedenen Wiener Krankenhäusern.
1880
Seine erste Veröffentlichung von Gedichten und Erzählungen war im „Der freie Landbote“, aber es folgten auch die Zeitschriften; „Blaue Donau“, „Moderne Dichtung“ und „Freie Bühne“.
Er verfasste auch über die Medizin mehrere Texte.
1886-1893
In dieser Zeit schreibt Schnitzler viele Rezensionen zu Fachbüchern und war teils als Redakteur für die „Internationale Klinische Rundschau“, die von seinem Vater gegründet wurde, tätig.
1888
Veröffentlichung der Sammlung von Einaktern "Anatol".
1890
Ab diesem Jahr gilt Schnitzler, neben seinen Freunden [[wpd|Hugo von Hofmannsthal}} und Richard Beer-HofmannWikipedia-logo.png, als einer der Hauptvertreter der literarischen Wiener Moderne.
1893
Sein Vater stirbt, daraufhin verlässt er das Krankenhaus und eröffnet seine eigene Praxis.
Schnitzler gehört zu den bedeutendsten Kritikern in der österreichisch-ungarischenWikipedia-logo.png Gesellschaft. Seit Anfang des 20. Jahrhundert gehörte der Literat zu den meistgespielten Dramen in Deutschland.
Als er 1901 „Leutnant Gustl“ veröffentlicht, ein Stück, worin der Ehrenkodex des österreichischen Militärs angegriffen wird, hatte man ihm seinen Offiziersrang als Oberarzt der Reserve aberkannt.
1903
Schnitzler heiratet die Schauspielerin Olga Gussmann. Ihr gemeinsamer Sohn war schon 1 Jahr alt.
1914-1918
Schnitzler ist einer der wenigen österreichisch-ungarischen Intellektuellen, die schon zu Beginn des Ersten Weltkriegs die allgemeine Kriegsbegeisterung nicht teilen.
Die Popularität seiner Stücke geht stark zurück.
1921
Schnitzler wurde wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses angezeigt. Dies bezog sich auf die Uraufführung des „Reigen“. Seine Aufführungsgenehmigung zog er danach zurück.
In der Folgezeit fing er an, sich wegen physischer und psychischer Probleme zunehmend zu isolieren.
In seinen letzten Lebensjahren schrieb er vor allem Erzählungen, in denen er Einzelschicksale um die Jahrhundertwende aus psychologischer Sicht darstellte.

Privatleben

1921
Er ließ sich von seiner Frau scheiden und zog seine Kinder Heinrich und Lili allein auf.
Sein Sohn wurde Regisseur. Seine Tochter jedoch beging Selbstmord (1928).
1926
Er erhält den Burgtheaterring.
1931
Am 21. Oktober starb Schnitzler, einer der einflussreichsten deutschsprachigen Autoren des frühen 20. Jahrhunderts, im Alter von 69 Jahren an einer HirnblutungWikipedia-logo.png.

Die Literaten der Gruppe „Junges Wien“

Datei:Handout LiteratenJungesWien.doc


Junges Wien

Gruppe von Wiener/österreichischen Dichtern und Schriftstellern um 1900, die nach ihrem Treffpunkt im Café Grienstein auch als „Kaffehausliteraten“ bezeichnet wurden.

Anführer der Gruppe war Hermann Bahr der zusammen mit Arthur Schnitzler, F. Dörmann, P. Altenberg, R. Beer-Hofmann, Felix Salten, R. Auernheimer, Hugo von Hofmannsthal und Karl Kraus den Naturalismus1 ablehnte und sich zum Ästhetizismus2 hinwendete. Dabei nahmen sie unterschiedliche moderne Kunstströmungen (Symbolismus, Impressionismus, Dekadenzdichtung) auf und begründeten eine neue Richtung österreichischer Literatur (literarische Moderne), die später -Anfang des 20. Jahrhunderts- von Autoren wie Robert Musil, Joseph Roth und Ödön von Horvath fortgesetzt wurde. Dabei machten sie Wien zu einem Zentrum des literarischen Fin de siècle3. Wichtiges Sprachrohr der Gruppe war H. Bahrs Wochenzeitschrift „Die Zeit“ (1894-1904). Seine Kontakte zu Verlagen und Zeitschriften nutzte er um junge, unbekannte Autoren zu fördern.

1 Naturalismus allgemein bezeichnet eine Stilrichtung, bei der die Wirklichkeit exakt abgebildet wird, ohne jegliche Ausschmückungen oder subjektive Ansichten. Der Naturalismus gilt auch als Radikalisierung des Realismus. 2 eine vorwiegend am Schönen bzw. an der Kunst orientierte Lebenshaltung und Weltanschauung, die in ihrer überfeinerten Einseitigkeit der Wirklichkeit in deren Fülle nicht gerecht wird und alle außerkünstlerischen Bindungen auflöst. 3 Bezeichnung für die gesamteuropäische Literatur an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Literaten

Peter Altenberg

(eig. Richard Engländer) * 9.3.1859 in Wien † 8.1.1919 in Wien

  • Pseudonym kommt von einem Ort an der Donau
  • Schriftsteller und Lebenskünstler
  • 2 abgebrochene Studien und eine begonnene Lehre bis sein Arzt eine „Überempfindlichkeit des Nervensystems“ attestierte -> Berufsunfähig
  • Depressionen und Nervenkrisen belasten ihn bis zum Tod
  • einer der wichtigsten Autoren der Gruppe „Junges Wien“
  • typischer Kaffeehausliterat

Hugo von Hofmannsthal

(eig. Hugo Hofmann Edler von Hofmannsthal) * 1.2.1874 in Wien † 15.7.1929 in Rodau bei Wien

  • Pseudonyme: Loris, Loris Melikow, Theophil Morrem
  • Schriftsteller und einer der bedeutensten österreichischen Dichter seiner Zeit
  • brach Universitätslaufbahn für Schriftstellerkarriere ab
  • schon als Gymnasiast bemerkenswerte Dichtungen -> früher Ruhm als „Ästhet“
  • Lebenslange Freundschaft zu R. Strauss
  • schrieb auch kulturpolitische Aufsätze und Reden zu den Problemen der Zeit
  • Herausgeber und Initiator der Salzburger Festspiele
  • seine Werke umfassen Lyrik, Dramen, Opernlibretti, Prosa und Briefwechsel

Hermann Bahr

*19. 7. 1863 Linz (Oberösterreich)

† 15. 1. 1934 München (Deutschland

  • Sohn eines Notars
  • Dichter, glänzender Essayist und Kritiker, anregender Interpret literarischer Strömungen vom Naturalismus bis zum Expressionismus
  • einer der bedeutendsten Lustspieldichter seiner Zeit

führender Theoretiker des Impressionismus •Er studierte von 1884 bis 1887 klassische Philologie, Philosophie, Jura und Volkswirtschaft in Wien, Czernowitz und Berlin. •Mit seinen kritischen Schriften wirkte er beim Entstehen neuer Stilrichtungen mit. •seine Werke sind bedeutende Dokumente österreichischer Geistesgeschichte. •ab 1894 freier Schriftsteller und Herausgeber der liberalen Wochenschrift "Die Zeit" •ab 1909 verheiratet mit Anna Bahr-Mildenburg

Felix Salten

(eig. Siegmund Salzmann)

*6.9. 1869 Budapest (Ungarn)

† 8.10. 1945 Zürich (Schweiz)

  • Sohn eines ungarischen jüdischen Ingenieurs
  • Schriftsteller, Feuilletonist und Burgtheater-Kritiker
  • gehörte zum Kreis des „Jung- Wien“
  • 1890 Anschluss an die Literatengruppe „Junges Wien“
  • 1902 Wechsel zur Zeitung „Die Zeit“
  • 1902 Heirat mit der Burgschauspielerin Ottilie Metzel
  • 1935 wurden seine Bücher in Deutschland verboten
  • 1939 emigrierte er in die Schweiz
  • Salten beeinflusste mit "Bambi" (1923, von W. Disney 1942 verfilmt) wesentlich die moderne Tiererzählung

Karl Kraus

*28. 4. 1874 Gitschin (Jičín, Tschechische Republik) † 12. 6. 1936 Wien

  • Sohn eines jüdischen Kaufmanns und Papierfabrikanten •Essayist, Lyriker, Dramatiker, Aphoristiker ein Publizist, Satiriker, Dramatiker, Förderer junger Autoren, Sprach- und Kulturkritiker
  • Er versucht sich als Schauspieler, Regisseur und Vortragskünstler und ist mit Vertretern der Gruppe "Jung-Wien" wie A. Schnitzler und Hugo v. Hofmannsthal befreundet
  • 1897 In der Satire "Die demolierte Literatur" distanziert er sich von der Dekadenz der Gruppe "Jung-Wien"
  • 1899 Gründung der Zeitschrift "Die Fackel“
  • 1911 alleiniger Autor der "Fackel"
  • 1921 Veröffentlichung der Operette "Literatur oder Man wird doch da sehn", mit der er den Expressionismus angreift
  • 1932 er warnt vor drohender Entmenschlichung durch den Nationalsozialismus, kritisiert aber auch die Politik der Sozialdemokratie
  • 1936 Das letzte Heft der "Fackel" erscheint

Felix Dörmann

(eig. F. Biedermann)

*29. 5. 1870 Wien

+ 26. 10. 1928 Wien

  • vielseitiger Schriftsteller, Lyriker, Filmproduzent
  • Mitglied der Tischgesellschaft von H. Bahr
  • Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Novellen, Libretti erotische Theaterstücke, Gedichtbände
  • 1912 gründete er die „Vindobona-Film“, war bis 1914 als Filmproduzent tätig

Richard Beer-Hofmann

*11. 7. 1866 Wien

+ 26. 9. 1945 New York (USA)

  • Erzähler, Dramatiker, Lyriker
  • Aufgewachsen in Brünn
  • Jusstudium in Wien
  • emigrierte 1938 in die Schweiz, von dort aus in die USA
  • War mit A. Schnitzler, H. von Hofmannsthal und H. Bahr befreundet
  • Verwendete stark ornamentale, rhythmisierte Sprache (Jugendstil)
  • Seine Erzählung „der Tod Georgs“ (1900) gilt als frühes Bsp. Des inneren Monologs
  • 1946 Gründung der Beer- Hofmann- Gesellschaft in New York

Raoul Auernheimer

(Pseudonym: R. Heimern, R. Othmar)

*15. 4. 1876 Wien

+ 7. 1. 1948 Oakland (USA)

  • Erzähler und Bühnenschriftsteller
  • Studium der Rechte in Wien
  • Journalist, Feuilletonist und Redakteur
  • 1939 Emigration in die USA
  • Seine Gesellschaftskomödien spielen im bürgerlichen Milieu und weisen Einflüsse von A. Schnitzler und G. de Maupassant auf

Kaffeehäuser

  • Kaffeehausliteratur wurde im Wiener Kaffeehaus geschrieben
  • führendes Kaffeehaus ist das Café Griensteidl
  • dort trafen sich die Literaten der Gruppe „Junges Wien“ bis es 1897 abgerissen wurde -> dann Café Central
  • man traf sich nicht mehr in Salons sondern an einem Ort, wo sowohl Öffentlichkeit als auch die Möglichkeit für persönlichen Rückzug gegeben ist

-> Kaffeehäuser

  • dienen ebenfalls zum Informationswechsel, zu intellektuellen Unterhaltungen und sind Rahmen für Geschäftsverhandlungen
  • auch ärmere Leute konnten sich hier bilden -> Zeitungen und Enzyklopädien
  • Personen des öffentlichen Lebens trafen sich ebenfalls dort und diskutierten über politische, literarische und soziale Fragen und lesen sich gegenseitig Werke vor

Impressionismus

  • Wichtige Maler: Claude Monet
  • Wichtigstes Merkmal: Abkehr vom Naturalismus und der Politik
  • Dichter zeichnen sich durch verfeinerte Wahrnehmungs- und Reizempfindlichkeit aus
  • Natur wird wahrheitsgetreu, Detailgetreu wiedergegeben
  • In der Literatur dominieren Stimmungsbilder und die Erzähltechnik des inneren Monologs

Jugendstil, Ästhetizismus

  • Ornament steht im Vordergrund
  • Wiener Werkstätten bemühen sich alles durchformt und ästhetisch zu gestalten
  • Dichter greift in die Natur ein
  • Man wendet sich gegen protzige Bauten, fordert neuen Baustil
  • Literaten waren u.A. Hugo v. Hofmannsthal

Poetischer Realismus

  • Fällt nicht mit Naturalismus zusammen
  • Handelt von Welt, die von schaffenden Phantasie vermittelt wird
  • Raum und Zeit sind nichts als Rahmen
  • Naturalismus geht es mehr um Mannigfaltigkeit
  • Idealist ist für Einheit, künstlerischer Realismus steht zwischen Verwirrung, Eintönigkeit

Expressionismus

  • Gefühle werden in Bildern ausgedrückt
  • Sehr starke Trennungen, Strukturen, Farben
  • Expressionismus ist Anspannung, Schnelligkeit
  • Bekannter Expressionist; Vincent van Gogh
  • Gegen Impressionismus, Tradition, Realismus

Aline Bierhoff, Janina Clever, Kathrin Burmann

Die politische Situation in Wien um die Jahrhundertwende

Datei:Handout Wien 1900.doc


<Die politsche Situation in Wien um 1900

  • Wien war die Hauptstadt des Habsburger Reiches
  • Dort herrschte der Monarch Kaiser Franz Joseph I von 1848 bis 1916


Liberalismus

  • Es herrschte großes materielles Elend auf dem Land und so wollten viele

Bewohner in einen anderen Staat auswandern

- Wien war damals nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich attraktiv

und so wanderten viele Juden nach Wien, denn dort hatten sie die gleichen

Rechte, wie die anderen Bewohner

  • Viele religiös Verfolgte wanderten nach Wien


In Wien wohnten viele ethnische und religiöse Gruppen

  • 15 ethnische Gruppen
  • 12 Hauptsprachen
  • 5 Religionen
  • unterschiedliche kulturelle Traditionen und soziale und wirtschaftliche Interessen


großes Konfliktpotential

- Spannungen entstanden durch

  • verschiedene soziale Verhältnisse
  • ausbeuterische Arbeitsbedingungen
  • Armut
  • Platzmangel (von ½ Mio EW auf 2 Mio)
  • Angst der Bewohner vor

+ Konkurrenz (besonders durch Juden)

+ mehr innerpolitische Macht durch Zuwanderer (besonders durch Juden)

  • beginnende Industrialisierung
  • Verschiebung des Sozialgefüges


Parteien bilden sich je nach Nationalität


viele politische Gruppen gegen Juden

Antisemitismus beginnt


30 Parteien im Reichstag

  • Ab 1907 werden allgemeine direkte und gleiche Wahlen durchgeführt
  • Pol. Parteien haben das Ziel, die eigene Benachteiligung durch Sitzverteilung nachzuweisen


Forderung: Ausschluss der Juden aus Staatsämtern, Lehramt, Presse

  • bis dahin hatte Wien gegenüber den Juden eine liberale Politik mit offizieller Gleichberechtigung
  • ab dann verstärkter Antisemithismus
  • verstärkter Nationalismus
  • der Zionismus (jüd. Gegenbewegung zum Nationalismus) entsteht
  • Adolf Hitler bekommt nach 1900 verhängnisvolle, judenfeindliche Eindrücke
  • Verschiedene Personentypen stehen für pol. Richtungen in einem Land:

Kaiser Franz Joseph I, Sigmund Freud, Adolf Hitler

Industrie und die Folgen des technischen Fortschritts um die Jahrhundertwende

Vortrag als pdf-Datei: Datei:Deutsch Industrielle Revolution.pdf

zur Präsentation: {{#slideshare:deutschindustriellerevolution-100606163257-phpapp01}}

Urbanisierung und Großstadtleben im die Jahrhundertwende

Datei:Handout Urbanisierung 19Jh.pdf

Sigmund Freud: Biographie, Instanzenmodell und Traumdeutung

Datei:Handout Sigmund Freud.doc


SIGMUND FREUD

Biographie

  • 6. Mai 1856 : Freud wird als Sohn jüdischer Eltern geboren
  • 1873-81 : Freud studiert an der Wiener Universität Medizin
  • 1882-85 : Er ist an der Entdeckung der schmerzstillenden Wirkung von Kokain beteiligt
  • 1886 : Hochzeit mit der Jüdin Martha Bernays ; eröffnet eine neurologische Praxis
  • 1900 : „Die Traumdeutung“ erscheint
  • 1902 : Freud wird Professor der Neuropathologie
  • 1908 : Der 1. Internationale Psychoanalytische Kogress findet in Salzburg statt
  • 1923 : Freud wird Gaumenkrebs diagnostiziert
  • 10. Mai 1933 : Seine Werke werden in Folge der Bücherverbrennung vernichtet
  • 1938 : Freud und seine Familie müssen nach London fliehen
  • 23. September 1939 : Sigmund Freud stirbt nach langer Krankheit.

Traumdeutung

  • Unschönes wird in Unterbewusstsein verdrängt -> durch Träume kommt es wieder hervor
  • Träume geben Wünsche/Ängste nur in verschlüsselter Form wieder, gemischt mit Erlebnissen des Vortages
  • Freud hat Katalog angelegt mit Bedeutung von Symbolen in Träumen (er ist mit komplexen Vorgehensweisen zu seinen Ergebnissen gekommen) -> Bsp.: König/Königin = Eltern
  • ehemaliger Freund Jung setzt Katalog fort -> Bsp.: Mensch stürzt in Tiefe = Verlust eines Menschen oder einer Illusion
  • Methode der freien Assoziation (Assoziationen = Einfälle), um Menschen dazu zu bringen, über Träume entspannt zu reden
  • verfasst zu diesem Thema das Werk „Die Traumdeutung“ (1900), in dem er seine Theorie erläutert
  • bei Traumdeutung können verschiedene Probleme auftauchen, wie z.B. das Vergessen des Traumes durch den Patienten

Das Instanzenmodell

Freud ging davon aus, dass die menschliche Psyche in drei Instanzen untergliedert ist: Es, Ich, Über-Ich

Über-Ich
(moralische Instanz, Gebote, Verbote)
I↓
Ich
(kritischer Verband, Kontrolle, Regulation)
Es
(Lustprinzip, Bedürfnisse, Libido)


Es:

  • verkörpert die unbewussten, unauflösbaren Grundbedürfnisse und primäre Impulse
  • in ihm wirken die ursprünglichen, biologischen Triebe in animalischer, nicht sozialisierter Form
  • inneren Urkräfte drängen auf sofortige und rücksichtslose Befriedigung primärer Bedürfnisse
  • eigentliche Lebensmotivation besteht darin, diese Grundbedürfnisse zu befriedigen
  • drängt auf Entladung, Abfuhr und Entlastung von Spannungsdruck Entladung stellt seelisches Gleichgewicht und seelische Ökonomie wieder her(Regulationsdynamik)
  • Sinn der Befriedigung ist Lustgewinn (Psyche hat die Tendenz Lust zu erlangen und Unlust zu vermeiden)

=>ohne Korrektur durch die beiden anderen Instanzen, könnte es zu gefährlichen Konflikten mit der Außenwelt führen


Über-Ich:

-Ziel: Einschränkung der Bedürfnisse und Triebe

-in ihm sind kulturelle Werte und Normen angelegt (Gebote, Verbote und Gewissensfunktionen)

Kontrollfunktion: überwacht und steuert die Aktivitäten des Es


Ich:

Aufgabe: zwischen dem Es und dem Über-Ich eine Verbindung in Form eines Kompromisses zu finden emotionalen Grundbedürfnisse, Triebansprüche und normativen Verwirklichung)

=> zentrale Entscheidungsinstanz und übernimmt die Rolle der Selbstkontrolle (Bewusstsein)

Malerei um 1900

Datei:Handput Malerei um 1900.doc

Allgemeine Situation der Malerei

  • Aufkommen der Photographie (noch nicht ausgereifte technische Möglichkeiten haben eine teils entstellende Reproduktion zur Folge)
  • Exklusivität eines Originals
  • Aufschwung der graphischen Künste (Lithographie, Holzschnitt, etz.); Der Künstler erreicht so mehr die Masse

Die Wiedergabe des „realistischen“ rückt mehr und mehr in den Hintergrund, die Kunst wird abstrakt. (Abstraktion: Verzicht auf Gegenständlichkeit, Verzicht auf Benennbarkeit der Sachen und Wesen, Verzicht auf Nachbilder und Abbilder)


Entwicklung der Stilrichtungen

Historismus

  • bis ~1895 (Beginn des Jugendstils)
  • Nachahmung alter Stilrichtungen (Antike, Ägypten), besonders in der Architektur


Realismus und Naturalismus

  • Mitte bis Ende 19. Jahrhundert
  • realistische und möglichst genaue Wiedergabe der Dinge


Impressionismus

Claude Monet, Impression, soleil levant, 1872.jpg
  • entwickelte sich in Frankreich im späten 19. Jahrhundert
  • Wegbereiter der Modernen, Abstrakten Kunst
  • Merkmale:
    • Darstellung der äußeren Erscheinung der Dinge
    • helle, rein bunte Farben
    • Nebeneinander-Setzung von Komplementären Kontrastfarben, die aus weiterer Entfernung betrachtet ineinander fließen
    • Farbe als primäres Gestaltungsmittel, zeichnerische Elemente treten in Hintergrund
    • Betonung des Lichtes, mit besonderem Augenmerk auf die Reflexion


Jugendstil

Aubrey Beardsley Beardsley - Isolde.jpg
  • 1895 bis 1915
  • Abkehr vom Historismus (einziges einheitliches Merkmal)
  • teilweise sehr unterschiedliche Merkmale in einzelnen Regionen
  • Zielsetzung:
    • Verschmelzung von Kunst und Leben
  • große Gesamtkünstlerische Gestaltung
  • dekorativ geschwungene Linien; flächenhafte Ornamente; Aufgabe von Symmetrien



Expressionismus

  • 1901 bis 1925
  • Kunst des seelischen Ausdrucks im Gegensatz zum Impressionismus
  • auch eine geistige Haltung
  • Protest gegen die damals bestehende Ordnung und des Bürgertums (Industrialisierung)
  • „expressiv“; nicht mehr ästhetisch, appellativ, sachlich, naturgetreu
  • auch oppositionell dem Realismus und dem Naturalismus
  • Ziel:-die Weitergabe eines „durchgefühlten“ und interpretierten Motives
  • Motivreduzierung auf das Wesentliche (der Intention)

siehe auch: Expressionismus


Kubismus

  • 1907 bis 1918
  • ausgehend vom Spätimpressionismus bildet der Kubismus einen Wendepunkt in der Malerei
  • Beginn der abstrakten Malerei und der künstlerischen Abstraktion
  • wichtigstes Merkmal: Rückführung aller Gegenständlichkeiten auf kubische Elemente wie Zylinder, Kugel und Pyramide.
  • polyvalente Perspektive: die Möglichkeit gleichzeitig ein Objekt aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten


Futurismus

~1909 bis 1944

  • Merkmale:
    • Mut zur Verrücktheit und Wiedergabe des täglichen Lebens
    • Ablehnung vom Kult der Vergangenheit und der Nachahmung
    • genaue Darstellung von Bewegungsabläufen


Abstrakte Malerei

Chimpanzee congo painting.jpg
Malevich.black-square.jpg
  • entstand 1910
  • Bruch der Malerei: Neuerfindung/-anfang der Kunst
  • vorher: Abbildung real existierender Dinge
  • nachher: Komponieren mit Farben, Kontrasten, Linien und geometrischen Formen, ohne dass die Abbildung von Gegenständen beabsichtigt ist.

Architektur um 1900: Wagner, Loos u.a.

Otto Koloman Wagner

  • geboren am 13. Juli 1841 in Wien-Penzing
  • bedeutender österreichischer Architekt
  • wurde an der königlichen Bauakademie in Berlin ausgebildet
  • gestorben am 11. April in Wien

Sein Werk:

  • übernahm anfangs die historische Gestaltung bei seinen Bauwerken
  • mit der Zeit immer nüchterner >>> Funktionalität
  • einer der Urväter der neuen Sachlichkeit
  • verwendete neue Materialien wie Stahlbeton und Aluminium
  • ihm gelang die Synthese von Funktionalität und Ästhetik
  • hatte besonderes Interesse in der Stadtplanung
  • verfasste bedeutende kunsttheoretische Schriften
  • gewann 1893 den Wettbewerb zum Generalregulierungsplan von Wien
  • bildete zahlreiche bedeutende Architekten aus
  • erhielt viele Preise und Ehrungen für sein Werk


Adolf Loos

  • geboren am 10. Dezember 1870 in Brünn
  • österreichischer Architekt
  • gilt als einer der Pioniere der Moderne in der mitteleuropäischen Architektur
  • gestorben am 23. August 1933 in Kalksburg (heute in Wien)

Sein Werk:

  • gilt als energischer Gegner des Jugendstils
  • übte scharfe Kritik an der künstlerischen Ausgestaltung von Gebrauchsgegenständen
  • plädierte stattdessen für die Verwendung edler Materialien um die Anmutung von Sinnlichkeit und Reichtum zu erzielen
  • Einflüsse des Klassizismus
  • beeinflusste viele spätere Architekten der Moderne

Musik um 1900: Mahler, Schönberg u.a.

Datei:Handout Musik um 1900.doc



Allgemeines

  • Die Moderne

Wegen der vielen verschiedenen Richtungen in der Musik um 1900 ist eine Einteilung in Epochen deutlich schwerer als davor. Nicht selten wird der Überbegriff der "musikalischen Moderne“ verwendet, was insofern berechtigt ist, da die Musik um 1900 bis heute ihre Einflüsse hat.


  • Der Impressionismus

Der Impressionismus entwickelte sich ab 1880 direkt aus der Romantik. Dabei wurde die in der Romantik begonnene Auflösung der streng formalen und dominantischen Tonalität in erweitertem Maße fortgesetzt. Von besonderer Bedeutung wurde dabei die "Entdeckung der Klangfarbe“.

Die Verwendung bislang ungewohnter Skalen (z.B. Pentatonik, Ganztonleitern) führte zu neuen Klangerlebnissen. Als logische Konsequenz der aufgelösten Tonalität wurde die Dissonanz nicht weiter abgelehnt.


  • Komponisten des Impressionismus

Claude Debussy (1862-1918): Nocturnes

Maurice Ravel (1875-1937): Rhapsodie Espagnole, Bolero

Richard Strauss (1864-1949): Der Rosenkavallier, MacBeth, Also sprach Zarathustra


  • Der Expressionismus

Auch wenn sich der Expressionismus aus dem Impressionismus weiterentwickelte, ist er in der Musik die Gegenströmung zum Impressionismus. Im Gegensatz zu diesem beschäftigt er sich nicht mit der äußeren Erscheinung der Dinge sondern mit der Innerlichkeit des Menschen.

Wie in der Literatur und der Kunst ist der Expressionismus also eine Reaktion auf die moderne Welt.

Nahezu sämtliche bislang verwendete Regeln der Musik wurden aufgelöst und durch neue Theorien ersetzt.

Die bekannteste dieser neuen Theorien ist Schönbergs Zwölftonmusik, in der das Komponieren mehr zu einem logischen Handwerk zu werden scheint.


  • Komponisten des Expressionismus

Arnold Schönberg (1874-1951)

Anton (von) Webern (1883-1945)

Béla Bartók (1881-1945)

Wichtige Komponisten um 1900

Gustav Mahler (1860-1911)

  • Biografie:

1860 7. Juli: Gustav Mahler wird als Sohn des Gastwirts Bernhard Mahler und dessen Frau Maria (geb. Hermann) in Kalischt (Böhmen) geboren.

1870 Erste öffentliche Auftritte als Pianist.

1875 Mahler beginnt ein Musikstudium am Wiener Konservatorium.

1877 Immatrikulation an der Wiener Universität, wo er neben Harmonielehre historische und philosophische Vorlesungen besucht. Zur Finanzierung seines Studiums gibt Mahler Klavierunterricht.

ab 1880 Nach Abschluß des Konservatoriums Tätigkeit als Kapellmeister in verschiedenen Kleinstädten Deutschlands. Mahler komponiert die Kantate für Soli, Chor und Orchester "Das klagende Lied" zu einem eigenen Text und beginnt mit der Märchenoper "Rübezahl", von der heute nur das Libretto erhalten ist.

1883-1885 Musik- und Chordirektor am Königlichen Theater in Kassel. Kompositorisch konzentriert er sich auf die traditionellen Gattungen Sinfonie und Lied.

1885/86 Aufgrund von Auseinandersetzungen mit der Kasseler Theaterintendanz kündigt Mahler und geht als Opernkapellmeister an das deutsche Landestheater in Prag.

1886 Gleiche Stellung am Stadttheater in Leipzig.

1888 Erste Begegnung mit Richard Strauss, mit dem er zeitlebens befreundet bleibt.

Operndirektor in Budapest. um 1889 Mahler beginnt, die von Clemens Brentano (1778-1842) und Achim von Arnim (1781-1831) zusammengestellte Volksliedsammlung "Des Knaben Wunderhorn" zu vertonen. Sie stellt in den folgenden Jahren die wesentliche Textgrundlage seiner Liedkomposition dar, wobei er die musikalische Struktur über den Textinhalt setzt.

1891-1897 Er wird Erster Kapellmeister am Hamburger Stadttheater und übernimmt die Leitung des Symphonieorchesters. Die II. und III. Symphonie entstehen, wobei Mahler die Gattungen Symphonie und Lied miteinander verknüpft, indem er zu Instrumentalsätzen geformte Lieder und Orchesterlieder in die Symphonien einfügt.

1891-1893 Die Orchesterfassung des Zyklus von 1883 "Lieder eines fahrenden Gesellen" gehört zu den ersten originären Werken der Gattung Orchesterlied.

1897 Nachdem er vom Judentum zum Katholizismus konvertiert ist, kann Mahler zum Kapellmeister, später zum Artistischen Direktor des zu der Zeit größten Theaters, der Wiener Hofoper, ernannt werden. Hier bemüht er sich um eine Verwirklichung seiner Vorstellung einer Opernreform: Er propagiert die Idee der Oper als Gesamtkunstwerk und nimmt auch Retuschen einiger Werke vor. Aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen bleibt ihm nur die aufführungsfreie Zeit zum Komponieren.

1898-1901 Er leitet die Wiener Philharmoniker.

1902 Heirat mit Alma Schindler, die ihn mit bildenden Künstlern der "Wiener Secession" bekannt macht.

1907 Mahler tritt vom Amt des Direktors der Wiener Hofoper zurück. Familiäre Probleme sowie die häufig antisemitischen Angriffe auf seine Person sind die Gründe hierfür. Er nimmt eine Stelle als Gastdirigent an der Metropolitan Opera und des Philharmonic Orchestra in New York an.

1909 Leiter der New York Philharmonic Society.

1910 12. September: Uraufführung eines seiner Hauptwerke, der "VIII. Symphonie", unter seiner Leitung in München. Arbeit an der "X. Symphonie", die fragmentarisch bleibt.

1911 18. Mai: Gustav Mahler stirbt in Wien.


=> Heterogene Züge in Mahlers Werk weisen ihn als Komponisten der Übergangszeit zwischen Romantik und Avantgarde aus. Er erreichte eine grundlegende Reform der szenischen Präsentation (z.B. von Opern) und steigerte somit die Bühnenwirksamkeit von Musik beträchtlich.


Arnold Schönberg (1874-1951)

  • Biografie

1874 13. September: Arnold Schönberg wird als Sohn des Kaufmanns Samuel Schönberg und dessen Frau Pauline (geb. Nachod) in Wien geboren.


1882 Er lernt als Autodidakt, Geige zu spielen, und macht erste Kompositionsversuche.

1891 Schönberg beginnt eine Banklehre.

1899 Das Streichsextett "Verklärte Nacht" entsteht.

1901 Er heiratet Mathilde von Zemlinsky und zieht mit ihr nach Berlin.

1902 Schönberg erhält das Liszt-Stipendium.

Er tritt eine Stelle als Kompositionslehrer am Sternschen Konservatorium in Berlin an.

Bekanntschaft mit Richard Strauss.

1903 Er kehrt nach Wien zurück und unterrichtet an der Schwarzwaldschule. Bekanntschaft mit Gustav Mahler.

1904 Schönberg gründet den "Verein schaffender Tonkünstler", dessen Ideen eng mit denen der "Wiener Secession" verknüpft sind. Anton von Webern und Alban Berg (1885-1935) werden seine Schüler.

1905 Schönberg führt im Kreis des Vereins zum ersten Mal die symphonische Dichtung für Orchester "Pelleas und Melisande" auf.

1908 21. Dezember: Die Uraufführung des ersten atonalen Werks der Musikgeschichte, des "II. Streichquartetts op. 10", in Wien wird zum Skandal.

1910 Ausstellung seiner expressionistischen Bilder in einer Wiener Buchhandlung. Seine Bewerbung um eine Professur für Komposition an der Wiener Akademie wird abgelehnt. Er lehrt als Privatdozent außerhalb des Akademieprogramms.

1911 Schönberg zieht erneut nach Berlin. Er beendet die theoretische Abhandlung "Harmonielehre", die als ausgearbeitete, gedruckte Fassung seiner Kompositionskurse zu verstehen ist.

1912 Komposition der Melodramen "Pierrot lunaire".

Schönberg beteiligt sich mit einigen Aufsätzen an dem von Wassily Kandinsky und Franz Marc herausgegebenen Almanach "Der Blaue Reiter".

1913 Erfolgreiche Premiere der "Gurrelieder " in Wien.

1915 Schönberg wird zum Militär einberufen.

1916 Er wird in der Reserveoffiziersschule in Bruck/Leitha ausgebildet, aber im Herbst des Jahres vom Militär freigestellt.

1917 Schönberg wird erneut einberufen und leistet seinen Dienst in einer Militärkapelle ab.

1918 Nach dem Ersten Weltkrieg gründet er den "Verein für musikalische Privataufführungen".

1923 Schönberg komponiert mit den "Fünf Klavierstücken op. 23" und dem "Bläserquintett op. 26 " die ersten Zwölfton-Werke.

Tod seiner Frau.

1924 Heirat mit Gertrud Kolisch.

1925 Schönberg wird als Leiter einer Meisterklasse für Komposition an die Preußische Akademie der Künste berufen.

Ehrenmitgliedschaft der Academia Santa Cecilia in Rom.

1931 Arbeit an der Oper "Moses und Aron".

1933 Schönberg wird aus der Lehrtätigkeit der Berliner Akademie entlassen und flieht vor den Nationalsozialisten über Paris in die USA, wo er als Musikerzieher am Malkin Conservatory in Boston arbeitet.

1934 Übersiedlung nach Los Angeles. Er gibt Privatunterricht an der University of Southern California (USC).

1936 Schönberg erhält einen Lehrstuhl an der University of California in Los Angeles (UCLA).

Arbeit am "Violinkonzert" und am "IV. Streichquartett".

1940 Amerikanische Staatsbürgerschaft.

1941 Schönberg hält die Faculty Research Lecture an der UCLA über die "Komposition mit zwölf Tönen".

1944 Emeritierung.

1945 Schönberg ersucht die Guggenheim-Stiftung um ein Stipendium, wird aber abgewiesen.

Aus finanziellen Gründen gibt er erneut Privatunterricht.

1949 Verleihung der Ehrenbürgerrechte der Stadt Wien.

1951 13. Juli: Arnold Schönberg stirbt in Los Angeles.


=> Schönberg, der seine stilistische Entwicklung stets als folgerichtige Weiterführung der abendländischen, insbesondere österreichischen Musiktradition verstand, hat mit seinen Kompositionen und theoretischen Schriften die Kunstmusik des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt. Als Kompositionslehrer hat er mehrere Generationen bedeutender Musiker und Komponisten geformt und beeinflusst. Die von ihm geschaffene Zwölftontechnik wurde seit den 50er-Jahren Ausgangspunkt serieller Kompositionsverfahren.


Zwölftonmusik

Dodekaphonie, um 1920 von A. Schönberg entwickelte »Kompositionstechnik mit 12 nur aufeinander bezogenen Tönen«. Dies setzt die temperierte Stimmung voraus, welche die Oktaven in 12 gleiche Intervalle teilt. Grundlage der Zwölftontechnik ist eine Reihe, die alle Töne der chromatischen Skala (ohne Wiederholung eines Tones) enthält. Aus einer Reihe können, da die Rhythmisierung und die Oktavlage frei bestimmbar sind, die verschiedensten musikalischen Gedanken (Motive, Themen u. a.) abgeleitet werden. Die Reihe erscheint in 48 grundsätzlich gleichberechtigten Gestalten: in ihrer Original- oder Grundgestalt, in der Umkehrung, in der rückläufigen Gestalt (Krebs) oder in der umgekehrten rückläufigen Gestalt (Umkehrung des Krebses), die jeweils auf die 12 verschiedenen Stufen transponiert werden können. Die Satztechnik der Zwölftontechnik ist überwiegend polyphonisch. Vorausgesetzt ist die grundsätzliche Gleichberechtigung aller Akkorde, das heißt das quantitative und bedeutungsmäßige Überwiegen der Dissonanz und (damit eng verbunden) die Atonalität (atonale Musik). In Zwölftontechnik komponierten nach Schönberg u. a. A. Berg, A. Webern, H. Eisler, E. Krenek und L. Dallapiccola, nach 1947 auch H. W. Henze, W. Fortner, I. Strawinsky u. a. Galt es zunächst, eine Komposition aus nur einer einzigen Reihe zu entwickeln, so leitete Schönberg bereits seit 1929 Nebenformen aus Reihenteilen ab; Berg entwickelte in »Lulu« aus einer Reihe neue Reihen, während Krenek versuchte, den Reihenzwang zu brechen, indem er einzelne Töne innerhalb bestimmter Gruppen nach bestimmten Regeln umstellte. Die Übertragung der Reihenidee von der Tonhöhe auf die anderen Eigenschaften der Töne führte zur seriellen Musik.

Die von J. M. Hauer unabhängig von Schönberg seit 1918 entwickelte Zwölftontechnik beruht nicht auf Reihen, sondern auf Tropen. Jede Trope besteht aus zwei sich zu einer Zwölftongruppe ergänzenden Sechstongruppen, innerhalb deren die Töne allerdings beliebig umgestellt werden können. Die Aufeinanderfolge der Tropen (es gibt insgesamt 44) ist keinen bestimmten Regeln unterworfen.

Quellen:

Der Brockhaus multimedial 2007; http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SchoenbergArnold/index.html;

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/MahlerGustav/index.html

Die kulturellen Zentren um 1900: Wien, Berlin und Prag im Vergleich

Datei:Handout Metropolen um 1900.doc


Prag, die Dreivölkerstadt um 1900

Im Laufe des 19. Jahrhunderts erlebte Prag einen bedeutenden kulturellen Aufschwung. Johannes Urzidil sagte : "Hier kam vieles zusammen, Ost und West, Jud und Christ, Tschech und Deutscher, Nord und Süd, und wo viele Essenzen zusammenfließen, da entstehen auch viele zauberhafte, unbegreifliche und sonst nie gesehene Dinge". Es gab das "tschechische Prag", das in Architektur, Politik und Künsten durch das erwachende Nationalgefühl bestimmt war und das "deutsche Prag", dass seit der Jahrhundertwende als Literaturstadt an Bedeutung gewann.

Architektur/Kunst:

- Das jüdische Getto wurde abgerissen und in der Altstadt entstanden neue repräsentative Bauten und breite Straßen.

- Es entstanden das Nationalmuseum und das Nationaltheater.

- Um 1900 gab es eine Entwicklung in Richtung eines ursprünglichen dekorativen Stil. Die Bewegung wurde sowohl von der Pariser Art Nouveau, als auch von der Wiener Sezession beeinflusst.

- Die wichtigsten Architekten Ohmann (1858-1927), Bendelmeyer (1872-1932) und Kotera (1871-1923)

- Das "Hotel Central" (von Ohmann) ist einer der ersten Art Niveau Gebäude in Prag. Es ist traditionell gebaut, mit Stuck verputzt und Ziegeln. Seine milchige Farbe wird überall in Prag gesehen. Die Stuck-Muster sind inspiriert durch Blätter. Die Lampen, den Namen der Schriftart, jedes Detail ist von dem Architekten als Gesamtkunstwerk konzipiert.

- Die sinnlichen Gemälde und Skulpturen verbreiteten innere Gefühle und sind oft Themen aus der Poesie.

- Die poetischen Symbolisten mit ihren sinnlichen Gemälden und Skulpturen kennzeichnen diese Bewegung ebenso wie die eher expressiven Künstler mit ihrem Hang zum Makabren.

- Schließlich werden aus den überschwänglichen, blumigen Motiven, langsam geometrische, fast abstrakte Muster.

Literatur:

- Um 1900 war das nach außen weltoffene Prag ein Treibhaus für Künstler und nachwachsende Literaten.

- Drei Dichterkreise waren in Konkurrenz: Den "Prager Kreis" bildeten Max Brod, Franz Kafka , Felix Weltsch und Otto Baum. Sie widmeten sich den deutschsprachigen jüdischen Avantgarde- Literaten. „Wefa“ umfasste viele Autoren, die heute kaum noch bekannt sind. Dem "neuromantischen Kreis Jung-Prag", gehörte unter anderem Franz Werfel an.

- Die Prager deutschsprachige Literatur erreichte in dieser Zeit den Höhepunkt ihrer Bedeutung.

- Prag war jedoch auch eine Stadt die man verlassen musste, denn Berlin und Wien boten, zumindest den deutschen Schriftstellern, entsprechende Alternativen an.

Kultur:

- Der gesellschaftliche Aufstieg der Prager Juden, gewinnt immer stärkeren Einfluss im kulturellen Leben.

- Prag war in dieser Zeit als Stadt des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn durch einen regen Austausch zwischen den Nationalitäten geprägt. Tschechen, Deutsche und Juden verliehen der Stadt eine besondere Atmosphäre der Multikulturalität und Kreativität.

- Auch die tschechischsprachigen Künstler konnten ihre Position im Kulturleben festigen und ausbauen.


Berlin – Kulturmetropole um 1900

In nur drei Jahrzehnten ist die alte Residenz-, Beamten- und Garnisonsstadt nach der deutschen Reichsgründung 1871 zur modernsten und am raschesten wachsenden Metropole Europas geworden.

Welthauptstadt der Hochtechnologie:

  • größte Industriezentrum Deutschlands, Standort von Borsig, der Agfa sowie der beiden Elektroriesen Siemens & Halske und AEG

Der echte Berliner kommt nicht aus Berlin:

  • sondern aus Brandenburg, Ostpreußen und Schlesien
  • binnen 30 Jahren nach der Reichsgründung 140 Prozent mehr Einwohner
  • 1905 leben mehr als zwei Millionen Menschen in der Stadt

Berlin ist eine zweigeteilte Stadt

  • der Norden und Osten ist trist und verharrt in seinem Elend
  • der glänzende Westen dagegen, das Berlin der Aufsteiger

Der Westen:

  • Berlins schmucke Seite ist proper, blitzend und aufgeräumt (1126 Straßenkehrer) :

Unter den Linden mir seinen Luxusauslagen in den Schaufenstern, das Café Bauer ist bemalt mit Szenen aus dem alten Rom, der „Palazzi prozzi“ mit den Geschäftshäusern der Disconto-Gesellschaft, der Preußischen Central-Bodenkredit-AG, der Internationalen Eisenbahn-Schlafwagen-Gesellschaft, am Pariser Platz der Prunkbau des Hotel „Adlon“


Hier werden Millionäre gemacht:

  • Keine andere Einkommensgruppe wächst in diesen Jahren so rasch wie die der wirklich Vermögenden
  • aber auch für den Mittelstand werden neue Wohnviertel aus dem Boden gestampft - in Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Steglitz und Tempelhof
  • der Bauwut weichen auch die Äcker der Schöneberger Kartoffelbauern, die der Verkauf zu Millionären macht

"Laufstraße" nennen die Berliner Unter den Linden, "Saufstraße" die Friedrichstraße, "Kaufstraße" die Leipziger Straße:

  • Auf der Leipziger Straße geht man zum "Shopping" - "eine neue Sitte in Berlin", wie das "Berliner Tageblatt" berichtet, bei der die Damen "ohne die geringste Absicht des Kaufens sich die neuesten Kreationen vorlegen lassen"
  • In der Friedrichstraße konzentrieren sich die Nachtlokale, Tanzbars und Animierkneipen,

die der Stadt den Ruf eines Sündenbabel eintragen, in das der brave Provinzler nur mit frommem Schauder (und heimlicher Sehnsucht) fährt.

In der Friedrichstadt stehen die Huren. Sie tragen Federhüte, Federboas und hochgeschnürte Busen und schwenken ihre Taschen hin und her. 1900 gehen nach Schätzungen der Polizei in Berlin 20000 Frauen der Prostitution nach.

Ein großer Teil hat zuvor versucht, als Hausmädchen über die Runden zu kommen. Ihre Zuhälter gehören oft "Ringvereinen" aus dem Halbweltmilieu an. Die organisieren kleinere Untergruppen, die sich auf Geschäftsfelder wie Drogenhandel, Prostitution oder Auftragsmord spezialisieren. Vereinsmitglied wird nur, wer mindestens zwei Jahre im Gefängnis verbracht hat. Und die Mitgliedschaft lohnt sich: Der Verein stellt nicht nur ausgezeichnete Rechtsanwälte. Wenn es sein muss, sorgt er dafür, dass wichtige Zeugen und Richter bestochen werden.


Feiern:

  • seit 1925 feiert Berlins feine Gesellschaft "Zille-Bälle"

Herr Bankdirektor verkleidet sich dann als Ganove mit Ballonmütze und gemaltem Messerstich auf der Wange, seine Frau spielt die Hure - mit Netzstrümpfen und einem Ausschnitt, der alles verspricht, die Blaskapelle spielt eine Zille-Polonaise,

die Aufsteiger begeben sich Champagner trinkend für eine Nacht hinab in Zilles "Milljöh"


Der Norden und der Osten:

  • Stickige Arbeiterviertel: Wer kein Geld hat, der strandet in den Mietskasernen-Vierteln im Wedding oder in der Luisenstadt (im heutigen Kreuzberg), in Neukölln, in Friedrichshain,

oder es verschlägt ihn in das Gewirr schmaler und feuchter Gassen des Scheunenviertels nördlich des Alexanderplatzes, das als die verrufenste Gegend Berlins gilt

  • 1895 leben in Berlin 43,7 Prozent der Bevölkerung in Wohnungen mit nur einem beheizbaren Zimmer, das in der Regel gleichzeitig als Küche, Wohn- und Schlafstube dient

Die größte Sehenswürdigkeit: der Kaiser

  • "Berlin jewesen - Kaiser jesehen." In der Lokalpresse und in Stadtführern wird angezeigt, wann und wo die Untertanen den Monarchen bestaunen können: an Festtagen bei Paraden und Denkmalsenthüllungen; alltags bei Ausritten Unter den Linden, meist zu fester Stunde. Oder er braust im Daimler-Wagen vom Schloss zum Brandenburger Tor.


Wien um 1900

Das Wien um 1900 kennzeichnet sich im Besonderen durch die verwobene Beziehung und Anziehungskraft von Gegensätzen wie „Traum und Wirklichkeit“ „ Moral und Sittenlosigkeit“ ebenso wie in „Kunst und Wahn“


Zur Stadt

Bevor Wien eine Hochburg der kulturellen Entwicklung in Europa werden konnte musste sich eine rasche Stadtentwicklung vollziehen.

Im Zeitraum von 1870- 1910 verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf 2 Millionen

Dementsprechend war ein Stadtaus- und Umbau unabdingbar:

Zwischen 1860 und 1890 wurden rund 1,6 km² mit Kulturpalästen (Oper, Burgtheater, Museen), Wohnpalästen (Miets- bzw. Zinshäusern) und Monumentalbauten für Politik, Kommerz und Erziehung (Rathaus, Parlament, Börse, Universität, Kunstgewerbeschule) aufgefüllt.

Schon vorhandene Gebäude wurden unter der Leitung des Architekten Otto Wagner aufgestockt und mit neuen Ornamenten (Art-nouveau-Dekor) versehen.


Wien als Schmelztiegel


  • Hauptstadt von 51 Millionen Einwohnern
  • 15 Nationen umfassend (k.u.k.- Monarchie)
  • 12 Hauptsprachen waren in der k.u.k.-Monarchie vertreten
  • 5 Religionen
  • mehrere eigenständige Traditionen
  • unterschiedliche soziale und wirtschaftliche Niveaus und Interessen

Nebst dem hohen Konfliktpotential, das eine solche Konstellation vielfältigster Gesinnungen und Nationen (in einer Zeit in der Nationalismus und der Wunsch nach nationaler Integrität omnipräsent war) birgt, drückt die Sprengkraft des Schmelztiegels besonders auf die dynastische Grundlage des Staates.

► durch die und mit der Industrialisierung kristallisieren sich nationale, soziale und wirtschaftliche Spannungen heraus und die fassadenartigen Prunkbauten der Ringstraße kamen einer Beleidigung des an Masse gewinnenden Proletariats gleich.

►1895 geriet die Hauptstadt in die Hand der antisemitischen Christlichsozialen und es

begann ein Jahrzehnt der Herrschaft in Wien, das all das verband, was dem klassischen

Liberalismus verhasst war: Antisemitismus, Klerikalismus und Nationalismus auf

kommunaler Ebene.


Philosophie und Psychologie


die Wiener Moderne war mit ihrem ausgeprägten psychologischen Interesse stärker auf das

Innere, die seelischen Bereiche des Menschen ausgerichtet als die gleichzeitige Berliner

Moderne der mehr soziologisch engagierten Naturalisten


  • antimetaphysisch (entkörpert, entnaturalisiert, entfundamentalisiert), skeptizistisch
  • Negation des Bewussten Handelns ► Neuüberlegung des Begriffs „Ich“
  • Auch die Wirklichkeit ist nur ein subjektiv wahrgenommner Empfindungskomplex

► Suche nach der Grenze zwischen „Schein“ und „Sein“ und „Wirklichkeit“ und „Illusion“

Der Impressionismus als Lebensform, das im intellektuell - künstlerischen Wien der Jahrhundertwende verbreitete impressionistische Menschenbild, das im Werk Arthur Schnitzlers von seinen

literarischen Gestalten verkörpert wird, gilt als Ausdruck der Bewusstseinslage des modernen

Menschen um 1900.


Psychologie


Als 1896 erstmals von Freuds Begriff der „Psychoanalyse“ die Rede sein griff auch seine Vorstellung um sich, dass Sexualität als Zentrum vieler Handlungen und Wünsche anzusehen ist. Diese Aussage verstörte jedoch mindestens ebenso viele Zeitgenossen, wie die die sie befürworteten, denn Wien sah sich in der Rolle einer validen Doppelmoral in der alles geschlechtliche ein von Ängsten und Neugier umgebenes Tabuthema war. (siehe dazu Mode und Moral)


Wahnsinn

Um 1900 war Wien in der medizinischen Erforschung psychischer Erkrankungen europaweit führend – heute verbindet man damit vor allem Sigmund Freud und seine epochalen Schriften zur Psychoanalyse. Doch Freuds revolutionäre Sichtweise der menschlichen Psyche war nur ein Ansatz unter vielen, zahlreiche Wiener Künstler und Architekten beschäftigten sich unabhängig von Freud in ihrem Werk mit «Geisteskrankheit» und Psychiatrie.

Im Wien zur Jahrhundertwende entbehrten „Verrückte“ und „Wahnsinn“ nicht einer magischen Anziehungskraft, was größtenteils vom städtischen Bürgertum ausging, da sie sich (durch die politische Bedrohung vom Proletariat) in „nervösen Zeiten“ fanden. Ängste vor psychischen Erkrankungen gingen Hand in Hand mit der Furcht vor der modernen Stadt mit ihren neuen Technologien und Arbeitsbedingungen sowie der Beschleunigung des Lebens. Diese bewusste Erfahrung von Modernität gab der Erforschung des «Wahnsinns» einen zusätzlichen Impuls.

Mode und Moral nach Stefan Zweig


Mode war für besitzende Schichten größtenteils körperfeindlich und unnatürlich, wenig Bewegungsfreiheit im Gegensatz zu der ärmerer Schichten, die aufgrund der Notwendigkeit körperliche Arbeit zu leisten Bewegungsfreiheit brauchten.


►Männer stellten durch maskuline Attribute ihre Männlichkeit zur Schau: Bart, der oftmals nach oben gezwirbelt war, Zylinder, frackartige Gehröcke, Hosen waren allein Männern vorbehalten und eine Frau von anstand brachte das Wort „Hose“ erst gar nicht über die Lippen, da dies als unschicklich galt

►Frauen wurden in Korsetts eingeschnürt (erstrebenswerter Taillenumfang betrug 40 cm) die ihre Weiblichkeit durch die ostentative Zurschaustellung des Busens unterstreichen sollte, das Haar wurde durch zahlreiche Klammer und Spangen aufgetürmt, je nach Anlass wurden korbartige Gestelle für Brust und Gesäß angelegt

Auch die Verhaltensmuster waren vorgegeben.

► Männer sollten forsch, ritterlich, aggressiv auftreten (Jäger)

► Frauen dagegen schüchtern und defensiv (Beute)


Durch die gesellschaftlich so erzwungenen Differenzen zwischen den Geschlechtern musste sich die Erotik verstärken und dank der unpsychologischen Methode des Verhüllens und Totschweigens von Sexualität der Gesellschaft wurde das genaue Gegenteil erreicht.

Durch die Fassade der Prüderie und Angst vor dem Unsittlichen wurden die Gedanken an das Unsittliche durch Literatur, Musik und Kleidung angeregt.


Durch die Emanzipation von Frau und Mann, die Freudsche Psychoanalyse, mehr Bildung und Freiheiten wurde der „Käfig des Kleides“ immer weiter in Frage gestellt und es gab eine Entwicklung vom Korsett zum Reformkleid:

- gesünder (Abschaffung des Korsetts zur Vermeidung der Deformierung des Körpers)

- hygienischer (Weglassen der Schleppe als Staub- und Bakterienfänger)

- leichter (diverse Röcke und Polsterungen), praktischer werden konnte.

Diese Reform der Frauenkleidung war für alle Schichten gedacht, doch setzte sie sich nur bei gebildeten, aufgeschlossenen Damen der Bürgerschicht durch. Da der Jugendstil die schwungvolle und fließende Wellenlinie liebte, kam für den weiblichen Körper die typische S-Silhouette (Busen hochgezogen und eng zusammen, eingezogener Bauch, herausgedrücktes Gesäß, an den schmalen Hüften ein eng anliegender Rock, der ab den Knien etwas weiter wird) in Mode, welche jedoch nicht auf das Korsett verzichten konnte.


Klausuren

Aufgaben

Aufgabe A

  1. Analysieren Sie Albertines und Fridolins Geständnisse (S. 10-12), indem Sie besonders die Verwendung und die Bedeutung des Motivs des Schauens heraus arbeiten. (50 Prozent)
  2. Stellen Sie dar, inwiefern das Schauen als Leitmotiv – im Zusammenspiel mit dem Motiv der Maske - auch den weiteren Verlauf der Novelle prägt. (30 Prozent)

Aufgabe B

  1. Vergleichen Sie, wie Albertine die Wirkung ihres zweiten Geständnisses einschätzt (S. 16, Z. 6ff.) und wie es von Fridolin gedeutet wird. (40 Prozent)
  2. Erläutern Sie die unterschiedlichen Bewertungen von Fridolin und Albertine unter Rückgriff auf das Rollenverständnis und die Moralvorstellungen der Zeit. (40 Prozent)

Sie können dazu die Ergebnisse der Projektarbeit (Referate) und Quellen aus dem Kapitel „Geschlechterrollen –Liebe, Sexualität und Moral“ aus dem Anhang der Textausgabe, S. 119-131, heranziehen]


Aufgabe C

  1. Vergleichen sie die drei Frauengestalten, denen Fridolin auf seinem nächtlichen Weg (Kapitel II bis IV) begegnet, und stellen Sie dar, wie Fridolin sich den drei Frauen gegenüber verhält. (40 Prozent)
  2. Stellen Sie die wichtigsten Merkmale der Figuren Nachtigall und Gibiser dar, benennen Sie ihre Funktion für Fridolin bzw. den Handlungsverlauf und erörtern Sie, inwiefern alle fünf Figuren (auch die Frauen) typische Gesellschaftsstrukturen repräsentieren. (40 Prozent)

für alle Aufgaben: Darstellungsleistung [Aufbau, Formulierungen, Zitate/Belege, Korrektheit] (20 Prozent)


Bewertungsraster

Datei:Klausur12Traumnovelle 3Aufgaben Bewertungsraster.pdf