Investition (12BWR3 2007-2008)

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Kurzinfo
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Inhaltsverzeichnis

Ziele und Arten von Investitionen (1)

Lehrplan BWR:

keine Unterpunkte


Ziele von Investitionen

ökonomische Ziele
• Ersatzinvestitionen --> dient zur Erhaltung der Betriebsbereitschaft
• Ersatz alter Anlagen --> Anpassung an technische Fortschritte
• Erweiterungsinvestitionen --> Kapazitätserweiterung durch leistungsfähigere Betriebsmittel
• Rationalisierungsinvestitionen --> Ertragssteigerung durch Erhöhung der Leistungsfähigkeit zum Beispiel durch kostengünstigere Betriebsmittel
• Diversifizierungsinvestitionen --> Investitionen in andere Bereiche damit die Risikostreuung erreicht wird
• Umstrukturierung --> Nutzung vorhandener Anlagen muss bei Änderung der Produktionsziele verändert werden
• Sicherungsinvestitionen --> Zukunftsaussichten sollen durch Forschung und Entwicklung verbessert werden
Soziale Ziele:
• Sicherung der Arbeitsplätze
• Unfallgefahren am Arbeitsplatz sollen verringert werden
• Arbeitsumgebung soll verbessert werden
Ökologische Ziele:
• Umweltschutz ( Umweltbelastung soll vermieden werden)
• Verbrauch von knappen Rohstoffen soll verringert werden


Arten von Investitionen

- Sachinvestitionen
Anlageinvestitionen --> dienen zum Ersatz von verbrauchten Maschinen oder für die Erweiterung der Kapazitäten
Vorratsinvestitionen --> Kauf von Werkstoffen
Gründungs- und Erstinvestitionen --> Grundstück oder Maschinenkauf
- Finanzinvestitionen
Beteiligungsrechte --> Aktien, GmbH-Anteil
Forderngsrechte --> Vergabe von Darlehen
- Immaterielle Investitionen
Absatzbereich --> Verbesserung des Firmenimages (Public Relations)
Forschungs- und Enwicklungsbereich --> Entwicklung von neuen Herstellungsverfahren
Personalbereich --> Weiterbildungen und Ausbildungen für Mitarbeiter


Investitionen können nach der Wirkung in Nettoinvestitionen (Investitionen die erstmalig im Unternehmen getätigt wurden) und Re- oder Erstinvestitionen (Verbesserungen oder Ersatzinvetitionen) unterschieden werden. Aus diesen beiden Investitionen ergibt sich dann die Bruttoinvestition (Summe aller Investitionen), die die Gesamtheit der Perioden in einer Wirtschaftsperiode darstellt.

Anregung und Vorbereitung der Investitionsentscheidung (2)

Lehrplan BWR:

  • Qualitative und quantitative Bewertungskriterien
  • Nachhaltiges Investment


Stufen der Investitionsplanung

1. Investitionsanregung

Jede Entscheidung für eine Investition wird durch Investitionsanregungen ausgelöst.
Beispiel: Anschaffung einer neuen Maschine, um den Produktionsengpass zu beseitigen. Die Maschine soll bedienungsfreundlich sein und soll durch eine Schutzvorrichtung die Betriebssicherheit erhöhen.


2. Festlegung von Entscheidungskriterien

Festlegung der Erwartungen, die an die technischen und wirtschaftlichen Eigentschaften des Investitionsobjektes gestellt werden. Außerdem werden die Investitionsziele des Unternehmen festgelegt.
Beispiel: Das Unternehmen möchte den Produktionsengpass beseitigen und erhofft sich durch die neue Maschine eine Erhöhung der Ausbringungsmenge. Ebenfalls soll der Energieverbrauch der neuen Maschine gering sein, bedienungsfreundlich sein und durch eine Schutzvorrichtung die Betriebssicherheit erhöhen.


3. Suche nach Alternativen

Die Suche nach geeigneten Lieferern und unterschiedlichen Modellen erfolgt. Es werden Angebotsvergleiche durchgeführt und es wird überprüft, ob es kostengünstiger ist Werkstücke fremd zu beziehen oder lieber selbst zu produzieren.
Beispiel: Herr Mayer hat festgestellt, dass ein Fremdbezug bei der Maschinenbau GmbH kostengünstiger ist.


4. Bewertung der Alternativen

quantitative Bewertung: Diese Bewertung ist für solche Kriterien möglich, welche sich auf Zahlen bewertbare Daten stützen.
Beispiel: Anschaffungskosten, Kapazität je Stunde, Energieverbrauch, Nutzungsdauer.
qualitative Bewertung: Diese bezieht sich auf alle nicht messbaren Daten, um sie zu vergleichen.
Beispiel: Eigenschaften der Lieferer (Zuverlässigkeit, Service), Betriebssicherheit, technische Störanfälligkeit.
Um diese Daten miteinander zu vergleichen, benutzt man Rangreihenverfahren (Schätzverfahren) und Stufenwertzahlverfahren. Dabei werden Rangklassen gebildet und die Daten mit Punkten versehen.


5. Investitionsentscheidung

Auswahl einer Alternative (quantitativ oder qualitativ)
Beispiel: Das Angebot der Metallbau Krause OHG wird in Anspruch genommen, da die Maschine die geringsten Anschaffungs- und Betriebskosten verursacht.


6. Durchführung der Investition

Die eigentliche Investition erfolgt. Es wird mit dem Lieferer ein Kaufvertrag abgeschlossen.
Beispiel: Der Auftrag wird der Metallbau OHG erteilt.


7. Kontrolle der Investition

Ein Vergleich der Sollwerte mit den Istwerten der geplanten/tatsächlichen Investitionssumme wird vorgenommen.
Beispiel: Es wird überprüft ob die geplante Erhöhung der Kapazität mit der neuen Maschine erreicht wurde.

Investitionsrechnung als Entscheidungsinstrument (3)

(Bezug zur Finanzmathematik)

  • Statische Methoden:
- Kosten-,
- Gewinn-,
- Amortisations-,
- Rentabilitätsvergleichsrechnung
  • Dynamische Methoden:
exemplarisch:
- Kapitalwertmethode
- Interne Zinssatzmethode
  • Beurteilung der Entscheidungsinstrumente

Aufgaben:

  • Ermittlung der voraussichtlichen Wirtschaftlichkeit einer Investition
  • Überprüfung der Sozial- und Umweltverträglichkeit von Investitionen

Statische Methode

Kostenvergleichsrechnung:

Vorraussetzung:

Die durch die Investition erzielten Erträge bleiben konstant Kosten des Investitionsgegenstands bleiben konstant

Berücksichtigung aller bedeutsamen Kostenarten:

Kapitalkosten Betriebskosten
*Kalk. Abschreibung *Personalkosten
*Kalk. Zinsen *Materialkosten
*Zinsen und Tilgung *Instandhaltungskosten
aufgenommener Kredite *Energiekosten


Kostenvergleich je Periode (Gesamtkosten):

Leistungen der alternativen Investition sind gleich hoch

Beispiel: (Die Kapazität beider beträgt: 25000 Mengeneinheiten)

alte Maschine neue Maschine
Anschaffungswert € 110000 150000
Buchwert € 50000
Kosten pro Jahr
Fixe Kosten
Instandhaltung 16000 4000
Abschreibung linear 25% 27500 37500
Gehälter 12000 10000
Kalk. Zinsen 8% v. Durchschnittswert der Kapitalbindung (Anschaffungswert/2, davon 8%) 4400 6000
Sonstige Kf 14000 10000
Fixe Kosten Gesamt 73900 67500
Variable Kosten
Löhne 65000 60000
Materialkosten 210000 210000
Energie 13000 10000
Sonstige Kv 8000 5000
Variable Kosten Gesamt 296000 285000
Gesamtkosten 369900 352500
Kostenersparnis pro Jahr € 17400


(Kostenvergleichsrechnung für alternative Investitionen ist dieselbe.)


Kostenvergleich je Leistungseinheit: (Stückkosten)

Leistungen der alternativen Investitionen sind unterschiedlich hoch

Eigenschaft: sinnvoller als der Vergleich je Periode, da Anlagegegenstände meist nicht voll ausgelastet sind

Beispiel:

Alternative 1 Alternative 2
Anschaffungswert € 150000 140000
Nutzungsdauer(jahr) 4 4
Auslastung in Stück/Jahr 22000 19000
Anteilige Kosten/Jahr
Fixe Kosten Kf (gesamt) 67500 75000
Fixe Stückkosten² 3,07 3,95
Variable Kosten Kv (gesamt) 279000 218000
variable Stückkosten³ 12,86 11,47
Gesamtkosten Kg 346500 (15,75 €/Stück) 293000 (15,42 €/Stück)
Kostenersparnis €/Stück 0,33
²Fixe Kosten/Auslastung in Stück pro Jahr
³Variable Kosten/Auslastung in Stück pro Jahr


Ermittlung der kritischen Menge

Menge, ab der eine Alternative günstiger wird als eine andere

Unterteilung:

  • Fixe Kosten
  • Variable Kosten
Alternative 1: Kg1= variable Stückkosten *x + fixe Gesamtkosten
Alternative 2: Kg2= variable Stückkosten *x + fixe Gesamtkosten

Beispiel:

Alternative 1:
kv = 13,60 €
Kf = 60000 €
Kg1= 13,60 € * x + 60000 €
Alternative 2:
kv = 12,86 €
Kf = 67000 €
Kg2= 12,86 € * x + 67000 €

Kritische Menge:

Kg1=Kg2

Beispiel:

13,60 € * x + 60000= 12,86 € + 67000
0,74 € * x = 7000
x = 9459

Nachteile:

Einzigster Beurteilungsmaßstab: Vergleich Kosten der alten Anlage-Kosten der neuen Anlage.

Kurzfristig

keine Berücksichtigung von Kostenentwicklung bzw. –verschiebung

Vorteile:

Einfache Handhabung




Gewinnvergleichsrechnung

Bei der Gewinnvergleichsrechnung wird die Kostenvergleichsrechnung um die Erträge erweitert. Durch die Ermittlung des Gewinns, jeder Alternative, wird die gewinnmaximale Alternative ermittelt und ausgewählt.

Gewinnvergleichsrechnung je Periode (Gesamtkosten)

Die Auslastung der Anlagen ist gleich hoch. Der Stückertrag der 1. Anlage beträgt 140 €. Der Stückertrag der 2. Anlage beträgt 143 €.

Beispiel

Anlage 1 (Vollautomatik) Anlage 2 (Halbautomatik)
Anschaffungswert € 300.000 150.000
Restwert € 12.000 9.000
Nutzungsdauer (Jahre) 10 10
Auslastung (Stück/Jahr) 3000 3000
Zinssatz (%) 10,00 10,00
Erträge
Kalk.Abschreibungen² (€) 28.800 28.600
Kalk.Zinsen³ (€) 15.600 15.200
Sonstige Fixe Kosten (€) 26.800 23.100
Kf (€) 71.200 66.900
Variable Kosten (€) 330.000 360.500
Gesamtkosten (€) 401.200 427.400
Gewinn° (€) 18.800 1.600
Kostenersparnis (€) 17.200


²= (Anschaffungswert-Restwert)/Nutzungsdauer

³= [(Anschaffungskosten+Restwert)/2]*Zinssatz

°= Erträge-Kosten


Ermittlung des Break-Even-Points

Die Menge, wo die Gesamtkosten gleich den Verkaufserlösen sind!

Anlage 1: (Vollautomatik)

  • variable Stückkosten (kv)
=Variable Kosten (Kv) / Auslastung


Preis * x = kv * x + Kf

140x = 110x + 71.200 |-110x
30x = 71.200 |:30
x = 2373,33


Anlage 2: (Halbautomatik)

  • variable Stückkosten (kv)
=Variable Kosten (Kv) / Auslastung


Preis * x = kv * x +Kf

143x = 120,18x + 66.900 |-120,18x
22,83x = 66.900 |:22,83
x = 2930,35


Nachteile:

Bezieht sich nur auf ein Jahr

Kapitaleinsatz wird nicht berücksichtigt

Erträge können dem Investitionsobjekt nicht direkt zugerechnet werden


Vorteile:

Einfach anzuwenden

Erträge werden berücksichtigt

Anwendbar bei ungleicher Auslastung