Benutzer:Sunnygirl-94/Martin Walser - Das Einhorn

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Kurzbiographie des Autors

Martin Johannes Walser, deutscher Schriftsteller, geb. 24.3.1927 in Wasserburg am Bodensee, ist einer der erfolgreichsten deutschen Autoren. Walser zählt zu den Vertretern der deutschen Nachkriegszeit.

Martin Walser wuchs als Sohn eines Gastronoms und Kohlehändlers in kleinbürgerlichen Verhältnissen am Bodensee auf. Zunächst besuchte Martin Walser die Oberrealschule in Lindau, wurde anschließend Falkhelfer, absolvierte den Reichsarbeiterdienst und erlebte als Wehrsoldat das Ende des 2.Weltkrieges mit. 1946 holte Martin Walser sein Abitur nach und studierte Literaturwissenschaften in Regensburg und Tübingen. Mit einer Dissertation zu Franz Kafka erhält Walser 1951 seine Promotion in Tübingen.

Von 1949- 1957 arbeitet er beim Süddeutschen Rundfunk als Reporter, Redakteur und Hörspielautor.

1950 heiratet er Katharina Neuer-Jehle. Aus dieser Ehe gingen die 4 gemeinsamen Töchter (Franziska, Alissa, Johanna und Theresia) hervor. Außerdem hat Walser mit Maria Carlsson einen Sohn (Jakob).

Ab 1953 wurde Martin Walser regelmäßig zu Tagungen der Gruppe 47, ein Zusammenschluss engagierter Schriftsteller, eingeladen.

Walsers erster Roman „Ehen in Philippsburg“ erschien 1957 und war sofort ein großer Erfolg.

Des Weiteren schrieb Martin Walser zahlreiche Romane, Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Gedichte, sowie eine Triologie um Anselm Kristlein, der auch sein Werk das Einhorn angehört. Dieser ist der zweite Band der Triologie und wurde 1966 veröffentlicht. Die anderen beiden Teile der Triologie sind Halbzeit (1960) und der Sturz (1973).

Martin Walser erhielt mittlerweile schon zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch den Georg –Büchner Preis (1981)


Zentrale Thematik

Ein Hauptmotiv in Martin Walsers Werken ist das Scheitern am Leben. Die Helden sind den Anforderungen, die sie an sich selbst stellen, oder die andere an sie stellen nicht gewachsen. Dadurch entsteht ein innerer Konflikt des Helden. So auch in diesem Werk.

Der Titel „Das Einhorn“ ist zugleich das Leitmotiv in diesem Werk. Das Einhorn steht symbolisch für die Erwartung und das Begehren und ist somit des Hauptdarstellers imaginärer Begleiter. Mit diesem Roman hat Martin Walser einen Liebesroman und zugleich dessen Entstehungsgeschichte geschrieben. Seine Literarische Erinnerung wird ihm also zur Reise in die Wirklichkeit.


Inhalt

Das Buch wird aus der Rückschau und aus der Sicht Anselm Kristleins erzählt und beginnt damit, dass Anselm Kristlein bettlägerig ist und über ein Buch nachdenkt, das er selber geschrieben hat. Es wird nun von der Entstehungsgeschichte dieses Buches berichtet.

Der Protagonist Anselm Kristlein, 42 Jahre, der schon aus dem ersten Band der Anselm-Triologie bekannt ist und Verleger sowie Werbefachmann war, wird Schriftsteller.

Aufgrund seiner Buchveröffentlichung entstehen Anfeindungen gegen Kristlein. In Folge dessen nennt sich Kristleins Frau Alissa nun „Birga“ und es folgt ein Umzug der beiden von Stuttgart nach München. Auf einem Kostümfest lernt Kristlein die Schweizer Verlegerin Melanie Sugg kennen. Diese macht ihm ein lukratives Angebot: Kristlein erhält von ihr jeden Monat 2000 Mark, wenn er einen Sachroman über die Liebe schreibt. Dabei stellt sie ihm jedoch eine Bedingung. Anselm Kristlein darf nichts Gedachtes, sondern nur selbst Erlebtes im Roman schildern. Kristlein willigt ein und nimmt den Auftrag an.

Er setzt sich selber an die Stelle des Helden seines Romans, um die Bedingung Melanies erfüllen zu können. Sein Liebesroman beinhaltet zum Beispiel seine Erfahrungen in der Affäre mit Studentin Barbara Salzer. Melanie Sugg drängt ihn jedoch dazu, auch die Tonaufnahmen ihrer gemeinsamen Nacht in den Roman einzuarbeiten. Er jedoch bezeichnet diese Aufnahmen als „Schandprotokoll“ und möchte diese Aufnahmen im Roman auch nicht erwähnen.

Die Verlegerin Melanie Sugg sponsert Kristlein einen Aufenthalt am Bodensee um ihm das Schreiben zu erleichtern, denn sie vermutet, dass er in seiner gewohnten Umgebung zu verklemmt ist, um einen erfolgreichen Roman zu schreiben.

Es folgen einige intime Zusammenkünfte mit Melanie, sowie erotische Abenteuer mit Blomicks Freundin Rosa. Auf dem Sommerfest verliebt sich Kristlein dann in Orli Laks, eine Holländerin, doch diese ist schon vergeben. Mit einem hinterlistigen Plan zerstört Kristlein ihre Beziehung. Er vertreibt dessen Freund Bamber Prins und gewinnt anschließend Orlis Zuneigung.

Als Orli plötzlich spurlos verschwindet erlebt Kristlein eine schwere Krise. Er flieht zu seiner Familie nach München und grübelt dort lange über das Geschehene nach. Dabei gelangt Kristlein zu der Erkenntnis, dass Melanies Auftrag für ihn undurchführbar ist. Anstelle des Sachromans entsteht schließlich ein Buch, das von den Schwierigkeiten beim Schreiben über die Liebe handelt.

Schlussendlich endet die Geschichte am Bett des Kristlein, der allen Personen des Buches die Wahrheiten beichtet.


Epochenspezifischer/ Historischer Hintergrund

1945 kapituliert Deutschland im 2.Weltkrieg.In Folge dessen entstehen Flüchtlingsströme aus den Gebieten jenseits von Oder und Neiße. Dann folgt die Aufteilung in Besatzungszonen der Siegermächte. In dieser Übergangszeit besteht der einzige Lebensinhalt der Menschen darin, im Versuch zu überleben und der Wiederaufbau ihres Landes. 1949 folgt das Grundgesetz als Basis wertesetzender, demokratischer Ordnung. Es entstehen zunehmende Ost-West-Spannungen (Kalter Krieg, Berlin-Blockade) aufgrund dessen entwickelt sich eine tiefere Spaltung Deutschlands. Diese Probleme führen zu Identitätskrisen, aber auch zu Verdrängungen der jüngsten Vergangenheit in einer westlichen Wohlstandsgesellschaft und spiegeln sich oftmals in den Werken der Nachkriegsautoren wieder. So auch bei Martin Walsers Werken.


Quellen

  • Kindlers Literaturlexikon