Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame

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Inhaltsverzeichnis

Die Ankunftsszene (S. 13-31)

(alle Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe im Diogenes-Verlag)

Der Ort Güllen und seine Bewohner

Die dramatische Komödie „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt, uraufgeführt im Januar 1955, spielt in einem kleinem Ort in der Schweiz namens Güllen und beschreibt unter anderem die dort lebenden Bürger. Güllen wird oftmals als verwahrlost und zerfallen beschrieben. Trotz großer Industriegebäude und kultureller Werte, wie zum Beispiel der Platz-an-der-Sonne-Hütte, ist die Kleinstadt restlos bankrott. Die früher einmal gut laufenden Geschäfte sind alle stillgelegt. Die Stadt wirkt trostlos und auch die heruntergekommene Bahnhofsstraße bietet nicht sonderlich viel Abwechslung. Die einst blühende und erfolgreiche Industriestadt verwandelt sich immer mehr in einen Ort, in dem die Trostlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Armut allgegenwärtig sind. Im weiteren Verlauf des Dramas erfährt der Leser den Grund für diese Wende: Die scheinbar einzige Hoffnung Güllens, die Milliardärin Claire Zachnassian, ist zugleich auch der Grund für den Ruin der Stadt. Claire hat nämlich seit vielen Jahren sämtliche gut laufende und gewinnbringende Werke Güllens aufgekauft, heruntergewirtschaftet und schließlich stilllegen lassen. Ohne über dieses Wissen zu verfügen, sehen die Bürger Güllens in Claire ihre einzige Rettung, um der unvermeidlichen Krise zu entfliehen. Die Bewohner befinden sich in einem ähnlichen Zustand wie ihr Heimatort. Trost- und hoffnungslos ‚vegetieren‘ sie dahin, ständig Ausschau haltend auf mögliche Ereignisse. Statt selbst Initiative zu ergreifen und zu versuchen, Güllen aus seiner Lage zu befreien, beobachten sie scheinbar leblos die vorbeifahrenden Züge. Es werden nur selten Namen der Bewohner genannt, was sie sehr einheitlich und unpersönlich wirken lässt. Sie reden Güllen sowie das städtische Leben schlecht und klammern sich an die Hoffnung, durch eine großzügige Spende der Milliardärin erlöst zu werden. Aufgeregt und mit viel Engagement bereiten die Bürger einen aufwändigen Empfang vor, damit die ebenfalls aus Güllen stammende Claire bereit ist, eine großzügige finanzielle Spende zu entrichten. Nach Aussprache der Forderung von Claire zeigen sich die Bewohner erschüttert und menschlich, welches sich im weiteren Verlauf jedoch ändert und sie ihr wahres Gesicht hervorbringt. Ihre Not bringt sie dazu, Claires Angebot letzten Endes doch anzunehmen.

Alfred Ill

Eine der Hauptfiguren ist Alfred Ill. Ill ist 65 Jahre alt, betreibt einen kleinen Laden mit seiner Frau Mathilde in Güllen und soll bei der nächsten Wahl Bürgermeister werden. Trotz all der Gier nach dem Geld, welches die Güllner Bewohner nicht mehr in großen Mengen besitzen, ist Ill sehr bescheiden. Er lebt mit den Dingen, die er noch besitzt. Alfred Ill ist die Hoffnung Güllens und hat die Aufgabe, Claire Zachanassian zu überzeugen und Geld für Güllen zu bekommen, weil er die Jugendliebe und ein ehemaliger Freund von Claire war.

Claire Zachanassian und der Begriff des Grotesken

In diesem Text charakterisieren wir Claire Zachanassian und ihre Verbindung zur Groteske. Sie ist eine rothaarige, 62 Jahre alte Dame, die viel Geld besitzt. Sie kommt in ihren Heimatort Güllen zurück, um sich für das, was ihr in ihrer Jugend angetan wurde, zu rächen und Gerechtigkeit zu fordern. Sie verbrachte ihre Kindheit in Güllen bis sie mit 17 Jahren durch Ill schwanger, was er jedoch durch falsche Zeugenaussagen abstritt. Daraufhin verließ sie als arme, wehrlose Frau ihre Heimat. Nun musste sie als Prostituierte ihr Geld verdienen und heiratete zahlreiche wohlhabende Männer, angefangen mit dem Ölmagneten Zachanassian. Der Grund für ihr Verhalten ist die Verleugnung der Vaterschaft des gemeinsamen Kindes von Ill. In lang geplanten Vorhaben, angefangen durch die absichtliche Pleite Güllens, möchte Claire Ills Tod erzwingen, indem sie der verarmten Stadt Geld bietet. Sie stellt eine Verbindung zur Groteske durch ihr Aussehen dar, welches auffällig, aufgedonnert und protzig erscheint. Doch dies macht sie einzigartig. Durch ihr extravagantes Aussehen, was gleichzeitig auch seltsam, komisch und geradezu lächerlich wirkt, wird die Verbindung zur Groteske gut verdeutlicht.
Wikipedia-Artikel zum Begriff der "Groteske" in der Literatur

Klara Wäscher und Alfred Ill vor 45 Jahren - Stationen ihrer Beziehung

Im folgenden Text befassen wir uns mit den verschiedenen Stationen der Beziehung zwischen Klara Wäscher und Alfred Ill, die die wichtigsten Charaktere in dem Drama darstellen. Alles begann damit, dass Klara, ein unerfahrenes, aber gleichzeitig auch abenteuerlustiges, junges Mädchen, sich mit 17 Jahren in den drei Jahre älteren Alfred Ill verliebte (Seite 37). Während der Beziehung wurde Klara unerwartet schwanger, doch trotz allem stand er nicht zu der Vaterschaft. Klara sah keinen anderen Ausweg, als Ill vor Gericht zu bringen und so Gerechtigkeit zu erfahren. Aber Alfred verleugnete sein Kind und nahm die Vaterschaft nicht an; er bestach die Zeugen, die eine Falschaussage tätigen sollten. Die Zeugen sagten vor Gericht aus, dass sie ebenfalls mit Klara geschlafen hätten und es deshalb nicht genau klar sei, wessen Kind es eigentlich ist (Seite 48). Die Vaterschaftsklage, bei dessen Prozess Alfred Ill freigesprochen wird, kam im Jahr 1910 vor Gericht (Seite 46). Daraufhin packte Klara zutiefst gekränkt ihre Sachen und verschwand aus der Kleinstadt Güllen in Richtung Hamburg, wo sie einige Zeit lang als Prostituierte tätig war. Sie heiratete, nachdem ihr Kind bei Pflegeeltern verstarb, den Milliardär Zachanassian, der ihr ein sorgloses Leben ermöglichte und nahm seinen Namen an. Sie nannte sich fortan Claire Zachanassian. Nach einiger Zeit nahm Ill die Kaufmannstochter Mathilde Blumenhardt zu seiner Frau und die Zeit verging, bis Klara eines Tages nach Güllen zurückkehrte, um der Stadt einen Besuch abzustatten.

Die Ankunftsszene und ihre Funktion als Exposition

Die Ankunftsszene kann als Exposition gedeutet werden, weil dort alle grundlegenden Informationen über die kommende Geschichte vermittelt werden. Eine Exposition ist die Einleitung bei Dramen. Es werden Informationen über die Hauptpersonen, der Ort und das zukünftige Geschehen mitgeteilt. Das bedeutet, dass die Hauptfiguren Alfred Ill und Claire Zachanassian (Klara Wäscher), der Ort Güllen und das zukünftige Geschehen in Form von Andeutungen vorgestellt werden. Durch diese Einleitung kann sich der Leser/Zuschauer vorstellen, was im weiteren Verlauf des Drama geschehen wird, ohne dabei aber gleich alle Handlungen aufzudecken. Die Problematik wird vorgestellt. Güllen ist ein verarmtes und verfallenes Dorf und benötigt Finanzmittel von Claire Zachanassian, einer ehemaligen Bewohnerin Güllens. Ihre Hoffnung setzen sie dabei auf Alfred Ill, da er ihr Jugendfreund war. Claire wird als Dame von Welt dargestellt. Mit Hilfe ihrer vielen Ehemänner (von denen später berichtet wird) und ihres Verhandlungsgeschicks ist sie zu einer reichen Dame geworden, und dieses Geld gibt ihr Macht. Macht über Güllen und schließlich über das Leben von Alfred Ill. Zugleich wird ein Teil ihres grotesken Wesens vorgestellt, dass den Leser zum Nachdenken bringen soll. Ihr fragwürdiges Auftreten, dass auf der einen Seite völlig übertrieben und geradezu lächerlich ist und auf der anderen Seite gerade zu ihr passt, ist nur eine ihrer grotesk erscheinenden Charaterzüge. Alfred Ill steht von der Erscheinung im krassen Gegenteil zu Claire. Er wird als ein „alter versoffener Mann“ und „fett“ beschrieben. Er ist ein sehr beliebter und angesehener Bürger und soll zukünftig Bürgermeister werden. Er ist die Hoffnung Güllens, da er Claires Jugendfreund war. Claires Mordandeutungen allerdings lassen erahnen, dass etwas vorgefallen ist und dass die Bestrafung nichts anderes als die Todesstrafe sein soll.
Wikipedia-Artikel zum Begriff der "Exposition" in der Literatur