Christian Gottfried Körner

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Körner-Portrait von Dora Stock - Quelle: http://www.portrait-hille.de/

Christian Gottfried Körner (* 2. Juli 1756 in Leipzig; † 13. Mai 1831 in Berlin) entstammte einer angesehenen Familie in Leipzig, sein Vater war Superintendent und Prediger an der Thomaskirche. Gegen den Willen des streng lutheranischen Vaters studierte Körner Sprachen, Philosophie, Naturlehre, Mathematik und wurde schließlich Doktor der Rechte und sogleich als Notar und Richter in seiner Vaterstadt eingesetzt.

Als Begleiter eines jungen sächsischen Grafens auf dessen Kavalierstour bereiste er Holland, England, Frankreich und die Schweiz.

1783 wurde er als Mitglied der Landesökonomie-Deputation nach Dresden berufen.

Christian Gottfried Körner sandte im Juni 1784 zusammen mit seinem Freund Ludwig Ferdinand Huber und den Schwestern Minna und Dora Stock einen nicht unterzeichneten Brief an den jungen Friedrich Schiller nach Mannheim, in dem sie ihre uneingeschränkte Verehrung für dessen Dramen ausdrückten. Bei den Absendern handelte es sich um zwei Brautpaare, deren Heiratsabsicht auf den Widerstand der großbürgerlich-autoritären Väter gestoßen war, wodurch sie sich insbesondere mit der Darstellung der nicht standesgemäßen Beziehung in Schillers Drama "Kabale und Liebe" identifizieren konnten. Die Schwestern Minna und Dora Stock waren Töchter eines Kupferstechers und damit Handwerkerskinder.

Schiller antwortete erst ein halbes Jahr später auf diesen Brief.

"Ihre Briefe ... trafen mich in einer der traurigsten Stimmungen meines Herzens." (7. Dezember 1784)

Inzwischen war seine finanzielle Lage so hoffnungslos geworden, dass er keinen anderen Ausweg sah, als sich zu den unbekannten Freunden nach Leipzig zu flüchten. Nach einer neun Tage dauernden Fahrt kam Schiller im April 1785 in Leipzig an und wurde dort von dem Freundeskreis - in Abwesenheit C.G.Körners - gastfreundlich aufgenommen. Zur Überraschung der Damen war Schiller kein stämmiger "Karl Moor" in Reiterstiefeln, sondern ein junger, schüchterner Mann, der die Damen kaum anzusprechen wagte, zu Tränen gerührt war und auch noch Schwäbisch sprach.

Auf die ihm entgegengebrachte Freundschaft dichtete Schiller seine Ode "An die Freude", die Teil des Schlusssatzes der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven geworden ist.

C.G.Körner war der Herausgeber der ersten Gesamtausgabe der Werke Schillers und der Herausgeber des poetischen Nachlasses seines Sohnes Theodor Körner.

  • Portraits von C.G.Körner in Text und Bild sind zu finden u.a. bei Rüdiger Safranski: Schiller, Hanser Verlag 2004 S. 208 ff und Friedrich Dieckmann: Diesen Kuss der ganzen Welt, Insel Verlag 2005, S. 134 ff

C.G.Körner und F. Schiller

  • Schillers Briefwechsel mit Körner 1784-1805 (Quelle:www.kuehnle-online.de) Hieraus Körners erster Brief an Schiller, der sich für den völlig verschuldeten und in Mannheim ohne Perspektive weilenden Schiller als Rettung erweisen sollte:
"Juni 1784.
Zu einer Zeit, da die Kunst sich immer mehr zur feilen Sklavin reicher und mächtiger Wollüstlinge herabwürdigt, thut es wohl, wenn ein großer Mann auftritt und zeigt, was der Mensch auch jetzt noch vermag. Der bessere Theil der Menschheit, den seines Zeitalters ekelte, der im Gewühl ausgearteter Geschöpfe nach Größe schmachtete, löscht seinen Durst, fühlt in sich einen Schwung, der ihn über seine Zeitgenossen erhebt, und Stärkung auf der mühevollsten Laufbahn nach einem würdigen Ziele. Dann möchte er gern seinem Wohlthäter die Hand drücken, ihn in seinen Augen die Thränen der Freude und der Begeisterung sehen lassen – daß er auch ihn stärkte, wenn ihn etwa der Zweifel müde machte: ob seine Zeitgenossen werth wären, daß er für sie arbeitete. – Dies ist die Veranlassung, daß ich mich mit drei Personen, die insgesammt werth sind Ihre Werke zu lesen, vereinigte, Ihnen zu danken und zu huldigen [...]"
  • Schiller-Briefe an C.G. Körner Auszüge aus den Jahren 1787-9, Goethe und andere betreffend. Zum Beispiel: Brief an Christian Gottfried Körner vom 9. März 1789
"Ich muß lachen, wenn ich nachdenke, was ich Dir von und über Göthen geschrieben haben mag. Du wirst mich wohl recht in meiner Schwäche gesehen und im Herzen über mich gelacht haben, aber mag es immer. Ich will mich gerne von Dir kennen lassen, wie ich bin. Dieser Mensch, dieser Göthe ist mir einmal im Wege, und er erinnert mich so oft, daß das Schicksal mich hart behandelt hat. Wie leicht war sein Genie vom Schicksal getragen, und wie muss ich biss auf diese Minute noch kämpfen! Einhohlen läßt sich alles Verlorene für mich nun nicht mehr - nach dem 30gsten bildet man sich nicht mehr um - ich könnte ja selbst diese Umbildung vor den nächsten 3 oder 4 Jahren nicht mit mir anfangen, weil ich 4 Jahre wenigstens meinem Schicksale noch opfern muss."

(Quelle:koellerer.de)

"Für die Zuverlässigkeit dieser Nachrichten bürgt der Appellationsrat Körner in Dresden als ihr Verfasser. Seit dem Jahr 1785 gehörte er zu Schillers vertrautesten Freunden und wurde von mehreren Personen, die mit dem Verewigten in genauester Verbindung gewesen waren, durch schätzbare Beiträge unterstützt. Nicht der kleinste Umstand ist in diese Lebensbeschreibung aufgenommen worden, der nicht auf Schillers eigene Äußerungen oder auf glaubwürdige Zeugnisse sich gründet. Zu bemerken ist, dass sie im Jahr 1812 verfasst worden sind."

(Quelle:www.kuehnle-online.de)

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