Corpus Delicti. Ein Prozess

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Corpus Delicti. Ein Prozess ist der Titel eines 2009 erschienenen Romans der 1974 in Bonn geborenen Schriftstellerin Juli Zeh.

Inhaltsverzeichnis

Worum geht‘s

Die Handlung spielt in der Mitte de 21. Jahrhunderts in einer Gesellschaft, die sich dem Erhalt der Volkgesundheit gewidmet hat, genauer: Es ist eine Gesundheitsdiktatur, eine Nachfolge-Staatsform zur Demokratie des 20. Jahrhunderts, die sich "Methode" nennt. Jeder Mensch ist einem permanenten Gesundheitscheck unterworfen und über einen eingepflanzten Chip kontrollierbar, er muss ein tägliches Mindestmaß an körperlicher Ertüchtigung nachweisen, Rauchen und Alkohol sind verboten, ständig wird desinfiziert, die einzige Zeitung heißt "Der gesunde Menschenverstand" usw. Aber es gibt auch eine Art Widerstandsgruppe, die sich Recht auf Krankheit, abgekürzt R.A.K. (!), nennt.

In dieser Gesellschaft lebt die 34-jährige Naturwissenschaftlerin Mia Holl. Ihr Bruder Moritz, 27, war ein Freigeist und wollte sich nicht anpassen, seine Schwester Mia bewundert ihn dafür. Er ist jetzt tot, er wollte sich in einem Blind Date mit einer jungen Frau treffen, die kurz danach tot aufgefunden wurde, in ihrem Körper fand man Sperma mit der DNA von Moritz. Moritz stritt jegliche Schuld hartnäckig ab, der DNA-Beweis wurde als unumstößliches Indiz bewertet, vor der Verurteilung erhängte sich Moritz in seiner Zelle mit einer Angelschnur, die Mia ihm zugesteckt hat.

Seitdem ist Mia aus dem Gleichgewicht, raucht, geht nicht zur Arbeit und führt Selbstgespräche (mit der "idealen Geliebten", einer Art Stimme ihres Bruders). Sie gerät also mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt, zeigt keine Besserung udn es kommt schließlich zur öffentlichen Verhandlung. Auf dieser lässt der junge Pflichtverteidiger Rosentreter eine "Bombe platzen": Weil Moritz als Kind Leukämie hatte und nur durch eine Kur mit Spenderstammzellen geheilt werden konnte, ist seine DNA mit der des Spenders identisch, er ist also unschuldig, der Täter ist der Stammzellenspender.

Das ist ein Triumph nicht nur für den Verteidiger und Mia, sondern auch für die oppositionellen Kräfte; Demonstrationen und Protestversammlungen finden statt, Mia wird zu deren Galionsfigur.

In dieser Situation lässt Mia eine Art Misstrauens-Manifest gegen die Methode und ihre Vertreter veröffentlichen, auch gegen den Rat ihres Verteidigers. Damit zwingt sie die Staatsmacht, schnell und brutal zu reagieren, bevor die Stimmung endgültig umkippt. ...

Noia 64 apps kontour.png   Meinung

Die Lektüre ist durchaus spannend, aber auch ärgerlich. Das durch und durch Konstruierte, gewollt Thesenhafte dieser Geschichte ist sowohl eindringlich als auch aufdringlich. Das ist Literatur mit einer deutlichen Botschaft, etwas schräg in der Tradition der Anti-Utopie (Dystopie) stehend und angestrengt um hohes intellektuelles Niveau bemüht. Die Diskussionen der Antagonisten sind zuweilen höchst abstrakte Diskurse über Wertfragen wie Freiheit, Glück, Selbstbestimmung, Recht auf Widerstand, abstraktere Themen und Diskussionen gibt es fast kaum (außer in Juli Zehs "Schilf", wo es um kosmologische Theorien geht.)

Andererseits ist diese Thematik höchst relevant und spricht nicht nur den anspruchsvollen, gesellschaftspolitisch interessierten Leser an. Manchmal liest man mit Staunen über und Bewunderung für soviel Gedankenschärfe und Sprachkraft der Autorin.

Es ist aber einfach zu viel des Guten, die dargestellte Gesellschaft und ihre Machtmechanismen sind alles andere als subtil, sondern einfach brutal und plump, die klugen Diskussionen darüber wären eigentlich zum Verständnis dieser Brutalität und Plumpheit nicht nötig, zumindest nicht in dieser Aufdringlichkeit. Es ist, als gebe der Roman dem Leser immer noch Verstehenshilfen, dabei ist diese Neu-Welt in der Thesenhaftigkeit und Holzschnittartigkeit ihrer Darstellung allzu schnell durchschaut und in das Böse eingeordnet.

Fazit: Ich als Leser bin fasziniert und beleidigt zur gleichen Zeit, oder - "um es mit dem Lieblingswort der Ratlosen zu sagen" (S. 126) - ambivalent.

--Klaus Dautel


Bitte ändere den Inhalt dieses Beitrags nicht. Denn er gibt eine persönliche Meinung wieder.

Zitate

"Das Leben ist ein Angebot, das man auch ablehnen kann." (S.28, S.46)

Mia: "Wäre ich ein Hund - ich würde mich ankläffen, damit ich nicht näher komme." (S.54)

Kramer: "Glücklicherweise gibt es heute moderne Formen der Erkenntnisgewinnung, die das Geständnis ersetzen können." (S.119)

Juli Zeh

„Juli Zeh wurde in Bonn geboren und studierte Jura in Passau und Leipzig, wo sie 1998 ihr 1. Staatsexamen machte. Ebenfalls in Leipzig studierte sie von 1996 bis 2000 am Deutschen Literaturinstitut (DLL), an das sie später als Dozentin zurückgekehrt ist. Nach ihrem Diplom am DLL folgte 2003 das 2. Staatsexamen. Zahlreiche Auslandsaufenthalte u.a. für die UN in New York und Krakau und vor allem in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina haben ihre Arbeiten geprägt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, …“
Lebenslauf, Studium, Auslandsaufenthalte, Bücher ... Preise und Photos
Leseproben, Hörproben, Klappentexte, Essays
"Juli Zeh hat mit "Schilf" einen komplizierten Krimi über Physik und Männerfreundschaft geschrieben. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt sie, warum sie gerne dreiste Metaphern verwendet, wie sehr sie ihr Image als Streberin stört und warum junge Autoren nicht politisch sein dürfen." (Spiegel online, 13. 10. 2007)

Stimmen

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2007, Nr. 217, S. 37
"Da liegt der Zukunftshund begraben
Was morgen geschah: Neue Stücke von Juli Zeh und Lutz Hübner in Essen uraufgeführt
… In "Corpus delicti" versetzt die 1974 in Bonn geborene Autorin und Juristin, die das Stück für die Ruhrtriennale geschrieben hat, Fragen in die Zukunft, die, satirisch überhöht, auf die Gegenwart zurückschlagen: Vor allem das Verhältnis zwischen individuellen Freiheitsrechten und dem Sicherheitsschutz des Staates wird argumentativ und rhetorisch pointiert durchgespielt. Doch diskurslastig und überkonstruiert, läuft das Stück Gefahr, die Sterilität, in der es den allzu monolithisch auf sein Gesundheitssystem verengten Zukunftsstaat zeichnet, selbst anzunehmen. Die Regisseurin Anja Gronau verknappt das überbordende Drama und destilliert seine Thesen. Sabine Kohlstedt hat dafür in der Maschinenhalle der Zeche Carl in Essen einen Raum gebaut, in dem auf allen vier Seiten milchglasverkleidete Zuschauerreihen hochsteigen: Auf dem kleinen Bühnenquadrat in der Mitte lässt die Uraufführung den Fall als weitgehend bildloses Sprechtheater ablaufen, in dem nur die burschikos die wilden Seiten der Figur aufdeckende Anne Ratte-Polle als Mia Holl und der altfreakige Christoph Luser als Bruder den schauspielerischen Ansprüchen eines Festivals genügen. Vielleicht sollte man das Stück einfrieren, um es in dem Jahr, in dem es spielt, wieder aufzutauen. Juli Zeh wird dann vierundachtzig und die Gesellschaft wohl eher Anlass haben, darüber zu lachen.“
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.02.2009, Nr. 50, S. Z5
"Geruchlos im Hygieneparadies
Die Diktatur der Vorsorge als Enteignung der Gegenwart: Mit ihrer negativen Utopie "Corpus Delicti" rührt Juli Zeh an den Nerv unserer zutiefst verängstigten Gesellschaft. Von Christian Geyer
Ein Wort, so unendlich menschenfreundlich und vernünftig: Prävention. Wer wollte sich schon dem Gedanken der Vorsorge widersetzen? Es wird Zeit, das totalitäre Potential der Präventionsidee sichtbar zu machen: Vorsorge ist prinzipiell unbegrenzt. Es gibt nichts, was unter dem Vorwand der Vorsorge nicht einklagbar wäre. Im Nu steht man rechtelos im Hemd da, wenn an eine bessere Zukunft appelliert wird, der man sich - so die Präventionsrhetorik eines jedes Krisenregimes - im Ernst ja wohl nicht widersetzen wolle. So aber wird schrittweise eine Enteignung der Gegenwart im Zeichen der Zukunftsvorsorge betrieben. Obwohl immer mehr Lebensbereiche von der Prävention durchherrscht werden, liegt die Kulturkritik dieser Herrschaftsfigur brach. Erst recht gibt es bisher keinen erzählerischen Versuch, hinter dem Vorsorgeanspruch den permanenten Ausnahmezustand sichtbar zu machen.
Das ist mit dem Buch "Corpus Delicti" nun schlagartig anders geworden, ein Buch, das an den Nerv unserer zutiefst verängstigten Gesellschaft rührt. …“
„Von den Themen und Ideen her also ein wirklich interessantes Buch, aber die Umsetzung hat mich manchmal nur verzweifelt den Kopf schütteln lassen. Das Buch lässt sich zwar angenehm lesen, es ist in kurze, knackige Kapitel unterteilt, kaum Ausschweifungen, aber insgesamt wirkt es sehr künstlich, was sich vor allem in den Dialogen zeigt. Die sind nämlich keine wirklichen Dialoge, sondern dienen hauptsächlich dazu, die Meinungen und Ideen der Autorin zu transportieren. Juli Zehs Sprachstil, der einfach eigen ist und den ich in ihren anderen Büchern aber sehr mochte, ist mir hier zu extrem. Die Protagonisten sind zu einem großen Teil keine wirklichen Menschen, sondern auch Ideenträger: Das Opfer des Systems (Mias Bruder), der Träger und Verteidiger des Systems (Kramer), der idealistische Anwalt (Rosentreter) und so weiter. Ein bisschen mehr Figurentiefe hätte der Geschichte für meinen Geschmack nicht geschadet.“ (www.seanne.at/juli-zeh-corpus-delicti/)
"Juli Zehs Science-Fiction-Roman "Corpus Delicti" schildert eine Rebellin wider den Gesundheitswahn.
[...] Juli Zehs Erzählkonzept geht tatsächlich in der Romanform überzeugender auf als in der Bühnenfassung. Die Kunst dieser Autorin besteht gerade im scharfsinnigen Gedanken-Pingpong ihrer Versuchsanordnungen, in einem heiter-diskursiven Furor, wie man ihn sonst nur (hölzerner) von Bernhard Schlink kennt und wie ihn früher Friedrich Dürrenmatt beherrschte.
Wie diese Schriftsteller auch, so gerät Juli Zeh manchmal ins Schlingern, wenn sie lyrische Pirouetten dreht. Etwa wenn sie ein halb imaginäres, halb roboterartiges Kuschelwesen namens "Die ideale Geliebte" entwirft, mit dem ihre Heldin munter plaudert. Oder wenn sie behauptet, ihre Mia stecke "in der eigenen Haut wie in einem Fangnetz".
Brillant ist dieser Roman als Kritik der hygienischen Vernunft: wenn seine Helden über die gentechnische Optimierung der Körper streiten, über das Versprechen globaler Sicherheit, über das "Recht auf Krankheit" ...."
Ärzte sollen Kranke melden, die ihr Leiden selbst verschuldet haben. Die Krankenkassen stünden demnach nicht uns bei, sondern wir schuldeten ihnen, gesund zu bleiben
...Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet an einer Gesetzesinitiative, die Ärzte verpflichten soll, unter Aufhebung der Schweigepflicht bestimmte Patienten bei den Krankenkassen zu melden. Und zwar solche Patienten, die an ihrem jeweiligen Leiden selbst schuld sind. Als Beispiele werden die Folgen von Tätowierungen, Piercings oder Schönheitsoperationen genannt. Die Begründung dieser absurden Idee liest sich wie ein Lehrbuchbeispiel für politische Scheinlogik unter Zugrundelegung verdrehter Prämissen. Eine Nasenoperation stelle einen Eingriff dar, der medizinisch nicht indiziert und vom Patienten frei gewählt sei. Wenn dabei etwas schief gehe, habe der Patient für Folgeschäden konsequenterweise selbst aufzukommen...." (ZEIT online, 5.10.2007)

Corpus delicti im Unterricht

  • ZUM.de (Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e. V.) Juli Zehs "Corpus Delicti. Ein Prozess" Ein akueller Zukunftsroman in der Kursstufe - Unterrichtsvorschläge und Materialien von K. Dautel (Mai 2012)
  • LiteraNova: Corpus Delicti [Taschenbuch] Unterrichtsmodell von Helmut Flad, 48 Seiten, Cornelsen Verlag (August 2011), ISBN 3464616630

Vergleich von Zehs "Corpus Delicti" mit Fontanes "Stechlin"

Der folgende Vergleich, der eine Zeit lang in dem Wikipedia-Artikel zu „Corpus Delicti. Ein ProzessWikipedia-logo.png“ Platz fand (Link zur Version vom 3.4.2011 um 12:38), kann vielleicht den Blick auf problematische Seiten der vorliegenden Dystopie schärfen. Da er offenbar eine Schülerarbeit ist, wurde um der dokumentarischen Funktion willen auf jede Verbesserung verzichtet.
Die Einführung in den jeweiligen Text sowie die Erzählperspektive gleichen sich auffällig: Ein auktorialer Erzähler nimmt den Leser hoch über der aufgespannten Szenerie an die Hand und führt ihn in die Erzählung ein; er zeigt ihm dabei in einer immer mehr aufziehenden Kameraperspektive die den Handlungsort umgebende Natur und bleibt am Ende der Romaneinführung über einer der Hauptfiguren der Erzählung stehen. Hüben wie drüben verweilt zuvor der Erzähler kurze Zeit an einem See, der in beiden Texten merkwürdig unbelebt erscheint. „Alles still hier“ bei Fontane, bei Zeh ist die Blickrichtung umgekehrt, und der See scheint in den Himmel zu blicken. Doch selbst wenn das Zitieren des fontaneschen Romans in Corpus Delicti nur Zufall sein mag, ist ein Vergleich der beiden Erzählungen und ihrer Verfasser durchaus Gewinn bringend, zumal da beide, Fontane wie Zeh, sich als Autoren ihre Zeit verstehen und auch ihre Texte als Produkt zeitgenössischen Lebens verstehen.

Die oft zitierte Aussage Fontanes über seinen Roman, dass „zum Schluss ein Alter (sterbe) und zwei Junge heiraten“, ansonsten aber nicht viel im Roman geschehe, kann vielleicht als Programm für die Aussage von Juli Zehs Novelle verstanden werden; zwar hört man in Fontanes Roman die drohenden Veränderungen schon am fernen Horizont als Gewitter aufziehen, doch im Grunde bleibt alles, wenn man Fontane wörtlich nehmen darf, beim Alten. Die Menschen scheinen weitestgehend zufrieden in ihrem andauernden Leben der Nichtveränderung. Sie finden sich in den gegebenen Situationen zurecht und finden ebenso Möglichkeiten, die Widrigkeiten des Lebens zu meistern, und finden (noch!) ein Auskommen untereinander. Ganz anders in Corpus Delicti: Juli Zeh zeigt in ihrem Text auf, was alles geschehen kann, wenn wir unsere Körper, unsere Lebensbedingungen und unsere sozialen Kontakte immer weiter verbessern wollen. Das ständige Streben nach physischer wie psychischer Perfektion lässt uns in einem ständigen Zustand der Grenzschreitungen schweben, was dem einzelnen Individuum kaum noch Möglichkeiten lässt, sich selbst auch einmal (scheinbar) unperfekt weiterentwickeln zu wollen. Physische Fitness neben psychischer Fitness scheinen das Diktat der derzeitigen Gesellschaftsentwicklung zu sein. Fehler werden nicht mehr akzeptiert, sie eventuell als (didaktisches) Potenzial zu nutzen, bleibt überhaupt nicht mehr die Zeit. Nichtperfektion erscheint dadurch immer als Mangel, ein dauerhaftes Fortschreiten scheint, um überhaupt Schritt halten zu können, notwendig zu sein. Vielleicht bedeutet das Zitieren des fontaneschen Textes auch einmal eine gesellschaftliche Entwicklung als abgeschlossen zu betrachten. Vielleicht soll uns als Leser deutlich gemacht werden, dass unsere derzeitige Lebensbedingung bereits eine Bereich erreicht hat, der als nahezu perfekt erscheint, und dass jegliches weiteres Streben diese Fastperfektion auch gefährden kann. Die Form der menschlichen Existenz, die in und um Schloss Stechlin noch unbeschwert, ja fast leicht erscheint, ist in Corpus Delicti mehr oder minder zu einer ständigen Anklage des Individuums verkommen. Der Mensch muss sich ständig rechtfertigen: gegenüber seinem eigenen Körper, gegenüber seinem eigenen Geist, gegenüber seinen sozialen Kontakten und vor allem gegenüber der Gesellschaft.

Beide Autoren, Fontane wie Zeh, verstehen sich als Gegenwartsautoren; beide besitzen ein ausgeprägtes Gespür für Tendenzen und Entwicklungen ihrer jeweiligen Zeit. Fontane wählt für seinen Roman einen Ort fern jeglichen Großstadtlebens, an dem die Zeit nahezu still zu stehen scheint (dass er es auch anders kann, zeigt er vor allem in seinem Berlinroman „Frau Jenny Treibel“). Zeh demhingegen drehte die Zeit um 50 Jahre nach vorne, um vor allem mögliche Auswirkungen gegenwärtiger Tendenzen aufzuzeigen. Beide Autoren zeigen in ihren Texten Diskurse und Paradigmen ihrer Zeit und setzen diese dadurch auch einer möglichen Kritik aus. Und Fontane wie Zeh verstehen es, aufzeigen, was geschehen könnte, wenn die Gesellschaft zu stark auf bestimmten Paradigmen besteht, beziehungsweise was ein eventueller Paradigmenwechsel mit sich bringen kann.


unbekannter Autor der Wikipedia (IP 88.66.215.146)

Aufgabe:

  • Juli Zeh wie Fontane wählen eine fiktive Hauptperson, um ihre gegenwärtige Gesellschaft zu kritisieren. Wie unterscheidet sich Juli Zehs Verfahren von dem Theodor Fontanes? --Fontane44 01:14, 3. Apr. 2012 (CEST)

Weitere Werke

  • Adler und Engel. Roman (2001)
  • Spieltrieb. Roman (2004)
"Tief im Westen der Republik in unseren Tagen, an einem Bonner Gymnasium, entwickelt sich die atemberaubende Geschichte einer obsessiven Abhängigkeit zwischen einer Schülerin und einem Schüler, Ada und Alev, aus der sich erst die Bereitschaft, dann der Zwang zu Taten ergibt, die alle Grenzen der Moral, des menschlichen Mitgefühls und des vorhersehbaren Verhaltens überschreiten. Die beiden jungen Menschen wählen sich ihren Lehrer Smutek als Ziel einer ausgeklügelten Erpressung. Es beginnt ein perfides Spiel. Ganz ruhig fängt das an: Ada, überaus selbstbewußte Schülerin, vierzehn Jahre alt, kommt neu an ein Gymnasium namens Ernst-Bloch, wo der Alltag sie nicht fordert und die Lehrer meist schwache Gegner beim intellektuellen Kräftemessen sind. Anfangs erregt Ada auf Ernst-Bloch wenig Aufmerksamkeit. Das soll sich ändern im Fortgang dieses Romans.
Während im Großen und Ganzen der Weltpolitik die Fronten von "Gut" und "Böse" unter dem Eindruck von Terrorismus und den Spätfolgen einer zusammengestürzten Weltordnung durcheinandergeraten sind, entwickelt sich im Mikrokosmos auf Ernst-Bloch eine mitreißende Geschichte, die unausweichlich auf eine Kette unerhörter Begebenheiten zuläuft, bis der Lehrer Smutek sich schließlich in einer Gewaltorgie gegen seine Schüler rächt und befreit.
SPIELTRIEB ist ein großer Roman über die Unmoral und ihre Folgen, letztlich also ein moralischer Roman, der die Fortgeltung von überkommenen Wertprinzipien in Frage stellt und sich damit einer der großen Fragen unserer Zeit annimmt: Wer weiß noch, was gut und was böse ist - und woher kann er das wissen?" (Klappentext)
  • Schilf. Roman (2007)
  • Ilija Trojanow & Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit, Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte (2009)
  • Nullzeit. Roman (2012), Rezension auf Spiegel online, 8.8.2012
  • Treideln. Frankfurter Poetikvorlesungen, Schöffling, Frankfurt/Main 2013, ISBN 978-3-89561-437-8.

Linkliste

Siehe auch