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Cyberbullying

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Begriffsklärung Diese Seite befasst sich mit Mobbing (Bullying) im Internet. Für andere Zusammenhänge siehe Mobbing.

Cyberbullying (auch: Cybermobbing oder Cyber-Mobbing) ist Bullying bzw. Mobbing im Internet.

Inhaltsverzeichnis

Europäischer Safer Internet Day (SID)

→ Safer Internet Day

Der Safer Internet Day ist ein von der Europäischen Union initiierter, jährlich veranstalteter, weltweiter Aktionstag für mehr Sicherheit im Internet und findet jedes Jahr am zweiten Dienstag im Februar statt.

Filme zum Thema

Let's Fight it Together

Ein Schüler wird Opfer von Cybermobbing. - Gut gemachter, für Schüler/innen attraktiver Film. Gut geeignet zum Einstieg in das Thema.

Netzangriff

Ein Kinder-Tatort, 45 Minuten lang.

"Klara ist neu am Stuttgarter Gymnasium und fühlt sich noch unsicher und orientierungslos. Ohne ihr Wissen gelangen Bilder von ihr in Unterwäsche ins Netz. Klara ist enttäuscht."
"Was tun, wenn plötzlich private Fotos im Internet auftauchen?
Dieses Problem hat die sechzehnjährige Clara im Krimi "Netzangriff". Wie sie mit dieser Situation umgeht? Schau selbst:"

Für den Unterricht

Die Website www.klicksafe.de ist Bestandteil des Safer Internet Programms der Europäischen Union (mehr dazu siehe unten)

Cyberbullying | Online-Mobbing | Cybermobbing

In dem 2008 erschienenen Buch „Generation Internet“ von John Palfrey und Urs Gasser, zwei Rechtsprofessoren aus den USA und der Schweiz, wird das Thema „Cyberbullying“ als eines der großen Risiken eingestuft, die den „Digital Native“, den in das Internet hineingeborenen Jugendlichen, bedrohen. (S.106)

Neben der Konfrontation mit schockierenden oder beklemmenden Bildern von Gewalt und Pornografie kann die Erfahrung von Cyberbullying und Cyberstalking sich besonders schädlich auf die Psyche jugendlicher Internet-Benutzer auswirken.

Cyberbullying bedeutet hier das „Benutzen von digitalen Medien - darunter auch SMS, mailbox-Nachrichten und Anrufe -, um anderen absichtlich Schaden zuzufügen.“ (S. 112). Untersuchungen ergaben, dass dieses Phänomen rapide zugenommen hat. Des Weiteren sind Mädchen in einem überproportionalen Maße Opfer von digitaler Belästigung.

Cyberbullying ähnelt zwar in vieler Hinsicht dem klassischen Bullying, wie es sich in Schule und Schulhof abspielen kann. Cyberbullying findet jedoch in einem wesentlich größeren Rahmen und unter veränderten Bedingungen statt.

  • Die digitalen Werkzeuge verschaffen den Bullys zusätzliche Möglichkeiten, ihren Opfern Schaden zuzufügen. Diese sind zu jeder Tag- und Nachtzeit und auf vielfältige Weise zu erreichen. Die Belästigungen können dadurch „in Sekundenschnelle“ ein riesiges Publikum finden.
  • Cyberbullies können ihre Gemeinheiten weitgehend anonym verüben. Diese Anonymität kann die Aggressitivität des Verhaltens steigern; wer die Reaktionen eines Gegenübers weder sehen noch daraus etwas befürchten muss, empfindet weniger Empathie, die das Verhalten eventuell bremsen könnte.
  • Handlungen im digitalen Raum können leichter als nicht „real“ und bloß als „Spiel“ empfunden werden.

Der wichtigste Erklärungsansatz für die Zunahme von Cyberbullying geht von einem „Online-Enthemmungseffekt“ (Online Disinhibition Effect) aus: Es fällt Menschen, insbesondere Jugendlichen, schwerer, ihre Impulse zu zügeln, wenn die soziale Kontrolle wegfällt oder nicht spürbar ist.

„Das Fehlen von Autoritätspersonen in diesem nicht überwachten Raum ermutigt Menschen, ihren Impulsen nachzugeben. [...] In der Hand junger Menschen, die noch nicht gelernt haben, ihre Impulse zu kontrollieren, werden digitale Medien unter Umständen zu gefährlichen Waffen.“ (S.113)

Auch auf der Opfer-Seite hat die Situation gegenüber dem Offline-Bullying dahingehend verändert, dass Jugendliche den Schikanen meist allein und ohne erwachsene Begleitung gegenüber stehen. Hier wirkt sich die Unkenntnis oder gar Ablehnung der digitalen Welt durch Eltern und Lehrer negativ aus. Darum ziehen die Autoren Palfrey und Gasser zuallererst folgendes Fazit:

„Junge Menschen brauchen starke Verbündete, die ihnen dabei helfen, die neuen Gefahrensignale zu verstehen und dem Enthemmungseffekt entgegenzuarbeiten, den online geführte Leben mit sich bringen.“ (123)

Eltern und Lehrer können nur eine wirkliche Hilfe sein, wenn sie sich mit der Online-Welt auseinandersetzen, die Kluft zwischen den Erziehern und den „Digital Natives“ muss verringert werden. Eltern und Lehrer müssen Zeit und Energie investieren, um die digitale Welt so weit kennenzulernen, dass sie von den Kindern und Jugendlichen als „glaubwürdige Bezugspersonen“ akzeptiert werden, die ihnen beibringen können, wie man Entscheidungen trifft, die Risiken vermeiden.

Und was für Eltern gilt, trifft in modifizierter Form auch auf Lehrerinnen und Lehrer zu:

„Der Vortrag eines Lehrers, der offensichtlich keine Ahnung von digitaler Kultur hat, wird wirkungslos verpuffen. Solche Lehrer werden eher von ihren Schülern im Netz parodiert als im Klassenzimmer ernst genommen.“ (S.127)
Noia 64 apps kontour.png   Meinung

Lese-Empfehlung: Das Buch „Generation Internet. Die Digital Natives: Wie sie leben, was sie denken, wie sie arbeiten (Hanser Verlag 2008 ISBN 978-3-446-41484-6) ist besonders in jenen Kapiteln lesenswert, wo sich die juristische Kompetenz der Autoren auswirkt. Diese Kapitel heißen „Identität“, „Dossier“, „Sicherheit“ und „Piraterie", in ihnen wird vornehmlich auf die problematischen Seiten der digitalen Welt eingegangen, die durch die Digital Natives losgetretene Datenflut und den damit verbundenen Kontrollverlust, die "digitale Identität" und das "digitale Dossier" betreffend. Plausible und kompetente Vorschläge und Ratschläge werden nicht nur auf der Ebene von Eltern und Erziehern gemacht, sondern auch im Hinblick auf die Verantwortung der Internetwirtschaft und der staatlichen Institutionen. --Klaus Dautel


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Hilfestellungen

  1. Den Zugang zum Internet im Blick behalten und Regeln vereinbaren. Verbieten hilft nichts. Eltern müssen akzeptieren, wie zentral das Internet für das soziale Leben von Jugendlichen ist. Das Internet, nicht das Fernsehen, ist das Leitmedium der Jugendkultur. Hier sind gegenseitiges Vertrauen und Geduld verlangt. Auf der Web-Site der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren findet man unter der Adresse www.kinderschutzzentren.org einen sympathischen Vorschlag für Vereinbarungen, die Eltern mit ihren Kindern treffen können.
  2. Sich über die Sicherheitssysteme erkundigen, die die Betreiber der Plattformen selbst anbieten. Die ist nicht immer ganz einfach. Die betreffenden Informationen findet man z.B. bei Kwick.de ganz unten am Fuß der Seite unter ,Hilfe‘. Dazu muss man durch die Seite durchscrollen und das Kleingedruckte anvisieren. Von dort geht es weiter zu http://hilfe.kwick.de/, der Weg zu der relevanten Seite „Jugendschutz“ ist dann etwas für besonders Findige, die zu suchende Adresse lautet hilfe.kwick.de/index.php/Jugendschutz
  3. Offizielle Meldestellen kennen und gegebenenfalls benutzen: Hier gibt es z.B. die Hotline von (www.jugendschutz.net). Dort können Verstöße gegen den Jugendschutz gemeldet werden, indem man ein dafür vorbereitetes Beschwerde-Formular ausfüllt und abschickt. Wenn daraufhin festgestellt wird, dass „ein relevanter Verstoß gegen Bestimmungen des Jugendschutzes oder gegen das Strafrecht“ vorliegt, wird der „Inhalte-Anbieter (Content-Provider) ermittelt, ersatzweise auch der Host-Provider, der für das Angebot den Speicherplatz im Internet zur Verfügung stellt.“ Diese werden „über den Verstoß informiert und gebeten, die Inhalte so zu verändern, dass sie den Bestimmungen des Jugendschutzes genügen. In vielen Fällen führt dieser Weg schnell zum Erfolg.“
  4. Die Privacy-Option aktivieren. Das sind jene Einstellungen zur Privatsphäre, die eingestellte Informationen nur einem selbst definierten Nutzerkreis zugänglich machen. Doch zuvor sollte man sie erst einmal zur Kenntnis nehmen. Ich zitiere aus der JIM-Studie: Ob Informationen „von jedem Internetnutzer eingesehen werden können, entscheidet der jeweilige Nutzer durch die sogenannte Privacy-Option. Ist diese aktiviert, dann können nur Freunde oder explizit ausgewählte Kontakte die hinterlegten Informationen einsehen. Sehr detailliert ist diese Auswahl nicht: bei „SchülerVZ“ kann beispielsweise ausgewählt werden zwischen „Alle Leute an meiner Schule, meine Freunde und deren Freunde“, „Meine Freunde und deren Freunde“ und „Nur meine Freunde“. Dies klingt zunächst nach einer überschaubaren Personenmenge, bei einer durchschnittlichen Anzahl von 144 Freunden im Profil (Mädchen: 157, Jungen: 130) wird aber schnell deutlich, dass auch bei aktivierter Privacy-Option nicht wirklich genau kontrollierbar ist, wem Einsicht gewährt ist und wem nicht.“ Laut JIM-Studie machen nicht einmal die Hälfte aller Nutzer von der Privacy-Option Gebrauch (S. 47f).

Wie bekämpfen?

Vorschläge

  1. Soziale Netzwerke a la "Netlog", und "Facebook" an der Schule sperren? Man kann nicht verhindern, dass viele Schüler untereinander "vernetzt" sind. Zumindest während der Schul-, Unterrichtszeit könnte dies verhindert werden.
  2. ...?
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Leider sind auch jene Schüler vernetzt, die auf dumme Gedanken kommen, siehe: CybermobbingWikipedia-logo.png --Uptojoe 14:18, 2. Apr. 2009 (UTC)


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Das Problem Cyberbullying kann durch Sperren entsprechender Websites auf dem Schulserver aus der Schule räumlich herausgehalten werden. Aber dies löst nicht das grundsätzliche Problem. Stattdessen muss eine Auseinandersetzung mit Kolleginnen und Kollegen, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern über damit zusammenhängende Fragen erfolgen.

Dennoch macht das Sperren von Websites, die bevorzugt für Cyberbullying genutzt werden können, auf dem Schulserver Sinn, damit Schule und Lehrkräfte nicht mitverantwortlich für das Fehlverhalten einzelner Schülerinnen und Schüler werden und um Gelegenheiten zum Missbrauch einzuschränken.

Solche Sperren sollten eigentlich auf jedem Schulserver möglich sein. Wie dies geht, sollte der Systemadministrator wissen. --Karl.Kirst 17:43, 2. Apr. 2009 (UTC)


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Lektüren / Literatur

  • John Palfrey und Urs Gasser, Generation Internet. Die Digital Natives: Wie sie leben, was sie denken, wie sie arbeiten, Hanser Verlag, 2008, ISBN 978-3-446-41484-6
  • Paul Davenport: Cyber Nightmare, Davenport Stories (1., 2008), 64, Taschenbuch, ISBN 3000244662
"Neil Green is an active student at Caribou Middle High School. He likes his school and his school likes him. So he thought. Until he began getting shocking text messages. His best friend Darby tells him to ignore them, but then a nasty website appears, presenting Neil and Darby in a false light, and turning Caribou Middle High into their own personal chamber of horrors. Realizing that they have to defend themselves, they set up their own website to combat the cyber bully." (www.davenport-stories.de)

Linkliste

Zeitungsartikel

"Sexuelle Belästigung von Kindern und Jugendlichen in sozialen Netzwerken kommt selten vor, so eine neue Studie. Die Gefahr, gemobbt zu werden, ist größer." (PARVIN SADIGH © ZEIT ONLINE 15.1.2009)

Deutsche Seiten

Die Seite www.klicksafe.de bietet Eltern und Pädagogen Informationen, Tipps und Materialien zu den wichtigsten Jugendmedienschutz-Themen sowie einen Überblick über die Initiative klicksafe. Zum Beispiel bietet Klicksafe Unterrichtsmaterial und ein Lehrerhandbuch: Knowhow für junge User im pdf-Format zum Download. Auch eine türkisch-sprachige Seite (klicksafe önerileri) ist vorhanden.
Cyber-Mobbing – was ist das? - Informationen von klicksafe.de
"Als Cyberbullying bezeichnet man Mobbing unter Schülern unter Einsatz von Medien. Fiese SMS schicken, peinliche Bilder im Internet veröffentlichen, per Messenger beleidigen." (jugendinfo.de)
"Mobbing ist schlimm, Cyberbullying ist fast noch schlimmer - dabei stellen Schüler verunglimpfende Videos von ihren Klassenkameraden ins Netz. Aber nicht nur Schüler sind davon betroffen, wie sich jetzt in Großbritannien heraus stellte
Cyberbullying ist eine fiesere Variante des Mobbing, über das wir vor kurzem wieder hier auf jetzt.de berichteten. Beim Cyberbullying nehmen die vermeintlich stärkeren Schüler auch das Internet und Handys herbei, um schwache Schüler oder Lehrer vorzuführen." (Text: peter-wagner, 23.05.2007 jetzt.sueddeutsche.de)
"Cyberbulling oder Online-Mobbing sind inzwischen Begriffe womit auch Jugendliche vermehrt zu tun haben. Hierbei handelt es sich um unangenehmes Bloßstellen über das Internet. Mit dem noch recht neuen Phänomen haben sich amerikanische WissenschaftlerInnen während der aktuellen PEW-Studie (PEW Internet & American Life Project) beschäftigt und befragten dazu 935 Jugendliche. Sie fanden heraus, dass von diesen Belästigungen im Netz viel mehr Mädchen betroffen sind als Jungs." (www.lizzynet.de)

Cyberbullying: Gewalt und Mobbing im Netz - was könnt ihr dagegen tun?

"...Diese Art des Mobbings ist nicht nur unermesslich gewalttätig, sondern auch besonders gemein, da sie die Opfer zuerst quält und dann auch noch in einer noch viel größeren Öffentlichkeit bloßstellt als "nur" auf dem Schulhof. Und für die (meist männlichen) Täter ist dieses Mobben viel einfacher, da man keinen Mut mehr dazu aufbringen muss, öffentlich gemein zu sein, sondern einfach in seinem Zimmer vor dem Rechner sitzt und anonym seine widerlichen Schandtaten durchführen kann." (Rosi Stolz 16. April 2007 www.lizzynet.de)

Englischsprachige Seiten

"What is it about cyberspace that loosens the psychological barriers that block the release of these inner feelings and needs? Several factors are at play. For some people, one or two of them produces the lion's share of the disinhibition effect. In most cases, though, these factors interact with each other, supplement each other, resulting in a more complex, amplified effect."
• You Don't Know Me (dissociative anonymity)
• You Can't See Me (invisibility)
• See You Later (asynchronicity)
• It's All in My Head (solipsistic introjection)
• It's Just a Game (dissociative imagination)
• We're Equals (minimizing authority))
• Personality Variables
• True Self?
• Self Constellations Across Media
• Altering Self Boundary
""Cyberbullying" is when a child, preteen or teen is tormented, threatened, harassed, humiliated, embarrassed or otherwise targeted by another child, preteen or teen using the Internet, interactive and digital technologies or mobile phones. It has to have a minor on both sides, or at least have been instigated by a minor against another minor. Once adults become involved, it is plain and simple cyber-harassment or cyberstalking. Adult cyber-harassment or cyberstalking is NEVER called cyberbullying.
It isn't when adult are trying to lure children into offline meetings, that is called sexual exploitation or luring by a sexual predator. But sometimes when a minor starts a cyberbullying campaign it involves sexual predators who are intrigued by the sexual harassment or even ads posted by the cyberbullying offering up the victim for sex."
"The Center for Safe and Responsible Internet Use provides research and outreach services to address issues of the safe and responsible use of the Internet. We provide guidance to parents, educators, librarians, policy-makers, and others regarding effective strategies to assist young people in gaining the knowledge, skills, motivation, and self-control to use the Internet and other information technologies in a safe and responsible manner."
Aufschlussreich ist der Educator’s Guide to Cyberbullying and Cyberthreats von Nancy Willard, M.S., J.D.
Hierin wird eine Typologie des Cyberbullying erstellt und an Beispielen konkretisiert:
• Flaming. Online fights using electronic messages with angry and vulgar language.
• Harassment. Repeatedly sending nasty, mean, and insulting messages.
• Denigration. “Dissing” someone online. Sending or posting gossip or rumors about a person to damage his or her reputation or friendships.
• Impersonation. Pretending to be someone else and sending or posting material to get that person in trouble or danger or to damage that person’s reputation or friendships.
• Outing. Sharing someone’s secrets or embarrassing information or images online.
• Trickery. Talking someone into revealing secrets or embarrassing information, then sharing it online.
• Exclusion. Intentionally and cruelly excluding someone from an online group.
• Cyberstalking. Repeated, intense harassment and denigration that includes threats or creates significant fear.

Siehe auch