ZUM-Unterrichten - Logo.png
Viele Inhalte sind umgezogen ins neue ZUM-Unterrichten.

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod - Spielend durch den Irrgarten der Sprache

Das PC-Spiel im Gefolge der „Kult-Kolumne von Bastian Sick“ (Klappentext). United Soft Media Verlag GmbH München (USM). ISBN 3803228301

Noia 64 apps kontour.png   Meinung

Anspruch

Versprochen wird viel: Ein „spannendes Fun-Game“, also auf Deutsch: Spaß haben, spielen und Lernen für Schule und Freizeit. Dazu schlüpft der Benutzer (Spieler/Lerner) in die Rolle des Bücherwurms Willi und schlängelt sich in zehn Leveln (nicht Levels!) durch eine labyrinthische Bibliothek. Darin muss er knifflige Fragen zur deutschen Sprache beantworten. Aufgelauert wird ihm dabei von einem schrulligen Professor, dessen Geschwätzigkeit ihn aufhält und Leben kostet.

Bevor es losgeht, muss man sich entscheiden, welcher Altersstufe man sich zuordnen will: 10 bis 14 Jahre oder 15 bis 99 Jahre. Die Zuordnung dürfte also nicht schwerfallen, wobei die Unterscheidung in „Jugend- und Erwachsenenmodus“ entwicklungspsychologisch etwas willkürlich erscheint. Jedenfalls ist bis hierher alles sehr übersichtlich, eine Kurzanleitung steht auch zur Verfügung.

Ablauf

Starten wir zuerst im „Jugendmodus“ (10 bis 14): Der Bücherwurm schlängelt sich geleitet von Pfeilen zu einer Tür, dort wird ihm eine Frage gestellt wie z.B. „Was ist die weibliche Form von Zauberer?“, im neuen Raum gibt es viele Türen, zu denen der Wurm eilen muss und die ihm verschiedene Antworten vorschlagen (“Zauberin“, „Zaubrin“). Entscheidet sich der Wurm für die richtige Antwort, dann wird ihm das in einem Popup-Fenster noch einmal bestätigt und weitere Erklärungen werden gegeben (auch als gesprochener Text, wenn die Audio-Funktion angeschaltet ist). Ist die Entscheidung falsch, ist ein Leben weg. Immer läuft die Uhr und es latscht einem der Professor hinterher. Ist eine Runde geschafft, gibt es Punkte.

Die zu beantwortenden Fragen sind ziemlich unterschiedlich: Gefragt wird z.B. nach dem richtigen Kasus nach einer Präposition, oder nach dem Plural eines Substantivs (Bösewichte/Bösewichtel/Bösewichter) oder nach dem richtigen Ausdruck in einem gegebenen Satz- und Sinnzusammenhang (kryptisch/hygienisch) oder nach der korrekten Redewendung (“alle Fünfe grade sein lassen“).

Mit folgende Fragen (F) und Antwortmöglichkeiten (A) sieht sich der Bücherwurm beispielsweise konfrontiert:

F: Wo fühlte sich der Genitiv besonders wohl. Im Gefolge ...
A: Kaiser Karls des Großen /Kaisers Karls des Großen / Kaisers Karl des Großen
F: Wovon leitet sich das Wort Palatschinken ab?
A:Von Placenta, von Palast oder ...?

Man beachte, wir befinden uns im Jugendmodus, d.h. in der Altersstufe 10 bis 14.

Zur Abwechslung betreten wir jetzt den „Erwachsenenmodus“, die Altersstufe von 15 bis 99. Hier lauten die Fragen beispielweise so:

F: Bei den Bauherren kam der Entwurf des ... gut an.
A: Architekten / Architekts / Architekt?
F: Astrid fordert von ihrem Chef, auf Dienstreisen in einer Luxussuite untergebracht zu werden, worauf dieser ihr entgegnet: Nun lass mal ... !
A: den Teppich zuhause /die Kirche im Dorf / die Tassen im Schrank.

Bestätigt man dann korrekterweise die Antwort „die Kirche im Dorf“, wird einem durch folgende Zusatzinformation weitergeholfen: „Diese Redewendung war ursprünglich als Absage an die Bauwut wörtlich gemeint.“ Der interessierte Bücherwurm könnte sich jetzt fragen: Was meint hier „ursprünglich“? Wann war das? Was hat das mit Kirchen zu tun und wie muss ich mir „Bauwut“ vorstellen. Aber solche Fragen stellt man besser nicht, sie würden nur aufhalten. So muss sich der lernen wollende Spieler mit Pseudo-Information abfinden und so geht es immer weiter.

F: Boris hat das Tennismatch verloren. Diesmal hat er sich wahrlich nicht mit ... bekleckert.
A: Rahm / Ruhm / Rum
Erläuterung: Wenn jemand etwas nicht gut gemacht hat, sagt man, er hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Rahm und Rum mögen vielleicht nach der schlechten Leistung ein Trost sein. Aber Vorsicht: nicht kleckern!

Fazit

Spannend ist das nicht und Spaß macht es nur bedingt und wer jetzt genau das wissen soll ist auch nicht klar. Wie schon angedeutet, wird hier auf Wissens- und Entwicklungsstand des Benutzers so gut wie keine Rücksicht genommen, die Fragen erscheinen völlig altersunabhängig, nicht kind- bzw. jugendgemäß, die zu richtigen Antworten gegebenen Erklärungen nimmt man zur Kenntnis und fragt besser nicht nach Regeln oder sprachgeschichtlichen Erläuterungen.

Spannend ist bestenfalls der Versuch Willis, dem hinter ihm her latschenden Professor zu entkommen oder nicht in eine Pfütze zu tappen, worin es dann nur noch sehr langsam vorwärts geht. Die Bedienung ist übrigens mit den Pfeiltasten und der OK-Taste, eine Maus hilft hier nicht weiter.

Für Kinder, die spielen wollen, und für Schüler, die etwas lernen wollen, ist dieses „spannende Fun-Game“ nicht empfehlenswert, denn keiner dieser beiden Wünsche wird befriedigend erfüllt.

Für Windows muss das Spiel installiert und gegebenenfalls deinstalliert werden, für Mac OSX kann es direkt von der CD-ROM (Flash Player 9) gespielt werden. Die CD-ROM enthält noch zusätzlich einige Quizrunden, die laufen dann ganz ohne Wurm ab, basieren auf MultipleChoice und gehen - wie schon im Spiel selbst - quer durch die Wissensbereiche. Das macht schon eher Spaß, ist aber nichts für Kinder. Beispiel gefällig?

Frage: Unter Kognak-Trinkern bleibt es nicht immer bei einem Glas. Schon wird die nächste Runde bestellt. Und zwar wie? „Wir hätten gerne noch vier ...“
Antworten: Kognäkke / Kognaks / Kognak
Kommentar: Keiner.
--Klaus Dautel 13:44, 4. Feb. 2008 (CET)

Bitte ändere den Inhalt dieses Beitrags nicht. Denn er gibt eine persönliche Meinung wieder.

Siehe auch