Der Vorleser

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Der Vorleser ist ein 1995 erschienener Roman von Bernhard Schlink. Er spielt in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und handelt von der Beziehung eines zunächst 15-jährigen Jungen zu einer 21 Jahre älteren Frau, die - wie sich später herausstellt - in der NS-Zeit eine KZ-Aufseherin gewesen ist.

Inhaltsverzeichnis

Didaktischer Kommentar

Bei einer ersten Beschäftigung mit dem Roman bietet sich das „Zusatzmaterial 4“ (S. 105-109) im Heft EinFach Deutsch zum Roman an. Das Spiegel-Interview mit Schlink aus dem Jahr 2000 spiegelt die wesentlichen Aspekte wieder, die bei der Beschäftigung mit dem Roman eine Rolle spielen (Missbrauch Michaels durch Hanna, Schuld der Täter, Verstrickung der 2. Generation, Rezeptionsgeschichte usw.).

Der Vorleser im Unterricht

Themen

In der Auseinandersetzung mit dem Roman Der Vorleser wird es vermutlich vor allem um die folgenden Themenbereiche gehen. Um den Roman als Ganzes bzw. grundsätzliche Fragen geht es unter Unterrichtsideen.

Analphabetismus

Hanna ist Analphabetin. Ihr Analphabetismus bestimmt viele ihrer Handlungen.

Material

Siehe auch: Analphabetismus

Beziehung mit großem Altersunterschied

Michael ist 15, als er die 36-jährige Hanna kennen- und lieben lernt.

Schuld-Problematik

- auf verschiedenen Ebenen

Unterrichtsideen

Die folgenden Unterrichtsideen befassen sich mit dem Roman 'Der Vorleser als Ganzes bzw. mit grundsätzlichen Fragen zum Roman. Ideen zu einzelnen Themenbereichen des Romans finden sich oben unter Themen.

Zahlreiche gute, ausgearbeitete Arbeitsblätter mit Aufgaben zur Internetrecherche u.a. - einschließlich Lösungsblättern
Kreative Ideen zum Einstieg in die Unterrichtsreihe:
  • Bisoziationsübungen
  • Altersunterschied
  • Arbeitsblatt Inhalt
Die Rechercheaufgaben sind mit anklickbaren Weblinks verbunden, sodass es sich empfiehlt, diese Arbeitsblätter online nutzen zu lassen.
"Am Beispiel des Romans "Der Vorleser" von Bernhard Schlink wird hier gezeigt, wie man im Internet für das Fach Deutsch nach Material sucht und es findet. Dieser Roman wurde ausgewählt, weil er für das Zentralabitur 2007 in NRW zum Pflichtprogramm Deutsch gehört."

Materialien

Hintergrund; Analysen; Texte; Bausteine für den Unterricht

Projektseiten online

umfangreiches Web-Projekt eines Deutschkurses, der auch ein Schlink-Forum eingerichtet hat.

Der Text

16 Kapitel aus Schlinks Roman wurden - laut Website - den Studenten vom Verlag zur Verfügung gestellt, um in "individuellen Projekten und Gruppenprojekten [...] verschiedene Texthilfen (zu) erarbeiten, wie z.B. Wortdefinitionen, kulturelle und historische Hintergrundinformationen, Informationen über den Autor, und/oder visuelle Hilfen. Als ergänzender Text wird Ruth Klügers "weiter leben: eine Jugend" in das Seminar miteinbezogen." (s00.middlebury.edu/GN480A/kursbeschreibung.htm)

Deutung

Schlink äußerte sich in einem Spiegel-Gespräch 2000 über seinen Roman und die Rezeption. Das Interview wurde unter der Überschrift „Ich lebe in Geschichten“ in der Zeitschrift Der Spiegel, Ausgabe vom 24. Januar 2000 abgedruckt. Als „Zusatzmaterial 4“ findet es sich auch im Heft EinFach Deutsch, S. 105-109. Schlink äußert sich im Interview wie folgt:

Das ist die Erfahrung meiner Generation: Da gab es den glänzenden Lehrer, der später als an irgendwelchen Furchtbarkeiten beteiligter ehemaliger SS-Mann enttarnt wurde, oder den Professor, dem ich viel zu verdanken habe und der sich einst massiv antisemtisch geäußert hatte.

Schlink im Spiegelinterview, hier zitiert nach EinFach Deutsch 2000, S. 107

Schlink verarbeitet diese Urerfahrung seiner Generation im Roman. Es geht um die Nachkriegsgeneration, die sich mit den Tätern ins Bett legte, weil sie den Lehrer bewunderte oder von der Protektion und Förderung des Professors profitierte. Diese Verstrickung erschwert für die Nachkriegsgeneration die Distanzierung von den Tätern und ihre Verurteilung. Die Täter waren eben, so gesehen, „keine Monster“.

Im Roman treibt Schlink dies auf die Spitze, wenn sich Michael (Nachkriegsgeneration) tatsächlich mit der KZ-Aufseherin Hanna (Tätergeneration), einer echten, schuldigen Täterin, ins Bett legt. Der Roman thematisiert hierdurch die Urerfahrung der Nachkriegsgeneration. Dieser Umstand erklärt auch, dass die Zeit des Nationalsozialismus im Roman nur eine untergeordnete Rolle spielt und nur in Rückblenden - u. a. im Prozess - zur Sprache kommt. Die Verbrechen sind Voraussetzung für das Romangeschehen, haben aber - in diesem Zusammenhang - keine weitere Bedeutung fürs Romangeschehen. Wenn man den Roman als Roman über die Nachkriegsgeneration liest, ist auch die - vor allem - angloamerikanische Kritik am Roman weniger stichhaltig. In den USA wurde die vermeintliche Verharmlosung der KZs unter dem Stichwort „Holocaust light“ kritisiert, weil die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht ausreichend dargestellt würden. Kritikpunkt war auch die Zeichnung der Hanna-Figur. Schlink belädt sie nur so viel mit Schuld, dass er das Geschehen - Hanna und Michael - über den ganzen Roman hin in der Schwebe halten kann.

Wäre Hanna mehr mit Schuld beladen, so hätte Michael im Roman die Verurteilung und damit die Distanzierung von Hanna viel leichter vollziehen können.

Nuvola apps edu miscellaneous.png   Unterrichtsidee

Als Abschluss der Reihe im Anschluss an die Rezeptionsgeschichte bietet sich ein Blick auf die Geschichte der frühen Bundesrepublik an. Die Romaninhalte können dann mit der realen Geschichte abgeglichen werden ...

  • Die Jüdische Zeitung setzt sich unter der Überschrift "Auschwitz für die Schule" sehr kritisch mit dem "Vorleser" auseinander:
"Der Roman treibt ein makaberes Spiel mit dem Leser. Eine KZ-Aufseherin, Inbegriff der Vernichtungsmaschinerie des Holocausts, wird als positive Figur eingeführt; bis zu ihrem Selbstmord am Tage vor ihrer Haftentlassung, und somit bis zum Ende des Romans, wird die Sympathie des Lesers auf sie gelenkt. Seht her, ein Mensch! Kein Monster, sondern eine junge Frau, eine Analphabetin, die einzig wegen dieses Mangels, den sie zeitlebens zu verbergen trachtet, in etwas «hineingerät» ... " (Karl-Josef Müller «Jüdische Zeitung», August 2008)

Der Film

Nach der erfolgreichen Vorführung des Films auf der Berlinale 2009, kommt der Film mit Kate Winslet und David Kross nun endlich in die deutschen Kinos. Im Vorfeld bleibt es spannend, wie viel Oscars der fünffach nominierte Film am 22. Februar bei der 81. Verleihung des begehrten Preises gewinnen wird.
"Die Dreharbeiten zu Bernhard Schlinks Bestseller „Der Vorleser“ mit Hollywoodstar Nicole Kidman in der Hauptrolle haben am Mittwoch in Berlin begonnen. An der Seite von Kidman wird der erst 17-jährige deutsche Schauspieler David Kross (“Knallhart“, „Krabat“) vor der Kamera stehen." (www.welt.de 19. September 2007)

Weitere Informationen

26. September 2007: "Keine Drehgenehmigung für Kidman-Film"
"Für die Verfilmung des Bestseller "Der Vorleser" hatte Regisseur Stephen Daldry Szenen im ehemaligen KZ Sachsenhausen bei Berlin vorgesehen."
28. September: "Zeitreise nach Görlitz"
"Für die Verfilmung von Bernhard Schlinks Bestseller „Der Vorleser" suchte der britische Regisseur Stephen Daldry ("Billy Elliot") ein unsaniertes Haus mit Ofenheizung und Nebengebäude. Ein Haus, das seine Bewohner nahtlos in die 50er Jahre zurückversetzt."
30. September: "Warum Nicole Kidman kein Pferd ist
"In der Verfilmung des Romans "Der Vorleser" soll Kidman die Rolle der Hanna spielen. Geht das?"
1. Oktober: Drehstart in Berlin für "Der Vorleser"
"Die Verfilmung des erfolgreichsten Buches aller Zeiten hält seit Wochen die Hauptstadt auf Trab."

Filmbesprechungen

  • PRESSESPIEGEL vom 12. Dezember 2008 bis 7. Februar 2009 (www.film-zeit.de)
"Oprah verhalf dem Roman "Der Vorleser" zum Spitzenplatz auf der New-York-Times-Bestsellerliste. Die Verfilmung kann selbst Kate Winslet nicht retten." (Von Jörg Häntzschel, Süddeutsche Zeitung 18.12.2008)
"Die Oscars für „Der Vorleser" und „Spielzeugland" zeigen erneut: Die Nazi-Zeit scheint noch immer das deutsche Thema zu sein - zumindest aus Sicht der Film Academy in Hollywood." ( 23. Februar 2009 14:59 - Von Peter Zander)
"Eine nackte Kate Winslet als ehemalige KZ-Aufseherin lädt ein zu reichlich kontroversen Diskussionen. Doch letztlich ist Stephens Daldrys Verfilmung von "Der Vorleser" nur eine brave Nacherzählung seiner Romanvorlage." (Von Daniel Sander SPIEGEL 26.2.2009)
"Zu der erstaunlichen Transformation, mit der Kate Winslet in diesem Film ihren Oscar erkämpft hat, gehört ihr Gang. Wie sie so im grauen Wintermantel durch die Straßen stapft, wirkt ihre ganze Erscheinung schwergängig, tiefergelegt, geländetauglich. Die Hüften scheinen mit jedem Schritt breiter zu werden. So laufen sonst nur Bäuerinnen im frühen sowjetischen Dokumentarfilm." (www.sueddeutsche.de)

Unterrichtsmodelle und Lektürehilfen

  • LiteraNova. Unterrichtsmodell mit Kopiervorlagen: Bernhard Schlink, Der Vorleser. Erarbeitet von Ekkehart Mittelberg. Cornelsen. ISBN 978-3-464-61634-5

Meinung

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Das Unterrichtsmodell aus der Reihe Einfach Deutsch besticht durch gute, Schüler aktivierende Ideen, gut ausgewählte Materialien und gut umsetzbare Arbeitsanweisungen in Verbindung mit hilfreichen Hintergrundinformationen und Lösungsvorschlägen.

Ein besonderes Bonbon ist ein Brief von Bernhard Schlink an die Autorinnen des Unterrichtsmodells, der zusammen mit der Antwort der Autorinnen die Funktion einer Einleitung übernimmt und in dem er Überlegungen und Erfahrungen mit der Rezeption seines Textes im Schulunterricht wiedergibt. - Dieser Brief eignet sich auch unabhängig vom "Vorleser" für die Auseinandersetzung mit Fragen der Behandlung von Literatur im Unterricht. --Karl.Kirst 19:26, 14. Dez. 2007 (CET)


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Linkliste

Siehe auch

Anmerkungen