Deutsch als Fremdsprache in der Grundschule

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Seit 2006 dürfen die niederländischen Grundschulen nach dem Grundschulgesetz (niederländisch: Wet op het Primair Onderwijs) die deutsche Sprache unterrichten[1]. In den Niederlanden ist Englisch Pflichtfach in der fünften und sechsten Klasse, deswegen ist der Fremdsprachenunterricht in der Grundschule hauptsächlich auf die englische Sprache gerichtet. Dieser Artikel möchte ein Plädoyer für die Einführung des Deutschunterrichts in der Grundschule sein und geht auf die Bedeutung des frühen Fremdsprachenunterrichts ein, wie es im Moment in der Praxis des frühen DaF-Unterrichts aussieht und wie der frühen DaF-Unterricht gestaltet werden könnte.

Inhaltsverzeichnis

"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr"

Das Lernen einer Fremdsprache in jungem Alter hat mehrere Vorteile. Aus Forschung geht hervor, dass Kinder sich bis etwa zum neunten Lebensjahr nicht nur eine Fremdsprache genauso einfach wie ihre Muttersprache aneignen, sondern auch in fortgeschrittenem Alter leichter Fremdsprachen lernen. Außerdem wird ein Kind sich der Existenz fremder Kulturen bewusst. Das ‚Fremdsprachen lernen‘ sei nicht nur der allgemeinen Sprachentwicklung, sondern auch den kognitiven Kompetenzen förderlich. Aus jüngerer Forschung geht jedoch hervor, dass ältere Lerner bei der gleichen Menge Input bessere Lernfortschritte zeigen als jüngere Altersgenossen, da sie besser entwickelte kognitive Kompetenzen haben. Es gibt keinen eindeutigen Nachweis dafür, dass jünger immer besser sei, aber die Fähigkeit eine Zweitsprache zu lernen nimmt, je älter ein Lerner wird, langsam aber sicher ab. Deswegen empfiehlt sich das Lernen einer Fremdsprache in der Grundschule gewiss.

Die derzeitige Praxis

In der Grundschule ist DaF ein fakultatives Fach; das heißt, Grundschulen dürfen Deutsch unterrichten, müssen es aber nicht. Da Deutsch kein Pflichtfach ist, sind auch keine Endziele formuliert worden. Eine Ausbildung als Deutschlehrer ist keine Anforderung: Der Schulträger bestimmt, ob ein Lehrer geeignet ist Deutsch zu unterrichten. Ein ausgebildeter Deutschlehrer darf allerdings in der Grundschule Deutschunterricht geben.

DaF-Unterrichtsmaterialien für die Grundschule sind an der ‚Talenacademie Nederland‘ erhältlich. Das Goethe Institut versorgt Fortbildungskurse und Grundschulen können am LinQ-Projekt teilnehmen, das das Verstärken vom Fremdsprachenunterricht in Deutsch und Französisch zum Ziel hat. Daneben können Subventionen bei der ‚Europäischen Plattform‘[2] (niederländisch: Europees Platform), beantragt werden, zum Beispiel für die Implementierungskosten des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule, aber auch für Sprachkurse in Deutschland.

Laut der Jahrübersicht 2012 der ‚Plattform frühzeitiger Fremdsprachenunterricht‘[3] (niederländisch: Platform vroeg vreemdetalenonderwijs), wird in 34 der insgesamt 860 Grundschulen mit frühem Fremdsprachenunterricht Deutschunterricht gegeben. Angaben über die Unterrichtsdauer pro Woche sind nicht bekannt.

Empfehlungen zum frühen Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht

In den Niederlanden sind umfassende Forschungen zu Englisch in der Grundschule durchgeführt. Die daraus hervorgehenden Ergebnisse und Empfehlungen[4] bieten ausreichende Ausgangspunkte für den frühen DaF-Unterricht.

Früh anfangen

Frühzeitiger Fremdsprachenunterricht hat positive Effekte, so geht aus Forschung hervor. Die allgemeine Spracheinsicht und das Selbstvertrauen werden vergrößert, und es wird ein Beitrag zur Toleranz in Hinsicht auf andere Kulturen geleistet. Daneben sind junge Lerner begeistert und motiviert eine Fremdsprache zu lernen. Man sollte in der Grundschule aus zwei verschiedenen Anfängerstufen wählen: Gruppe eins (Kindergarten) oder Gruppe fünf (die dritte Klasse).

Deutliche Endziele wählen

Deutlichkeit über das zu erreichen Endniveau ist wichtig. Für eine Grundschule, die in Gruppe eins mit Deutsch-als-Fremdsprache anfängt, sollte GER-Niveau A2 zu den Möglichkeiten gehören; für eine Grundschule, die in Gruppe fünf anfängt, sollte GER-Niveau A1 im Bereichen des Möglichen liegen. Der Fremdsprachenunterricht sollte in Gruppe acht (sechste Klasse) mit einer gültigen Endprüfung auf A1- oder A2-Niveau abgeschlossen werden.

Auf fortlaufende Lernlinien achten

Für einen angemessenen Anschluss ist Rücksprache mit dem Sekundärunterricht notwendig. Die Unterrichtsmaterialien und Handlungspläne sollten aufeinander abgestimmt werden, damit die Schüler auf der weiterführenden Schule nicht wieder bei null anfangen und in der Unterstufe des Sekundärunterrichts keine Unterrichtsstunden benutzt werden für bereits beherrschten Lernstoff.

Altersgemäße Gestaltung der Didaktik

Welche Didaktik eingesetzt werden sollte, um das gewünschte Endniveau zu erreichen, hängt vom Anfangsalter der Lerner ab. ‚Immersion‘, das Eintauchen in einer Fremdsprache, wäre in jedem Alter die effektivste Arbeitsmethode, aber Grammatik und Aussprache einer Fremdsprache werden in unterschiedlichen Altersstufen anders abgespeichert. In Gruppe eins sollte dann Hör- und Sprechfertigkeit betont werden; später, ab Gruppe vier oder fünf (die zweite oder dritte Klasse) könnten dann Grammatik und Lese- und Schreibfertigkeit hinzugefügt werden. Ein Kind ist ab Gruppe fünf imstande sich ein Ziel zu setzen; ein Sprachportfolio sei dann ein adäquates Instrument, Lernfortschritte festzulegen. Laut der ‚Plattform frühzeitiger Fremdsprachenunterricht‘[5] gibt es eine Dreiheit wesentlicher Voraussetzungen, um den frühen Fremdsprachenunterricht im Primärunterricht einzuführen:

  • Spielend lernen steht im Mittelpunkt.
  • Zielsprache = Verkehrssprache
  • Die Zielsprache und die niederländische Sprache werden nicht durcheinander verwendet.

Qualifizierte und/oder geeignete Lehrkräfte

Fortbildung für Lehrkräfte ist notwendig. Eine erfahrene Lehrkraft im Primärunterricht hat nicht immer genügend Kenntnis der deutschen Sprache oder der Didaktik des Fremdsprachenunterrichts um adäquat Deutschunterricht geben zu können. Eine qualifizierte Lehrkraft im Sekundärunterricht hat nicht immer die didaktischen und pädagogischen Fertigkeiten, die man im Primärunterricht braucht. Für Deutschlehrer sollte Kenntnis des ‚Immersionsunterrichts‘ ohnehin eine Voraussetzung sein.

Die Zukunft

Obwohl in den Niederlanden der frühe Fremdsprachenunterricht insbesondere auf Englisch orientiert ist, wird die Bedeutung der deutschen Sprache sicher eingesehen. In einem Kammerbrief[6] vom 10. Juli 2013 schreibt der Staatssekretär des Kultusministeriums, dass er so schnell wie möglich einen Gesetzentwurf vorlegen wird, den die Grundschulen gewährt 15% ihres Unterrichts in Englisch, Französisch oder Deutsch zu geben. Zur Zeit dieses Schreiben gibt es noch keine Gesetzesvorlage.

Fußnoten

  1. http://wetten.overheid.nl/BWBR003420/volledig/geldigheidsdatum_20-02-2014
  2. Kenntniszentrum für Internationalisierung der niederländischen Primär- und Sekundärunterricht
  3. Instanz, die die Koordination und Förderung der frühen Fremdsprachenunterricht zum Ziel hat
  4. http://www.onderwijsraad.nl: Publicatie 19 juni 2008 Vreemde talen in het Onderwijs
  5. http://www.europeesplatform.nl/vvto/over-vvto/
  6. Datei:Kamerbrief-met-plan-van-aanpak-engels-in-het-primair-onderwijs (2).pdf

Quellen

  • Adam, C. / Gonzalez, S. / Lunshof Venema, K. Vreemdetalenonderwijs op de basisschool. Waarom en hoe?Levende Talen Magazine 97/1, p. 24-28
  • Cito. Leerlingen met Engelse les vanaf kleuterklas spreken deze taal beter Levende Talen Magazine 100/8, p. 9
  • Hunecke, H.W. / Steinig, W. (2010). Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung5., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag GmbH & Co.
  • Lobo, V.R. Hoe eerder, hoe beter? Meningen en ervaringen bij Engels in groep 1 en groep 3 o de basisschool Levende Talen Tijdschrift 14/4, p. 3-13
  • Persson, L. Engels voor kleuters. Een eerste verkenning naar de vormgeving van vroeg vreemdetalenonderwijs in Nederland Levende Talen Tijdschrift 13/2, p. 25-32
  • Roche, J. (2008). Fremdsprachenerwerb Fremdsprachendidaktik2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co.KG
  • Vossen, C. / Lunshof-Venema, K. Studiedag Frans en Duits op de basisschool Levende Talen Magazine 92/6, p. 34-36
  • Wilgenburg van, O. / Hotje, S. / Deelder, E. TTO, LinQ, VVTO. Versterking van het talenonderwijs Levende Talen Magazine 100/7, p. 32-34
  • www.europeesplatform.nl