Diskussion:Jean-Jacques Rousseau/Über Erziehung

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Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) verfasste ein Grundlagenwerk zur Pädagogik und zwar den Emile - oder über die Erziehung:

Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen. Der Mensch zwingt ein Land, die Erzeugnisse eines anderen hervorzubringen, einen Baum, die Früchte eines anderen zu tragen. Er vermengt und vertauscht das Wetter, die Elemente und die Jahreszeiten. Er verstümmelt sein Hund, sein Pferd, seine Sklaven. Alles dreht er um, alles entstellt er. Er liebt die Mißgeburt, die Ungeheuer. Nichts will er haben, wie es die Natur gemacht hat, selbst den Menschen nicht. Man muß ihn, wie ein Schulpferd, für ihn dressieren; man muß ihn nach seiner Absicht stutzen wie einen Baum seines Gartens. ….”

Jean-Jacques Rousseau, Emil oder Über die Erziehung., 13. Aufl. (UTB, Stuttgart, 1998) S. 9.

Wenn man auf Kant zurückgreift wird Erziehung notwendig, um aus der Unmündigkeit hervorzutreten. Deutlicher wird es bei Rousseau “Man muß ihn, wie ein Schulpferd, für ihn dressieren; man muß ihn nach seiner Absicht stutzen wie einen Baum seines Gartens… Heute würde es kein Pädagoge mehr wagen von Dressur zu sprechen. Allerdings gerät man bei pädagogischer Erziehung in ein Dilemma und das liegt in der Eigenstruktur der Erziehung. [...] Bremer Studentenblog ThS01

Rousseau kritisiert das Dressieren und fordert:
“Stellt ihm Fragen, die seiner Fähigkeit entsprechen, und laßt ihn sie selbst lösen. Er soll nichts wissen, weil ihr es ihm gesagt habt, sondern weil er selbst es verstanden hat. Er soll die Naturwissenschaft nicht erlernen, er soll sie finden. Setzt ihr jemals in seinem Kopf die Autorität an die Stelle des Verstandes, wird er nicht mehr denken und nichts anderes mehr sein als das Spielzeug fremder Meinungen.”

vgl. Rousseau über Erziehung

zit. von Fontane44

Dies erreicht Rousseau aber mit sehr fragwürdigen Mitteln. Es gibt eine Stelle in Emile, dort ist die Rede von einer magnetischen Ente. Es handelt sich dabei um ein Kunststück eines Magiers auf einem Wochenmarkt. Emile denkt darüber nach wie der Magier diese Kunststück wohl fertig gebracht hat und kommt auch dahinter. Tappt aber promt ein eine nächste Falle, die im der Erzieher (Rousseau) gestellt hat. Der ganze Rummel um dieses Kunststück wurde nur vom Erzieher inszeniert. Mit anderen Worten ist das nur eine Art “Truman Show”, in der Emile Mr. Truman Burbank darstellt. An dieser Stelle wird es fragwürdig. Ist es Dressur oder freie Entfaltung? Bremer Studentenblog ThS01--ThS01 14:41, 23. Apr. 2009 (UTC)

Ob Rousseaus Mittel fragwürdig sind ist ein Thema.
Er kritisert die "Dressur" und setzt dieser Dressur ein positives Menschenbild entgegen. Kant in diesem Zusammenhang als positives Besipiel zu bringen, halte ich für gewagt. Ihm geht es um eine Reihenfolge
- disziplinieren, zivilisieren, kultivieren und moralisieren. Ein Schritt nach dem anderen. Oder, wie er schreibt, die natürliche Wildheit des Menschen unterdrücken, während Rousseau von der guten Natur des Menschen ausgeht.
Unterschiedliche Menschenbilder: Rousseau:, das Gute, das durch die Erziehung schlecht wird, Kant: das Schlechte, das durch die Erziehung gut wird. -- Benutzer:Mueller.rv, 29. März 2010

Ist etwa Martins “Lernen durch Lehren” kein pädagogisches Arrangement? Und ist es deswegen falsch, den Schüler weitergeben statt stets nur aufnehmen zu lassen? --Fontane44 09:46, 23. Apr. 2009 (UTC)

Dressur oder Erziehung?

hmm! Ich glaube ich habe es falsch angefangen. Einerseits glaube ich, dass man diese Lernsituationen nicht miteinander vergleichen kann, da Emile nichts von seiner Situation weiß die Schüler von Martin sehr wohl. Und zum Anderen ist das aber, so glaube ich, nicht der springende Punkt, sondern der Begriff der Dressur, bzw. das Anliegen Rousseaus den Menschen zu erziehen. Die Erziehung von Emile geschieht durch die 3 Erzieher: Die Natur oder die Menschen oder die Dinge. Diese Erzieher dürfen sich nicht wiedersprechen. Jean-Jacques Rousseau, Emil oder Über die Erziehung., 13. Aufl. (UTB, Stuttgart, 1998) S. 10

Mit dem Wort Dressur kritisiert R. die Erziehung, die er ablehnt. Er will, dass der "Zögling" eigenständig zur Erkenntnis gelangt. Nicht der Erzieher, sondern die Umwelt soll ihn lehren. Dafür darf sich der Erzieher nicht als die interpretierende Instanz aufbauen (d.h. er darf dem, was der Zögling von Dingen und Natur erfährt, nicht widersprechen). So habe ich es in Erinnerung. Die konkrete Stelle müsste ich mir aber noch genauer ansehen. - Im Augenblick muss ich hier aber mal Pause machen, weil allerlei anderes angefallen ist, das erst einmal erledigt werden muss. --Fontane44 16:40, 23. Apr. 2009 (UTC)