Dramendidaktik

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Gegenstand der Dramendidaktik ist das Drama.

„Um dramatischen Texten in der Schule gerecht werden zu können, bedarf es einer sinnvollen Verbindung von gattungspoetischen, theaterpädagogischen und produktionsorientierten Verfahren, wobei die Schwerpunkte - je nach konkretem Unterrichtsvorhaben und Jahrgangsstufe - durchaus verschieden gelagert sein können.“[1]

Inhaltsverzeichnis

Didaktische Konzepte

Der gattungstheoretische Ansatz

Der gattungstheoretische Ansatz setzte sich zu Beginn der 70er Jahre durch und fand vor allem in die Lehrpläne für die gymnasiale Oberstufe Eingang.[2] Eine Fortentwicklung des Ansatzes ist allerdings seit den 1980er Jahren unterblieben.[3] Der Ansatz konnte sich vor allem deshalb durchsetzen, weil er zu einem pragmatischen, auf Leistungsüberprüfung der Schülerinnen und Schüler angewiesenen Unterrichtsalltags passt. Im Vordergrund einer gattungstheoretischen Dramendidaktik steht die Analyse dramatischer Strukturelemente sowie die Vermittlung historischen Wissens über die Gattung. Zu den dramatischen Strukturelemten gehören Handlung, Figuren, Konflikt, Ort, Dialog und Zeit.[4] Neuere Entwicklungen, wie das Szenische Interpretieren sowie produktions- und handlungsorientierte Methoden werden nach Bogdal und Kammler in einen gattungstheoreitsch orientierten Dramenunterricht eklektisch integriert.[5]

Der theaterpädagogische Ansatz

Der theaterpädagogische Ansatz geht einher mit einer Abkehr von der „Reduzierung des dramatischen Textes als Lesestoff“.[6] Dies ist seit den 1970er Jahren unstrittig.[7] Das „Prinzip Theatralität“ soll im Deutschunterricht breiteren Raum einnehmen.

Siehe auch: Szenisches Spiel.

Grundlagenliteratur: Scheller 1996 u. a.

Der produktionsorientierte Ansatz

→ Produktionsorientierung im Deutschunterricht

Beim produktionsorientierten Ansatz geht es um das „Erzeugen von neuen Texten bzw. Textteilen und Textvarianten“.[8]

Grundlagenliteratur:

Folgende Webseiten sind noch auszuwerten:

Der sprachanalytische Ansatz

Berücksichtigt den Lernbereich „Reflexion über Sprache“.

Der medienpädagogische Ansatz

Drama und Theater spielen auch eine Rolle im Rahmen des Konzepts einer „integrierten Medienerziehung“.

Methodisches zum Umgang mit Dramen (Überblick)

Es lassen sich drei Bereiche unterscheiden:

  1. produktionsorientierte Verfahren (Änderungen, Neuerungen, Experimente, Erweiterungen)
  2. handlungsorientierte Verfahren (szenisches Lesen, Standbilder, eigene Inszenierung)
  3. analytische Verfahren (Situation, Handlung, Figuren, Monologe und Dialoge)

Unterrichtsverfahren

Strukturbild der Schauplätze zeichnen

Schülerinnen und Schüler zeichnen ein Strukturbild, welche Orte im Drama eine Rolle spielen. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn diese Handlungsorte bestimmte „Welten“ oder „Ideen“ repräsentieren. Das Strukturbild soll Auskunft darüber geben, welche Handlungen in diesen Sphären stattfinden und wofür sie stehen.

Aufbau eines Dramas grafisch darstellen

Die Schülerinnen und Schüler zeichnen eine „Kurve“ des Handlungsverlaufs und präsentieren ihre Ergebnisse. Die sich anschließende Diskussion wird sich um Höhe- und Wendepunkte sowie um steigende und fallende Handlung drehen. Das Freytagsche Modell kann eingeführt und die zugehörigen Fachbegriffe können angewendet werden; das Modell kann als im konkreten Fall unpassend erkannt werden.

Figurenkonstellation des Dramas darstellen

Die Schülerinnen und Schüler stellen die Figurenkonstellation eines Dramas grafisch dar, wobei sie die Beziehungen der Figuren untereinander klären. Alternativ kann dies auch durch Statuen erfolgen.

Rollenbiografie oder Rollenprofil schreiben

Die Schülerinnen schreiben eine Selbstdarstellung einer Figur in der Ich-Form, was dazu führt, dass sie ein Verständnis der Person entwickeln. Sie verarbeiten hierbei Informationen des Textes und aktivieren subjektive Vorstellungen und Bilder, die sie von der Figur haben. Das Verfahren kann durch den Lehrer z. B. durch Bereitstellung eines Fragenkatalogs bzw. durch die Bereitstellung von Materialien zum historischen Kontext, in dem ein Drama angesiedelt ist, unterstützt werden.

Äußere Haltungen einer Figur suchen

Die Schülerinnen und Schüler verkleiden sich und probieren anschließend aus, wie sich eine Figur bewegt oder wie sie spricht. Auch Verkleidung und Schminke kann hier zum Einsatz kommen.

Innere Haltungen suchen

Die Schülerinnen und Schüler führen eine typische Handlung oder Lieblingsbeschäftigung ihrer Figur aus und sprechen aus Rolle heraus über Probleme, die die Figur gerade beschäftigen.

Rollengespräche führen

Die Schülerinnen und Schüler führen in der Rolle einer Figur ein Gespräch mit einer Person ihres Vertrauens. Sie teilen sich ihr mit bzw. holen hier Rat ein.

Leerstellenszenen spielen

Schülerinnen und Schüler erarbeiten kurze Dialoge, die im Drama gegebene Leerstellen füllen und spielen sie vor der Klasse vor. In Betracht kommen solche Leerstellen, die für das Verständnis einer Figur oder einer Szene von Bedeutung sein könnten. Es ergibt sich eine Diskussion über die unterschiedliche Ausgestaltung der Leerstelle.

Eine Gerichtsverhandlung spielen

Eine Gerichtsverhandlung kann von den Schülerinnen und Schülern gespielt werden, um soe die Schuldfrage zu diskutieren. Sowohl eine Dramenfigur, als auch der Autor können dabei angeklagt werden. Als relativ anspruchsvolle Aufgabe setzt eine Gerichtsverhandlung gute Textkenntnisse und eine gründliche Vorbereitung voraus.

(Fernseh-)Nachricht verfassen

Eine Nachricht für den Hörfunk oder das Fernsehen verfassen, die über eine zentrale Begebenheit des Dramas informiert. Bei der Fernsehnachricht können Bilder illustrierend hinzugefügt werden.

Talkshow spielen

Schülerinnen und Schüler veranstalten eine Talkshow zu einem Drama, wobei verschiedene Positionen zu Wort kommen.

Interview führen

Schülerinnen und Schüler führen ein Interview mit dem Autor oder einer Figur des Dramas.

Standbilder bauen

→ Standbilder

Schülerinnen und Schüler bauen Standbilder. Das Verfahren eignet sich hier, um eine Stimmung oder ein Gefühl in einer bestimmten Situation zum Ausdruck zu bringen, um das Verhältnis von Figuren in einer Szene darzustellen oder um einen entscheidenden Moment der Dramenhandlung in „angehaltener Bewegung“ einzufangen.

Dialoganalyse

→ Dialoganalyse

Grundsätzlich wird gefragt, wie die Figuren durch ihre Sprache charakterisiert werden und sich das wechselseitige Verhältnis zueinander im Sprachgestus ausdrückt. Bei der Dialoganalyse können die Techniken der Verknüpfung von Rede und Replik untersucht werden. Andeutungen und verdecktes Sprechen können im Rahmen der Dialoganalyse offen gelegt werden und als Ausdruck eines Kalküls oder einer Intrige begriffen werden.

Literatur

  • Keith Johnstone: Improvisation und Theater. Berlin: Alexander 2000.
  • Marcel Kunz: Spieltext und Textspiel. Szenische Verfahren im Literaturunterricht der Sekundarstufe II. Seelze: Kallmeyer 1997.
  • Franz-Josef Payrhuber: Dramen im Unterricht. In: Taschenbuch des Deutschunterrichts. Bd. 2: Literaturdidaktik. Hrsg. von Günter Lange, Karl Neumann und Werner Ziesenis. Baltmannsweiler: Schneider 61998, S. 647-668.
  • Ingo Scheller: Szenisches Spiel. Handbuch für die Pädagogische Praxis. Berlin: Cornelsen 32002.
  • Günter Waldmann: Produktiver Umgang mit dem Drama. Eine systematische Einführung in das produktive Verstehen traditioneller und moderner Dramenformen und das Schreiben in ihnen. Für Schule (Sekundarstufe I und II) und Hochschule. Baltmannsweiler 52008.

Linkliste

Anmerkungen

  1. Abraham und Kammler 2005, S. 4.
  2. Bogdal und Kammler 42006, S. 184-185.
  3. Bogdal und Kammler 42006, S. 184-185.
  4. Bogdal und Kammler 42006, S. 184-185.
  5. Bogdal und Kammler 42006, S. 184-185.
  6. Göbel 1977, S. 5.
  7. Freilich ist er nicht so unstrittig, dass es nicht auf Diskussion:Theater eine interessante Diskussion aud dem Jahre 2009 dazu gäbe.
  8. Haas, Menzel und Spinner 1994, S. 18.

Siehe auch