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Erlebnispädagogischer Projektunterricht

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Der Erlebnispädagogische Projektunterricht ist eine Unterrichtsform, die in den Klassen 3 bzw. 4 entwickelt wurde. Praktiziert wird sie vom GHS-Lehrer Eberhard Georg Borner.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Erlebnispädagogischer Projektunterricht?

Pädagogischer Ansatz

Der Erlebnispädagogische Projektunterricht sieht sich in der Tradition der Reformpädagogik. John Deweys Pädagogik ("learning by doing") mit seiner Erziehung zur Demokratie in einer demokratischen Schule spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.[1]

"Demokratie ist mehr als eine Regierungsform; sie ist in erster Linie eine Form des Zusammenlebens, der gemeinsamen und miteinander geteilten Erfahrung."[2]

Grundlegend für Deweys Denken und damit auch für die Begründung des Projektunterrichts war die Philosophie des amerikanischen Pragmatismus. Der Pragmatismus (von griech. pragma „Sache“, „Handlung“) bezeichnet eine philosophische Richtung, die das Erkennen und die Wahrheitsbildung eng mit den Handlungen, die in der Lebenswelt ausgeführt werden, verbindet und aus der gelebten Erfahrung zu Theoriebildungen und deren Veränderungen im Laufe der Zeit findet.

"Erfahrung" ist für Dewey die Grundlage des Unterrichtes: "Selbst der Kindergarten und die Montessori-Methoden haben es so eilig, ohne Zeitverschwendung zu Begriffsunterscheidungen zu gelangen, dass sie dazu neigen, die unmittelbare und natürliche Handhabung des vertrauten Erfahrungsmaterials zu mißachten oder zu beschränken und dem Schüler sogleich Material zuzuführen, in dem die begrifflichen Unterscheidungen zum Ausdruck kommen, die die Erwachsenen ausgebildet haben." (J. Dewey: Demokratie und Erziehung; Weinheim 1993; S. 205)

Es handelt sich hauptsächlich um einen pädagogischen Ansatz, der aus der praktischen Arbeit mit Schulkindern heraus entstanden ist. Erfahrungen, wie sie in den verschiedensten schulischen Einrichtungen gemacht wurden, unter anderem in einem Heim für geistig Behinderte, einer Krankenhausschule für neurologisch geschädigte Kinder und Jugendliche, einer Förderschule, einer Hauptschule und einer Grundschule, liegen diesem Ansatz zugrunde.

Der Erlebnispädagogische Projektunterricht erhebt den Projektgedanken zum durchgängigen Unterrichtsprinzip. Sämtliche Themen werden weitgehend in Projektform behandelt. John Dewey hat in seinem Werk "Demokratie und Erziehung" diese Form des Erfahrungslernens klar benannt:

"Worauf es mir hauptsächlich ankommt, ist die Einsicht, dass kein Gedanke, kein Begriff als solcher von einer Person auf eine andere übertragen werden kann. (...) Nur wenn er selbst mit den Problemen ringt, seinen eigenen Ausweg sucht und findet, denkt er. Wenn Vater, Mutter oder Lehrer für die Umwelt gesorgt haben, die zum Denken anregt, wenn sie an den Betätigungen des Lernenden inneren Anteil nehmen, mit ihm in einen gemeinsamen Vorgang des Erfahrens eingehen, so haben sie alles getan, was ein zweiter tun kann, um das Lernen zu fördern. Das übrige bleibt die eigene Aufgabe des Lernenden."[3]

Die Schüler sollen also nicht vorgefertigtes Wissen schön aufbereitet, eingeleitet durch einen raffinierten "Einstieg" übernehmen, sondern sie sollen selber den Lernprozess aktiv gestalten, nachdem sie bereits zuvor die Lerninhalte an ihren Interessen ausgerichtet haben. John Dewey hat diesen pädagogischen Ansatz, den er auch als Ergebnis einer fortschreitenden naturwissenschaftlich-experimentellen Vorgehensweise sah, philosophisch begründet:

"Der Geist ist in der Welt als ein Teil ihres voranschreitenden Prozesses. Er ist als Geist durch die Tatsache charakterisiert, dass überall da, wo er auftritt, die Veränderungen in einer zielgerichteten Weise stattfinden, so dass eine Bewegung in einer definiten einsinnigen Richtung - vom Zweifelhaften und Konfusen zum Klaren, Gelösten und Beruhigten - erfolgt. Der historische Übergang, den Dewey als kopernikanische Wende bezeichnet, ist der Übergang vom Wissen als einem Betrachten von außen zum Erkennen als aktiver Teilnahme am Drama einer sich voranbewegenden Welt."[4]

Der Projektunterricht ermöglicht diese "aktive Teilnahme" am Lernprozess. Die Kinder gestalten pro Schuljahr ca. 6 Projektthemen. Von mal zu mal werden sie geschickter in der Durchführung der Projekte, sicherer in der Wahl der Themen, die sie interessieren und die auch durchführbar sind. Die ständige Vernetzung aller Themen stellt zunehmend Zusammenhänge her und bringt den Lernprozess spiralförmig auf immer höhere Niveaus.

Begleitende Werteerziehung und intensiver Literaturunterricht ergänzen diesen Projektunterricht.

Der erlebnispädagogische Charakter

Wichtig ist der erlebnispädagogische Charakter dieses Projektunterrichtes. Jedes Projekt muss im Zusammenhang stehen mit einem Erlebnis, das außerhalb der Schulmauern stattfindet. Die Projektarbeit gipfelt geradezu in einer Aktivität, die an einem Ort stattfindet, der das Projektthema beispielhaft erklärt. Für die Kinder ist dieser anstehende "Ernstfall" eine enorme Motivation für ihre Arbeit. Am deutlichsten ist dieser Zusammenhang bei der Theaterarbeit, die immer in eine außerschulische Aktivität mündet. Aber auch jedes andere Thema muss in ein "Erlebnis" außerhalb der Schule münden.

Das Thema "Briefe schreiben" muss zunächst einen für die Kinder nachvollziehbaren Sinnzusammenhang haben, beispielsweise ein Briefkontekt mit einer anderen Klasse. Die "Erlebnispädagogik" würde dann darin bestehen, diese Klasse an ihrem Wohnort zu besuchen, ein Schullandheimaufenthalt beispielsweise dorthin zu machen und sich den Ort von den dortigen Kindern zeigen zu lassen. Das Thema "Steinzeit" muss in einen Ausflug in einen "Steinzeitpark" und in den Besuch eines Museum münden, beim Thema "Meerestiere" wird es schwierig, ein "Erlebnis" außerhalb der Schulmauern zu organisieren. Für Konstanzer Kinder wäre das "Sealife" naheliegend, möglichst die miterlebte Fütterung von Meerestieren etc.

Beim Projekt "Kartoffeln" waren die Kinder eingeladen, auf die Insel Mainau zu kommen und dort eine Ausstellung zum Thema "Kartoffeln" zu eröffnen. Sie mussten einen Wissensparcour bearbeiten und erhielten eine ausführliche Führung mit anschließenden Experimenten. Die Projektarbeit in der Schule führte auf dieses Erlebnis hin, die Kinder wussten, dass sie auf Wissensfragen werden antworten müssen. Beim Projekt "Zirkus" wurde das Winterlager des Zirkus "Royal" in Kreuzlingen besucht. Ein Zirkuskind vom Zirkus Royal, das über den Winter in der Stephansschule zur Schule ging, zeigte uns alle Zirkustiere. Etwas später wurde dann noch ein Zirkusbesuch beim Zirkus Knie organisiert. Die Kinder arbeiteten durch diese zusätzliche Motivierung in der Vorbereitung auf viel höherem Niveau. Jedes Projektthema ist mit einem "Erlebnis" verbunden. Die Begegnung mit dem "Ernstfall" motiviert die Kinder ungemein.

Prinzipien

Die Prinzipien, wie sie für den Projektunterricht gelten, haben auch für den Erlebnispädagogischen Projektunterricht ihre Gültigkeit.

  • Vernetzung mit anderen Themen
  • Die Kinder bringen ihre eigenen Interessen ein.
  • Die Kinder organisieren die Projektarbeit möglichst selber. Der Lehrer unterstützt die Kinder hierbei.
  • Die ausgewählten Themen haben eine Bedeutung für die Kinder.
  • gemeinsame, zielgerichtete Projektplanung
  • Die Kinder recherchieren selbständig. Sie bedienen sich aller zur Verfügung stehender Medien, zunehmend auch des Internets. Bücher verlieren daneben nicht an Bedeutung.
  • Die Projekte münden am Ende immer in eine Projektpräsentation.
  • Einbeziehung künstlerischer Aktivitäten. Alle Sinne sollen angesprochen werden.
  • Die Kinder lernen gemeinsam. Teamarbeit steht im Vordergrund. Daneben haben aber auch Einzelinteressen ihren Platz.
  • Projekte sind fächerverbindend.

Veränderte Lehrer- und Schüleraktivitäten

Die Aufgaben des Lehrers

  • Moderationsaufgaben (Themenermittlung; Lerngänge; welche Spezialisten; welche Referate; welche Interessen bestehen;)
  • Sammeln von Informationen (Antiquariate; didaktisch aufbereitete Werke; passende Klassenlektüre finden)
  • Organisationsaufgaben (Lerngänge organisieren; Spezialisten kontaktieren; )
  • photographische Dokumentation
  • Betreuung der Klassenhomepage
  • Arbeitsanweisungen, Fragen ... zu thematisch passenden Informationsblättern entwickeln
  • Klassenlektüre didaktisch aufbereiten
  • thematische Abstimmung mit anderen Fächern
  • Einbeziehung der Eltern und anderer Lehrer in die Projektarbeit - Terminabstimmung
  • Projektordner (handwerklich) herstellen
  • Projektabschlussfest bzw. Präsentation vorbereiten

Die Aufgaben der Schüler

  • gemeinsame Projektauswahl
  • Entwicklung und Bearbeitung eigener Schwerpunkte (thematische Auswahl aus einem Angebot; Referate; künstlerische Arbeiten; Modelle ...)
  • Recherche in Bücherei, in mitgebrachten Büchern und anderen Informationsschriften, auch im Internet. Die Kinder sammeln während der gesamten Projektarbeit weiter Informationen und bringen sie mit in die Schule.
  • Sehr viel Textarbeit; sämtliche Informationen werden gründlich bearbeitet, einige davon anhand von Arbeitsaufgaben; ca. 100 Fragen und Aufgaben zur Klassenlektüre
  • Ein Referat in Gruppenarbeit machen; Organisation der gemeinsamen Arbeitsschritte; Arbeit an der Klassenhomepage
  • Gestaltung eines Projektordners
  • Gestaltung einer Präsentation, eines Auftrittes

Freiarbeit

Die Freiarbeit wird im Projektunterricht anders definiert als zum Beispiel in der Montessori-Pädagogik. Beim Projektunterricht arbeiten die Kinder nicht regelmäßig in festgelegten Freiarbeitsphasen an eigenen Interessensgebieten, sondern eher sporadisch bzw. innerhalb klar umrissener Phasen. Natürlich kann es vorkommen, dass ein Kind bei sehr starken persönlichen Interessen, die beispielsweise während eines Projektes entstehen, die aber in eine ganz andere Richtung führen, ausnahmsweise parallelen Aktivitäten nachgeht.

Der Projektunterricht legt großen Wert darauf, dass die Kinder immer ein gemeinsames Thema bearbeiten. Das gemeinsame Arbeiten wird vom Projektunterricht als zentrales Moment angesehen. Die Kinder sollen nicht allein vorgehen, sondern meist an einem Projekt mitwirken, bei dem es selbstverständlich auch seine eigenen speziellen Interessen einbringen soll, möglichst aber im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel. Der Projektunterricht will kein vereinzeltes Lernen, keine individualistischen Lernprozesse, was dies aber parallel dazu nicht ausschließt. Kein Unterrichtsprinzip wird dogmatisch gesehen. Es soll aber vorrangig ein gemeinsamer Schaffensprozess und damit verbunden eine positive Gruppendynamik geweckt und gefördert werden. Der Unterschied zum klassischen Frontalunterricht ist deutlich. Nicht der Lehrer gibt die Arbeitsgebiete vor, sondern die Kinder untersuchen ein Thema unter einem eigenen Aspekt. Dies tut es nicht losgelöst von den anderen Mitschülern, sondern es trägt zu einem gemeinsamen Ergebnis bei. Dem allzu großen Individualismus, dem gegenwärtige pädagogische Schulen frönen, wird damit vorgebeugt. Das Kind wird auf diese Weise auch angemessen auf die Arbeitsmethoden der modernen Arbeitswelt vorbereitet, die ein hohes Maß an Teamfähigkeit und eben nicht das eigenbrötlerische Arbeiten vorsieht.

Der Projektunterricht berücksichtigt dabei aber durchaus, dass die Kinder in der Klasse sehr unterschiedlich an Themen herangehen und lässt ihnen die Freiheit, eigene Aspekte einzubringen. Die Kinder dürfen frei arbeiten, aber immer mit einem gemeinsamen Ziel. So wollte sich beispielsweise bei allen Projekten ein Junge bastlerisch betätigen, indem er sich immer um die Gestaltung der Modelle kümmerte, andere Kinder liebten es, sich bei Projekten mit Aspekten der Natur zu befassen, andere Kinder betätigten sich gerne mit künstlerischen Beiträgen usw., jeder gemäß seiner Begabung und seinem Interesse. Grundlegende schriftliche Arbeiten waren aber immer für alle verpflichtend.

Schreibwerkstatt/Literaturunterricht

Der Projektunterricht bietet ununterbrochen Anlässe fürs Schreiben und Lesen. Die Inhalte selber erfordern ständiges lesendes Erarbeiten, die Arbeitsergebnisse, Zwischenergebnisse, Notizen erfordern ständiges Schreiben.

Neben diesen Schreibanlässen wird der Schreib- und Leseunterricht angereichert mit gezieltem, anspruchsvollem sprachlichem Handeln.

Schreibwerkstatt

Neben den alltäglichen Schreibanlässen müssen beim Projektunterricht Referate erstellt werden, die in einer vorgegebenen, sachlich begründeten Form verfasst werden müssen.

Großer Wert wird auf Schreibanlässe gelegt, die die Kinder zum freien Schreiben anregen. Erlebnisse werden aufgeschrieben, die häufig im Zusammenhang mit den Projekten stehen. So sollten sich die Kinder beim Projekt „Steinzeit“ selber in die Rolle von Steinzeitmenschen begeben und aus diesem Blickwinkel Geschichten schreiben. Sie sollten über den Ausflug zum Brudertal und über die Besichtigung des Steinzeitparkes einen Erlebnisaufsatz schreiben und die entstanden Texte ihren Projektbüchern beilegen.

Bei den Projekten entstehen ganz natürlich zahlreiche Schreibanlässe, die die Kinder ganz unmittelbar zum Schreiben anregen.

Der Schullandheimaufenthalt in Kißlegg wurde durch einen Briefkontakt mit der Partnerklasse vorbereitet. Zahlreiche Briefe gingen zwischen den Kindern der beiden Grundschulen hin und her. Auch hier wollen die Kinder schreiben, Schreiben ist kein Zwang, sondern ein Bedürfnis, um sich mitzuteilen. Der eigentliche Sinn des Schreibens, nämlich Mitteilung, wird sofort erfahren und motiviert die Kinder unmittelbar.

Beim Schullandheimaufenthalt wird Tagebuch geführt. Wieder ein für die Kinder nachvollziehbarer Schreibanlass. Das Tagebuch wird dem Projektbuch „Kißlegg“ beigelegt. Eine wunderbare Erinnerung an diese gemeinsamen Tage.

Nach dem Schullandheimaufenthalt, nach dem die Kinder von Erlebnissen ganz erfüllt waren, war es den Kindern geradezu ein Bedürfnis, die bedrängensten Erlebnisse (in diesem Fall der Sturm und das Gewitter) zu Papier zu bringen und in der Klasse vorzulesen. Überhaupt werden möglichst viele Texte in der Klasse vorgelesen, was die Kinder sehr motiviert. Alles wird in das Projektbuch eingeheftet.

Die Projektbücher werden am Ende benotet und den Eltern vorgelegt. Diese Note ist eine wichtige Grundlage für die Note in MNK. Daneben gibt es in MNK noch Klassenarbeiten, bei denen allgemeines, grundlegendes Wissen aus den Projekten überprüft wird. Die Testergebnisse sind aber für die Endnote nicht so wichtig.

Daneben gibt es aber auch noch den klassischen Aufsatzunterricht, der parallel zu den Projekten durchgeführt wird. Schreibgrundlagen werden speziell auf die unterschiedlichen Aufsatzformen hin trainiert. Beispielsweise müssen die Kinder eigene Fabeln schreiben, ein Thema knüpfte an eine Klassenlektüre an, bei der es um „einen besonderen Ort“ ging. Die Kinder mussten ebenfalls über einen besonderen Ort schreiben. Diese acht Aufsätze pro Schuljahr verbleiben aber auf keinen Fall in den Aufsatzheften, die Kinder müssen jeden Aufsatz ins Reine schreiben, erlaubt ist auch der Computer als Schreibgerät. Die Reinschrift aller Kinder wird dann zusammengefasst in ein Thema – Buch (beispielsweise „Fabeln“, „Zwischen den Jahren“, „Feriengeschichten“...). Im Laufe eines Schuljahres gibt es dann acht Themenbücher, die immer ausliegen und die die Kinder immer wieder gerne in die Hand nehmen. Am Ende der Grundschulzeit werden diese Themenbücher aufgelöst und jedem Kind in sein Abschlussbuch eingeheftet. Die Kinder haben am Ende ihrer Schulzeit möglichst alle Aufsätze aus den vergangenen beiden Jahren in ihrem Abschlussbuch.

Literaturunterricht

Klassenlektüre

Die Kinder beschäftigen sich durchgehend mit einer Klassenlektüre. Das Buch wird häufig passend zum Projekt ausgewählt. Jedes Kind erhält das jeweiligen Buch, um es auch zu Hause lesen und die angehefteten Verständnisfragen bearbeiten zu können. Daneben werden aber auch anspruchsvolle Bücher der Kinderliteratur ausgewählt und zusammen gelesen.

Den Klassenlektüre-Exemplaren waren ca. 50 bis 100 Arbeitsaufträge, Verständnisfragen, Malaufgaben etc. angeheftet, die anschließend im Projektordner gesammelt wurden. Bei den Theaterprojekten waren es die Textbücher, die gemeinsam gelesen wurden, bei den anderen Projekten standen jeweils literarisch anspruchsvolle Geschichten mit zahlreichen Hintergrundsinformationen in einem sachlichen Zusammenhang zu diesen und bereicherten sie. Hierbei wurde darauf geachtet, dass inhaltlich befremdliche Aspekte (Lebensverhältnisse, Jagd- und Kampfszenen ...) gegebenenfalls in ihrem kulturhistorischen Kontext gesehen und erklärt wurden. Es wurde aus diesen Klassenlektüren fast jeden Tag in der Klasse gelesen. Jede freie Minute wurde genutzt, um entweder gemeinsam zu lesen oder um die Kinder ein Kapitel selber lesen sowie die dazu gehörenden Verständnisfragen beantworten zu lassen. Das Textverständnis wurde dadurch kontinuierlich trainiert. Beim gemeinsamen Lesen bekamen die Kinder Lesepässe, die eine Bewertung von den Leistungsstufen A bis E ermöglichten. Die Kinder hatten einen enormen Ehrgeiz, ihre Leseleistungen zu verbessern, um einen neuen, besseren Lesepass zu erhalten.

Lesezirkel

Für jedes Schulhalbjahr wurde eine Anzahl Kinderbücher ausgewählt und dann den Kindern zur Verfügung gestellt. Es wurde eine Ausleihliste geführt, um den Überblick nicht zu verlieren. Die Kinder sollten aus den angebotenen ca. 7–15 Büchern mindestens 3 pro Halbjahr selbständig lesen und ihr Leseerlebnis auf einem vorgefertigten Rückmeldeblatt dokumentieren. Dieses Rückmeldeblatt wurde dann von jedem Kind vorgelesen und von den anderen Kindern kommentiert. Es diente im Zusammenhang der Besprechungen auch der Anregung für die anderen.

Zusammen mit der Klassenlektüre las jedes Kinder auf diese Weise ca. 5 Kinderbücher pro Halbjahr, was für schwächere SchülerInnen eine enorme Leseleistung bedeutete. Auf diese Weise wurde das Leseverständnis intensiv eingeübt, auch die eigene Schreibfähigkeit und nicht zuletzt die Rechtschreibung profitierten sehr davon.

Die Kinder wurden auch zunehmend befähigt, qualifiziert über Kinderliteratur zu sprechen. Die Namen der verschiedenen Autoren wiederholten sich, es kam zu „Aha“-Erlebnissen, zu Vergleichen usw.

Materialeinsatz

Schulbücher gibt es keine mehr, mit Ausnahme eines Mathematik- und Englischbuches. Sämtliche Materialien werden in Projektmappen gesammelt und am Ende zu Projektbüchern geheftet. Die Kinder bekommen wenig vorgefertigtes Material, um der eigenen Phantasie und Kreativität möglichst viel Raum zu lassen. Die Materialien werden im Laufe des Projektes von allen gemeinsam zusammengestellt, gebastelt, hergestellt und gesammelt. Übermäßiges Materialangebot wird so vermieden, die Kinder müssen sich nicht mit vorgefertigtem Material zufrieden geben, sondern schaffen sich ihr Material selbständig. Im Laufe der Projektarbeit entsteht eine zunächst kleine, am Ende aber meist überwältigende Materialfülle, die dann auch, für alle sichtbar, ausgestellt wird und die die Kinder mit großem Stolz erfüllt. Beim Projektunterricht sind die Kinder stolz auf ihre selbst gemachten und gesammelten Materialien.

Wenn Material bereitgestellt wird, dann solches, um Möglichkeiten zu verbessern, Projekte durchzuführen. Grundsätzlich sollen die Kinder aber die bei einem Projekt entstehenden fruchtbaren Probleme und Schwierigkeiten selber lösen und sich das hierzu nötige Material selber beschaffen bzw. selber herstellen. John Dewey, ein Vorläufer der Laborschule Hartmut von Hentigs, kann in diesem Zusammenhang genannt werden. Fritz Bohnsack beschreibt Deweys Ansatz so:

Die Schule will, soweit altersgemäß möglich, das Kind "auf seine eigenen Ressourcen werfen" z.B. beim Aufsuchen von Material und Informationen für das laufende Projekt, und auf sein eigenes Urteil bei deren Anwendung und der Problemlösung. In dem Maße, wie das Kind das Problem akzeptiert hat und die entsprechenden Fragen selbst findet, sucht es nach relevantem Material für die Antwort.[5]

Photographische und filmische Dokumentation

Der Ablauf des Schuljahres und hierbei besonders die erlebnispädagogischen Anlässe und die Projekte wurden photographisch und teilweise auch filmisch dokumentiert. Die Photos wurden während des Schuljahres laufend ausgestellt und anschließend z.T. in einem Klassenalbum gesammelt. Zusammen mit den gemachten Filmen wurden sie auf DVDs gebrannt und jedem Kind am Ende der vierten Klasse als bleibende Erinnerung an die Grundschulzeit mit nach Hause gegeben.

Die Projektordner wurden bebildert durch Aufnahmen, die das jeweilige Kind in einer interessanten oder lustigen Situation zeigten. Die Kinder durften diese Bilder aus den ausgestellten Photos auswählen und in das Projektbuch einkleben.

Die Kinder werden sich durch diese photographische und auch filmische Dokumentationen die besprochenen Themen auch später immer wieder vergegenwärtigen können, auch die Eltern können immer wieder, beispielsweise an Elternabenden, gemeinsamen Frühstücken oder sonstigen Feiern im Klassenalbum blättern und die jeweilige Photoausstellung betrachten und so Anteil nehmen am Klassenleben und sich dadurch den Lernprozess ihrer Kinder besser vorstellen.

Klassenhomepage - Email-Kontakte - Schülerblog

Voraussetzung ist ein Zugang zum Internet im Klassenzimmer. Zunächst stellt der Lehrer die technischen Voraussetzungen zur Verfügung. Die Kinder werden vertraut gemacht mit der Bedienung eines speziellen Homepage-Programmes. Da die meisten Kinder bereits über eine Email-Adresse verfügen, kann damit begonnen werden, Informationen über Email-Kontakte auszutauschen. Bilder werden verschickt, Nachrichten ausgetauscht. Zunächst beginnt der Lehrer damit, das Unterrichtsgeschehen in die Klassenhomepage einzustellen. Allmählich beginnen die SchülerInnen, sich an dieser Arbeit zu beteiligen. Geschichten, Klassenaufsätze werden mit dem PC zu Hause oder in der Schule geschrieben, entweder direkt in die Homepage aufgenommen oder per Email an den Lehrer geschickt, in Ordnern thematisch zusammengefasst und auf Schülerseiten in der Klassenhomepage zugänglich gemacht. Nach und nach übernehmen die SchülerInnen selber diese Arbeit.

Eine gute Möglichkeit, den Computer in die tägliche unterrichtliche Arbeit einzubeziehen, ist der Schüler-"Blog". Es handelt sich dabei um eine interaktive Tätigkeit. Der "Blog" ist eine vorbereitete Internetseite, an der die Kinder auch von zu Hause aus aktiv arbeiten können. Sie können zu verschiedenen Themen, beispielsweise zu den Projektthemen, ihre Meinung äußern und Vorschläge machen. Sie können ihre Lieblingsbücher, ihre Hobbies vorstellen, sie können von ihren Haustieren berichten etc. Auch eine Partnerklasse kann sich an diesem Austausch beteiligen. Der Blog wird nach außen hin durch einen Benutzernamen und ein Passwort abgesichert.

Begegnung mit Spezialisten

Neben zahlreichen Lerngängen zu Spezialisten beinhaltet der Projektunterricht immer auch die Hereinnahme von Spezialisten in die Schule. Teilweise handelte es sich dabei um Angehörige der Kinder. Jedes Projekt sollte die Begegnung mit einem Spezialisten beinhalten. Der Zugang zum Projektthema wird auf diese Weise vertieft, der Blickwinkel auf das Thema erweitert. Die Trennung Schule/Elternhaus kann durch diese Zusammenarbeit mit den Eltern überwunden werden.

Die Kinder nehmen Kontakt auf zur außerschulischen Umgebung. Die Schule überwindet ihre Isolation und wird Bestandteil des kulturellen, handwerklichen und künstlerischen Lebens der näheren und weiteren Umgebung.

Anmerkungen

  1. Michael Knoll: Dewey, Kilpatrick und "progressive" Erziehung. Kritische Studien zur Projektpädagogk. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2011.
  2. in: H.-E. Tenorth (Hrsg.), Klassiker der Pädagogik. Bd. 2 Von John Dewey bis Paulo Freire. Verlag C.H.Beck, München 2003, S. 52. Darin die Zitate von J. Dewey aus Mayhew 1966, 184; MW 1, 103.
  3. John Dewey, Demokratie und Erziehung. Weinheim 1993. S.213
  4. Martin Suhr, John Dewey zur Einführung, Hamburg 1994, S. 108
  5. John Dewey, Demokratie und Erziehung, Braunschweig 1964, S. 121

Adressen

Siehe auch