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Es geschah im Nachbarhaus

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Kurzinfo
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Diese Seite befasst sich mit
Kinder- und Jugendliteratur (KJL).

Es geschah im Nachbarhaus“ ist ein Roman von Willi Fährmann.

Inhaltsverzeichnis

Zum Autor

Willi Fährmann, geboren 1929 in Duisburg, lebt in Xanten am Niederrhein und ist einer der wichtigen Autoren der Kinder- und Jugendbuchliteratur. Er wurde für sein Gesamtwerk mit dem 'Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugenliteratur' und dem 'Deutschen Jugendbuchpreis' ausgezeichnet und erhielt zahlreiche Einzelauszeichnungen.

Es geschah im Nachbarhaus

Die Geschichte eines gefährlichen Verdachts und einer Freundschaft (1968)
Arena Verlag Würzburg 2005, 170 Seiten

Wann und Wo: Ende 19. Jahrhundert in einer Kleinstadt am Rhein in der Nähe von Köln.

1. Ein Junge wird ermordet aufgefunden, die Nachricht entsetzt die Nachbarschaft und der Verdacht fällt sofort auf die Familie Waldhoff. Sie sind Juden, die im 13. Jh aus Köln vertrieben wurden und sich in dieser Stadt niedergelassen haben, der Vater ist Viehhändler und dem toten Jungen war die Kehle durchgeschnitten worden.

2. Sigi (14), der Sohn des Viehhändlers, und sein Freund Karl werden beim Kirschenstehlen von einem Unwetter überrascht und suchen auf dem jüdischen Friedhof Unterschlupf. Bei dieser Gelegenheit klärt Sigi seinen Freund über die Hintergründe dieser Verdächtigungen auf: Eine kleine Geschichtsstunde.

3. Herr Waldhoff stellt eine detaillierte Liste seines Tagesablaufes zusammen, weil ein Nachbar ihn beim Bürgermeister als möglichen Mörder denunziert hat.

4. 1. Juli: Beerdigung des ermordeten Jungen. Die Waldhoffs gehen nicht zur Beerdigung, da ihnen ihre Religion das Betreten eines christlichen Friedhofes verbietet. Auch in Waldhoffs eigener Familie wird es für möglich gehalten, dass Waldhoff den Jungen umgebracht hat.

5. Letzter Schultag. Die Klasse muss nachsitzen und quält dann kollektiv eine Maus zu Tode, weil diese daran schuld sein soll.

6. Im Zug treffen Sigi und Karl den Kriminalkommissar aus Düsseldorf, der den Fall aufklären soll. Frauen im Zug erzählen ihm die Gerüchte von Waldhoffs Bluttat. Sigi ist davon wie gelähmt, Karl setzt sich für ihn ein.

7. Sigis große Schwester Ruth (19) ist zu Besuch beim Schmied Märzenich. Dessen Sohn Gerd ist mit ihr befreundet, der Vater, sterbenskrank, bittet ihn, ahnungsvoll, immer die Wahrheit zu sagen, was auch kommen mag.

8. Viehhändler Waldhoff wird von seinen besten Geschäftspartnern (Bauern und Schlachter) boykottiert.

9. Die Leute beginnen nun auch den jungen Schmied Gerd zu boykottieren, er hat als Zeuge Waldhoff entlastet und die Leute argwöhnen, er habe das seiner Freundin Ruth zuliebe getan. Als Ruth sich mit Gerd trifft, stirbt zur gleichen Zeit der alte Märzenich; zuhause findet Ruth ihren Vater auf dem Boden liegend. Er hat sich völlig betrunken.

10. Eine Gruppe von Jugendlichen kommt von auswärts, lauert Sigi auf, als er vom Aale-Fangen zurückkehrt und sie verprügeln ihn auf der Straße. Niemand kommt ihm zu Hilfe.

11. Die Juden der Stadt treffen sich bei Herrn Pfingsten und beschließen, einen besseren Kriminalisten als den Kriminalkommissar aus Düsseldorf zu holen: Kommissar Hundt aus Berlin. Um diesen zu bezahlen, sammeln sie Geld.

12. Beim Schützenfest im Bierzelt entlädt sich der Volkszorn gegen alle anwesenden Juden und es kommt zu einer Prügelei, bei der Ruth nur knapp entkommt und Gerd auch eine Schramme abbekommt. Niemand hat den angegriffenen Juden geholfen.

13. Am darauf folgenden Abend wird am Stammtisch Stimmung gegen die Juden gemacht; in der Nacht werden in Waldhoffs Haus die Scheiben eingeworfen, Mutter Waldhoff wird von einem Stein getroffen, Vater Waldhoff ist handlungsunfähig und Nachbar Gerd scheint nichts gehört zu haben. Am nächsten Morgen will kein Glaser kommen - mit einer Ausnahme allerdings.

14. Am Sedanstag, 1. September, spielt Sigis Klasse die Schlacht bei Sedan nach. Die Franzosen, geführt von 'Napoleon' Karl, schlagen sich besser als erlaubt. Am Schluss komm es zum Skandal: Ein Mitschüler verweigert die Annahme des Ordens, weil auch Sigi ihn erhält; die Lehrerin gibt dem Schüler eine Ohrfeige, aber es lässt sich nicht mehr aufhalten: Sigi wird bis auf weiteres der Schulbesuch verboten.

15. Herr Waldhoff denkt ans Auswandern. Da trifft der angeforderte Kriminalkommissar Hundt aus Berlin ein und beginnt mit einer Hausdurchsuchung bei Waldhoffs. Er beschlagnahmt alle Messer und einen scheinbar mit Blut befleckten Sack.

16. Am nächsten Tag wird Herr Waldhoff verhaftet, weil Gerd Märzenich seine Aussage zurückgenommen hat. Herr Waldhoff ist recht gefasst und gibt letzte Anweisungen, bevor er mit dem Wachmeister zum Bahnhof geht. Sigi hat das Gefühl, dass auch Karl ihn im Stich gelassen hat.

17. Ruth - nachdem sie lange mit sich gerungen hat - geht zu Gerd und stellt ihn zur Rede: Ja, er hat seine Aussage zurückgenommen, er konnte die Isolation seiner Familie und des Geschäftes nicht mehr ertragen. Ruth wendet sich von ihm ab. Aber er hat jetzt wieder Aufträge.

18. "Es ist nicht leicht, Sigis Freund zu sein.“ (S. 109) Karls Vater erzählt seinem Sohn eine Geschichte aus seinem Leben und bestärkt ihn darin, zu seinem Freund Sigi zu halten.

19. Bei einem gefährlichen Schlittenrennen bricht ein Mitschüler im Eis ein und wird von Sigi gerettet. Dafür wird ihm Anerkennung gezeigt.

20. Die Mutter bringt Sigi aus der Stadt, wo sie ihren Mann im Gefängnis besucht, ein Geschenk mit, das ihn ebenfalls für seine Tat belohnt. Ruth erzählt eine gleichnishafte Geschichte über einen Vater und seine zwei Söhne. Es geht um die Gleichwertigkeit der Religionen Christentum und Judentum.

21. Weihnachten. Eine Gans wird von der Familie des geretteten Jungen geschickt. Sigi, der einmal Steinmetz werden will, schenkt Karl eine selbst gemeißelte Figur zu Weihnachten. Karl hatte ihm seit dem Herbst die Aufgaben aus der Schule gebracht und mit ihm Hausaufgaben gemacht. Dadurch wurde er selbst ein besserer Schüler. Er hat beschlossen Lehrer zu werden.

22. Überraschend kommt Vater zu Weihnachten nach Hause. Die Beweise haben nicht ausgereicht! Die Lage ist ruhig für ein paar Wochen, doch am Dreikönigstag kommt ein Trupp Milizen mit dem Zug angereist und zündet die Haustüre der Waldhoffs an. Niemand aus der Nachbarschaft löscht, nur Karl und sein Vater helfen.

23. Karl rettet Sigis Leben auf dem zugefrorenen Rhein. Vater wird wieder verhaftet.

24. Die Familie Waldhoff verlässt daraufhin das Haus und den Ort und flieht nach Neuss zur Tante. Sigi schenkt Karl zum Abschied sein Taschenmesser mit Hirschhorngriff.

25. Herr Ulpis kommt von der Kreisstadt (wo die Verhandlungen laufen) nach Hause und beschreibt den Verlauf des Prozesses mit Hilfe einer Waage. Die Waldhofs kommen zurück, um die Beweise nachzustellen, die sie belasteten. Es kommt dabei heraus, dass die Aussagen nicht hundertprozentig genau sein können. Sigi bleibt über Nacht bei den Ulpis und klettert mit Karl auf den Kirchturm (in der Nacht), wo Sigi eine Dohle einfängt und ihr das Sprechen beibringen will. Der Vater Ulpis macht sich mächtig Sorgen um sie, als sie heimkommen, denn er meinte, sie wollten selber Detektive spielen.

26. Karl wartet vor dem Gerichtssaal, weil dieser überfüllt ist. Nach einer Weile kommt Sigi heraus und erzählt, dass Gerd jetzt doch die ganze Wahrheit erzählt habe. Waldhoff wird daraufhin freigesprochen. Er entscheidet, auch nicht mehr in die Stadt zurückzukehren und ein neues Leben anzufangen.


Letztes Kapitel: (es ist zwar kein richtiges Kapitel mehr, aber so stehts im Buch) Herr Ulpis berichtet, wie die Apostel eine Leiche gefunden haben. Kommissar Hundt starrt in Jan Maaris Gesicht, denn dieser, den er die ganze Zeit verdächtigt hatte, aber nie fangen konnte, war es.


Kein Kapitel mehr, aber es gehört doch dazu: Im Jahre der Kristallnacht 1938 wurde Karl Ulpis 59 Jahre alt. In 37 Lehrerjahren hatte er über 600 jungen Menschen das Schicksal der Waldhoff-Familie erzählt. Trotzdem ereignete sich in dieser Nacht noch Schlimmeres.

Tipps und Hinweise

Unterrichtsmaterial zum Roman, zusammengestellt von der Klasse 7c des Steinbart-Gymnasiums im Jahre 2001

Siehe auch