Friedrich Maximilian Klinger

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Goethe zeichnet Klinger 1775 in Kreide

Inhaltsverzeichnis

Aus seinem Leben

Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831) ist einer der bedeutendsten Dramatiker der Sturm-und-Drang-Zeit, der in seinen Werken an die Dramaturgie von William Shakespeare anknüpft. Sie beinhalten sowohl Gesellschaftskritik als auch extreme Gefühlsmomente. Des Weiteren begeisterte er sich für die Geschichts- und Gesellschaftsauffassung von Jean-Jacques Rousseau.

Friedrich Maximilian Klinger wächst in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem frühen Tod seines Vaters, eines Frankfurter Stadtartilleristen, ernährt dessen Witwe die Kinder durch Nähen und Waschen. Durch Vermittlung von Gönnern erhält Klinger freien Unterricht am Gymnasium. 1774 bis 1776 studiert er in Gießen Jura. Bei einem Besuch in Weimar 1776 distanziert sich Goethe, der ihn zuvor jahrelang finanziell unterstützt hatte, von dem als zu anhänglich empfundenen Klinger: "Klinger kann nicht mit mir wandeln, er drückt mich, ich hab's ihm gesagt, darüber er außer sich war und's nicht verstund." (Goethe-Brief vom 24. Juni 1776)

Finanzielle Sorgen veranlassen Klinger dann für zwei Jahre Theaterdichter zu werden. Danach bemüht er sich um verschiedene Anstellungen, bis ihm in Rußland ein sozialer Aufstieg in den Diensten des Zaren gelingt, der den Goethes noch übertrifft. In den Jahren von 1803 bis 1816 bekleidet er die Stelle eines Kurators der Universität Dorpat in Estland.

Im Jahr 1811 wird die ehemals freundschaftliche Verbindung zu Goethe wieder aufgenommen. Dieser rühmt ihn in seiner Autobiografie "Dichtung und Wahrheit" als überzeugten Rousseau-Anhänger und wahren 'Selbsthelfer': "Alles, was an ihm war, hatte er sich selbst verschafft und geschaffen." (Dritter Teil, 14. Buch)

Aufgrund politischer Veränderungen verliert Maximilian Klinger im Jahr 1816 zunächst die Stelle als Kurator und dann 1820 alle weiteren Funktionen. Er stirbt am 25. Februar 1831 in Dorpat in Estland.

"dem Nachschlagewerk für Biografien bedeutender Persönlichkeiten. Das Lexikon ermöglicht die gezielte Suche über den Namen einer Person, aber auch die biographische Durchforstung von Themenfeldern wie Politik, Wirtschaft, Film, Kultur und Sport. Ein Zeitstrahl eröffnet überraschende Einsichten in biographiegeschichtliche Zusammenhänge der Generationen." (www.rasscass.com)

Werke

Nach diesem Drama ist die literarische Strömung (Epoche?) zwischen 1765 bis 1785 benannt. Es spielt während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Die Figuren haben starke Gefühle und mit ihren Gefühlen stark zu kämpfen, was schon gleich in den ersten Äußerungen hörbar wird:
Wild. "Heyda! nun einmal in Tumult und Lermen, daß die Sinnen herumfahren wie Dach-Fahnen beym Sturm. Das wilde Geräusch hat mir schon so viel Wohlseyn entgegen gebrüllt, daß mir's würklich ein wenig anfängt besser zu werden. So viel Hundert Meilen gereiset um dich in vergessenden Lermen zu bringen - Tolles Herz! du sollst mirs danken! Ha! tobe und spanne dich dann aus, labe dich im Wirrwar! - Wie ists Euch?"
Blasius. "Geh zum Teufel!" [...] (Erster Act, Erste Scene)
"Der Verfasser dieses Buchs hat von allem, was bisher über Fausten gedichtet und geschrieben worden, nichts genutzt, noch nutzen wollen. Dieses hier ist sein eignes Werk, es sei wie es wolle. Davon wenigstens wird sich jeder Leser leicht aus der Darstellungsart, der Charakteristik und dem Zweck überzeugen. 1791."

Klinger in der Schule

"Willkommen auf der Projektseite zu 250 Jahre Friedrich Maximilian Klinger. Hier finden Sie alles wissenwertes über den grossen Schriftsteller der damaligen Zeit. Neben vielen Informationen über ihn, sein Leben und seine Werke finden Sie auf dieser Seite noch zahlreiche Links rund ums Thema Klinger." (Klingerschule Frankfurt)

Klinger und ...

J.W.Goethe gibt eine sehr wohlwollende und ausführliche Schilderung Maximilian Klingers in seinem autobiografischen Werk "Dichtung und Wahrheit" (Dritter Teil, 14. Buch). Dort vergleicht er ihn mit J.M.R. Lenz und gelangt zu folgendem Schluss:

"Beide waren gleichzeitig, bestrebten sich in ihrer Jugend mit und nebeneinander, Lenz jedoch, als ein vorübergehendes Meteor, zog nur augenblicklich über den Horizont der deutschen Literatur hin und verschwand plötzlich, ohne im Leben eine Spur zurückzulassen; Klinger hingegen, als einflußreicher Schriftsteller, als tätiger Geschäftmann, erhält sich noch bis auf diese Zeit." (Goethe Werke Band X, "Hamburger Ausgabe", S.12)

Als Goethe dies schrieb, 1813, war Klinger in Russland Generalmajor, Präsident der Militärverwaltung, mit einer Generalstochter verheiratet und geadelt. J.M.R.Lenz war schon Jahre zuvor verarmt und verwirrt in den Straßen Moskaus gestorben.

Und weiter schreibt Goethe über seinen "Freund" und Rousseau-Anhänger:

"Klingers Äußeres - denn von diesem beginne ich immer am liebsten - war sehr vorteilhaft. Die Natur hatte ihm eine große, schlanke, wohlgebaute Gestalt und eine regelmäßige Gesichtsbildung gegeben; er hielt auf seine Person, trug sich nett, und man konnte ihn für das hübscheste Mitglied der ganzen kleinen Gesellschaft ansprechen. Sein Betragen war weder zuvorkommend noch abstoßend, und, wenn es nicht innerlich stürmte, gemäßigt. [...]
Alles, was an ihm war, hatte er sich selbst verschafft und geschaffen, so daß man ihm einen Zug von stolzer Unabhängigkeit, der durch sein Betragen durchging, nicht verargte. Entschiedene natürliche Anlagen, welche allen wohlbegabten Menschen gemein sind, leichte Fassungskraft, vortreffliches Gedächtnis, Sprachengabe besaß er in hohem Grade; aber alles schien er weniger zu achten als die Festigkeit und Beharrlichkeit, die sich ihm, gleichfalls angeboren, durch Umstände völlig bestätigt hatten.
Einem solchen Jüngling mußten Rousseaus Werke vorzüglich zusagen. "Emil " war sein Haupt- und Grundbuch, und jene Gesinnungen fruchteten um so mehr bei ihm, als sie über die ganze gebildete Welt allgemeine Wirkung ausübten, ja bei ihm mehr als bei andern. Denn auch er war ein Kind der Natur, auch er hatte von unten auf angefangen; das, was andere wegwerfen sollten, hatte er nie besessen, Verhältnisse, aus welchen sie sich retten sollten, hatten ihn nie beengt; und so konnte er für einen der reinsten Jünger jenes Naturevangeliums angesehen werden, und, in Betracht seines ernsten Bestrebens, seines Betragens als Mensch und Sohn, recht wohl ausrufen: "Alles ist gut, wie es aus den Händen der Natur kommt! " - Aber auch den Nachsatz: "Alles verschlimmert sich unter den Händen der Menschen! " drängte ihm eine widerwärtige Erfahrung auf. Er hatte nicht mit sich selbst, aber außer sich mit der Welt des Herkommens zu kämpfen, von deren Fesseln der Bürger von Genf uns zu erlösen gedachte. Weil nun, in des Jünglings Lage, dieser Kampf oft schwer und sauer ward, so fühlte er sich gewaltsamer in sich zurückgetrieben, als daß er durchaus zu einer so frohen und freudigen Ausbildung hätte gelangen können: vielmehr mußte er sich durchstürmen, durchdrängen; daher sich ein bitterer Zug in sein Wesen schlich, den er in der Folge zum Teil gehegt und genährt, mehr aber bekämpft und besiegt hat.
In seinen Produktionen, insofern sie mir gegenwärtig sind, zeigt sich ein strenger Verstand, ein biederer Sinn, eine rege Einbildungskraft, eine glückliche Beobachtung der menschlichen Mannigfaltigkeit und eine charakteristische Nachbildung der generischen Unterschiede. Seine Mädchen und Knaben sind frei und lieblich, seine Jünglinge glühend, seine Männer schlicht und verständig, die Figuren, die er ungünstig darstellt, nicht zu sehr übertrieben; ihm fehlt es nicht an Heiterkeit und guter Laune, Witz und glücklichen Einfällen; Allegorien und Symbole stehen ihm zu Gebot; er weiß uns zu unterhalten und zu vergnügen, und der Genuß würde noch reiner sein, wenn er sich und uns den heitern bedeutenden Scherz nicht durch ein bitteres Mißwollen hier und da verkümmerte. Doch dies macht ihn eben zu dem, was er ist, und dadurch wird ja die Gattung der Lebenden und Schreibenden so mannigfaltig, daß ein jeder theoretisch zwischen Erkennen und Irren, praktisch zwischen Beleben und Vernichten hin und wider wogt." (a.a.O.)

(J.W.Goethes "Dichtung und Wahrheit" ist im Internet unter http://www.odysseetheater.com/goethe/duw/duw00.htm zu finden)

Siehe auch