Frontalunterricht

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Kurzinfo
Unterrichtsmethoden
Auf dieser Seite geht es um Unterrichtsmethoden bzw. Arbeitstechniken im Unterricht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das?

Frontalunterricht ist ein zumeist thematisch orientierter und sprachlich vermittelter Unterricht, in dem der Lernverband (die Klasse) gemeinsam unterrichtet wird und in dem der Lehrer - zumindest dem Anspruch nach - die Arbeits-, Interaktions- und Kommunikationsprozesse steuert und kontrolliert.

Hilbert Meyer: Unterrichtsmethoden II: Praxisband, Cornelsen 2000, S. 183

Der Frontalunterricht ist (laut Herbert Gudjons) sinnvoll und unverzichtbar, wenn er

  1. in Unterrichtsformen integriert ist, die Eigentätigkeit, Selbstverantwortung, Selbststeuerung und Kooperation der Lernenden fördern
  2. im Rahmen dieser Integration als wichtige Phase eigenständige didaktische Funktionen hat und
  3. modern und professionell gestaltet wird.

(Herbert Gudjons: Frontalunterricht - neu entdeckt, Integration in offene Unterrichtsformen, Klinkhardt 2003 S. 8)

Wie geht das?

  • Hilbert Meyer: Unterrichtsmethoden II: Praxisband, Cornelsen 2000 (1987) S.182-235 ISBN 3589208511
"These 10.9: So wenig Frontalunterricht wie möglich - aber wenn schon, dann bitte ohne schlechtes Gewissen und mit didaktisch-methodischer Phantasie!"
Aus dem Inhaltsverzeichnis:
  1. Vom mittelalterlichen Haufen zum modernen Klassenunterricht
  2. Von Autorität bis Zwangsdisziplin - Argumente gegen den Frontalunterricht
  3. Vorteile und didaktische Funktionen - oder: Warum ist Frontalunterricht so schön?
  4. Guter Frontalunterricht: Methodische Möglichkeiten
  5. Guter Frontalunterricht: Raumregie, Körpersprache und Interaktion
  6. Die Perspektive: Frontalunterricht in offene Unterrichtsformen integrieren

Unterrichtsmethodik

Ein Auszug aus der Rezension von Heidemarie Kemnitz in: Erziehungswissenschaftliche Revue 3 (2004):

Wer den Klappentext gelesen hat, weiß schon, dass die in der Überschrift der Einleitung gestellte Frage: "Frontalunterricht – zurück zur Unkultur des ‚Beybringens’?" rein rhetorisch ist. Das altertümliche Wort wird gleichwohl geschickt aufgenommen, denn es erklärt das gegenteilige Motiv des Autors und leitet zum ersten Kapitel über, in dem unter illustrativer Nutzung von Abbildungen aus Schiffler/Winkelers bekanntem Bilderwerk "Tausend Jahre Schule" [3] knapp auf die Geschichte "vom mittelalterlichen Haufen zum modernen Klassenunterricht" eingegangen wird. Gudjons diskutiert dann verschiedene Definitionen von Frontalunterricht und greift auf die formale Charakteristik als Sozialform zurück. Begrifflich unterscheidet Gudjons zwei Formen von Frontalunterricht, den "traditionellen Frontalunterricht" (im Sinne der methodischen Monokultur) und den "integrierten Frontalunterricht" (als Konzept, "das sich auf den Zusammenhang frontalunterrichtlicher Phasen mit eigentätigen, selbstverantworteten und selbstgesteuerten Schülerarbeitsformen richtet") (24). Letzteres Konzept hat Gudjons seinem Buch zugrunde gelegt.
Im zweiten Kapitel werden "Argumente gegen den Frontalunterricht" (27 ff.) vorgestellt, die unter Rückgriff auf Hilbert Meyers Frage, warum der Frontalunterricht "so schön" (39) sei, im dritten Kapitel den Vorteilen gegenübergestellt werden. In nützlicher Zusammenstellung findet man hier die bekannten, inzwischen mehr als zwanzig Jahre alten Studien, nach denen Frontalunterricht als die mit fast 77 Prozent am meisten verbreitete Sozialform im Unterricht ausgemacht wurde, durch jüngere Untersuchungen [4] ergänzt, in denen es z.B. um die Beliebtheit des Frontalunterrichts – auch bei Schülern – oder die bei Lehrern und Schülern unterschiedliche Wahrnehmung von Handlungsmustern im Unterricht geht.
In den Kapiteln vier und fünf werden unter jeweils gleicher Hauptüberschrift, nämlich "Guter Frontalunterricht", zum einen "Methodische Möglichkeiten" (151 ff.) und zum anderen "Raumregie, Körpersprache und Interaktion" (215 ff.) in den Blick genommen und mit Praxistipps versehen. Studierende und sicher auch Lehrer dürften dankbar dafür sein, zumal diese Tipps anschaulich, mit Erzählungen, Unterichtsszenen und Fotos unterlegt werden und durch die Einbeziehung auch fehlgeschlagener Inszenierungen empirischen Rückhalt glaubhaft machen. Angemerkt sei freilich, dass diese Anschaulichkeit auch Widerspruch hervorruft, so könnten z.B. die Bilder, auf denen die Körperhaltung von Lehrern zu sehen ist, auch ganz anders untertitelt und damit subjektiv interpretiert werden, als Gudjons das gemacht hat.

Rezension von Heidemarie Kemnitz in: Erziehungswissenschaftliche Revue 3 (2004)

Material im Internet

  • Unterrichtsformen - Eine gewissenhafte Auflistung und Darstellung von Werner Stangl, Linz 1999 (paedpsych.jk.uni-linz.ac.at)

Literatur

Siehe auch