Vision: Schüler lernen von Schülern 1

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Kurzinfo
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Aus dem Buch "Ich schaffs!" von Ben Furman, Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg, 2005 ISBN: 978-3-89670-500-6, pdf-file aus dem Internet vom Carl-Auer-Verlag als Leseprobe zur Verfügung gestellt:

http://www.carl-auer.de/pdf/leseprobe/978-3-89670-500-6.pdf

(Stand: 16.08.2010)

Und als Text direkt hier zum Lesen:


Kinder sind natürliche Lehrer für andere Kinder

Der amerikanische Journalist, Bob Wallace, schrieb diese Geschichte in einer seiner Kolumnen im Internet:

"Vor ein paar Jahren wurde ich überredet, für einen Abend als Babysitter für ein siebenjähriges Mädchen und zwei Jungen im Alter von fünf und drei Jahren einzuspringen. Da eines meiner wichtigsten Anliegen im Leben ist, auf der Couch zu liegen und zu träumen, musste ich irgendwie herausfinden, wie ich die Kinder dazu bringen konnte, mich in Ruhe zu lassen. Plan A war, sie zu fesseln, sie verkehrt herum in einen Wandschrank zu hängen und ihnen zu erzählen, dass sie kleine Vampirfledermäuse wären, die schlafen müssen, bis ihre Eltern wieder nach Hause kommen. Ich entschied mich aber dagegen, weil diese kleinen potenziellen Zuchthäusler mich vielleicht ausgetrickst hätten.

Ich fing also an, im Haus herumzuwühlen, in der Hoffnung, dass ich vielleicht Plan B entdecken würde. Eine Tafel, eine Staffelei und etwas Kreide. Ich stellte die Tafel auf die Staffelei in einem der Schlafzimmer, setzte die Jungs davor, gab dem Mädchen die Kreide in die Hand und bat sie, ihren Brüdern das Alphabet beizubringen.

Sehr zu meiner Überraschung, saßen die Jungs ganz erwartungsvoll da, und das Mädchen nahm eine Lehrerinnenhaltung ein. Das faszinierte mich. Das Mädchen schrieb Buchstaben an die Tafel und ließ ihre Brüder deren Namen wiederholen. Das machte ihr sehr viel Spaß und den beiden kleinen Monstern auch."

Wallace zog die Schlussfolgerung, dass Schulen »falsch geplant« sind. Er postuliert, dass Kinder verschiedener Altersgruppen nicht in verschiedene Schulen wie Grundschule oder Gymnasium eingeteilt werden sollten, sondern dass alle zur gleichen Schule gehen sollten. Das würde es für die älteren Kinder möglich machen, die jüngeren zu unterrichten. Er spekuliert darauf, dass die Größeren aktiv daran teilnehmen würden, die Jüngeren zu unterrichten, wenn die Kinder aller Altersgruppen zusammen zur Schule gingen.

Kinder haben ein angeborenes Bedürfnis zu lernen, aber sie haben auch ein angeborenes Bedürfnis zu lehren. Wenn ein Kind ein anderes unterrichtet, sei es ein Freund oder ein Geschwister, fühlt es sich nützlich und wichtig. Wenn wir möchten, dass unsere Kinder etwas lernen, sollten wir ihnen die Gelegenheit dazu geben, das Erlernte auch anderen Kindern zu vermitteln. Sie können sich sicher vorstellen, wie ermutigend es für Kinder ist, wenn sie nach Hause kommen und wir sie fragen: »Wen hast du denn heute in der Schule unterrichtet? « anstatt: »Was hast du denn heute in der Schule gelernt?«


Siehe auch