Geographische Bildung für nachhaltige Entwicklung

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gBfnE = Geographische Bildung für nachhaltige Entwicklung

Inhaltsverzeichnis

Operationalisierung einer gBfnE über Lernräume

Stetes Ziel muss es sein, die ökologische, ökonomische und soziale Dimension der Nachhaltigkeit jeweils gegeneinander abwägen zu lassen und nicht getrennt zu behandeln. Nur so können Bewertungskompetenzen und ganzheitliche Vorstellungen (Imagination) erworben werden, die in Gestaltungskompetenzen im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BfnE) münden. Wie gelingt dies in der Sekundarstufe?

Aufspaltung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BfnE) in drei getrennte Arbeitsbereiche

Die schulische Aufspaltung von BfnE in drei getrennte Arbeitsbereiche erleichtert die fachliche Zuordnung zu (schulischen) Leitfächern. Insbesondere für die Projektarbeit und für die verantwortliche Einbindung von Schulfächern ist dies von größter Bedeutung. Nur so lassen sich die Potenziale, die in den Lehrern dank deren Fachausbildung stecken, voll nutzen. Lehrpläne oder verordnete interdisziplinäre Projektarbeiten enthalten keine Potenziale im Sinne von BfnE, denn stets trifft die System-Kritik von Jürgen Rost zu.

  1. Eine ethische BfnE zielt auf die Verantwortung des Menschen. Schutzgedanken stehen im Mittelpunkt.
    Biologie, Ethik, (Religion, Deutsch, Sozialkunde) können die Leitfächer sein.
  2. Eine politische BfnE zielt auf die Steuerungsmechanismen in der Gesellschaft.
    Wirtschaft, Politik, (Sozialkunde, Geographie) können die Leitfächer sein.
  3. Eine geographische BfnE zielt auf den menschlichen Lebensraum als Systemeinheit.
    Geographie, evtl. auch Sozialkunde oder Physik kann das Leitfach sein.

Sonderrolle der geographischen BfnE

Einer geographischen BfnE kommt eine überragende Rolle zu, denn sie sieht einerseits den Menschen und die soziale Gruppe als Gestalter des Lebensraumes und betrachtet andererseits den geographischen Lebensraum als "Ressourcenlager" und als "Grenzwertgeber" für das menschliche Tun. Außerdem ist das Fach Geographie von Haus aus multidisziplinär angelegt, was eine vielschichtige Projektarbeit ausgehend vom Fach Geographie (organisatorisch, inhaltlich, personell) erleichtert.

Der geographische Lebensraum definiert sich hierbei in zwei sehr unterschiedlichen Formen:

  1. Der Lebensraum in der traditionellen geographischen Form von Heimat, Umwelt, Kulturraum, Wirtschaftsraum, Raum für Forschungen wie "Global Change" und "System Erde", etc.
  2. Der Lebensraum als methodischer Lernraum, der sich sowohl entwicklungspsychologisch mit dem Alter der Schüler, als auch durch die Wirkung von Unterricht, als auch durch die Globalisierung im Bewusstsein der Menschen stetig nach "Ausstattung" und Größe im Sinne von "Reichweite" verändert. Dieser individuelle Lebens- und Lernraum als Raum der Wahrnehmung, der Kommunikation, des sozialen Geschehens und Erlebens, des Bewertens, der kulturellen Betrachtung und des Handelns lässt sich unter Ursache-Wirkungs-Aspekten altersgemäß analysieren. bzw. hinterfragen. Damit werden Lebensräume zu methodischen Lernräumen, in denen sich die eigentlichen Vorstellungen (Imagination) und Kompetenzen entwickeln.

Die bewusste themenorientierte Auseinandersetzung mit den realen Lebensräumen aus der Sicht der methodischen Lernräume ermöglicht den ganzheitlichen Erwerb von Gestaltungskompetenz im Sinne von BfnE.

Diese Vorgehensweise erlaubt es auch, dass Jugendliche täglich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung tätig werden können, weil sie mit ihrem eigenen Lebensraum bewusster umgehen. Entscheidend dafür ist, dass der Lehrer Impulse für die Arbeit in den methodischen Lernräumen gibt, d.h. er muss seine Schüler zur Erkenntnis führen, dass wir Menschen bereits durch unsere differenzierte Wahrnehmung, durch die Kommunikation, durch unser Bewerten, etc. bewusst und unbewusst auf den wahrgenommenen Lebensraum einwirken: Wenn ich einkaufe, reise, über Handy kommuniziere etc. verändere ich durch den unvermeidlichen Informationsfluss sowohl meinen Lebensraum als auch den Lebensraum anderer Menschen.

Beispiel Rondonia

Ein Beispiel aus dem Geographie-Unterricht soll das Konzept der methodischen Lernräume verdeutlichen.

  1. Die Besprechung von Rondonia im Regenwald Brasiliens samt seiner ökologischen, ökonomischen und sozialen Probleme erweitert den individuellen Lebensraum der Schüler um die Vorstellung "Rondonia".
  2. Der Unterricht kann in einem zweiten Schritt die methodischen, um "Rondonia" erweiterten, Lernräume nutzen:
    "Wie stellen wir uns den Alltag der Neusiedler im Regenwald vor? Was brauchen sie zum Leben? Wie sieht es um die Schulbildung aus? Schreibe und male deine Vorstellungen!"
  3. Vertiefung:
    "Worin unterscheiden sich Siedler und Indios im Umgang mit ihrem Lebensraum?" Wahrnehmung, Kommunikation, Erlebnisse, soziale Geflechte, Bewerten von Konsumgütern und Situationen, kulturelle Eigenarten und Aktivitäten sollen, soweit bekannt, reflektiert werden. Wie kann dies gelingen?
    Die Möglichkeiten einer Neusiedlergruppe soll simuliert werden. Die Gestaltung des Planspiels übernimmt die Klasse selbst. Schlüsselfrage: "Wie würden wir denken und handeln, wenn wir uns im Regenwald in Rondonia ansiedeln müssten?"

Die gestellte Aufgabe beinhaltet den Auftrag weitere Informationen einzuholen, darüber zu kommunizieren/zu diskutieren und sie zu bewerten. Daraus entwickelt sich eine Vorstellung, die zur aktiven Lösung der gestellten Aufgabe führt. Dies setzt natürlich einen Projekt-orientierten Geographie-Unterricht voraus.

Ergebnis

Die Schüler relativieren den Umgang mit ihrem eigenen Lebensraum, sie lernen "Globalisierung", sie erwerben Gestaltungskompetenz im ihnen zugestandenen Entscheidungsbereich.

Siehe auch


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