Ethik des Mitleids

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Inhaltsverzeichnis

Definition

Die Mitleidsethik bezeichnet die Anteilnahme am Leiden anderer und das Erstreben von fremdem Wohl, wobei man das eigene Wohl vernachlässigt, also den Egoismus überwindet. Um mitleiden zu können ist moralisches Handeln und die Identifikation mit der leidenden Person erforderlich. Diese Idetifikation mit dem anderen kann nur dann stattfinden, wenn man die Barriere zwischen der anderen Person und sich selbst auflöst, was nur passieren kann, wenn die Person bemerkt, dass der eigene "blinde Wille" sowohl ihn selbst, als auch andere Personen beeinflusst. Der Philosoph, der die Mitleidsethik besonders in seinen Mittelpunkt gestellt hat, war Arthur Schopenhauer.

Allgemeines zum Mitleid

Das Mitleid bezieht sich auf alles, was Leben hat. Somit auch auf Tiere, jedes Lebewesen kann sich mit einem anderen identifizieren. Weiterhin sagt Schopenhauer, dass das Mitleid ein ursprüngliches Gefühl ist, welches jedes Lebewesen in sich trägt und was dadurch die einzelnen Lebewesen miteinander verbindet, indem sie mitleiden können; und um das zu können, muss sich der Mitleidende mit dem Leidenden identifizieren und beschäftigen. Das Mitleid gilt als Grundlage der Moral, was bedeutet, dass nur die aus Mitleid ausgeführten Handlungen von hohem moralischen Wert sind. Für Schopenhauer war das Handeln aus Mitleid einer von drei Beweggründen zum Handeln. Für ihn gab es das eigene Wohl als Anlass zum Handeln, weiterhin das fremde Wehe und zum Schluss, aus dem moralisch wertvollen Grund, dem Mitleid. Als letzter Punkt ist für Schopenhauer das Mitleid die einzige Form der reinen Liebe, alle anderen Gefühle dienen nur dem Egoismus beziehungsweise sind eine Täuschung. Auch Jean-Jacques Rousseau sagt, dass das Mitleid, ein Trieb, ein ganz natürliches Gefühl sei, welches sowohl im Menschen, als auch bei Tieren festzustellen ist.

  1. pathologisches Mitleid --> leibliches Leiden, was entweder das Mitleidsgefühl oder das Handeln auslöst
  2. durch Vernunft geleitetes Mitleid

Bedeutung des Mitleids (für Schopenhauer)

Schopenhauer sagt, dass das grenzenlose Mitleid ein wichtiger Bestandteil des sittlichen Verhaltens ist. Denn Menschen, die Mitleid fühlen können, verletzen und beeinflussen keine anderen Personen, sondern helfen, verzeihen und unterstützen diese auf der Basis eines gerechten und menschenwürdigen Handelns.

Kritik am Mitleid

Ein großer Kritiker des Mitleids war Friedrich Nietzsche. Zitat: "Somit ist der Durst nach Mitleid ein Durst nach Selbstgenuss, und zwar auf Unkosten der Mitmenschen; es zeigt den Menschen in der ganzen Rücksichtslosigkeit seines eigensten lieben Selbst [...]“ – Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches I, II, Nr.50

Nietzsche sagte, dass das Mitleid die Unglücklichen durch das Mitleid der anderen ihre eigene Macht über den Mitleidenden zeigen könnten. Sie fühlten sich wichtiger und besonders, da sie das Mitleid erhalten. Dadurch können diese das gut gemeinte Mitleiden der anderen ausnutzen und ihnen weh tun.


Zitate: Das Mitleid macht aus zwei Wesen eines. (Friedrich Nietzsche , Morgenröte)


Quellen

http://arthur-schopenhauer.blog.de/2009/05/13/arthur-schopenhauer-mitleidsethik-6108361/

http://www.walterkirchgessner.de/04+Schopenhauers+Mitleidsethik.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Mitleid#Schopenhauer


Kommentare 

1. ich finde deinen artikel sehr gelungen, sehr ausführlich und gut verständlich. Vielleicht hättest du noch etwas mehr auf das mitleid in der philosopie anderer philosophen eingehen können, beispielsweise kants standpunkt zum thema mitleid. aber keine starke kritik ;-) (SD)

Mir gefällt dein Beitrag auch, denn du hast ihn kurz gehalten und trotzdem alles verständlich rüber gebracht. Meiner Meinung nach hast du deine Aufgabe erfüllt. sehr gut. (SC)

Die Aufgliederung in die einzelnen Punkte ist sehr schlüssig und nachvollziehbar. Im Prinzip gut erklärt, was ich aber allerdings trotzdem anmerken möchte ist, dass beispielsweise die Bedeutung des Mitleids noch sehr einseitig ist. Gibt es noch andere Theorien und Ansichten anderer bedeutsamer Philosophen? Zumindest einer als Vergleich zu Schopenhauer würde möglicherweise auch andere Sichtweisen aufweisen. (NBL)

Was die inhaltliche Darstellung betrifft, kann ich mich den anderen Kommentatoren nur anschließen. Ich konnte deine Ausführungen gut nachvollziehen und habe mich dazu angeregt gefühlt, über meine eigene Einstellung zum Thema nachzudenken. Ich weiß zwar nicht, ob es gewünscht ist, diese hier zu veröffentlichen, aber eine kurze Anmerkung möchte ich doch loswerden. Laut Schopenhauer überwindet man den Egoismus während einer Handlung aus Mitleid. Auch wenn das jetzt etwas pessimistisch klingt, ich persönlich kann mir allerdings schwer vorstellen, dass der Mensch überhaupt die Fähigkeit besitzt, aus reinem Mitleid zu agieren. Erhofft man sich nicht immer einen Vorteil aus dem, was man tut, selbst wenn es nur die Zuneigung oder Anerkennung des anderen ist? (KA)

Ich versteh des mit der Fähigkeit ALLER Lebewesen, sich mit anderen Lebewesen zu indentifizieren net ganz.... is des nur rein hypothetisch der Fall und für eine für die Theorie nötige Basis? Weil es ja nachgewiesenermassen der Fall is, dass ausser Menschen nur wenige Tiere dazu imstande sind allein schon sich selbst zu erkennen. Ansonsten find ich den Beitrag verständlich und auch angenehm kurz, allerdings schliesse ich mich noch der meinung der anderen Kommentatoren an, die noch den Standpunkt mindestens eines Anderen Philosophen hinzufügen würden. (JI)

Ich erlaube mir mal, diese Frage auf die "offene Fragen"-Seite zu schieben. Vielleicht finden wir ja noch eine Antwort...--FrauSchütze 22:06, 17. Jul. 2011 (CEST)