Deontologie

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
< Gymnasium Gerabronn‎ | 2011‎ | Ethik‎ | K2
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Deontologie:

Begriffsursprung:

vom griech. deon "das Erforderliche/das Schuldige", "Pflicht" und logos "Lehre"]Die Lehre von dem, was sein solle im Hinblick auf elementare Wertemaßstäbe.

Definition:

In der deontologischen Ethik steht ein Pflichtbegriff im Mittelpunkt: Jede Handlung wird moralisch danach definiert, ob sie mit dem Pflichtbegriff übereinstimmt (oder auch nicht). Steht sie mit ihm im Einklang, so ist sie als gut zu bezeichnen, tut sie es nicht, ist sie schlecht.

Beispiel: Kantische Ethik mit dem kategorischen Imperativ. Deontologische Elemente wurden in den Regelutilitarismus aufgenommen: Es werden gewisse Regeln postuliert, denen auch utilitaristisch orientierte Handlungen genügen müssen.

Geschichte des Begriffs:

Bereits 1834 verwendete Jeremy Bentham den Begriff "Deontology", bevor er von C. D. Broad ihn im Jahr 1930 eingehender behandelte. Er unterteilte alle Ethischen Theorien in zwei Klassen: Deontologie und Teleologie.

Die Unterscheidung von Deontologie und Teleologie

Der Deontologie steht die Teleologie gegenüber ("télos" bedeutet soviel wie "Ziel, Zweck") , die besagt, dass der Zweck einer Handlung ausschlaggebend für ihre Bewertung ist. Daraus folgt, dass ein beabsichtigter guter Zweck der Handlung, auch die Handlung selbst moralisch gut macht. Dieses Prinzip könnte man grob auch auf das Sprichwort "Der Zweck heiligt die Mittel" reduzieren. Allerdings ist unter dem Zweck auch der eintretende oder nicht eintretende Erfolg zu verstehen. Falls der Erfolg nicht eintritt, das Ergebnis also schlecht ist, ist es auch die Handlung, unabhängig davon, ob man beste Absichten hatte, und alle Kräfte aufgewandt hat.


Der Miteinbezug der Konsequenzen:

C.D. Broad führte 1930 die Unterscheidung deontologischer und teleologischer Theorien folgendermaßen ein:

"I would first divide ethical theories into two classes, which I will call respectively deontological and teleological. Deontological theories hold that there are ethical propositions of the form: “Such and such a kind of action would always be right (or wrong) in such and such circumstances, no matter what its consequences might be.” [...] Teleological theories hold that the rightness or wrongness of an action is always determined by its tendency to produce certain consequences which are intrinsically good or bad." (Broad 1930, 206)

Folglich führt Broad als entscheidendes Kriterium der Unterscheidung die moralische Relevanz der Handlungskonsequenzen - sowie die Frage nach der Richtigkeit oder Falschheit einer Handlung in Abhängigkeit von ihnen - auf.

Nach Broad gibt es in der Deontologie Handlungen, deren Richtigkeit in keinster Weise von deren Konsequenzen abhängt. Sie sind immer, ungeachtet der Konsequenzen, moralisch richtig oder falsch.

Im Gegensatz dazu machen Teleologische Theorien die Richtigkeit einer Handlung ausschließlich von ihren Konsequenzen abhängig.

Hierbei fällt nun auf, dass diese Einteilung unvollständig ist, da sie die Theorie der mittleren Position unbeachtet lässt, nämlich jene, die die Richtigkeit von Handlungen nicht nur, aber stets auch von Konsequenzen abhängig machen.

Lehnt man also die eine extreme Auffassung ab, bedeutet dies nicht, dass man sich der anderen anschließen muss. Folglich muss eine Klassifikation der ethischen Theorien anhand der moralischen Relevanz der Handlungskonsequenzen mindestens diese Optionen umfassen:


  • Die Richtigkeit von Handlungen hängt nur von ihren Konsequenzen ab
  • Die Richtigkeit von Handlungen hängt nicht nur, aber auch von ihren Konsequenzen ab.
  • Es gibt Handlungen, deren Richtigkeit überhaupt nicht von ihren Konsequenzenabhängt.


Statt aber entsprechend dieser Optionen drei Arten ethischer Theorien anzunehmen, unterscheidet man meist nur zwei: deontologische und konsequentalistische (bzw. teleologische Theorien). Die dritte Möglichkeit, wird nach heutigem Sprachgebrauch als extreme Variante der Deontologie bezeichnet, als Absolutismus.

Es ergibt sich die Unterscheidung:

>Konsequentialismus: Die Richtigkeit von Handlungen hängt nur von den Konsequenzen ab.

>Deontologie: Es ist nicht der Fall, dass die Richtigkeit von Handlungen nur von den Konsequenzen abhängt.

Entsprechend dieser Definition der Deontologie kann man also entweder die Ansicht vertreten, dass es keine Handlungen gibt, deren Richtigkeit völlig unabhängig von ihren Konsequenzen bestimmt werden kann. Oder man bestreitet, dass die Richtigkeit in unbedingter Verbindung zu den Konsequenzen steht und besteht darauf, dass es Handlungen gibt, die niemals von den Konsequenzen abhängig sind.

Die meisten Deontologen vertreten allerdings die erste Auffassung, die auch die Standartinterpretation der deontologischen Theorien darstellt. Man bezeichnet sie manchmal als "moderate Deontologie", um sievon dem Absolutismus abzugrenzen, als welchen man die zweite Auffassung bezeichnet.

Deontologische Verbote und Optionen:

Deontologische Theorien schreiben bestimmten Handlungen zu, in sich schlecht zu sein - daraus wird ein Verbot dieser Handlungen abgeleitet. Handlungen wie das Töten Unschuldiger oder auch das Lügen sind hier ein oft genanntes Beispiel. Dabei ist es entscheidend, dass eine Lüge auch dann verboten, wenn die Lüge zu guten Konsequenzen führen würde. Solche Fälle, in denen die Maximierung des Guten ausdrücklich verboten ist, ist ausschließlich in deontologischen Theorien möglich.

Ebenso kann es Fälle geben, in denen es moralisch akzeptiert wird, dass eine Handlung nicht den maximalen Gesamtnutzen verursacht. Diese Handlungsalternativen werden Optionen genannt und sind.
Dies soll darin begründet liegen, dass bei Handlungen der Handelnde selbst Gegenstand der Bewertung sein muss. Die deontologischen Theorien sind Akteur-Zentrale Theorien. Konsequentalistische Theorien gehen im Gegensatz dazu nicht vom moralischen Standpunkt des Einzelnen aus, sondern vergleichen bei der Bewertung einer Handlung die gesamte Welt - vor und nach der Handlung - und ob diese die beste ist, die mit den möglichen Handlungsalterativen erreichbar ist.

Das absolutistische Missverständnis der Deontologie

Es ist wichtig den Unterschied zwischen Absolutismus und moderater Deontologie zu berücksichtigen. Es ist keineswegs der Fall, dass in einer deontologischen Ethik alle Pflichten "schlechthin generell und unbedingt" geltend sind und die Konsequenzen- Abwägung keinerlei Rolle spielt. Diese Auffassung wird sowohl von Deontologen, als auch von Absolutisten abgelehnt. Letztere vertreten die Auffassung, dass es einige Handlungsweisen (wie die absichtliche Tötung unschuldiger) gibt, die absolut Verboten sind. Sie sind jedoch nicht der Auffassung, dass alle Gebote und Verbote absolut und unabhängig der Konsequenzen geltend sind.


Quellen: