Kardinaltugenden

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Allgemeines

Der Begriff "Kardinaltugend" kommt von lateinisch cardo - Türangel, Dreh- und Angelpunkt. Anhand der Übersetzung lässt sich auch die Bedeutung beziehungsweise der "Nutzen" der Kardinaltugenden ableiten: es wird etwas Wichtiges bezeichnet, das praktisch im Mittelpunkt steht und um das sich andere Dinge drehen, im Fall der Kardinaltugenden das Handeln. "Tugend" bezeichnet die Fähigkeit, ein verantwortungsvolles und bewusst geführtes Leben zu führen. Das heißt, die Kardinaltugenden sind lehrbare moralische Eigenschaften dienen allgemein dazu, ein gutes Leben zu führen und sind die Grundtugenden, weshalb sich jeder Mensch bemühen sollte, nach ihnen zu streben. Der Begriff "Kardinaltugend" wurde in dieser Form erst im 4. Jahrhundert eingeführt.

Als Kardinaltugenden wird seit der Antike eine Gruppe von vier Grundtugenden bezeichnet, wobei sich die Tugenden allerdings zu verschiedenen Zeiten unterscheiden und auch von verschiedenen Autoren unterschiedlich definiert werden, da diese unterschiedliche Auffassungen haben, welche Tugenden im Leben die wichtigsten sind.


Als besonders wichtiger Vertreter der Kardinaltugenden gilt bis heute Platon. Er hat die

  • Tapferkeit,
  • Gerechtigkeit,
  • Besonnenheit und die
  • Klug-/Weisheit

als die wichtigen vier Kardinaltugenden festgelegt.

Antike

Aischylos

Erstmals wurden die Kardinaltugenden in einer Schrift von dem griechischen Dichter Aischylos gefunden, wobei die Tugenden in seinem Werk offenbar als bekannt vorausgesetzt wurden.

Der Dichter beschrieb hierbei einen Mann in seinem Werk als

  • verständig
  • gerecht
  • fromm und
  • tapfer

Platon

Aus diesen Eigentschaften bzw. Tugenden schloss auch Platon seine Definition der Kardinaltugenden, nämlich der (wie oben schon aufgeführt) Tapferkeit, Gerechtigkeit, Besonnenheit und der Klug-/Weisheit, anstelle der Frömmigkeit. Er definierte seine Vorstellung der Kardinaltugenden anhand des Seelenwagengleichnis.

Seelenwagengleichnis: Platon sagt, es gäbe drei Seelenteile, deren Zusammenspiel harmonisch funktionieren muss, sodass die Gerechtigkeit entsteht. Das bedeutet, Gerechtigkeit ist laut Platon die übergeordnete Tugend. Hierbei haben die Tugenden folgende Bedeutung:

  • Die Weisheit garantiert distanzierte Entscheidungen und Überlegungen und erkennt das Gute
  • Die Tapferkeit verhindert, dass der Mensch sich von Einflüssen wie Lust/Schmerz/Liebe/... leiten lässt
  • Die Besonnenheit bezeichnet das Erstreben der Selbsterhaltung und hilft, das richtige Maß zu finden


Sowohl Platon und seine Anhänger als auch die Stoiker übernahmen die Vorstellung der Kardinaltugenden.

Cicero

Marcus Tullius Cicero, ebenfalls ein Vertreter der Kardinaltugenden, sprach in seinem Werk "De officis" (von den Pflichten) auch von den Kardinaltugenden. Drei der Tugenden stimmten mit denen Platons überein, die Besonnenheit ersetzte Cicero allerdings mit der Tugend der Mäßigung.

Mittelalter

Im Mittelalter blieben die vier Kardinaltugenden Platons weiterhin erhalten, allerdings fügte die Kirche noch drei weitere, ihrer Meinung nach bestrebenswerte Tugenden an:

  • Glaube
  • Liebe
  • Hoffnung

Die Kardinaltugenden werden hier oft als wichtiger Bestandteil in Erziehungsschriften verwendet, um wichtige Werte zu vermitteln.

Moderne

Es gibt weiterhin unterschiedliche Auffassung der Kardinaltugenden. Kant zum Beispiel sagt, dass es nichts auf der Welt gibt, das ohne Einschränkung für einen selbst als gut bezeichnet werden kann, außer der gute Wille. Weiterhin sagt er, wenn dieser fehle, können alle anderen Tugenden schädlich und böse sein. Die Kardinaltugenden seien also nicht mehr das Hauptziel, nach dem zu handeln sei.

Ein weiterer Philosoph, Johann Friedrich Herbart, stellte wiederum vier Kardinaltugenden auf: Er redet hierbei von Tapferkeit, Freiheit, Güte und Gerechtigkeit.

Die Kardinaltugenden gelten bis heute als erstrebenswerte Eigenschaften.

Probleme

Durch die abstrakte, theoretische Erklärung der Kardinaltugenden passiert es dem Handelnden leicht, sich nur mit der eigentlichen Absicht des Handelns, und nicht auch mit den Auswirkungen der Handlungen zu beschäftigen. Dadurch entstehen "Fehler" in der Selbstwahrnehmung, Verhaltensweisen, die anderen oder auch sich selbst auf Dauer schädigen oder die fehlende Fähigkeit, aus eigenem Handeln und auch aus den eigenen Fehlern zu lernen.


Quellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Kardinaltugend

http://www.freiescientologen.de/kardinaltugenden.htm

http://www.eule2003.de/gbereich/g-Ethik/Eth12-1/plato-tug.pdf

http://members.aon.at/veitschegger/texte/Kardinaltugenden.htm

http://www.kardinaltugend.de/

Kommentare

Ich persönlich finde deinen Artikel über die Kardinaltugenden sehr übersichtlich und daher auch gut verständlich. Mein Problem liegt aber in der Tatsache, dass nicht wirklich erklärt wird, wozu diese Kardinaltugenden nun dienen, beziehungsweise warum die einzelnen Philosophen die ein oder andere Kardinaltugend durch eine weitere ersetzt haben. Mich persönlich würde das interessieren, ich bin mir aber nicht sicher, ob dies nicht vielleicht zu ausführlich wäre... Mir bleibt also nur noch einmal zu sagen, dass ich den Artikeln gelungen finde :-) GG-Ethik-SD

Was mir sehr gut an deinem Artikel gefällt ist die Gliederung, die einem sofort einen Überblick verschafft. Muss mich allerdings GG-Ethik-SD anschließen. Ein weiterer Kritikpunkt ist, finde ich, dass du nur die Antike und die Moderne behandelt hast.. Was ist mit der Zeit zwischendrin? Im Mittelalter wurden doch gerade solche Tugenden von der Kirche angepriesen. Dennoch gibt dein Artikel einen schnellen Überblick über die Kardinaltugenden, hat sein Ziel also trotz kleiner Kritikpunkte getroffen. GG-Ethik-LK