ZUM-Unterrichten - Logo.png
Viele Inhalte sind umgezogen ins neue ZUM-Unterrichten.

Herta Müller

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Herta Müller auf der Leipziger Buchmesse 2007

Herta Müller wurde 1953 in Nytzkidorf in Rumänien (Banat) geboren. Deutsch ist ihre Mutterprache.

Von 1973 bis 1976 studierte sie dort deutsche und rumänische Philologie an der Universität der Stadt Temeswar und arbeitete danach als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik.

Sie wurde entlassen, weil sie sich weigerte, für den rumänischen Geheimdienst Securitate zu arbeiten, von dem sie immer wieder verhört und bedroht wurde. 1987 konnte sie nach Deutschland übersiedeln.

Heute lebt sie in Berlin, ihre Werke beschäftigen sich mit der deutsch-rumänischen Vergangenheit und dem Innenleben der Diktatur.

In den zwanzig Jahren seit ihrer Übersiedlung hat sie zahlreiche Literaturpreise erhalten.

Der Roman "Atemschaukel" wird im Frühherbst 2009 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Am 8. Oktober 2009 erhält Herta Müller den Nobelpreis für Literatur

Inhaltsverzeichnis

Nobelpreis für Literatur

Stimmen zur Preisverleihung

Hierzu finden Sie auf dieser Themenseite von SPIEGEL-Online Artikel, Hintergründe und Fakten
"Nicht ich bin es, es sind die Bücher"
"Eine stille, nachdenkliche Person im Blitzlichtgewitter: Herta Müllers erster Auftritt nach Bekanntgabe der Entscheidung des Nobel-Komitees war ein Lehrstück in Integrität." (Von Daniel Haas, Spiegel-Online, 8.10.09)
" Die Auszeichnung von Herta Müller ist eine künstlerisch überzeugende Wahl - was ihre politische Signalwirkung nicht mindert. Diese Entscheidung ist eine der einleuchtendsten, die die Schwedische Akademie seit langem getroffen hat." (Von Felicitas von Lovenberg, FAZ.net 9.10.09)
"Die Literatur der Nobelpreisträgerin Herta Müller schaut auf den Alltag der Anpassung und Feigheit in einem diktatorischen Milieu. Eine Würdigung von Michael Naumann" (www.zeit.de)

"Atemschaukel"

"Rumänien am Ende des Krieges. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. In der eisigen Nacht des 15. Januar 1945 wird ein junger Mann in ein russisches Sammellager verschleppt. „ICH WEISS DU KOMMST WIEDER.“ Dieser Satz, den ihm seine Großmutter noch auf dem Holzgang nachruft, hält ihn am Leben. Herta Müller erzählt vom Schicksal der deutschen Bevölkerung Siebenbürgens und vom Leben eines jungen Mannes in den Lagern Russlands. So macht sie ein noch fast unbekanntes Kapitel der europäischen Geschichte in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar." (www.deutscher-buchpreis.de)

Pro und Contra:

"Herta Müllers neuer Roman über den sowjetischen Gulag-Alltag ist ein atemberaubendes Meisterwerk
Herta Müllers Werk – und das hohe Wort ist inzwischen sehr wohl angebracht – ist ein unübersehbarer literarischer Erinnerungsposten in der Geschichte des politischen Terrors. Das Unsägliche von alltäglicher Angst in diktatorischer Gesellschaft, von Arrest, Folter und Mord auf eigentümliche Weise buchstäblich zur Sprache zu bringen ist die Kunst dieser Autorin. Mit den Augen der Opfer schaut sie auf die politischen Herren der Furcht und nennt sie beim Namen. Sie ist einer der bedeutenden dichtenden Zeugen unserer unseligen Epoche." (Von Michael Naumann, DIE ZEIT, 20.08.2009)
"Gulag-Romane lassen sich nicht aus zweiter Hand schreiben. Herta Müllers Buch ist parfümiert und kulissenhaft
... Eine kindlich-magische Zärtlichkeit schmiegt sich um das Grauen wie die Fußlappen um die Häftlingsfüße und hüllt alles und alle ein mit der schaurig-schönen Traurigkeit eines wehmutsvollen Wiegenliedes. Darin liegt ein Unernst, eine unverbindliche Virtuosität, die nicht zu dieser ernsthaften Autorin und ihrer zweifellos tief empfundenen Empörung passt." (Von Iris Radisch, DIE ZEIT, 20.08.2009 )

Im Haarknoten wohnt eine Dame

"Ich habe eine Leidenschaft - ich sammle Worte." - so äußerte sich Herta Müller in einer Lesung an der Universität Würzburg. Ihr Mann habe das auch schon zu spüren bekommen, nämlich dann wenn er am Morgen wieder einmal eine durchlöcherte Zeitungsseite auf dem Tisch vorfand. Wie andere Briefmarken sammeln, so sammelt Herta Müller Wörter und hebt diese für eine längere Zeit auf, um mit ihnen Neues zu kreieren. Auf wundersame Weise entstanden so zum Beispiel ihre Gedichte in dem Gedichtband "Im Haarknoten wohnt eine Dame", die wie alte Abzählreime aus Kindertagen klingen und an Ringelnatz erinnern. Doch die Thematik der Text-Bild-Collagen ist eine andere: Gewalt und Flucht, Entwurzelung und Sehnsucht nach Heimat kommen in ihren Collagen zum Ausdruck.


"Die Bildcollagen – Gesichts- und Körperfragmente, Details aus dem Alltagsleben neben schwarzen Scherenschnittfigurinen – geben die Stimmung vor, die Texte sind aus einzelnen, aus Zeitungen und Illustrierten herausgeschnittenen Wörtern zusammengeklebt, Bruchstücke mit optischen Akzenten und sichtbaren Fugen, die sich wie Puzzleteile erst bei der Lektüre zu einem Gesamtbild fügen."

Aus dem Klappentext zu Herta Müllers Gedichtband "Im Haarknoten wohnt eine Dame", Reinbek 2000


Rezensionsnotizen

Begeistert äußert sich Gabriele Killert über die Gelegenheitslyrik von Herta Müller: heitere verspielte Texte, denen der vorausgegangene Schmerz, die Erschütterung noch anzumerken sei, die aber eine befreiende Wirkung zeigten. "Der toxische Stoff ist in einer schwingenden Kapsel aus Wohlklang gleichsam versiegelt", schreibt Killert. Die Themen gleichen dabei denen aus Müllers Prosa: Abschied, Weggehen, Auswanderung, aber mit gelassener Heiterkeit behandelt, von der Killert gleich mehrfach Beispiel gibt: "Abschied ist ein Apfelwort/ kommt so blind und rund/ ins Rollen/ Nasen ziehn die Koffer fort/ haben keinen andern Grund/ außer daß sie leben wollen."

(s. auch den gesamten Artikel: Gabriele Killert, Von Wolke zu Mensch,in: Die Zeit, 7.12.2000)

Reaktion aus der niederländischen Presse auf Herta Müllers Literaturnobelpreis
Herta Müller,1953 in Rumänien geboren, ist schon mehr als 20 Jahre ein fester Begriff in der deutschen Literatur. In eigensinniger,genauer und konkreter Prosa schreibt sie in ihren Büchern über die internen Folgen der Gewalt und Unterdrückung. Am 8.Oktober 2009 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur.

Deprimierende Bücher mit oftmals verräterisch leichtfüßig anmutenden Titeln

Seitdem Herta Müller ihr Ausreisevisum 1987 erhielt,lebt sie in Berlin, und produziert sie ein Buch nach dem anderen,manchmal bis zu zwei Büchern pro Jahr. Viele dieser Bücher wurden auch ins Niederländische übersetzt und tragen scheinbar leichtfüßige Titel wie „Der Mensch ist ein großer Fasan in der Welt“ oder „Herztier“. Dahinter versteckt sich aber eine von Diktatur und deprimierender Rückständigkeit gezeichnete Geschichte,auch wenn sie poetisch erzählt wird. In einem früheren Interview erklärte einmal Herta Müller,dass Prosa nicht so angenehm ist und kein gutes Gefühl erzeugen würde. Ihr letzter Roman „Atemschaukel“ ist gerade erschienen und von deutschen Rezensenten äußerst positiv bewertet worden. Das Buch liegt gut im Rennen um den wichtigsten Preis des Jahres,dem Buchpreis der Frankfurter Buchmesse.

Wiederum ist es ihre verzaubernde Sprache, die überzeugt, eine Sprache, in der das Scheußliche nicht schöner dargestellt wird als es ist,sondern fühlbar scheußlicher wird. “Atemschaukel“ handelt vom Hunger,einem Hunger,der zum Begleiter wird und den man täglich ein- und ausatmet. Die deutschstämmigen Rumänen erlebten diesen Hunger während ihrer russischen Gefangenschaft. Nach dem Krieg verschleppte die Rote Armee alle Rumäniendeutschen im Alter zwischen 17 und 45 Jahren nach Russland,um dort Zwangsarbeit zu leisten. Mit einem dieser früheren Zwangsarbeiter, dem Dichter Oskar Pastior, unterhielt Herta Müller in Berlin über Jahre hinweg intensiven Kontakt. Sie beschlossen sogar ein Buch über seine fünfjährige Gefangenschaft in russischen Lagern zu schreiben. Allerdings starb Oskar Pastior 2006.

Nun gibt es ihren Roman „Atemschaukel“, und vielleicht ist es auch ihr bestes Buch. Das Lager als der Superlativ des rückständigen Dorfes und der Diktatur.


aus der überregionalen Zeitung „Trouw“ vom 9. Oktober 2009

Linktipps

3Sat Mediathek Video

"Die frisch gekürte Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller war am 15. Oktober 2009 zu Gast bei Ernst A. Grandits am 3sat-Stand, um ihr en Roman "Atemschaukel" vorzustellen, aber auch, um über viele andere Dinge zu sprechen, die ihr am Herzen liegen."

Siehe auch