Individualisiertes Lernen

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Diagnosegestützes individualisiertes Lernen über Lernplattformen (Achim Lebert, Gymnasium Ottobrunn)

Betrachtet man schulisches Lernen, so wird deutlich, dass schulische Leistungen, die sich in entsprechenden Noten niederschlagen, bei einer genauen Analyse ein sehr individuelles und differenziertes Bild der Leistungsfähigkeit des Schülers ergeben. Dies sieht man, wenn man z.B. schulische Leistungen in einem schulinternen Test näher aufschlüsselt:

Textv Synonym SprachF Rechtschr Satzgefüge Tempus Passiv
1 2 3 4 5 6 7
Punkte 9 3 9 30 9 4 4
Schüler 1 6 2 6 25 7 3 4
Schüler 2 5 1 7 12,5 0 4 3
Schüler 3 7 3 7 22 9 4 4
Schüler 4 6 1 6,5 25 3 4 3
Schüler 5 7 3 2,5 17 7 4 2
Schüler 6 6 2 5,5 20 0 0 0

In dem oben aufgeführten schulinternen Test im Fach Deutsch zeigen sich im Bereich der Rechtschreibung unterschiedliche Ergebnisse der Schüler. Bei 30 möglichen Punkten erreichen die besten Schüler 26 bzw. 25 Punkte. Man kann bei einer solchen Punktzahl abhängig von der Aufgabenstellung von Schülern ausgehen, die weitgehend sicher in der Rechtschreibung sind, denen aber noch Leichtsinnsfehler unterlaufen. Schülern mit 21 von 30 Punkten fehlt möglicherweise die Übung in bestimmten Bereichen der Rechtschreibung, während der Schüler mit z.B. 17 Punkten bereits damit zu kämpfen hat, dass ihm eine Regel unbekannt ist, z.B. dass zwischen Haupt- und Nebensatz ein Komma gesetzt wird. Demgegenüber sind dem Schüler mit nur 13 Punkten möglicherweise mehrere zentrale Regeln der deutschen Rechtschreibung unbekannt, möglicherweise weiß er überhaupt nicht, was überhaupt ein Satz ist.

Geht man vom traditionellen Unterricht aus, so hat der engagierte und fleißige Lehrer insbesondere die Möglichkeit den Schülern verschiedene Aufgaben im Schulbuch zur Verfügung zu stellen. Oftmals handelt es sich aber um Defizite aus den Vorjahren, so dass der Lehrer gezwungen ist, zahlreiche Kopien zu machen, damit ein individuelles Übungsangebot für den einzelnen Schüler tatsächlich gegeben ist. Das Suchen, Austeilen von Kopien und ggf. auch die Korrektur der Übungsblätter belastet das Zeitbudget der Lehrkräfte in einem Maße, dass eine solche Form der individuellen Unterstützung an dem hohen zeitlichen Aufwand, der dafür aufgebracht werden muss, scheitert. Letztlich sind vor dem Hintergrund von aus den Vorjahren weitergeführten Defiziten traditionelle Schulbücher auf eine individualisierte Förderung von Schülern nicht eingestellt.

Demgegenüber geht der Ansatz einer diagnoseorientierten individuellen Förderung über Lernplattformen von anderen Elementen aus:

  1. Die Diagnose der individuellen Stärken und Schwächen des Schülers erfolgt z.B. über den Jahrgangsstufentest, der an den Gymnasien etabliert ist, oder über selbsterstellte Tests, wobei Aufgaben den unterschiedlichen Kompetenzbereichen zugewiesen werden. Der Jahrgangsstufentest Deutsch weist z.B. individuelle Kompetenzprofile aus, so dass die individuelle Schülerleistung im Vergleich zur Klasse und zum bayerischen Durchschnitt ausgewiesen ist (in der Abbildung wurde das Schülerprofil gelöscht):
Individualisiertes lernen2.jpg


  1. Auf dieser Grundlage wird ein individuelles Stärke- und Schwächeprofil für den Schüler erarbeitet, indem der Schüler insbesondere Übungen in Bereichen angeboten bekommt, in denen er Defizite aufweist. Hier haben Lernplattformen im Internet insbesondere den Vorteil, dass sie nicht wie Schulbücher nur eine begrenzte Zahl an Übungen enthalten, sondern eine abhängig von der Lernplattform sehr hohe Zahl an Übungen zur Verfügung stellen. Der entscheidende Vorteil liegt aber insbesondere darin, dass der Schüler sofort nach Durchlaufen der Übung Rückmeldung über die Prozentquote der richtigen Aufgabe erhält und die falschen Lösungen teilweise verbunden mit einer Hilfestellung zum gemachten Fehler ausgewiesen sind. Dadurch entfällt jeglicher Korrekturaufwand für den Lehrer. Verbunden mit der sehr viel höheren Motivation der Schüler solche Webübungen zu durchlaufen, ist auf diese Weise eine individuelle Förderung tatsächlich möglich.
  2. Die Dokumentation der gemachten Übungen kann z.B. durch einen Onlineübungspass erfolgen, in dem die gemachten Übungen mit dem Ergebnis eingetragen sind. Als Kriterium für das erfolgreiche Durchlaufen der Webübungen sollte gelten, dass wenigstens 90% der Übungen erfolgreich durchlaufen sein müssen. Manche Übungsseiten enthalten zudem die Möglichkeit für den Lehrer einzusehen, mit welchem Ergebnis die Schüler die Übungen durchlaufen haben.

Eine strukturierte Zusammenfassung mit Links für die verschiedenen Fächer ab Jgst. 5 in Bayern sowie der Onlinepass zum Herunterladen findet sich im offenen Lernbereich Moodle für die Schüler auf der Digitalen Schule Bayern: Förderraum Deutsch Mittelstufe auf DSB Moodle .

Siehe auch