Influencer, Werbung und Algorithmen

aus ZUM-Wiki, dem Wiki für Lehr- und Lerninhalte auf ZUM.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Unterrichtseinheit zum Thema "Influencer, Werbung, Algorithmen

Didaktische Vorüberlegungen

Schülerrelevanz

Dass die Thematik für Schüler*innen relevant ist, ist nicht zu bestreiten, denn sie ist gegen-wartsbezogen und setzt direkt an der Lebenswelt der Schüler*innen an. Wie an der bitkom-Studie „Kinder und Jugend in der digitalen Welt“ aus dem Jahr 2017 ersichtlich, ist die Smartphone- und Tabletnutzung bei 6- bis 18-jährigen Kindern deutlich gestiegen. Kinder und Jugendliche nutzen digitale Medien im Alltag ganz selbstverständlich, kennen sich mit den von ihnen verwendeten Programmen und Apps meist gut aus und können diese ent-sprechend anwenden. Dies ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einem bewussten, reflektier-ten Umgang. Die Unterrichtseinheit „Werbung, Algorithmen, Influencer“ nimmt vor allem die kritische Reflexion der Mediennutzung vor dem Hintergrund zunehmender Vermarktung in der heutigen Konsumgesellschaft – wie sie auch, und insbesondere online, zu finden ist – in den Blick und versucht, den Schüler*innen größere Wirkungszusammenhänge näherzubrin-gen. Daneben gilt es Schüler*innen zu eigenständigem Handeln zu befähigen. Dies schließt insbesondere den Selbstschutz ein: Bestimmte Strukturen vermögen es, persönliche Daten auszuspähen, zu speichern und zu Werbezwecken zu nutzen. Strategien kennen- und an-wenden zu lernen, um ein solches Vorgehen zu unterbinden, ist eines der Ziele dieser Unter-richtseinheit, die für den Schüler bzw. die Schülerin insofern relevant ist, als dass sie am Ende eine distanziert-kritische Haltung zu Chancen und Risiken der online-Werbung ein-nehmen kann, daneben jedoch auch wichtige Handlungskompetenzen erworben hat.

Situierung im Bildungsplan

Im Vorfeld stellt sich die konzeptionelle Frage, wie der Themenkomplex „Werbung, Influencer, Algorithmen“ sinnvollerweise in den Bildungsplan zu integrieren ist. Gibt es An-knüpfungspunkte, die eine solche Unterrichtseinheit in ihren Grundstrukturen bereits vor-denken bzw., die anschlussfähig sind für solche drängenden Themen der Digitalisierung und Medienerziehung? Für den aktuellen Bildungsplan aus dem Jahr 2016 erscheint die Situierung der Unterrichts-einheit im Fach Gemeinschaftskunde der Klassen 8/9/10 besonders angebracht und zwar unter dem Unterpunkt 3.1.3.3 „Politischer Willensbildungsprozess in Deutschland“. Auch wenn dieser Punkt vornehmlich die politische Ebene betrifft, so ist der Themenblock „Wer-bung, Influencer, Algorithmen“ grundlegend von Bedeutung, um dann im nächsten Schritt den Bezug zum politischen System herstellen zu können und beispielsweise Handlungs-kompetenz zu erwerben, indem die Schüler*innen wie in (2) gefordert, erläutern können, welche „Auswirkung [die] digitale[n] Medien (zum Beispiel Blogs, soziale Netzwerke) auf die politische Willensbildung [haben]“.

[Siehe: Bildungsplan 2016, Gemeinschaftskunde Klasse 8/9/10: http://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/GYM/GK/IK/8-9-10/03/03#bplink-infolayer[3257169]/0/ (zuletzt auf-gerufen: 15.07.2018, 11:46h).]

Abgesehen davon können die ersten beiden Bausteine zum Thema „Werbung allgemein“ und „Online-Werbung: Influencer auf Youtube“ auch im Basiskurs Medienbildung der 5. Klasse unter dem Unterpunkt „3.1.4 Mediengesellschaft“ verortet werden. Insbesondere unter (3) werden grundlegende Kompetenzen formuliert, die in den ersten beiden Bausteinen gefördert werden.

[Siehe: Bildungsplan 2016, Basiskurs Medienbildung, 3.1.4 Mediengesellschaft, „Die Schülerinnen und Schüler können (3) die Wirkung von Medien an Beispielen untersuchen, ihre Empfindungen dazu äußern und erste Gesetzmäßigkeiten ableiten: zum Beispiel (manipulative) Wirkung von Bildern und Musik, Gestaltung von Text und Bild in der Werbung, Kriterien an einer eigenen Medienproduktion anwenden und die Wirkung überprüfen (zum Beispiel mittels Bildvertonung).“ http://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/GYM/BMB/IK/5/04 (zuletzt aufgerufen: 18.07.2018, 16:10h).]


1. und 2. Stunde: Werbung

Thema der Stunde

Die erste Doppelstunde ist absolut maßgeblich und von enormer Bedeutung für die gesamte Unterrichtseinheit, denn sie fungiert als Einstieg und bildet die Grundlage für den großen Themenbereich „Werbung, Influencer, Algorithmen“. Um eine nivellierte Ausgangsbasis zu schaffen, ist es von Vorteil, das Thema Werbung im klassischen Sinne zu erarbeiten. Um sämtliche Schüler*innen, unabhängig von Vorwissen und (heterogenem) Leistungsniveau, auf das neue Thema einzustellen und zugleich dafür zu begeistern, wählt die Lehrkraft einen relativ offenen Einstieg, indem sie mithilfe von im Klassenraum verteilten Werbebildern Wer-bung ganz ergebnisoffen thematisiert und die Schüler*innen so dazu einlädt, alle möglichen Gedanken und Assoziationen zum Thema zu äußern. Diese werden in einer Mindmap an der Tafel gesammelt, wobei dem Lehrer die schwierige Aufgabe des Strukturierens und Prio-risierens zufällt. Im zweiten Teil werden die Schüler*innen nun selbst aktiv und Analysieren klassische Plakat- bzw. Print-Werbung in Kleingruppen; die Ergebnisse werden am Ende im Plenum vorgestellt und diskutiert.

Lernziele und Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler können…

  • klassische Werbung in ihren unterschiedlichen Formen erkennen und ihre jeweiligen Funktionsweisen nachvollziehen.
  • sich in kritische Distanz dazu setzen.
  • die Auswirkung von Werbung auf den (politischen) Willensbildungsprozess verstehen.

Vorbereitung und Medien bzw. Materialien

Als Vorbereitung auf die Unterrichtsstunde sollte die Lehrkraft zunächst verschiedene Bilder zum Thema Werbung sammeln, diese auswerten und je nach Erkenntnispotenzial auswäh-len. Auch eine Grobstruktur für die Mindmap bzw. Überlegungen, welche Beiträge die Schü-ler*innen vermutlich einbringen könnten und wie diese zu strukturieren seien, können im Vorfeld von Vorteil sein. Im zweiten Stundenteil geht es dann um die Werbeanalysen; die Lehrkraft hat sich zu Beginn für bestimmte Plakat-/Print-Werbung entschieden und diese als QR-Code (Link zum Bild, das bereits in Thinglink hochgeladen wurde) mitsamt der Aufga-benstellung auf einem Arbeitsblatt erstellt. Die Schüler*innen nutzen nun das Webtool Thing-link, um die jeweiligen Bilder mithilfe von Tags zu analysieren. Hierfür benötigt jeder Schüler bzw. jede Schülerin einen eigenen Thinglink-Zugang, den man am besten gemeinsam erstellt. Sollten hierbei Probleme entstehen, so kann als Alternative auch mit Power-Point gearbeitet werden.

Zusatzinformationen

Werbung

Unter Werbung versteht man alle möglichen Formen der Beeinflussung von Meinung, zu-meist vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Interessen, im Sinne einer Absatzförderung. Diese Meinungsbeeinflussung erfolgt mithilfe bestimmter Kommunikationsmittel und spezifischer Kommunikationsmedien. Mithilfe von Werbung werden bestimmte Ziele und Funktionen verfolgt:

  • „Information: Werbung soll den Kunden über Produkte, Neuerungen und Qualitäts-merkmale informieren.
  • Motivation: Werbung soll den Kunden motivieren, ein Produkt zu erwerben oder sich näher mit dem Produkt auseinanderzusetzen (z. B. bei Neueinsteigern in einem Markt).
  • Sozialisation: Ziel der Werbung kann es auch sein, Mitgliedern einer Zielgruppe Werte zu vermitteln. Beispiele sind Kampagnen wie keine Macht den Drogen oder Kampagnen zur Aufklärung über Aids.
  • Verstärkung: Ein weiteres Ziel der Werbung kann es sein, den Kunden, der motiviert ist, ein Produkt zu erwerben, in seiner Entscheidung zu bestärken. Wichtig ist die Verstärkung darüber hinaus bei der „Nachkaufwerbung“. Bei dieser Form der Wer-bung versucht man Kunden möglichst viele Argumente dafür zu liefern, daß sie eine gute Kaufentscheidung getroffen haben, um so mögliche Zweifel an der Kaufent-scheidung zu beseitigen.
  • Unterhaltung: Ein sicher peripheres, aber nicht unbedeutendes Ziel kann es sein, Kunden zu unterhalten. Im Vordergrund steht dabei sicher der Versuch zu verhindern, dass Zielgruppenmitglieder sich durch Vermeidungsverhalten (Umschalten, Weiterblättern, ...) der Werbemaßnahme entziehen.“

[Aus: http://www.werbepsychologie-online.com/index.php/einfuehrungthema/ziele zuletzt aufgerufen: 13.07.2018, 10:47h.]

Thinglink

Thinglink ist ein Webtool, mit dem vor allem Bild- und Karikaturanalyse digital geleistet werden kann. Neben der Stärkung von Medienkompetenz im Umgang mit visuellem Material, fördert Thinglink insbesondere individuelles Arbeiten im Sinne eines selbstständigen Entwickelns von Ideen und strukturiertes Vorgehen. Mithilfe von Tags können weitere Aspekte in Link-, Bild- oder Textform hinzugefügt werden, sodass das Endprodukt eine interaktive Grafik darstellt.


3. Stunde: Online-Werbung: Influencer auf YouTube

Thema der Stunde

Direkt an die Doppelstunde zum Thema „Werbung“ schließt sich – gefugt über eine überbrückende Hausaufgabe – die Einheit „Online-Werbung: Influencer auf YouTube“ an. Während im ersten Teil der Stunde das Besprechen der Hausaufgabe mit Werbemechanismen im Medium Video bzw. bewegtes Bild vertraut macht, kann anschließend im zweiten Teil der Stunde mit YouTube-Videos gearbeitet werden. Ein Unterrichtsgespräch bereitet die Schüler*innen auf das Phänomen „Stars als Werbeträger“ vor. Es soll insbesondere geklärt werden, warum Stars in der Werbung auftauchen und welches Interesse der jeweiligen Marken besteht, Stars als Werbefiguren einzusetzen. Analysiert wird nun eine bestimmte Art der Vermarktung, die den Schüler*innen besonders vertraut sein dürfte; Influencer-Videos auf YouTube. Anhand von Fragen nach der Platzierung und der Form von Werbung in YouTube-Videos soll erarbeitet werden, wie diese besondere Art der Online-Werbung funktioniert und welche verschiedenen Möglichkeiten der Werbung es in YouTube-Videos gibt. Die Schü-ler*innen durchschauen die Funktionsweise von Influencer-Marketing, die zum größten Teil auf der suggerierten Authentizität und Nähe zum Rezipienten beruht.

Lernziele und Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler können…

  • die Unterschiede zwischen klassischer Werbung und Online-Werbung (Influencer) erkennen und beschreiben.
  • die verschiedenen Möglichkeiten der Werbeplatzierung in YouTube-Videos erkennen und deren Grad an Suggestionskraft durchschauen.
  • die Scheinrealität (Authentizität, Nahbarkeit) von Influencer als Strategie entlarven.

Vorbereitung und Medien bzw. Materialien

Neben der zu besprechenden Hausaufgabe zum Thema Werbung im TV-Spot, für die sich die Lehrkraft zusammenfassend die wichtigsten Ergebnisse schlaglichtartig vergegenwärtigen sollte, ist es insbesondere notwendig, vorbereitend zwei Hauptschwerpunkte zu setzen:

  1. Das Unterrichtsgespräch:

Ziel des als Fugung dienenden Gesprächs ist es, die Schüler*innen für die Schnittstelle Werbung und Stars im Netz zu sensibilisieren. Vermag es die Lehrkraft, das Unterrichtsgespräch geschickt zu leiten, so gelangen die Schüler*innen, ausgehend von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen, auf die Ebene der Reflexion, indem sie bisher so angenommene „Selbstverständlichkeiten“ hinterfragen. Es ist somit von Vorteil, dass sich die Lehrkraft im Vorfeld Gedanken über mögliche Impulse und Fragen macht, und sich zugleich vergegenwärtigt, welche Unterthemen im Laufe des Gesprächs angesprochen werden sollten.

  1. Analyse: Influencer-Video auf YouTube

Zum Zweiten ist es die Aufgabe der Lehrkraft sich im Voraus einige Influencer-Videos anzusehen und sich schließlich für dasjenige als Untersuchungsgegenstand für den Unterricht zu entscheiden, an dem die Schüler*innen die meisten Beobachtungen machen können. Es eignen sich insbesondere die Videos, die viele unterschiedliche Arten der Werbeeinblendung nutzen. Für diese Stunde beschränkt sich der Medieneinsatz weitestgehend auf eine Projektion im Klassenplenum, sodass sich die Lehrperson lediglich um Laptop und Beamer kümmern muss. Im Zuge der Ergebnissicherung/Reflexion gegen Ende der Stunde arbeiten die Schüler*innen mit einer Grafik von klicksafe, die der Lehrer problemlos als abschließendes Arbeitsblatt ausgeben kann.

Zusatzinformationen

YouTube

YouTube ist eine 2005 gegründete Online-Video-Plattform, die zu Google gehört und zahlreiche Aktivitäten eröffnet. Ursprünglich wurde YouTube gegründet, um Videos öffentlich zu machen, d.h. eigene Videos hochzuladen, um die mit anderen zu teilen. Hat man sich einen Account eingerichtet, so gibt es mittlerweile die Möglichkeit, Videos zu kommentieren, zu bewerten oder ganze „Kanäle“ zu abonnieren. Die bitcom-Studie „Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt“ aus dem Jahr 2017 gibt Aufschluss über die Nutzung von YouTube: Neben WhatsApp zählt YouTube zum beliebtesten sozialen Netzwerk bei den 10- bis 18-jährigen Internetnutzern.

[Aus: https://www.bitkom.org/Presse/Anhaenge-an-PIs/2017/05-Mai/170512-Bitkom-PK-Kinder-und-Jugend-2017.pdf (zuletzt aufgerufen: 16.07.2018, 19:39h).]

Influencer

dt. Beeinflusser

Influencer sind Personen, die aufrund ihres Ansehens, ihrer Bekanntheit und hohen Präsenz in sozialen Netzwerken zu Marketing-Zwecken eingesetzt werden. Das sogenannte Influencer-Marketing beschreibt dabei die Nutzung eines solchen Influencer für die Markenkommunikation und -verbreitung. Erfolgreiche Influencer, wie sie beispielsweise auf YouTube, Instagram oder Twitter zu finden sind, verfügen über soziale Autorität, sind fachlich kompetent und vermitteln Vertrauen und Nahbarkeit, indem sie sich als durchschnittlichen „Normalbürger“ gerieren.


4. und 5. Stunde: Algorithmen

Thema der Stunde

Der dritte Baustein entspricht der vierten und fünften Unterrichtstunde und befasst sich mit dem Thema Algorithmus im Allgemeinen und online-Werbealgorithmen im Speziellen. Die Videosequenz, die zu Beginn gezeigt wird, thematisiert Strategien der Kaufmanipulation im Supermarkt und setzt somit an der direkten Lebenswelt der Schüler*innen an. Im weiteren Verlauf leiten die Schüler*innen einen Roboter durch einen Supermarkt (Ziel: Brot holen und bezahlen) und erstellen somit selbst algorithmische Parameter. Das Unterrichtsgespräch, das hieran anschließt ist so ausgelegt, dass es zum einen theoretisch thematisiert, worin denn nun der Algorithmus besteht und zweitens als Überleitung für die folgende Transferaufgabe dient: Wie funktionieren Werbealgorithmen im Netz? Dieser Frage kommen die Schüler*innen mithilfe einer Gruppenarbeit nach, indem sie zunächst einen Charakter zugeteilt bekommen, diesen anhand der im Netz gesammelten Informationen einschätzen und einen Fragekatalog beantworten. Jede Antwort wirft eine bestimmte Produktpalette auf und schließt zugleich andere aus, sodass am Ende bestimmte Produktüberschneidungen auszumachen sind, die der Werbealgorithmus anhand der über die Person gesammelten Daten höchstwahrscheinlich vorschlägt. Diese zweite Erarbeitung hat den Vorteil, dass sie den Schüler*innen das Funktionieren der Algorithmen vor Augen führt, die ansonsten unbemerkt im Hintergrund ablaufen; zugleich sollte ganz deutlich darauf hingewiesen werden, dass Werbealgorithmen natürlich viel komplexer funktionieren und die Lehrkraft an dieser Stelle didaktisch immens reduziert hat.

Lernziele und Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler können…

  • grundlegende Funktionsweisen von Algorithmen verstehen und hinterfragen.
  • Mechanismen der online-Werbung mithilfe von Algorithmen nachvollziehen.
  • manipulative Absicht von Werbealgorithmen im Netz begreifen.
  • die Auswirkung auf die eigene Person und die eigenen Aktivitäten im Netz nachvollziehen.

Vorbereitung und Medien bzw. Materialien

Die Lehrkraft sollte sich selbstverständlich mit dem Themenkomplex „Algorithmen“ auseinandergesetzt haben, sodass sie in der Lage ist, den Unterricht und insbesondere das fugende Unterrichtsgespräch strukturiert und zielgerichtet zu leiten. Des Weiteren gilt es im Vorfeld die Arbeitsblätter zu erstellen und die Videosequenz für den Einstieg auszuwählen. Viel Zeit sollte für die Erstellung der Charaktere eingeplant werden. Bis auf das Einstiegsvideo läuft die Unterrichtsstunde „analog“ ab.

Zusatzinformationen

Algorithmus

Unter einem Algorithmus versteht man eine konkrete, aus unterschiedlich vielen Schritten bestehende, eindeutige Handlungsanweisung zur Lösung eines bestimmten Problems. Algorithmen sind somit festgelegte Ereignisketten, die dann zur Anwendung kommen, wenn eine Aufgabe bzw. Problemstellung zu lösen ist. Wenn Algorithmen auch zentrale Bedeutung in der Informatik zukommen, so haben wir es hier dennoch nicht mit einem Begriff zu tun, der spezifisch informatisch ist; Algorithmen begegnen in vielen verschiedenen alltäglichen Situationen, wie beispielsweise das Backrezept für einen Kuchen. Algorithmen im Netz, wie sie beispielsweise bei online-Werbung auftauchen, sind deshalb besonders problematisch, weil durch bestimmte personenbezogene Daten und Informationen, Rückschlüsse auf unsere Vorlieben geschlossen werden können. Algorithmen werden somit auch im Netz genutzt, um jugendliche potenzielle Käufer durch einen virtuellen Supermarkt zu leiten. Im Hintergrund automatisiert ablaufende Schleifen führen ganz unbemerkt zu einer Beeinflussung der Meinung durch eine vorselektierte Ausschnittswahl.


6. und 7. Stunde: Personalisierte Werbung und Datenschutz

Thema der Stunde

Das Thema der Doppelstunde lautet „Personalisierte Werbung und Datenschutz“ und stellt Klimax und zugleich Abschluss der gesamten Unterrichtseinheit dar. Sie ist sinnvollerweise an das Ende platziert und knüpft an die Stunde zum Thema „Algorithmen“ an. Der Aspekt der Personalisierung, d. h. der Nutzung personenbezogener Daten zu Zwecken der Werbung, vor allem im Sinne der Überwachung des Benutzerverhaltens, steht im Fokus der beiden Stunden und wird den Schüler*innen anhand der Lightbeam-Erweiterung vor Augen geführt. Tracking und Cookies sind die Schlagworte, die in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung sind. Der zweite Teil der Doppelstunde zielt vor allem darauf ab, Handlungsoptionen zu entwickeln, um gegen Tracking und Cookies vorzugehen und sich praktisch davor zu schützen. Gemeinsam mit den Schüler*innen werden Maßnahmen erarbeitet, die für einen diskreten Umgang mit persönlichen Daten sensibilisieren, indem sie zugleich die Mündigkeit eines jeden Schülers bzw. einer jeden Schülerin im Netz stärken. Die Doppelstunde fördert somit ein größeres Bewusstsein in Bezug auf den Datenschutz.

Lernziele und Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler können

  • die Funktionsweise von Tracking und personalisierter Werbung verstehen und erklären.
  • Handlungsmaßnahmen ergreifen, um sich davor zu schützen.
  • sich selbst und ihr eigenes Verhalten in Bezug auf den Schutz persönlicher Daten reflektieren.

Vorbereitung und Medien bzw. Materialien

Diese Doppelstunde, die zugleich den Abschluss der Einheit „Werbung, Influencer, Algorithmen“ bildet, ist für die Lehrperson besonders vorbereitungsintensiv. Es werden mehrere Themenkomplexe (Tracking, Cookies, etc.) angesprochen, mit der sich die Lehrkraft zuvor eingehend auseinandergesetzt haben muss. Nichtsdestoweniger ist gerade dieser Baustein der Unterrichtseinheit besonders wertvoll, weil hier mit den Schüler*innen Handlungsoptionen erarbeitet werden, die intime, personenbezogene Daten schützen. Gearbeitet wird in den beiden Stunden vorwiegend mit Laptop und Beamer; dies ermöglicht der Lehrkraft die zentrale Bündelung der Aufmerksamkeit im Kollektiv. Unterbrochen werden diese „digitalen Phasen“ durch Arbeitsaufträge, die mithilfe von Arbeitsblättern vermittelt werden und Laptop-Pausen ermöglichen. Die Sicherungsphase findet sinnvollerweise an der Tafel statt, sofern sich dies praktisch umsetzen lässt. Falls der Beamereinsatz die Tafel als Sicherungsmedium ausschließt, kann eine Sicherung der Ergebnisse natürlich auch per Arbeitsblatt erfolgen. Um der abschließenden Pro-/Contra-Diskussion einen Startimpuls zu geben, ist das Sammeln zweier Aussagen pro Seite auf einem Arbeitsblatt hilfreich. Um die Schüler*innen mit dem Thema „Tracking“ vertraut zu machen, sollte sich die Lehrkraft in der Vorbereitungsphase das Firefox-Plug-In Lightbeam heruntergeladen und sich damit intensiv auseinandersetzt haben. Zudem ist es erforderlich, sich im Vorfeld mit dem Abrufen und Löschen von Cookies sowie Startpage beschäftigt zu haben. Als Abschluss der gesamten Unterrichtseinheit und zur Wiederholung der zentralen Erkenntnisse wird mit einem Kahoot-Quiz gearbeitet, das die Lehrkraft im Voraus vorzubereiten hat. Hierzu benötigt er einen individuellen Zugang (https://create.kahoot.it/register). Um Kahoot nutzen zu können, benötigt jede/r Schüler*in ein Smartphone bzw. Tablet und den Game-PIN, der gewährleistet, dass die Klasse das richtige Quiz aufruft.

Zusatzinformationen

Tracking und Firefox-Plug-in Lightbeam

Viele Werbefirmen nutzen Tracking, um mehr über potenzielle Kunden zu erfahren. Damit ist gezielte Bewerbung möglich. Lightbeam macht Drittanbieter sichtbar, die ihre Inhalte auf Websiten platzieren, die man besucht. Drittanbieter sind oft Firmen, die im Hintergrund unsere Daten sammeln und verwerten. Besuchte Seiten werden in Lightbeam als Kreis (mit Logo) angezeigt. Diese Webseiten werden von Drittanbietern umgeben, die auf den von uns besuchten Seiten eigene Inhalte anbieten. Viele von ihnen sind sogenannte „Tracker“ und verfolgen uns über mehrere Seiten hinweg. Die Tracker werden als Dreiecke dargestellt und scharen sich um die eigentlich von uns besuchten Webseiten. Ihre Verbindung zu einer von uns besuchten Seite wird durch eine Linie dargestellt.

[Aus: https://www.klicksafe.de/fileadmin/media/documents/pdf/klicksafe_Materialien/Lehrer_Allgemein/ks_to_go_Datensatz_-_Datenschatz.pdf (zuletzt aufgerufen: 04.07.18, 15:36h).]

Cookies

Cookies sind kleine Datenpakete, die Webanbieter im Browser des eigenen Rechners speichern und später wieder abrufen können. Damit kann vor allem das Surfverhalten verfolgt werden. Daher ist es wichtig, die Recherche nicht im Plenum stattfinden zu lassen.

Startpage

Anstatt dass der Browser Google direkt um Inhalte bittet, fragt man stellvertretend Startpage als „Proxy“ an. Ein Proxy ist dabei eine Zwischenstelle, der man vertraut. Sie sucht stellvertretend nach Inhalten im Netz und liefert diese an uns aus. Vergleichbar wäre, im Restaurant nicht direkt beim Koch zu bestellen, sondern beim Ober als Schnittstelle zwischen Kunde und Hersteller. Der Proxy fragt nun bei Google direkt an und gibt die Inhalte an uns weiter, ohne Google zu verraten, für wen die Inhalte eigentlich sind. Neues Problem: Jetzt muss man seinem Proxy, hier Startpage, vertrauen!

[Aus: https://www.klicksafe.de/fileadmin/media/documents/pdf/klicksafe_Materialien/Lehrer_Allgemein/ks_to_go_Datensatz_-_Datenschatz.pdf (zuletzt aufgerufen: 04.07.18, 15:36h).]