Jakob, der Lügner

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Der Roman „Jakob der Lügner“ ist das bekannteste Werk des Schriftstellers Jurek Becker. Es wurde 1969 veröffentlicht.


Biographie

Jurek Becker wurde am 30.09.1937 als Sohn einer jüdischen Familie in Lodz/Polen geboren. Er verbrachte seine Kindheit in einem Judenghetto, weil er nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 zusammen mit seinen Eltern dorthin deportiert wurde. 1944 kam er mit seiner Mutter in ein Konzentrationslager. Seine Mutter starb nach dem Ende des Krieges an Unterernährung. Ungefähr zwanzig weitere Familienmitglieder waren umgebracht worden. Jurek, sein Vater und eine Tante waren die einzigen Überlebenden. Nach der Befreiung 1945 konnte er seinen Vater wiederfinden und zog mit ihm nach Berlin. Dort erlernte er auch die deutsche Sprache. 1955 erlangte er das Abitur und wurde Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und 1957 auch der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Außerdem diente er zwei Jahre freiwillig bei der Kasernierten Volkspolizei (KVP). In den Jahren 1957 bis 1960 studierte Jurek Becker Philosophie an der Humboldt-Universität in Berlin. 1960 wurde Becker aus politischen Gründen vom Studium ausgeschlossen. In den Jahren 1960 bis 1977 war er als freier Schriftsteller in Ost-Berlin tätig. Danach verließ er die DDR aus politischen Gründen und ging in den Westen der Stadt. In Folge arbeitete er als Gastprofessor und schrieb mehrere Romane und Erzählungen. Am 14. März 1997 starb Jurek Becker nach einem langen Krebsleiden in seinem Haus in Sieseby/Schleswig Holstein.


Zentrale Thematik

In dem Roman "Jakob, der Lügner" von Jurek Becker schildert ein anonymer Ich-Erzähler das Schicksal des polnischen Juden Jakob Heym in einem Warschauer Judenghetto. Dieser wird, obwohl es noch nicht 20 Uhr ist, und die Ausgangssperre noch nicht begonnen hat, von einem deutschen Wachposten mutwillig auf das Wachrevier im Ghetto geschickt. Hier hört er zufällig eine Rundfunknachricht vom Vorrücken der sowjetischen Roten Armee. Unverhofft wird Jakob wieder aus dem Revier entlassen und findet neuen Lebensmut. Diese Nachricht gibt ihm die Hoffnung, dass das Ghetto befreit werden würde, aber er beschließt den anderen Ghettobewohnern vorerst nichts davon zu erzählen. Als jedoch Mischa, ein Freund von Jakob Kartoffeln von den Deutschen stehlen möchte, was er mit dem Tod bezahlen hätte müssen, versucht Jakob ihn davon abzuhalten und so zu retten, indem er ihm vom Vorrücken der Roten Armee berichtet. Doch Mischa glaubt dem Freund nicht, und Jakob kann ihm nicht erzählen, dass er es auf dem Revier gehört habe, da er sonst als deutscher Spion gelten könnte, weil kein Jude je das deutsche Revier lebend verlassen hatte. Um glaubwürdiger zu wirken, behauptet Heym im Besitz eines Radios zu sein. Da sich diese Lüge schnell verbreitet, gerät er in die Zwangslage, immer neue Nachrichten erfinden zu müssen, weil die Bewohner Informationen von ihm erwarten, da er angeblich ein Radio besitzt. Durch seine Lügen schöpfen seine Leidensgenossen wieder Hoffnung und fangen an Zukunftspläne zu schmieden und auch die Selbstmordrate sinkt. Allerdings fällt es Jakob schon bald zunehmend schwer, jeden Tag eine neue Geschichte von den Taten der Roten Armee zu erfinden, die glaubwürdig genug ist, um sie den jüdischen Bewohnern zu berichten. Also beschließt er, sich seinem Freund Kowalski anzuvertrauen und ihm von den Lügen zu erzählen. Kowalski nimmt dieses Eingeständnis scheinbar gleichgültig auf, aber beginnt in der Nacht Selbstmord. Jakob Heym fühlt sich für den Tod Kowalskis verantwortlich und macht sich Vorwürfe. Er erkennt, dass er weiterhin lügen muss, um seinen Leidensgenossen die Kraft zum Überleben zu geben. Doch die Lage spitzt sich zu und schon am nächsten Tag werden einige Ghettobewohner in Konzentrationslager und somit in den Tod transportiert, das tragische Ende deutet sich an. Doch bei dem belässt es der Erzähler nicht und bietet zwei Fassungen des Ausgangs der Geschichte. Zum einen das "reale" Ende, in dem Jakob zusammen mit anderen Leidensgenossen deportiert wird. Der Erzähler überlebt den Krieg und verbreitet die Geschichte Jakobs. Und zum anderen das "fiktive" Ende, das den Fluchtversuch Heyms beschreibt, bei dem er jedoch erschossen wird. In diesem Ende wird das Ghetto kurz nach seinem Tod von der Roten Armee befreit.


Historischer Hintergrund

Im Alter von 2 Jahren kam Becker ins Ghetto von Lodz, das damals 160.000 Juden umfasste, mit 5 Jahren kam er in ein Konzentrationslager. Jurek Becker schrieb sein Werk „Jakob der Lügner“ in der DDR und veröffentlichte es 1969. Der Roman selbst handelt von dem Leben und der Behandlung der Juden im Ghetto zur Zeit des Nationalsozialismus. Jureks Vater lieferte ihm durch die Beschreibung seiner eigenen Zeit im Ghetto die Grundlage für sein Werk, denn er erzählte Becker von einem heldenhaften Mann, der im Ghetto Lodz lebte und ein Radio versteckte. Er habe Radio gehört und dadurch seinen Leidensgenossen Hoffnung gegeben. Der Mann wurde von der Gestapo erschossen, als diese davon erfuhr. Jurek Becker aber wollte nicht noch einmal über genau diesen Mann schreiben, weil er schon oft Geschichten über ihn gelesen hatte, deshalb verfasste er seinen Roman über das Schicksal eines Mannes Jakob Heym, der nur vorgab ein Radio zu besitzen.