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Leistungsbewertung im Ethikunterricht

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Inhaltsverzeichnis

Klassenarbeiten

Problematik der Überprüfbarkeit

Lehrer und Schüler sind mit einem Dilemma konfrontiert, wenn im Fach Ethik Klassenarbeiten geschrieben werden: Auf der einen Seite steht "die für die Belange und Ziele des Ethikunterrichts erforderliche Offenheit", andererseits ist "abfragbares und quantitativ beurteilbares Verfügungswissen"[1] zu berücksichtigen. Wenn also der Unterricht sehr offen ist, geraten die Beteiligten in eine schwierige Situation: Vor einer Klassenarbeit fehlt bisweilen den Schülern die Klarheit, welche Inhalte geprüft werden (typische Schülerfrage: "Was soll ich überhaupt lernen?"); der Lehrer kann in diesem Fall nur schwer die Schülerleistungen bewerten (typische Lehrerfrage: "Soll ich für diese Aufgabe 5 Punkte geben oder keinen?"). Wenn andererseits der Lehrer im Unterricht Offenheit zurückstellt und sich sehr stark auf die Vermittlung von "abfragbarem" Wissen konzentriert, kann der Ethikunterricht zu einem voruniversitären Philosophiekurs werden, der den Schülern jegliche Motivation nimmt.

Lösungsvorschläge

In der Praxis dürfte es deshalb nötig sein, zwischen sehr offenen und eher enggefassten Unterrichtsstunden zu variieren. Phasen, die von offenem Unterricht (z.B. Diskussion) geprägt sind, sollten mit Phasen wechseln, die eher auf Informationsvermittlung (z.B. Lehrervortrag, Schülerreferat) geprägt sind. Auf diese Weise sichern sich die Beteiligten "abfragbares" Wissen. Dennoch sollten die offenen Phasen nicht als wertlos für die Leistungsüberprüfung angesehen werden. Vielmehr ist es sinnvoll, auch in Klassenarbeiten beispielsweise persönliche Stellungnahmen zu erfragen. Bei der Bewertung dieser Aufgabentypen ist es allerdings wichtig, dass nicht die Tendenz der Schülerleistung bewertet wird, sondern die Schlüssigkeit der Argumentation, die vor allem auch an aussagekräftigen Beispielen deutlich wird.

Aufbau einer Klassenarbeit

In der "klassischen" Schule geht man, wie auch aus den beiden obenstehenden Abschnitten eines anderen Autors deutlich wird, immer davon aus, dass Ergebnisse bewertet werden sollen, dass man Wissen reproduzieren muss. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat in ihren EPA (Einheitliche Prüfungsanforderungen) drei Anforderungsbereiche formuliert, von denen nur der erste sich der Reproduktion von Wissen widmet.

In einer Klassenarbeit/Klausur sollten die drei Anforderungsbereiche (AFB) angemessen vorkommen, die AFB I (Reproduktionsleistungen) und II (Reorganisations- und Transferleistungen) mit jeweils ca. 45 %, der AFB III (Reflexion und Problemlösung) mit 10-15 %.

Konkurrenz zum Fach Religion

Ein Teil der Schüler macht die Entscheidung, am Religionsunterricht teilnehmen zu wollen oder zum Ethikunterricht zu wechseln, nicht nur von persönlichen Gründen abhängig, sondern auch von den erreichbaren Noten. Daher sollten sich Ethik- und Religionslehrer einer Schule - soweit möglich - auf gemeinsame Maßstäbe für die Korrektur von Klassenarbeiten einigen, um die Konkurrenzsituation möglichst zu entschärfen.

Plakate

Bei der Bewertung von Plakaten als Schülerleistung ist zunächst immer zu hinterfragen, ob die Leistung selbstständig erbracht wurde, oder ob doch die Eltern beteiligt waren... Insofern ist eine Bewertung insbesondere dann sinnvoll, wenn das Plakat im Unterricht erstellt wurde. Um das Ergebnis möglichst objektiv bewerten zu können, sollte zusätzlich zum Plakat immer eine mehr oder weniger ausführliche Begründung der Aussageabsicht und Gestaltung in schriftlicher Form oder in Form einer Präsentation des Plakats vor der Klasse (sehr zeitaufwändig!) gefordert werden.

Mögliche Bewertungskriterien sind:

  • optischer Eindruck
  • Format
  • Textanteil
  • Orthografie
  • Theorie
  • Idee
  • Begründung der Aussageabsicht

Im Vorfeld muss natürlich genau geklärt werden, welche Anforderungen man stellt und welche Bewertungskriterien gelten.

Vortrag

Einzelnachweise

  1. Richard Breun: Auf der Suche nach dem Feld des Ethischen in didaktischer Absicht, in: Ethik macht Schule II, Edition Ethik Kontrovers, Jahrespublikation der Zeitschrift Ethik & Unterricht 2004, S. 5

Siehe auch