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Lesekompetenz 2003

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Lesekompetenz und PISA 2003

In der Fortsetzungsstudie PISA 2003 stellen die Untersuchungen zur Lesekompetenz nicht mehr den Schwerpunkt dar. Es wurden auch keine neuen Aufgaben entwickelt, sondern es

"... wurden Items aus dem Lesetest PISA 2000 ausgewählt. Der Lesetest umfasst nun noch 28 Aufgaben (PISA 2000: 129), die sich auf insgesamt acht verschiedene Texte (PISA 2000: 37) beziehen. Der überwiegende Teil der Aufgaben (etwa zwei Drittel) verwendet kontinuierliche Texte." (PISA-Konsortium Deutschland (Hrsg.): PISA 2003 - Der Bildungsstand der Jugendlichen in Deutschland, Waxmann 2004 S. 94)

Im Bereich Lesekompetenz hat sich 2003 gegenüber 2000 kein 'signifikanter' Unterschied ergeben, sie liegt auf dem gleichen Niveau wie in PISA 2000. Prägnant zusammengefasst lautet das Ergebnis so:

"Die Lesekompetenz streut in Deutschland stärker als in anderen Ländern,
der Vorsprung der Mädchen vor den Jungen bleibt unverändert,
die Anteile von Schülerinnen und Schülern, die aufgrund ihrer Lesekompetenz äußerst schlechte Voraussetzungen für eine Bildungs- und Berufskarriere mitbringen, bewegen sich in der gleichen Größenordnung wie 2000.
Gerade dieser letzte, stabile Befund, der für fast ein Viertel der Jugendlichen ... erhebliche Probleme vorhersagt, gibt weiterhin Anlass zu größter Besorgnis. Freilich durften nach einem relativ kurzen Zeitabstand zwischen der Berichterstattung zu PISA 2000 ... und der zweiten Erhebung (im Frühjahr 2003) keine großen Verbesserungen erwartet werden. Die Lesekompetenz Fünfzehnjähriger beruht auf einer fast zehnjährigen Lebensgeschichte." (a.a.o.S.108)

Die Schularten-bezogenen Ergebnisse im gegliederten Schulsystem sind weiterhin sehr unterschiedlich:

"Hauptschülerinnen und Hauptschüler erreichen im Mittel 403 Punkte, Schülerinnen und Schüler der Integrierten Gesamtschule erzielen durchschnittlich 473 Punkte, Realschülerinnen und -schüler 500 Punkte und Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums 586 Punkte im Lesetest." (S.105)

Zur Orientierung: Der OECD-Durchschnitt ist dieses Mal bei 494 Punkten (PISA 2000: 500) festgelegt. Deutschland erreicht eine Punktzahl von 491 und liegt damit noch im Durchschnittsbereich, Finnland führt mit einem Ergebnis von 543.

Zwischen den deutschen Mittelwerten der Hauptschule und des Gymnasiums liegen also über 180 Punkte. Nur noch in Belgien und in Japan wurde eine derart breite Kluft zwischen den Mittelwerten der Kompetenzstufen ermittelt.

Fünf Kompetenzstufen

Die Anforderungen pro Kompetenzstufe, bezogen auf kontinuierliche Texte, sind folgende (in Kurzzitaten wiedergegeben):

Der Leser soll in der Lage sein

Stufe 1: " ...Redundanzen, Überschriften und Formalien (Druckkonventionen) zu nutzen, um sich einen Eindruck des Hauptgedankens im Text zu verschaffen..."
Stufe 2: "... innerhalb eines Textabschnittes logischen und linguistischen Verknüpfungen zu folgen, mit dem Ziel Informationen im Text zu lokalisieren oder zu interpretieren..."
Stufe 3: "... vorhandenes Wissen über die Organisation und den Aufbau von Texten zu nutzen, implizite und explizite logische Relationen (z.B. Ursache-Wirkung-Beziehungen) über mehrere Sätze oder Abschnitte zu erkennen ..."
Stufe 4: "... linguistischen oder thematischen Verknüpfungen in einem Text über mehrere Abschnitte zu folgen, oftmals ohne Verfügbarkeit eindeutiger Kennzeichen im Text..."
Stufe 5: "... mit Texten umzugehen, in denen Argumentationsstrukturen nicht unmittelbar offensichtlich oder deutlich gekennzeichnet sind ..." (S. 96)

13 Prozent der deutschen Schüler liegen auf Kompetenzstufe I, 9,3 Prozent liegen noch darunter. Demnach ist "beinahe ein Viertel der Jugendlichen nicht in der Lage, einfachste Leseaufgaben zu bewältigen."(S.103)

9,6 Prozent erlangen die höchste Kompetenzstufe.

Jugendliche, die der Kompetenzstufe I oder noch darunter zuzuordnen sind, bilden eine Risikogruppe, von der zu befürchten ist, dass "auf ihrem weiteren Ausbildungsweg und in der künftigen Berufstätigkeit auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen" wird." (a.a.O.S.97) Zu dieser Risikogruppe

  • gehören mit höherer Wahrscheinlichkeit mehr Jungen als Mädchen
  • sie sind schwerpunktmäßig in Haupt-, Sonder/Förder- und Berufschulen zu finden
  • überrepräsentiert sind ebenfalls Schülerinnen und Schüler, deren Muttersprache nicht die deutsche ist.


Abschließend: Im Gegensatz zur Veröffentlichung "PISA 2000", worin zur Verbesserung der Lesefähigkeit eine Reihe von Vorschlägen gemacht werden, gibt die Veröffentlichung "PISA 2003" keine Ratschläge oder Handlungsanweisungen zum Thema Lesekompetenz. Hierfür muss sich der Rat suchende an die frühere - sehr lesenwerte - Publikation halten.


Siehe auch