Liao Yiwu

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Liao Yiwu 2010 in Köln

Liao Yiwu (chinesisch 廖亦武 Liào Yìwǔ, * 4.8. 1958 in Yanting, Sichuan), auch bekannt als Lao Wei, ist ein chinesischer Schriftsteller, Dichter und Musiker. Er erhielt 2011 den Geschwister-Scholl-Preis und 2012 den Friedenspreis des Deutschen BuchhandelsWikipedia-logo.png. In der Volksrepublik China sind seine Werke wegen seiner regierungkritischen Haltung verboten.

Sein international bekanntestes Werk war lange Zeit der Band mit Interviews Fräulein Hallo und der Bauernkaiser: Chinas Gesellschaft von unten.

Aus dem Bericht der taz über die Verleihung des Friedenspreises:

Liao erinnerte an das epochale Erlebnis vom Juni 1989, als das kommunistische Regime seine Legitimationsgrundlage verlor. Wie auch in seinem neuesten Buch „Die Kugel und das Opium“ sprach er von dem neunjährigen Lü Peng, der am 4. Juni auf dem Weg zum Tiananmenplatz erschossen wurde. Eine ungeheure Empörung erfasste die Demonstranten, die über Nacht zu den todesmutigen „Unruhestiftern des 4. Juni“ wurden und danach zu „konterrevolutionären Elementen“.

Liao erinnerte an seine eigene Verwandlung durch den 4. Juni, als ihm nach der Inhaftierung im Knast „die Haut des Poeten bei lebendigem Leibe“ abgezogen wurde. Liao zitierte den älteren Kollegen Liu Shahe, der 1957 in Ungnade gefallen war: „Wir sind nun keine Dichter mehr, wir sind zu Zeugen der Geschichte geworden."

(taz, 14.10.12)

Aus seiner Friedenspreisrede:

Menschen morden. Das war die Methode, um das Fundament des neuen Staates zu legen. Darüber herrschte eine stillschweigende Übereinkunft von Mao Tse-tung bis Deng Xiaoping. Während der großen Hungersnot zwischen 1959 und 1962 verhungerten im ganzen Land beinahe 40 Millionen Menschen.

Kaum begann Mao Tse-tung deshalb um seine Macht zu fürchten, blies er zum Kampf gegen reale und irreale Feinde und verpasste dem Volk eine Gehirnwäsche; während der Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 wurden 20 bis 40 Millionen Menschen zu Tode gefoltert; Mao hatte abermals um seinen Thron gefürchtet, also hieß es, noch stärker zum Angriff gegen die Feinde zu blasen und dem Volk noch mehr das Gehirn zu waschen.


taz, 14.10.12

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